7. September 2021

Der tra­di­tio­nel­le Wege­la­ge­rer for­dert Geld und Wert­sa­chen. Der moder­ne Wege­la­ge­rer ver­langt nach einer „soli­da­ri­schen Gesellschaft”.

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„Wir haben den Ame­ri­ka­nern die­ses Virus ein­ge­brockt. Jetzt schi­cken sie uns die gras­sie­ren­de Krank­heit zurück.”
Die­se Sot­ti­se über den Dekon­struk­ti­vis­mus stammt von Pas­cal Bruck­ner. Er setz­te hinzu:

„Doch weder Der­ri­da, noch Deleu­ze oder Fou­cault würden sich heu­te in die­sem reimpor­tier­ten ideo­lo­gi­schen Mist wie­der­erken­nen, der die Welt in eth­ni­schen Grup­pen erstar­ren lässt, in fest von­ein­an­der getrenn­ten Iden­ti­tä­ten, wäh­rend es der fran­zö­si­schen Intel­li­genz damals dar­um ging, die Unter­schie­de für alle Zei­ten ver­schwin­den zu lassen.”

Das erin­nert an die Lei­er, Marx habe es mit dem Kom­mu­nis­mus ganz anders gemeint. Aber jede Revo­lu­ti­on der Lin­ken hat einen Groß­teil ihrer Vor­den­ker und Akti­vis­ten gefres­sen, deren Namen als schimpf­li­che Abweich­ler­grup­pen­be­zeich­nun­gen auf den Par­tei­ta­gen und vor den Gerichts­hö­fen der Ver­tre­ter der momen­tan reins­ten Leh­re ende­ten. Der­ri­da, Deleu­ze und Fou­cault waren – Wei­ße. Das dürf­te ihrer wei­te­ren Kano­ni­sie­rung erheb­lich im Wege stehen.

An ihren Früch­ten – nicht an ihren Theo­rien – sollt ihr sie erkennen!

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Rabi­nowitsch hat ver­sucht, ille­gal aus der Sowjet­uni­on zu flie­hen, ist an der Gren­ze gefasst wor­den und wird vom KGB verhört.
„Genos­se Rabi­nowitsch, war­um woll­test du flie­hen?”, will der Ver­neh­mer wissen.
„Ich hat­te zwei Grün­de”, ant­wor­tet Rabinowitsch.
„Und zwar?”, fragt der Vernehmer.
„Wenn die Sowjet­re­gie­rung und der Sozia­lis­mus zusam­men­bre­chen, wer­den wie­der wir Juden an allem schuld sein …”
„Was redest du für einen Unsinn!”, schreit der Beam­te, „die Sowjet­uni­on wird nie­mals zusam­men­bre­chen, der Sozia­lis­mus ist unsterblich.”
„Das wäre mein zwei­ter Grund gewesen.”

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Wur­de ja auch Zeit.

Ich bin mir nicht sicher, ob hier ein Feh­ler vor­liegt und es nicht eigent­lich hei­ßen muss: B‑Promis um den Musi­kan­ten (!) Bela etc., aber geschenkt, Nie­de­cken hat unter­zeich­net und Judith Holo­fer­nes auch (ich schla­ge als künf­ti­ge Schi­zo­phre­nen­künst­ler­na­men vor: Char­lot­te Marat, Fan­ny Lenin, Sisi Luche­ni, Lee Har­vey Ken­ne­dy, Phil­ipp Pau­sia­nas – ich muss mich bremsen…)

Die Mensch­heit steht vor der größ­ten Her­aus­for­de­rung ihrer Geschich­te, sagt Dirk Albert Fel­sen­stei­ner – nicht zu ver­wech­seln mit Geröll­hei­mer –, der als ein exzel­len­ter Ken­ner der Mensch­heits­ge­schich­te gilt, wie er auch ein aus­ge­wie­se­ner Exper­te und viel­flie­gen­der Mit­ver­ur­sa­cher der glo­ba­len Erhit­zung ist. (Nur, t‑on­line-Redak­ti­on, „Künst­ler” ist so knapp dane­ben wie „Musi­ker”; „die Komö­di­an­ten, oder wie sie sich gern sel­ber nen­nen: die Künst­ler”, brach­te mein alter Kum­pel Hen­ry Hei­ne den Sach­ver­halt ins rech­te Maß.)

Wer aber ist dazu beru­fen und begna­det, die größ­te Her­aus­for­de­rung der Mensch­heit zu meis­te­rin­nen und meis­tern? Eine Maid, die als Kanz­ler­kan­di­da­ti­on mona­te­lang nicht ein­mal einen wahr­heits­ge­mä­ßen Lebens­lauf hin­be­kommt? Die nie in einem seriö­sen Beruf gear­bei­tet und nie einen eige­nen Gedan­ken gedacht hat? Die kaum imstan­de ist, einen feh­ler­frei­en Satz zu for­mu­lie­ren? Ja wer denn sonst!

Im Völ­ker­recht schreibt man näm­lich „Sup­port”. Und die Anre­de immer klein!

PS: Letz­te­res, schreibt Leser ***, gel­te kei­nes­wegs immer; bis­wei­len wen­det sich das grü­ne Spit­zen­tan­dem auch an Majestäten:

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Ges­tern sah ich die Völ­ker­recht­le­rin der Her­zen beim „Wäh­ler­dia­log” im Fern­se­hen und habe jetzt von ihr gelernt, wie man so etwas macht. Ihre Ren­te ist zu nied­rig? Wir wol­len, dass Sie mehr bekom­men. Sie kön­nen Ihre Ener­gie­rech­nung bald nicht mehr bezah­len? Wir sind dafür, dass Ihnen der CO2-Auf­preis kom­plett zurück­er­stat­tet wird. Sie ver­die­nen in der Pfle­ge zu wenig? Wir wol­len Ihr Gehalt deut­lich erhö­hen. Sie bekom­men 2000 Euro im Jahr mehr, für Sie haben wir 3000, bei Ihnen wären sogar 4000 drin. Digi­ta­li­sie­rung? Machen wir jetzt rich­tig! Hohe Strom­prei­se? Die klei­nen Ein­kom­men erhal­ten alles zurück! Mobi­li­täts­ein­schrän­kun­gen? Wir bau­en den ÖPNV aus und das Elek­tro­au­to wird sie­gen! Woher der Strom dafür kommt? Na aus der Steck­do­se. Aus dem Spei­cher­netz. Und das Geld bekom­men Sie über eine App direkt aufs Hän­di. Über­haupt kein Pro­blem. Und klimaneutral!

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Die Aus­gren­zung der AfD im Wahl­kampf müss­te Anhän­ger des Fair play empö­ren, aber wahr­schein­lich sind die paar Män­necken längst Mit­glie­der gewor­den. Ein Bei­spiel von Hunderten.

Sicher ist, dass reser­viert, dies aber nach­her vom Hotel geleug­net wur­de (Buchungs­leug­ner), weil der Hote­lier tele­fo­nisch bedroht wor­den war.

Mutig stemmt sich die zivil­ge­sell­schaft­li­che Min­der­heit dem auf­kom­men­den Faschis­mus entgegen.

In Chem­nitz erle­be ich das weni­ger, weil die Kan­di­da­ten aller Par­tei­en in den Zei­tun­gen und auf Dis­kus­si­ons­fo­ren voll­kom­men gleich behan­delt wer­den – Deutsch­land, aber nor­mal –, und der inter­es­sier­te Zuspruch an den Wahl­stän­den groß ist, was sich übri­gens durch sämt­li­che Alters­grup­pen, 67 Geschlech­ter und auch etli­che kon­stru­ier­te Natio­na­li­tä­ten zieht. Im Wes­ten, wird mir berich­tet, trau­en sich die meis­ten Pas­san­ten gar nicht erst an die Stän­de, weil sie sich sor­gen, dabei von Nach­barn, Kol­le­gen, Anti­fa­schis­ten oder Abschnitts­be­voll­mäch­tig­ten gese­hen und gemel­det zu wer­den. Gleich­wohl bestehen in Chem­nitz eben­falls erheb­li­che Schwie­rig­kei­ten, Räu­me für Ver­an­stal­tun­gen zu bekom­men. Meist wer­den sie mit faden­schei­ni­gen Begrün­dun­gen ver­wehrt, sel­te­ner mit offe­ner Ableh­nung, ob Dro­hun­gen dabei eine Rol­le spie­len, weiß ich nicht. Es ist mir bis­lang nicht gelun­gen, in Chem­nitz einen Saal – viel­leicht mit einem Flü­gel – zu mie­ten, um eine (kon­zer­tan­te) Lesung für das all­ge­mei­ne Publi­kum abzuhalten.

Aber was soll’s: Lie­ber von den Tole­ran­ten aus­ge­grenzt, als von ihnen eingehegt.

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Apro­pos.

Rich­tig muss es hei­ßen: Ein­zig der AfD-Mann mach­te kei­ne Ver­spre­chen, die er nicht hal­ten kann, und ver­brei­te­te kei­ne Illu­sio­nen. (Ich sag­te das gene­rell über sämt­li­che Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten.) Man­cher wird das einen tak­ti­schen Feh­ler nen­nen, aber ich wer­de kei­ne Mär­chen erzäh­len, um gewählt zu wer­den. Der Bun­des­tag ist weit­ge­hend durch Brüs­sel ent­mach­tet wor­den, die ein­zel­nen Abge­ord­ne­ten, von denen es bald 910 geben wird – nur der chi­ne­si­sche Volks­kon­gress ist grö­ßer –, haben so gut wie kei­nen Ein­fluss auf die Poli­tik, und auf ihren Wahl­kreis erst recht nicht. Das sind Wahr­hei­ten, die man den Men­schen zumu­ten kann, sonst ändert sich das nie. Und die Zeit, die blie­be, es zu ändern, schmilzt dahin wie das Eis des Nord­pols in den feuch­ten Angst­lust­träu­men der hl. Greta.

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„Der Auf­zug öff­net sich, Marie-Agnes Strack-Zim­mer­mann will ein­stei­gen. Doch drin­nen steht AfD-Frak­ti­ons­chef Alex­an­der Gau­land. ‚Das wäre jetzt der fal­sche Auf­zug gewe­sen. Stel­len Sie sich mal vor, der bleibt ste­cken’, sagt die FDP-Poli­ti­ke­rin, die zu den prä­gen­den Köp­fen hin­ter Chris­ti­an Lind­ner gehört. Das wäre ja der Super-Gau.”

Arti­kel in einer Schü­ler­zei­tung? Nein, es steht im Tages­spie­gel.

Und der Kin­der­gar­ten, in dem die Sze­ne spielt, nennt sich „Gesetz­ge­ben­des Organ der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land (Tole­ran­zi­en)”.

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Ich bin mir nicht sicher, ob ich das fol­ge­ne Zitat mit „Auf­be­wah­ren für alle Zeit!” oder „Aus dem Leben eines Tau­ge­nichts” über­schrei­ben soll.

Der Minis­ter, der das im Mai vor dem Bun­des­tag vor­trug, ist allah­lob noch immer im Amt.

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Wie Ken­ner der ita­lie­ni­schen Oper wis­sen, ist immer mal wie­der eine dra­ma­ti­sche Teno­ra­rie fällig.

Ande­re dre­hen ähn­lich hef­tig durch.

Das Teen­ager­blatt zitiert eine „Exper­tin” mit den Worten:

„Mit Unge­impf­ten ist es, wie wenn du einen Ein­bre­cher durch dei­ne offe­ne Tür lässt, er bis in dein Schlaf­zim­mer geht, er sich an dei­nen Schät­zen bedie­nen kann und du erst auf­wachst, wenn es längst zu spät ist. (…) Die Del­ta Vari­an­te ist hin­ter­häl­tig, sie ist ein Mons­ter und sie wird dich fin­den. Sie wird uns töten.“

Eine ähn­lich men­schen­freund­li­che Fach­frau ist jene:

(Als Phy­sio­gno­mist ist das für mich natür­lich ein inne­rer Reichsparteitag.)

Zu den sym­pha­tischs­ten, mensch­lich sau­bers­ten und smar­tes­ten Grü­nen gehört Vol­ker Beck, Trä­ger des Viel­falts­kreu­zes mit Tole­ranz­laub und Regenbogendiamanten.

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Noch Haus­arzt. Bald Hausdurchsuchung?

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Man wird sagen: Ich leb­te in einer Zeit, als der Impf­pass den tra­di­tio­nel­len Pass ablöste.

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Beim Anschau­en eini­ger Film­se­quen­zen über die Tier­welt Afri­kas, die inzwi­schen auf You­tube mas­sen­haft kur­sie­ren, dach­te ich mir: Die Natur ver­zeiht kei­nen Fehl­tritt, kei­ne Unauf­merk­sam­keit, kei­ne Schwä­che, kei­ne schwe­re­re Ver­let­zung. Die­se Para­de der Rachen, Hau­er, Reiß­zäh­ne, Klau­en, Zan­gen, Gift­sta­chel und Kral­len, die umzin­geln­den Rudel und aus dem trü­ben Was­ser schnel­len­den Kro­ko­di­le, die dem trin­ken­den Gnu an die Keh­le oder Lauf gehen und es in den Fluss zer­ren, die­ses stän­di­ge Rei­ßen und Zer­rei­ßen, die Vor­lie­be der Räu­ber für die beson­ders wehr­lo­sen und schmack­haf­ten Jung­tie­re, das Dahin­sie­chen beim Angriff ver­letz­ter Geschöp­fe und ihr stum­mes War­ten auf den nächs­ten Fress­feind, der ihre Schwä­che unfehl­bar erkennt, wobei aber auch die Raub­kat­zen irgend­wann am Hun­ger oder an Ver­let­zun­gen ein­ge­hen und, wie die weni­gen Krea­tu­ren, die es geschafft haben, alt zu wer­den, noch wäh­rend ihres Ster­bens gefres­sen wer­den, bevor­zugt von den Weich­tei­len her… – die­ses per­ma­nen­te Gemet­zel ver­mit­telt dem Betrach­ter aus der siche­ren Distanz der Zivi­li­sa­ti­on eine Ahnung davon, wie ent­setz­lich hilf­los, aus­ge­lie­fert und vol­ler Angst unse­re Uralt­vor­de­ren sich in die­ser Welt gefühlt haben müs­sen. Da war kein Haus, in das sie sich zurück­zie­hen konn­ten, kein Zaun, der sie schütz­te, kein Schnell­feu­er­ge­wehr, sich zu ver­tei­di­gen, kein Auto, um zu fliehen.

Die Natur – und kei­nes­wegs nur die beleb­te – ist der abso­lu­te Feind. Sie ist in jeder­lei Hin­sicht schlim­mer als die Neben­wir­kun­gen der Tech­nik, die uns von ihr eman­zi­piert hat, ein­zig als domes­ti­zier­te zu ertra­gen und nur aus der siche­ren Loge der Zivi­li­sa­ti­on betrach­tet schön.

 

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