17. September 2021

Oft zitiert und so wahr wie am ers­ten Tag:

„Wer die Frei­heit der Sicher­heit zulie­be opfert, hat bei­des nicht verdient.”
Ben­ja­min Franklin

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Der Glo­ba­lis­mus ist ein Pro­tes­tan­tis­mus ohne Gott.

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Aktu­el­len Umfra­gen zufol­ge liegt die Schwe­fel­par­tei in Sach­sen vorn. Muss das denn sein?

Bis zur 2G-Rege­lung für Wahl­lo­ka­le – übri­gens auch für Wahl­be­ob­ach­ter! – wäre es nur ein klei­ner Schritt für die Lan­des­re­gie­rung, aber ein ver­gleichs­wei­se gro­ßer Schritt in die Bra­ve New World. Noch neun­mal schlafen!

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Was die Stim­mung im kon­stru­ier­ten Vol­ke angeht, kann ich den Umfra­gen „gefühlt” sekun­die­ren. Auf fünf wohl­wol­len­de Ges­ten ver­zeich­ne ich beim Stra­ßen­wahl­kampf in Chem­nitz eine ableh­nen­de. Der Satz, den ich mit Abstand am häu­figs­ten höre, lau­tet: „Ich wähle/wir wäh­len Sie sowieso.”

„Wol­len Sie mich bezir­zen?”, fragt eine älte­re Dame, als ich ihr mit mei­nem Fly­er nahe. „Ich bin doch schon bezirzt.”

„Jeder Ele­fant in der Savan­ne, der sei­ne Fami­lie schützt, ist rechts”, des­halb wäh­le er rechts, erklärt ein offen­kun­di­ger Biologist.

Aus einem Pfle­ge­dienst-Pkw steigt eine Frau – sie wird doch wohl Ableh­nung signa­li­sie­ren? Nein, sie ist AfD-Wäh­le­rin und wünscht mir viel Glück.

Aber jetzt, der BMW-SUV, in Mün­chen die typi­sche Grü­nen­wäh­ler-Schleu­der – erst regel­mä­ßig mit dem SUV zum Tegern­see, dann als Ablass die Kli­ma­not­ret­ter wäh­len –, er hält neben mir, die Schei­be fährt her­un­ter, und der Fah­rer sagt: „Ich drü­cke Ihnen die Daumen.”

In der Innen­stadt pas­siert es zuwei­len, dass ein – immer juve­ni­ler! – Mensch am Stand vor­bei­eilt und „Scheiß Nazis!” ruft. Ich pfle­ge dann zu ant­wor­ten: „Dan­ke eben­falls. Gott seg­ne Sie.” Die ungläu­bi­gen Gesich­ter sind Kat­zen­gold wert.

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Apro­pos Wahl­kampf in Sachsen.

Later­ne in Leipzig.

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Apro­pos Wahl­kampf, da capo.

(Das gan­ze Gespräch hier.)

Die­ser pfif­fi­ge Kom­men­tar zum Inter­view erin­nert mich an Goe­thes Satz: „Der König von Tau­ris soll reden, als ob kein Strumpf­wür­ger in Apol­da hungerte.”

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Apro­pos Wahl­kampf, zum drit­ten oder gar vierten.

Der Mit­schnitt einer Ver­an­stal­tung in Chem­nitz – vor mir sprach Bea­trix von Storch, nach mir Albrecht Gla­ser – ist mit einem despek­tier­li­chen Vor­wort ver­se­hen – Frau von Storch ver­ließ, anders als dar­in behaup­tet, die Par­ty übri­gens erst nach mei­ner Rede –, denn der Mann, der es pos­te­te, mag mir nicht ver­zei­hen, dass ich in die tie­fen Wun­den, die sein Papa im Bun­des­tag den Alt­par­tei­en schlug, nun das wir­kungs­lo­se Salz mei­ner Sot­ti­sen streu­en will (der besag­te Papa unter­lag mir bei der Wahl zum loka­len Direkt­kan­di­da­ten der Schwe­fel­brü­der, und der Fili­us obliegt nur bzw. ver­ständ­li­cher­wei­se sei­ner Soh­nes­pflicht). Das Pro­blem dürf­te frei­lich sein, dass die Kom­men­tie­rer, wie das Publi­kum auch, dem Come­di­an bei­pflich­ten, weil die­se Ahnungs­lo­sen eben einen wirk­li­chen Polit­pro­fi nicht von einem Enter­tai­ner unter­schei­den kön­nen. Hof­fen wir, dass ech­te Qua­li­tät sich durchsetzt!

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Hören Sie sich die­se Grü­ne im Bay­ri­schen Land­tag an; sie zieht die ara­bi­sche Wüs­te des 7. Jahr­hun­derts den 1950er Jah­ren in der Bun­des­re­pu­blik vor und ver­kauft die Feig­heit ihrer Trup­pe beim Umgang mit einer extre­mis­ti­schen Welt­sicht als „welt­of­fen”, „modern”, „bunt” etc. Islam is right about women!

Nur: Was soll die­ser Unsinn vom „Frau­en­bild der 50er Jah­re”? Was mich betrifft, ich habe über­haupt kein „Frau­en­bild”. Ich glau­be nur an – und bete an – das ewi­ge Weib.

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Nie­mand hat die Absicht…

Reichs­flucht­steu­er.

Nicht nur den Wegzug.

Volks­schäd­lin­ge.

Der Regie­rungs­pres­se schwant indes:

Dafür – wie für letzt­lich alles – brau­chen wir einen „Wer­te­wan­del”.

„Ver­we­sung ist auch ein Wandel.”
Don Nicolás

Erken­nen Sie ein Mus­ter? Dann sind Sie ein Din­gensthe­roeti­ker und gehö­ren in Behandlung.

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Noch dazu.

(Het­ze aus dem Netz. Hei­ko, tu was!)

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Noch mehr Hetze.

Und das noch.

Auch ein Par­tei­en­ver­bot wäre ein Treiber!

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Am (rech­ten) Rande:

„16jähriges Mäd­chen in Groß­röhrs­dorf mit einem Mes­ser ersto­chen. Lan­ger Arti­kel in der Säch­si­schen Zei­tung. Kei­ne Sil­be zum Aus­se­hen des Täters, gleich­zei­tig gibt man vor, an ’sach­dien­li­chen Hin­wei­sen’ und Zeu­gen­aus­sa­gen inter­es­siert zu sein.
Wor­an den­ken Sie?
A) Qualitätsjournalismus.
B) Es könn­te den Fal­schen nützen.
C) Es war ‚ein Mann’.”
(Leser ***)
Bis­wei­len läuft die Sache übri­gens auch anders­her­um, bleibt dabei aber im bewähr­ten Modus.

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Inmit­ten der jour­na­lis­ti­schen Wüs­te die­ses Klein­od von Alex­an­der Wendt über den Unter­schied zwi­schen Ita­li­en und ’schland beim Umgang mit Coro­na. So bril­lant und vor allem amü­sant konn­te allen­falls die alte Repor­ter­gar­de des Spie­gel schreiben.

Ich habe dazu auch ein Anek­döt­chen bei­zu­steu­ern. Vor kur­zem ver­brach­te ich ein paar Tage in Paes­tum, süd­lich von Nea­pel, woll­te dort selbst­ver­ständ­lich die Tem­pel betrach­ten und reih­te mich gedul­dig an die Schlan­ge derer, die das­sel­be begehr­ten. Beim Ein­lass – ein pro­vi­so­ri­sches Holz­hütt­chen – ver­lang­te der Beam­te den Beleg für eines der bei­den omi­nö­sen G’s von mir. Ich hat­te aber mei­nen Infek­ti­ons-Ari­er­nach­weis im Hotel gelas­sen, weil ich mir nicht vor­stel­len konn­te, dass man für das Betre­ten eines meh­re­re Hekt­ar gro­ßen Frei­ge­län­des der­glei­chen von mir for­dern könn­te. Also ward mir der Ein­lass ver­wehrt. Ver­är­gert, weil ich min­des­tens 15 Minu­ten ange­stan­den hat­te, zisch­te ich dem Mann ein „Sei com­ple­ta­men­te paz­zo!” zu – Reak­ti­on: Schul­ter­zu­cken –, lief ein paar hun­dert Meter wei­ter und klet­ter­te über den nicht son­der­lich ein­drucks­vol­len Zaun. Nie­mand inter­es­sier­te sich dafür.

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„So sieht es wohl aus, wenn das Zusam­men­le­ben täg­lich neu aus­ge­han­delt wird”, schreibt Lese­rin ***, die mir die­se Mel­dung zuschick­te, obwohl bereits zu Schmidts und Kohls Amts­zei­ten in deut­schen Kli­ni­ken prak­tisch rund um die Uhr getre­ten und gespuckt wur­de. Das lag vor einer Wei­le eben­falls in mei­nem Postfach:

Wäh­rend aber frü­her, als es noch kei­nen Hal­tungs­jour­na­lis­mus und kei­ne Fak­ten­che­cker gab, die Medi­en sol­che Vor­fäl­le rou­ti­niert unter den Gebets­tep­pich kehr­ten, neh­men sie heu­te, im bes­ten Deutsch­land, das es je gab, ihren Bericht­erstat­tungs­auf­trag end­lich ernst! Wie die Zeit in die­sem Arti­kel. Ein Text über ein Pfer­de­ren­nen, ohne ein ein­zi­ges Ross und einen ein­zi­gen Rei­ter mit einer Her­kunfts­er­wäh­nung – man erkennt sie ohne­hin am „Stall­ge­ruch” – zu denun­zie­ren! So sieht jour­na­lis­ti­sche Sorg­falts­pflicht aus!

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Rein­kul­turm­ar­xis­mus (aus einer Rezen­si­on des Tages­spie­gels).

Anders gesagt: Das Pro­blem der euro­päi­schen Lite­ra­tur ist, dass sie die Rea­li­tät der Afri­ka­ner oder Ori­en­ta­len nicht beschreibt. Im Grun­de han­delt es sich um ein Update des klas­sisch-mar­xis­ti­schen Vor­wurfs, alle „bür­ger­li­chen” Autoren sei­ne außer­stan­de gewe­sen, über den Tel­ler­rand ihrer Welt und des fest mit die­ser ver­nie­te­ten Klas­sen­stand­punkts hin­aus­zu­schau­en. Das Gegen­teil stimm­te; ich nen­ne nur Namen wie Mel­vil­le, Céli­ne, Joseph Con­rad oder Ger­hart Haupt­mann. An Tho­mas Mann haben sich eini­ge lin­ke Autoren und Kri­ti­ker abge­ar­bei­tet, weil in sei­nen Roma­nen nur bür­ger­li­ches Per­so­nal das Wort füh­re, wäh­rend das „ein­fa­che Volk” am Ran­de und oft iro­nisch über­zeich­net vor­kom­me (iro­nisch über­zeich­net ist bei Mann aber fast alles); ich erin­ne­re mich der Bemer­kung eines Schrift­stel­lers, er kön­ne Mann nicht lesen, weil er zwi­schen des­sen Pro­sa und sei­ner eige­nen eine Art Klas­sen­schran­ke emp­fin­de. Aber natür­lich ist es völ­lig legi­tim, die Geschich­te einer Groß­bür­ger- oder Adels­fa­mi­lie ein­zig aus der Sicht der­sel­ben zu schrei­ben, es ist auch legi­tim, in die­ser Geschich­te das Volk über­haupt nicht auf­tre­ten zu las­sen. Das­sel­be gäl­te umge­kehrt für die Geschich­te einer Pro­le­ta­ri­er- und Armuts­mi­gran­ten­fa­mi­lie. Der Wert eines Romans bemisst sich aus­schließ­lich an sei­ner lite­ra­ri­schen Qua­li­tät, nicht an sei­nem Personal.

Damals lau­te­te also die Unter­stel­lung, die bür­ger­li­che Lite­ra­tur igno­rie­re aus „objek­ti­ven” Grün­den die Welt jen­seits der sozia­len bzw. Klas­sen­schran­ke, heu­te lau­tet die Unter­stel­lung, die euro-ame­ri­ka­ni­sche Lite­ra­tur ver­drän­ge die „geleb­te Rea­li­tät” der Schwel­len- und Ent­wick­lungs­län­der. Das heißt, der Lite­ra­tur soll eine Auf­ga­be zuge­wie­sen wer­den, sie soll in den Dienst einer poli­ti­schen Rich­tung gestellt, zur Elends­be­schrei­bung, Mise­ra­bi­li­sie­rung und „Gesell­schafts­kri­tik” ver­pflich­tet wer­den. Das ist nichts ande­res als die Kunst­auf­fas­sung der mar­xis­ti­schen Klippschule.

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Was gibt es Posi­ti­ves, Genos­se? Nun, viel­leicht die­sen Konstruktionsvorschlag:

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