21. August 2021

„Der ent­schei­den­de Wett­be­werb fin­det nicht um die heu­te nach­ge­frag­ten – und von Beam­ten brav gezähl­ten – Klemp­ner oder Pro­gram­mie­rer statt, son­dern um die kogni­ti­ven Reser­ve­ar­me­en für die über­mor­gen zu grün­den­den Firmen.”
Gun­nar Heinsohn

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Wir­ken lassen.

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Aber der Drang zur Volks­ge­mein­schaft bleibt ungebrochen:

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„Gif­fey erklär­te bei ihrem Rück­tritt als Minis­te­rin, dass sie ihre Dis­ser­ta­ti­on ’nach bes­tem Wis­sen und Gewis­sen’ geschrie­ben habe.
Was heißt das schon, wenn man bei­des nicht hat?”
Had­mut Danisch

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Für Frau­en gibt es in einer frei­en Gesell­schaft zwei Arten von Sexis­mus: den erwünsch­ten und den uner­wünsch­ten. Der erwünsch­te geht von einem Mann aus, den sie als Sexu­al­part­ner attrak­tiv fän­den. Femi­nis­tin­nen sind gemein­hin Frau­en, die sich kei­nen Mann als Sexu­al­part­ner wün­schen oder die für einen Mann, den sie sich als Part­ner wün­schen, nicht in Fra­ge kom­men (Aus­nah­men sind mög­lich, aber ent­we­der nicht inter­es­sant oder all­zu anstrengend).

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Leser fra­gen: Was macht der Wahl­kampf? Nun, er geht in jene Pha­se über, die zar­te Gemü­ter nicht ganz zu unrecht als scham­los emp­fin­den. („Was gibt es Obs­zö­ne­res als einen Poli­ker, der sich vor lau­fen­den Kame­ras sel­ber wählt?”, notier­te ich vor vie­len Jahren.)

Für einen in der „Ehe­ma­li­gen” Auf­ge­wach­se­nen besitzt der Ort eine gewis­se Symbolik.

Das letz­te Mal stand ich, als Chem­nitz noch Karl-Marx-Stadt hieß, wei­land ein Teen­ager, vor die­sem Bron­ze­schä­del, und hät­te mir damals irgend­wer pro­phe­zeit, dass
1. die DDR zusam­men­bre­chen wird,
2. Karl-Marx-Stadt sei­nen alten Namen zurückerhält,
3. ich ein­mal für den Bun­des­tag kan­di­die­ren wer­de und zwar
4. für eine Par­tei, die gegen die Wie­der­kehr des Sozia­lis­mus in neu­er, smar­te­rer, aber immer noch kryp­to- bzw. kul­turm­ar­xis­ti­scher Form oppo­niert, wobei
5. die­ser Neo­so­zia­lis­mus von Mil­li­ar­dä­ren und glo­bal agie­ren­den Unter­neh­men gespon­sert wird,
ich hätte – –
Dar­an sieht man immer­hin, dass die­ses Leben, bei all sei­nen Wid­rig­kei­ten und Absur­di­tä­ten, doch eine höchst amü­san­te, für jede Art Kaprio­le offe­ne und pro­gno­se­re­sis­ten­te Ange­le­gen­heit ist.

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Apro­pos Wahl­kampf. Vor zwei Tagen saß ich mit den ande­ren Chem­nit­zer Direkt­kan­di­da­ten bei einem Podi­ums­ge­spräch. Gela­den hat­ten die loka­len Wirt­schafts­ju­nio­ren. Ein zen­tra­les The­ma war, wie auch anders, die drin­gend gebo­te­ne Redu­zie­rung des Koh­len­di­oxid-Aus­sto­ßes im Vor­rei­ter­land der Welt­kli­ma­ret­tung. Ich war der ein­zi­ge auf dem Podi­um, der das Wort Atom­ener­gie in den Mund nahm, ver­bun­den mit dem Hin­weis, dass in Frank­reich sowohl der CO2-Aus­stoß pro Kopf als auch die Ener­gie­prei­se im Ver­gleich zu ’schland nur unge­fähr die Hälf­te betra­gen, weil unser links­rhei­ni­scher Nach­bar 70 Pro­zent sei­nes Ener­gie­mi­xes mit der emis­si­ons­ärms­ten und umwelt­freund­lichs­ten Ener­gie­form decke, und dass inzwi­schen eine neue Genera­ti­on von Atom­re­ak­to­ren im Bau und zum Teil bereits im Betrieb sei, die Gor­le­ben von einem End­la­ger in eine Roh­stoff­quel­le ver­wan­deln wer­de. Die Bemer­kun­gen fie­len kom­plett durch. Es war, als hät­te ich bei einer vic­to­ria­ni­schen Tee­ge­sell­schaft einen fri­vo­len Scherz gemacht. Jeder tat, als habe er nichts gehört.

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All­abend­li­che Polit­ma­ga­zi­ne wie das heu­te jour­nal oder die Tages­the­men sind nicht für jeder­mann bekömm­lich; trotz­dem gibt es Zeit­ge­nos­sen, die sich ihnen cont­re cœur aus­lie­fern (ich habe mich schon zu DDR-Zei­ten über mei­nen Groß­va­ter ver­wun­dert, der den Schwar­zen Kanal offen­bar nur aus dem Grun­de anschau­te, um sich dar­über auf­zu­re­gen), wahr­schein­lich weil die­sen Men­schen die Ein­ord­nung und Kom­men­tie­rung der poli­ti­schen Gescheh­nis­se des Tages zu einem ritu­el­len Bedürf­nis gewor­den ist – und was wäre gegen Riten ein­zu­wen­den? Nur scheint es mir über­trie­ben, sich „nach des Tages Müh und Pla­ge” (Wil­helm Busch) auch noch vor dem Schla­fen­ge­hen ritu­ell zu kas­tei­en. Ich emp­feh­le statt­des­sen, bei den SPAET-Nach­rich­ten vor­bei­zu­schau­en, die – außer sonn­tags – eben­falls ver­läss­lich den Tag beschlie­ßen und deut­lich amü­san­ter sind als die stei­fen Dar­bie­tun­gen der öffent­lich-recht­li­chen Regierungspanegyriker.

 

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