4. August 2021

Der Par­tei­po­li­ti­ker kann sich nie ent­schei­den, ob er den Par­tei­freund wegen eines erfolg­rei­chen Schlags gegen die poli­ti­sche Kon­kur­renz beglück­wün­schen oder bekämp­fen soll, wes­halb er nor­ma­ler­wei­se bei­des tut.

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Ein ver­läss­li­ches Mit­tel gegen den Anti­se­mi­tis­mus ist der per­sön­li­che Lebenserfolg.

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Mit­un­ter ist es tat­säch­lich wich­ti­ger, wer eine Wahr­heit aus­spricht als dass sie aus­ge­spro­chen wird, aber der Trot­tel weiß nie, wann.

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Für die Rück­ver­wand­lung der Ber­li­ner Poli­zei in real­so­zia­lis­ti­sche „Bul­len” ist haupt­ver­ant­wort­lich ein gewis­ser Herr Gei­sel, sei­nes Zei­chens Innen­se­na­tor, aus­weis­lich sei­nes Kon­ter­feis ein Appa­rat­schik par excel­lence, frü­her SED, heu­te SPD, was in der Haupt­stadt der DDR 2.0 prak­tisch auf das­sel­be hin­aus­läuft, wie auch der 1989er und der 2021er Poli­zei­jahr­gang ein­an­der durch­aus ähneln. Was unter ande­rem dar­an lie­gen könn­te, dass bei­den ein Frei­brief aus­ge­stellt wur­de, unge­fähr in dem Sin­ne: Haut ruhig kräf­tig drauf, es wird nichts geahn­det. (Freund *** erblickt im hohen Migran­ten­an­teil bei der Ber­li­ner Poli­zei einen wei­te­ren Grund für die Ent­hem­mung; zumin­dest ten­den­zi­ell dürf­te das zutref­fen.) Wo Lin­ke regie­ren, egal in wel­cher Aus­prä­gung, sieht am Ende, das muss man ihnen las­sen, immer alles gleich aus.

Dass Freun­de und Hel­fer in Kampf­mon­tur Demons­tran­ten nie­der­ge­prü­gelt, umge­ris­sen und bru­tal am Boden „fixiert” haben, kon­se­quen­ter- und irgend­wie auch prak­ti­scher­wei­se Alte, Frau­en und Min­der­jäh­ri­ge inclu­si­ve (Inklu­si­on!), ist viel­fach gefilmt und im Netz doku­men­tiert worden.

Irgend­was wird der Kerl schon gemacht haben. Oder der:

Der Ver­gleich ist natür­lich hane­bü­chen, denn der unter dem Knie des deut­schen Ord­nungs­hü­ters Sedier­te ist wahr­schein­lich ein dro­gen­süch­ti­ger Krimineller.

Die Regie­rungs­pres­se wuss­te tags dar­auf genau Bescheid, zu wel­chem Zweck die Pro­vo­ka­teu­re sich vor­sätz­lich trak­tie­ren ließen.

Quatsch, hier war’s:

Aber die bra­ven Beam­ten haben sich gewehrt. Und wie die sich gewehrt haben! So schnell wird es kein Quer­trei­ber mehr wagen, einen Ber­li­ner Poli­zis­ten scheel anzusehen!

Früh krümmt sich auch in der Pro­vinz, was ein Hal­tungs­jour­na­list wer­den will.

„Viel­leicht war er auf einer ande­ren Ver­an­stal­tung”, schreibt Lese­rin ***, die mir den Arti­kel zuschick­te. Die Gute hat immer noch nicht begrif­fen, dass ein Qua­li­täts­jour­na­list sich gera­de dadurch aus­zeich­net, sol­che Ver­an­stal­tun­gen zu mei­den. Dort­hin gehen nur zwie­lich­te Recher­che­si­mu­lan­ten wie der Reitschuster.

Aus der FDP ver­laut­bar­te der­weil, dass der frei­heit­li­che Gedan­ke in ’schland leben wer­de, sofern Mut­ter Staat die Schäd­lings­be­kämp­fung regelt.

Chris­ti­an sieht das bestimmt ähn­lich: „Pas de liber­té pour les enne­mis de la liber­té.” (Hier wird, wenn mög­lich, immer das Ori­gi­nal zitiert und rela­ti­viert, was das Zeug hält.)

Die Zivil­ge­sell­schaft froh­lock­te teils, teils; eini­gen Schnee­flöck­chen gin­gen die All Cops Are Bas­tards nicht weit genug.

Dabei wäre „Die Kanz­le­rin schenkt den Quer­den­kern einen Stadt­teil” doch nun wirk­lich mal eine Schlagzeile!

Nahe­zu zeit­gleich geschah es und trug sich zu …

…, wobei der „Nach­rich­ten­ka­nal” n‑tv den „Chris­to­pher Street Day”, wo die neu­en offi­zi­el­len Far­ben der Bun­des­re­pu­blik prä­sen­tiert wur­den, mit fei­nem Sinn für Sati­re eine „Pro­test­ak­ti­on” nennt. Par­al­le­len zum Okto­ber 1989 – damals pro­tes­tier­te die FDJ mit einem Fackel­zug, wäh­rend die „Quer­den­ker” zusam­men­ge­schla­gen und weg­ge­karrt wur­den – sind unstatt­haft, allein des­halb, weil es genü­gend ande­re Län­der gibt, in denen regie­rungs­feind­li­che Demons­tran­ten ver­dro­schen werden.

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Die ech­ten Pro­ble­me unse­rer Zeit ver­han­delt ver­läss­lich die gleich­na­mi­ge und heu­te bereits zitier­te Wahr­heits- und Qualitätsgazette.

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Apro­pos Bie­nen. Eine viel zu sel­ten zitier­te Sozi­al­de­mo­kra­tin und zwi­schen­zeit­li­che Ver­trau­ens­do­zen­tin der Fried­rich-Ebert-Stif­tung erklärte:

Genau des­we­gen bezeich­nen sie ja die Migran­ten­flut 2015 ff. als Flücht­lings­zu­wan­de­rung. Ist das end­lich ver­stan­den worden?

PS: Was das mit den Bie­nen zu tun hat? Nun, Debo­rah heißt Bie­ne. (Klug­schei­ßer!)

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Man muss es den Grü­nen samt ihren GliedVul­ver­un­gen und Fan­clubs hoch anrech­nen, dass sie neben der drin­gen­den Ret­tung des Welt­kli­mas immer noch Zeit fin­den, sich dem The­ma Nr. 2 zu wid­men. So hat etwa der Ber­li­ner Tages­spie­gel die Char­ta der Men­schen­rech­te um einen deli­ka­ten Aspekt erweitert.

Gen­dern ist ein Men­schen­recht. Aber wie steht es mit der Bal­lon­flie­ge­rei? Bie­nen­ver­skla­vung? Kon­se­quen­ter Klein­schrei­bung? Analsex?

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Dass es sich bei dem Satz „Die Wis­sen­schaft sagt …” (Acta vom 29. Juli) um eine Figur der Rhe­to­rik hand­le, so Leser ***, soll­te jedem Kun­di­gen bewusst sein: „Wer also berich­tet, dass ‚die Wis­sen­schaft’ etwas sage, will, allein schon erkenn­bar an der Wahl sei­ner rhe­to­ri­schen Mit­tel, über­re­den, nicht berichten.

Wer sich zu Recht Wis­sen­schaft­ler nennt – und in einem ande­ren Gebiet als der Dis­zi­plin der Mathe­ma­tik bei­hei­ma­tet ist; dort gibt es näm­lich Wis­sen, siche­res, wah­res, ewi­ges Wis­sen und Wahr­heit –, der weiß sehr wohl, dass er nichts weiß, son­dern höchs­tens berech­tigt ver­mu­tet, dass ein Fak­tum zutref­fend sein könn­te (‚kor­rob­o­riert’ ist in der Ter­mi­no­lo­gie Pop­pers, da es schon vie­le Fal­si­fi­ka­ti­ons­ver­su­che unbe­scha­det über­stan­den hat). Ein Wis­sen­schaft­ler (Mathe­ma­ti­ker wie­der­um aus­ge­nom­men), der im Besitz von Wis­sen oder gar der Wahr­heit zu sein meint, ist ein Schar­la­tan, kein Wissenschaftler.

Die Wis­sen­schaft ver­sucht, Fak­ten fest­zu­stel­len, zu kor­rob­o­rie­ren. Ihr geht es allein um das, was ist, nicht um das, was sein soll. Dass man vom Fest­stel­len des­sen, was ist, logisch nie zu dem, was sein soll, gelan­gen kann, ist seit David Hume als Humes Gesetz bekannt. Um zu einem Sol­len zu kom­men, bedarf es eines Regel­werks mit Hand­lungs­an­wei­sun­gen – kurz: einer Ethik –, und über eine sol­che lässt sich bekannt­lich treff­lich streiten.

Jeder Wis­sen­schaft­ler also, der Hand­lungs­emp­feh­lun­gen, mit­hin ein Sol­len, aus­spricht, ist kein sol­cher, da er die Ratio­na­li­tät, zu der er als Wis­sen­schaft­ler ver­pflich­tet wäre, ver­las­sen hat. Es gibt kei­nen ratio­na­len Weg vom Fest­stel­len von Fak­ten zum Fest­stel­len eines Sol­len. Das fest­zu­le­gen, was man tun soll (oder gar wir alle tun sol­len), ist nie­mals  Auf­ga­be der Wis­sen­schaft, son­dern fällt in die Domä­ne des han­deln­den Men­schen, der auf Grund­la­ge mög­lichst kor­rob­o­rier­ter Fak­ten unter Ver­wen­dung einer ihm sinn­voll schei­nen­den Ethik ein Sol­len her­lei­tet. Wenn es um Hand­lun­gen meh­re­rer Men­schen – oder gar eines Staa­tes – geht, besteht die gro­ße Schwie­rig­keit dar­in, eine Über­ein­kunft über die­se Ethik zu erzie­len. In der Poli­tik in Deutsch­land und der EU wird zwar viel von ‚Wer­ten’ gere­det, das angeb­lich zugrun­de­lie­gen­de Werk von Ver­hal­tens­re­geln wird aber nie auch nur im Ansatz dargelegt.”

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Prü­geln­de Poli­zei ist übri­gens nur eine der bei­den Optio­nen des Links­staa­tes. Die ande­re schaut so aus:

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Zur Fra­ge, ob Sta­lin ohne den Angriff Hit­lers einen Krieg begon­nen hät­te (eben­falls Acta vom 29. Juli) notiert Leser ***: „Man muss nur wei­ter in den Osten bli­cken, um ein rea­les Bei­spiel von Sta­lins Poli­tik zu erbli­cken. Ich mei­ne die sowje­ti­sche Poli­tik gegen Japan und des­sen Besit­zun­gen in der Man­dschu­rei und Korea. Hier ist die Poli­tik des Fuch­ses Sta­lin, wie Sie ihn nen­nen, sehr deut­lich aufgezeigt.

Obwohl mit Eng­land, Frank­reich und den USA ver­bün­det im euro­päi­schen Krieg gegen Deutsch­land, fand gegen das mit Deutsch­land ver­bün­de­te Japan kei­ne Kriegs­hand­lung statt. Was Sta­lin und sei­nem Kampf gegen Deutsch­land sehr zugu­te kam. Aber was pas­siert nur weni­ge Tage vor Kriegs­en­de? Sta­lin erklärt Japan kurz vor des­sen Kapi­tu­la­ti­on den Krieg und mar­schiert in die Man­schu­rei ein, um sich sei­nen Teil von Kriegs­beu­te und Ein­fluß zu sichern. Und das, wie es heu­te so infla­tio­när heißt, ‚unter Bruch des inter­na­tio­na­len Völkerrechts’.

Japan hat­te einen Neu­tra­li­täts­pakt mit Russ­land, wie Deutsch­land einen Nicht­an­griffs­pakt. Damit konn­te sich Sta­lin Zeit ver­schaf­fen und alle Optio­nen offen hal­ten. Und den rich­ti­gen Zeit­punkt zum Zuschla­gen abwar­ten. Der schlaue Fuchs. Im Gegen­satz zu Hit­ler, der ja im wahrs­ten Sin­ne mit Gewalt jeden gegen sich auf­brach­te, den er fin­den konn­te. Gefan­gen in der eige­nen ideo­lo­gi­schen Bla­se schein­bar auch nicht anders konn­te. War­ten auf den rich­ti­gen Moment konn­te der ‚böh­mi­sche Gefrei­te’ nie. Sta­lin war weni­ger Ideo­lo­ge als skru­pel­lo­ser Prag­ma­ti­ker. (Lenin und Trotz­ki haben’s gewusst.) Hät­te Hit­ler nicht die Sowjet­uni­on ange­grif­fen, hät­te Sta­lin, wie im japa­ni­schen Bei­spiel, abge­war­tet, bis sich die ‚kapi­ta­lis­ti­schen und faschis­ti­schen’ Kriegs­par­tei­en gegen­sei­tig dezi­miert hät­ten, um dann als lachen­der Drit­ter vom Fel­de zu zie­hen. Was mit Kriegs­ein­tritt der USA wohl (wie­der mal) auf einen Zusam­men­bruch Deutsch­lands und anschlie­ßen­der ‚Befrei­ung Polens und Ost­deutsch­lands durch sowje­ti­sche Trup­pen’ kurz vor Kriegs­en­de hin­aus­ge­lau­fen wäre.

Wer die sowje­ti­sche Außen­po­li­tik in den Jahr­zehn­ten nach 1945 betrach­tet, wird mehr über die Optio­nen Sta­lins ler­nen. Denn das prag­ma­ti­sche Aus­rei­zen des Mach­ba­ren unter Ver­mei­dung des Total­ver­lusts war schon vor der Atom­bom­be sowje­ti­sche Poli­tik. Ganz im Gegen­satz zum ‚Alles-oder-nichts-GröFaZ’.”

***

(Netz­fund)

„Die Frech­hei­ten des Jüng­lings sind bloß die Fuß­trit­te des Esels, der sich an sei­nen Stall gewöhnt.
Anders ist der Über­mut des Erwach­se­nen, der jäh von sei­nem gekrümm­ten Rücken die Jah­re der Geduld abschüt­telt, ein bewun­derns­wer­tes Schauspiel.”
Don Nicolás

 

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