20. September 2021

(Netz­fund)

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Der pro­gres­si­ve Deut­sche hält jene Eigen­art, die ihn her­vor­brach­te, für vor­bild­lich – und will sie zugleich abschaffen.

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Ich schla­ge vor, den Frei­heits­grad eines Lan­des, sofern es sich nicht um eine Dik­ta­tur wie die DDR han­delt, wo der Staat den Bür­ger direk­ter aus­plün­dert, an des­sen Steu­er­sät­zen zu messen.
Dann war das Kai­ser­reich ca. zehn­mal frei­er als die Bundesrepublik.

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Wel­che Rea­li­tät der Regen­bo­gen als Meta­pher beschreibt, zeigt recht anschau­lich die süd­afri­ka­ni­sche „Regen­bo­gen­na­ti­on”.

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Wenn ein grü­ner Poli­ti­ker vor ein Mikro­phon tritt und erklärt, dass die Welt dem­nächst unter­ge­hen wer­de, wenn wir sei­nen Vor­schlä­gen nicht folg­ten, ver­su­che ich mich mit der Erklä­rung zu beru­hi­gen, dass er nur ein neu­es Eigen­heim oder Auto braucht oder sei­ne Ex ihm mit all­zu hohen For­de­run­gen zusetzt.

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Wäre ich Herr Rest­le, wür­de ich die Men­schen auch ver­ach­ten, die mich einschalten.

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Glo­ba­lis­mus im Früh­sta­di­um. In sei­nem Auf­satz „Hei­deg­ger, Gaga­rin und wir”, 1961 erschie­nen, schrieb Emma­nu­el Lévinas, der Welt­raum­flug des Rus­sen habe ein neu­es Zeit­al­ter eröff­net, eine Befrei­ung aus der natio­na­lis­ti­schen Per­spek­ti­ve, die Men­schen in Ein­hei­mi­sche und Frem­de tren­ne. „Die Tech­nik ent­reißt uns die­ser hei­deg­ge­ri­schen Welt und dem Aber­glau­ben des Orts. Von nun an zeigt sich eine Chan­ce: die Men­schen außer­halb der Situa­ti­on wahr­zu­neh­men, in der sie sich vor­über­ge­hend auf­hal­ten, das mensch­li­che Ant­litz in sei­ner Nackt­heit auf­leuch­ten zu lassen.”

Aber wel­chen Men­schen gibt es ohne sei­nen Ort? Das „mensch­li­che Ant­litz in sei­ner Nackt­heit” ist immer ein vom Ort sei­ner Her­kunft gepräg­tes. Er habe im Lau­fe sei­nes Lebens Fran­zo­sen, Ita­lie­ner, Rus­sen usw. gese­hen, schreibt Joseph de Maist­re in sei­nen „Betrach­tun­gen über Frank­reich”, dank Mon­tes­quieu wis­se er sogar, dass man Per­ser sein kön­ne. „Doch was den Men­schen betrifft, so erklä­re ich hier­mit, ihn zu kei­ner Zeit mei­nes Lebens gefun­den zu haben. Soll­te er exis­tie­ren, dann ohne mein Wissen.”

Auch jeder „Any­whe­re” trägt auf der Stirn den Stem­pel sei­ner Her­kunft. (Wenn jemand zum Bei­spiel beson­ders viel Wind um sei­ne kos­mo­po­li­ti­sche Hei­mat­lo­sig­keit macht, stammt er mit hoher Sicher­heit aus irgend­ei­ner deut­schen Pro­vinz­stadt.) Ich wüss­te nicht, was Gaga­rins Welt­raum­flug dar­an geän­dert haben soll­te. Auch die Ent­de­ckung und – schwer mög­li­che – Besie­de­lung bewohn­ba­rer Nach­bar­pla­ne­ten wür­de dar­an nichts ändern. Nur weil der Raum sich wei­tet, ver­schwin­den doch Her­kunft und Hei­mat nicht. Es könn­te sich sogar umge­kehrt ver­hal­ten: Je mehr der Raum sich wei­tet, des­to hei­me­li­ger der Ort. Mein Haus bleibt mein Haus, ob ich es nun aus der Per­spek­ti­ve des Nach­bar­or­tes, des Pla­ne­ten oder der Milch­stra­ße betrach­te. Wahr­schein­lich bleibt es gera­de aus der Per­spek­ti­ve der Milch­stra­ße ganz beson­ders innig mein Haus.

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Allein die Über­le­gung, wie vie­le Genera­tio­nen es gedau­ert hat, um her­aus­zu­fin­den, dass man einen Okto­pus vor sei­ner Zube­rei­tung kräf­tig schla­gen muss, damit er weich und wohl­schme­ckend wird, erfüllt mich mit Ehr­fucht und Dank­bar­keit gegen­über unse­ren Vorfahren.

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Die Auf­ga­be des Staa­tes ist Gleich­heit vor dem Recht. Chan­cen­gleich­heit ist nicht sei­ne Aufgabe.

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„Indes­sen blei­ben wir allen auf­ge­reg­ten Wall- und Kreuz­fah­rern zu Dank ver­pflich­tet, da wir ihrem reli­giö­sen Enthu­si­as­mus, ihrem kräf­ti­gen, uner­müd­li­chen Wider­streit gegen öst­li­ches Zudrin­gen doch eigent­lich Beschüt­zung und Erhal­tung der gebil­de­ten euro­päi­schen Zustän­de schul­dig geworden.”
Goe­the, „Noten und Abhand­lun­gen zu bes­se­rem Ver­ständ­nis des West-öst­li­chen Divans”

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Ich nen­ne sie die Oba­ma-Clin­ton-Mer­kel-Guter­rez-Gates-Bar­ro­so-Macron-Lagar­de-Tru­deau-Clin­ton-Schwab-Soros-Zucker­berg-Welt, damit auch zwei Juden dabei sind und man mir Anti­se­mi­tis­mus vor­wer­fen kann.

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Lie­be Jour­na­lis­tin­nen- und Jour­na­lis­ten­schü­le­rin­nen und ‑schü­ler, in der heu­ti­gen New­speak-Stun­de behan­deln wir das sub­stan­ti­vier­te Par­ti­zip I als neu­tra­len Ersatz für das sexis­ti­sche gene­ri­sche Maskulinum.

Der Ver­zicht auf Schlaf pro­vo­ziert Schlafende.
Der Ver­zicht auf Schau­spiel pro­vo­ziert Schauspielende.
Der Ver­zicht auf Sex pro­vo­ziert Kopulierende.
Der Ver­zicht auf den Penis pro­vo­ziert Gliedvorzeigende.
Der Ver­zicht auf Gedan­ken pro­vo­ziert Denkende.

Bil­den Sie wei­te­re Beispiele!

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„Der du, ohne fromm zu sein, selig bist!
Das wol­len sie dir nicht zugestehen.”
Goe­the, „Divan”

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Die Nazis, wo sind sie eigent­lich? Angeb­lich in Thü­rin­gen und Sach­sen. Die­ses Doku­ment weist in eine ande­re Himmelsrichtung.

Neben sol­chem auto­ri­tä­ren Gebell wirkt der durch­ge­knall­tes­te Quer­den­ker im Gespräch gera­de­zu weiz­sä­cker­haft moderat.

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„Da die dum­men Eingeengten
Immer­fort am stärks­ten pochten,
Und die Hal­ben, die Beschränkten
Gar zu gern uns unterjochten,

Hab’ ich mich für frei erkläret,
Von den Nar­ren, von den Weisen,
Die­se blei­ben ungestöret;
Jene möch­ten sich zerreißen.”

Noch­mals: Goethen

 

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