10. Oktober 2021

Ein durch­sonnt-sonn­täg­li­ches Grüß Gott aus Bayern!

St. Anton, Garmisch-Partenkirchen.

Übri­gens: Anto­ni­us ist u.a. der Schutz­hei­li­ge der Schus­sel, er hilft beim Wie­der­fin­den ver­lo­re­ner Sachen (aber nicht bei ver­lo­re­nen Briefwahlzetteln).

***

Den älte­ren Ost­deut­schen und den Uralten dürf­te der Ton bekannt vorkommen.

Wer sich durch die Pres­se­mel­dun­gen und ‑kom­men­ta­re zum The­ma liest, die auch in die­sem Fal­le die plu­ra­lis­ti­sche Öffent­lich­keit der Bun­des­re­pu­blik in der iri­sie­ren­den Bunt­heit einer Fran­zis­ka­ner­kut­te abbil­den, erfährt zwar, dass die PiS-Füh­rung aus schlim­men Fin­gern besteht, aber kaum, was ihr nun kon­kret zum Vor­wurf gemacht wird.

Die FAZ berich­tet von einem Ver­fah­ren, „das vom Obers­ten Gericht Polens ange­strengt wor­den war”, und in dem er „um die Prin­zi­pi­en der Beru­fung von Rich­tern an pol­ni­schen Gerich­ten gegan­gen” sei. „Seit­her sind sowohl der EuGH als auch der Euro­päi­sche Gerichts­hof für Men­schen­rech­te in ande­ren Ver­fah­ren zu dem Schluss gekom­men, dass sowohl die von der PiS ein­ge­führ­ten Regeln für die Ernen­nung von Rich­tern als auch das neue Sys­tem der Maß­re­ge­lung von Rich­tern gegen das Prin­zip der rich­ter­li­chen Unab­hän­gig­keit ver­sto­ße. So hat der EuGH Polen Mit­te Juli dazu ver­pflich­tet, die Arbeit der neu geschaf­fe­nen Dis­zi­pli­nar­kam­mer am Obers­ten Gericht sofort zu sus­pen­die­ren. Weil die pol­ni­sche Regie­rung die­ses Urteil nicht inner­halb einer ein­mo­na­ti­gen Frist umge­setzt hat, hat die EU-Kom­mis­si­on beim EuGH Straf­zah­lun­gen gegen Polen beantragt.”

Davon abge­se­hen, dass es hier um die natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät geht – ich kom­me gleich dar­auf –, wur­de in Polen mei­nes Wis­sens bei­spiels­wei­se noch nie die demo­kra­ti­sche Wahl eines Minis­ter­prä­si­den­ten rück­gän­gig gemacht, weil er mit den Stim­men der Fal­schen ins Amt gelangt war. Das dürf­te dar­an lie­gen, dass in Polen die Fal­schen bereits regie­ren, wie sich auch das Aus­blei­ben von Maß­re­ge­lun­gen gegen jenes EU-Mit­glied, wo der­glei­chen tat­säch­lich gesche­hen konn­te, dar­aus erklärt, dass dort die Rich­ti­gen an der Macht sind – „In Deutsch­land erhält nur Macht, wer an der Ver­ste­ti­gung der deut­schen Ohn­macht arbei­tet” (Gün­ter Masch­ke) –, ohne deren den eige­nen Bür­gern abge­press­te Steu­er­gel­der die EU gar nicht mehr exis­tie­ren würde.

Dass wie­der­um ein Ver­trau­ter der deut­schen Kanz­le­rin, der bei­na­he zehn Jah­re im Bun­des­tag saß, zuletzt stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der der Uni­ons­frak­ti­on war und in die­ser Rol­le unter ande­rem für den UN-Migra­ti­ons­pakt warb, nun­mehr den Ers­ten Senat des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts lei­tet – eines Gerichts, das durch­weg nach Par­tei­pro­porz besetzt ist und die Gewal­ten­tei­lung immer unver­hoh­le­ner hin­ter­treibt –, fin­det die demo­kra­tisch nicht legi­ti­mier­te EU-Kom­mis­si­on, der­zeit geführt von einer Par­tei­ge­nos­sin der deut­schen Wahl­rück­gän­gig­ma­che­rin, fol­ge­rich­ti­ger­wei­se eben­falls nicht rügen­s­wert. Die EU macht sich die Maxi­me Quod licet Iovi, non licet bovi zu eigen, wobei der deut­sche Jupi­ter immer­hin zugleich der Och­se ist, der alles bezahlt. Den Ungarn woll­ten die Euro­kra­ten ja auch schon vor­schrei­ben, wie sie die Sexu­al­erzie­hung ihrer Kin­der zu gestal­ten haben. EU-Recht ist letzt­lich Ziel­set­zungs­recht zum Zwe­cke des Gesell­schafts­um­baus. Es soll die natio­na­len Grund- und Abwehr­rech­te der Bür­ger gegen­über dem Staat durch ein zen­tra­lis­ti­sches Erzie­hungs­staats­recht erset­zen. Die pri­va­te Wahl- und Ver­trags­frei­heit, die ja immer das Recht zu dis­kri­mi­nie­ren (i.e.: einen Unter­schied zu machen) ein­schließt, ist das Haupt­an­griffs­ziel der Sozi­al­inge­nieu­re und Gesell­schafts­gleich­schal­ter der EUdSSR.

Das Argu­ment der EU-Füh­rung, von der deut­schen Gesin­nungs­pres­se brav repe­tiert, gegen­über den Polen lau­tet: Indem ein Land der EU bei­tritt, hat es sich den Regeln der Gemein­schaft unter­wor­fen. Die­se Regeln sind frei­lich von Jahr zu Jahr ver­än­dert wor­den, unter Bruch sämt­li­cher euro­päi­scher Ver­trä­ge. Der fröh­li­che Trun­ken­bold Jean-Clau­de Juncker hat anno 1999 das Betriebs­ge­heim­nis des Sterne­clubs – „One ring to rule them all” – aus­ge­plau­dert: „Wir beschlie­ßen etwas, stel­len das dann in den Raum und war­ten eini­ge Zeit ab, was pas­siert. Wenn es dann kein gro­ßes Geschrei gibt und kei­ne Auf­stän­de, weil die meis­ten gar nicht begrei­fen, was da beschlos­sen wur­de, dann machen wir wei­ter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.”

Die euro­päi­schen Völ­ker – als der jewei­li­ge Demos, um des­sen Kra­tos es hier geht – sind nie gefragt wor­den, sie haben nie dafür votiert, ihre natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät abzu­ge­ben. Nun sind wir also an dem Punkt ange­langt, von dem es kein Zurück mehr geben soll, weil EU-Recht natio­na­les Recht sticht, zuerst exem­pla­risch im Ein­zel­fall, dann per se und in jedem Fal­le. Der Rechts­bruch soll insti­tu­tio­na­li­siert wer­den. In jedem EU-Mit­glieds­land wird ein Ver­fas­sungs­putsch insze­niert, natür­lich Schritt für Schritt, damit die meis­ten gar nicht begrei­fen, was geschieht, und das gro­ße Geschrei bzw. der Auf­stand aus­bleibt. Am Ende sol­len wir in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Euro­pa leben, pro for­ma ver­tre­ten durch ein Par­la­ment, des­sen Zusam­men­set­zung die jewei­li­gen natio­na­len Bevöl­ke­rungs­an­tei­le nicht wider­spie­gelt und das wenig bis nichts zu bestim­men hat, statt­des­sen regiert von einer Kom­mis­si­on, also von anony­men Büro­kra­ten, die von Lob­by­is­ten umzin­gelt, von einer gekauf­ten Pres­se abge­schirmt und von einer EU-Poli­zei, die sich online wie off­line der Kri­ti­ker annimmt, beschützt wird. Wetten?

Aber noch ist Polen nicht ver­lo­ren! Eng­land hat ja auch den recht­zei­ti­gen Sprung ins ret­ten­de Bei­boot geschafft. Da die Migra­ti­on nach Euro­pa – nach EU-Euro­pa, man ver­wechs­le bei­des nie – nach den sinis­tren Plä­nen der Glo­ba­lis­ten auf Per­ma­nenz gestellt wer­den soll, weil in Inter­es­sens­grup­pen gespal­te­te­ne Bevöl­ke­run­gen sich fabel­haft gegen­ein­an­der aus­spie­len und beherr­schen las­sen, wird die EU an der Fra­ge der Ver­tei­lung der Migran­ten frü­her oder spä­ter zer­bre­chen. Es ist ja nicht mehr nur der Osten, der dabei nicht mit­spie­len will, auch die engels­ge­dul­di­gen Skan­di­na­vi­er haben begrif­fen, wor­auf das alles hin­aus­läuft. Denn wenn EU-Recht natio­na­les Recht außer Kraft setzt, kann die EU auch ent­schei­den, wel­ches Land wel­che und wie vie­le Migran­ten auf­zu­neh­men hat. Außer den Deut­schen wer­den sich, ich wet­te noch­mals, alle EU-Län­der auf ihre natio­na­le Sou­ve­rä­ni­tät zurück­be­sin­nen, denn die Ent­schei­dung dar­über, wer in ihrer Mit­te dau­er­haft leben soll, wol­len die pro­pa­gan­dis­tisch noch nicht völ­lig ent­nerv­ten Rest­völ­ker wahr­schein­lich sel­ber tref­fen. Die Quar­tals­ir­ren in der Mit­te des Kon­ti­nents kön­nen ja der Ansicht sein, ihr Grund­ge­setz gel­te kei­nes­wegs für ein bestimm­tes Volk, son­dern für alle Welt, so wie sie auch in ’schland das Kli­ma für den gesam­ten Pla­ne­ten zu ret­ten sich welt­vor­bild­lich anhei­schig machen.

Dann könn­ten sie zumin­dest als mah­nen­des Bei­spiel überleben.

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Zu Zei­ten von Aug­stein und Aust schrieb der Spie­gel gegen Macht­miss­brauch, heu­te agi­tiert er gegen Oppositionsmissbrauch.

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Ich habe einen deut­schen Mos­lem, Ange­stell­ter bei einem Wirt­schafts­un­ter­neh­men, glatt­ra­siert und Kra­wat­ten­trä­ger, sagen hören, er lie­be den Pro­phe­ten mehr als sei­ne eige­nen Kinder.

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Dass der aktu­el­le Bun­des­prä­si­dent, wenn er indi­gniert Rück­schau auf die deut­sche Geschich­te hält, dies unge­fähr auf dem Dif­fe­ren­zie­rungs­ni­veau eines DDR-Staats­bür­ger­kun­de­leh­rers tut, habe ich in mei­nem Dia­ri­um bis­wei­len pflicht­schul­dig doku­men­tiert (hier etwa und hier). Augen­schein­lich emp­fin­det Stein­mei­er kei­ne beson­ders gro­ße Sym­pa­thie für das Volk, wel­ches er reprä­sen­tiert – was ich ver­ste­hen könn­te, nur war­um wird so einer dann Bun­des­prä­si­dent? –, son­dern er beschul­digt, bezich­tigt und belehrt es lie­ber, auch retro­spek­tiv. Die deut­sche Geschich­te scheint ihm kaum mehr zu tau­gen denn als ein Stein­bruch für immer neue Vor­wür­fe an die Adres­se der Lebenden.

Nun hat Stein­mei­er den Fest­akt zum 60. Jah­res­tag des Gast­ar­bei­ter­an­wer­be­ab­kom­mens mit der Tür­kei zum Anlass einer wei­te­ren Abrech­nung mit sei­nen frem­den­feind­li­chen, ras­sis­ti­schen und isla­mo­pho­ben Lands­leu­ten genom­men, wobei ich nicht leug­nen möch­te, dass es sol­che Hart­hir­ne unter den Deut­schen gab und gibt und immer geben wird, denn alle Völ­ker ver­ach­ten ein­an­der und alle haben recht, wie Karl Kraus in gebo­te­ner Sach­lich­keit fest­stell­te. Ich ken­ne übri­gens eine Rei­he ent­zü­cken­der Tür­ken, und ich mei­ne damit nicht ein­mal zuerst Akif Pirincci. Gewiss, die meis­ten Tür­ken sind schlecht in die deut­sche Gesell­schaft inte­griert, denn ein nor­ma­ler Tür­ke ist stolz, steht gera­de, rasiert sich den Nacken aus, isst gern Fleisch, stie­ge nie­mals vom Auto aufs Las­ten­fahr­rad um, ver­tei­digt sei­ne Fami­lie, glaubt an Gott, gen­dert sei­ne Spra­che nicht, egal wel­che, und lässt sich par­tout nicht ein­re­den, dass er sein Geschlecht frei wäh­len kön­ne. Man miss­ver­ste­he mei­ne fol­gen­den Aus­füh­run­gen trotz­dem nicht als tur­ko­phob! Nur das Las­ter der Wahr­heits­lie­be ver­lei­tet mich, dem Bun­des­prä­si­den­ten da und dort sanft zu widersprechen.

Bli­cken wir denn mit Pahl-Rugen­stein­mei­er in den Brun­nen der deutsch-tür­ki­schen Ver­gan­gen­heit, ins Jahr des Herrn 1961.

„Die Rea­li­tät, in der die Men­schen damals anka­men, folg­te eher einer Logik des mess­ba­ren Nutz­werts als der gro­ßer Visio­nen. Und die­ser Nutz­wert war nur auf Zeit ange­legt. Das Anwer­be­ab­kom­men zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und der Tür­kei vom 30. Okto­ber 1961 war kein Akt der Nächs­ten­lie­be oder gar ein Zei­chen fort­schritt­li­cher Zuwan­de­rungs­po­li­tik. Deutsch­land war knapp an Arbeits­kräf­ten. Die Optio­nen lau­te­ten: Ent­we­der Wachs­tums­ver­zicht oder Anwer­bung von Arbeits­kräf­ten aus dem Ausland.”

Wie es aus­sieht, wenn sich die hier „Nächs­ten­lie­be” genann­te Ferns­ten­lie­be mit einer „for­schritt­li­chen Zuwan­de­rungs­po­li­tik” ver­knüpft, wis­sen gera­de wir als Deut­sche ja erst seit 2015ff. ! Aber was die Grün­de des Anwer­be­ab­kom­mens betrifft, flun­kert der tem­po­rä­re Insas­se des Schlos­ses Bel­le­vue ein biss­chen, wahr­schein­lich gewohn­heits­mä­ßig. Es waren näm­lich vor allem die Ame­ri­ka­ner, die dar­auf dräng­ten, den NATO-Part­ner Tür­kei als geo­stra­te­gi­schen Pfahl im Flei­sche des Sowjet­im­pe­ri­ums zu unter­stüt­zen, was bereits damals auf ein Abflie­ßen des Bevöl­ke­rungs­über­schus­ses hin­aus­lief, denn vie­le Tür­ken fan­den in ihrer über­wie­gend agra­risch struk­tu­rier­ten Hei­mat kei­ne Arbeit mehr.

„Die Tür­kei hat­te ein erheb­li­ches Inter­es­se dar­an, einen Teil der rasch anwach­sen­den Bevöl­ke­rung befris­tet als Gast­ar­bei­ter ins Aus­land zu schi­cken. Neben der Ent­las­tung des eige­nen Arbeits­mark­tes ver­sprach sie sich zu Recht drin­gend benö­tig­te Devi­sen­ein­nah­men sowie einen Moder­ni­sie­rungs­schub durch zurück­keh­ren­de Gast­ar­bei­ter, die sich ent­spre­chen­de Qua­li­fi­ka­tio­nen ange­eig­net haben wür­den. Rund 77 Pro­zent der Erwerbs­tä­ti­gen waren damals in der Land­wirt­schaft tätig, nur etwa zehn Pro­zent in der Indus­trie”, schreibt Ste­fan Luft in sei­nem Buch „Abschied von Multikulti”.

Der Bun­des­re­pu­blik blieb kei­ne Wahl. Was der Hege­mon befahl, muss­te der klei­ne NATO-Part­ner aus­füh­ren. 1961 wur­de die Rich­tung künf­ti­ger Migra­ti­ons­strö­me vor­ge­schrie­ben. Der Unter­schied zu den spä­te­ren deut­schen Will­kom­mens­de­li­ri­en bestand dar­in, dass wei­land noch Poli­ti­ker das Land regier­ten (im wei­tes­ten Sin­ne), die ver­such­ten, die Din­ge vom Ende her zu sehen, und sich ein Gewis­sen dar­aus machten.

(Quel­le)

„Die bes­se­re Zukunft wird es nicht geben, solan­ge Aus­gren­zung, Vor­ur­tei­le, Res­sen­ti­ments den All­tag unse­rer Gesell­schaft immer noch durch­zie­hen”, sta­tu­iert mehr als vier­zig Jah­re spä­ter Schmidts Genos­se Stein­mei­er. Wahr­schein­lich meint er damit Äuße­run­gen wie die Fol­gen­den, für die ein Poli­ti­ker heu­te mul­ti­me­di­al geteert und inner­par­tei­lich gefe­dert würde:

„Mich erschüt­tert es”, beteu­ert Stein­mei­er, „wenn Men­schen mit ande­rer Haut­far­be, Spra­che oder Reli­gi­on bis heu­te zur Ziel­schei­be von Hass und Het­ze wer­den. Wenn sie ange­fein­det wer­den, im Netz oder auf der Stra­ße. Wir wis­sen doch: Das sind nicht nur Wor­te, son­dern das ist ein Gift, das Wir­kung hat. Das ist ein Gift, das immer wie­der Men­schen glau­ben macht, sie dürf­ten im Namen eines angeb­li­chen Volks­wil­lens ande­re Men­schen demü­ti­gen, bedro­hen, jagen oder gar ermorden.”

Als Bei­spie­le nennt der deut­sche Chef­an­klä­ger „die nie­der­träch­ti­gen Mor­de des NSU, die Toten in Mölln und Solin­gen und Hanau”. Mit der euro­zen­trisch-exklu­si­ven For­mu­lie­rung „ande­re Haut­fa­be, Spra­che und Reli­gi­on” meint er ersicht­lich Nicht­deut­sche. Die Men­schen ande­rer Haut­far­be, Spra­che und Reli­gi­on, die zum Bei­spiel am Ber­li­ner Breit­scheid­platz, in Chem­nitz, Würz­burg, Dres­den oder Köln zur Ziel­schei­be feind­li­cher Frem­der wur­den, pas­sen the­ma­tisch, das wird jeder ver­ste­hen, nicht in eine sol­che Rede. Eben­so­we­nig wie die all­jähr­lich fünf­stel­li­ge Zahl von Deut­schen, die Opfer von Zuwan­derer­kri­mi­na­li­tät wer­den, denn die­se Zuwan­de­rer sind ja kei­ne Tür­ken. Frei­lich: Wer­den tat­säch­lich aus­ge­rech­net Tür­ken in ’schland der­zeit wegen ihrer „Haut­far­be, Spra­che oder Reli­gi­on zur Ziel­schei­be von Hass und Het­ze”? Wer­den sie „ange­fein­det, im Netz oder auf der Stra­ße”? Oder aus ande­ren Grün­den? Sol­chen vielleicht:

Hal­ten wir hier inne und fest: Die Gast­ar­bei­ter kamen, weil die Amis, die Tür­ken und nicht zuletzt womög­lich Allah das so woll­ten, und der dama­li­gen Genera­ti­on deut­scher Aus­gren­zungs- und Hass-Poli­ti­ker schwan­te für die Fol­gen nichts aus­schließ­lich Gutes, sogar zwei – offen­bar macht­lo­se – Kanz­ler hät­ten den Zustrom gern gedros­selt. Ein Genos­se von Schmidt und Stein­mei­er, der Herr Sar­ra­zin, hat 2010 die gro­ße, nicht wirk­lich rosi­ge Zwi­schen­bi­lanz gezo­gen. Wobei die Tür­ken unter den mus­li­mi­schen Ein­wan­de­rern die gerings­te Schel­te verdienen!

„Wir nann­ten sie Gäs­te”, fährt Stein­mei­er unbe­irrt fort, zitiert dar­auf­hin zustim­mend die ger­ma­no­pho­be Links­ra­di­ka­le Fer­da Ata­man mit den Wor­ten: „Wir sind doch kei­ne Gäs­te in einem Haus, das wir selbst mit­ge­baut haben”, und setzt für die­je­ni­gen, die es noch nicht begrif­fen haben, hin­zu: „Die­je­ni­gen, die an dem Fun­da­ment des gemein­sa­men Hau­ses damals gebaut haben, um sie geht es heute.”

Am Fun­da­ment. Hmm. Wie­der dane­ben, und dies­mal nicht gera­de knapp. Der Topos, dass die tür­ki­schen Gast­ar­bei­ter am Wirt­schafts­wun­der mit­wer­kel­ten, gehört aller­dings inzwi­schen zum Stan­dard­re­per­toire des Mul­ti­kul­ti­be­gleit­ge­schwa­fels. Ich habe hier schon mehr­fach dar­über geschrie­ben, heu­te nur die Kurzfassung:

Als das Gast­ar­bei­ter-Anwer­be­ab­kom­men mit der Tür­kei unter­zeich­net wur­de, herrsch­te in West­deutsch­land Voll­be­schäf­ti­gung. Vor­aus­ge­gan­gen war ein kon­ti­nu­ier­li­ches Wirt­schafts­wachs­tum, das anno 1955, im wachs­tums­stärks­ten Jahr der deut­schen Geschich­te, den Begriff „Wirt­schafts­wun­der” her­vor­brach­te. Die Inves­ti­tio­nen waren von 1952 bis 1960 um 120 Pro­zent, das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt um 80 Pro­zent gestie­gen. Die deut­sche Auto­mo­bil­in­dus­trie hat­te ihre Pro­duk­ti­on zwi­schen 1950 und 1960 ver­fünf­facht. Indus­trie und Dienst­leis­ter konn­ten inner­halb weni­ger Jah­re zwei Mil­lio­nen Arbeits­lo­se sowie die Arbeits­fä­hi­gen unter den acht Mil­lio­nen Ver­trie­be­nen und den 2,7 Mil­lio­nen Men­schen, die aus der DDR geflo­hen waren, in Lohn und Brot brin­gen. Im Jahr des Anwer­be­ab­kom­mens lag die Arbeits­lo­sig­keit unter einem Pro­zent, eine absurd nied­ri­ge Quo­te, die tat­säch­lich einen aku­ten Arbeits­kräf­te­man­gel beschreibt. Kein mus­li­mi­scher Gast­ar­bei­ter war an die­sem Auf­schwung betei­ligt. Nur weil das Land mit­samt sei­ner Indus­trie und Infra­struk­tur wie­der auf­ge­baut war, konn­te es über­haupt aus­län­di­sche Arbeit­neh­mer beschäftigen.

Mir ist egal, was aus den Tat­sa­chen, aber nicht, was aus ihren Ver­dre­hun­gen folgt, wie gut gemeint sie auch sein mögen.

Ende der Durchsage.

***

Neh­men wir an, ein Koch wür­fe coram publi­co mit vol­len Hän­den Salz in sei­ne Sup­pe, und erklär­te zugleich, die Sup­pe wer­de kei­nes­wegs sal­zi­ger, und schon gar nicht fin­de eine Ver­sal­zung statt, nur Idio­ten und Bös­wil­li­ge könn­ten der­glei­chen behaupten.

***

Der unent­behr­li­che Coro­na-Nach­rich­ten­über­blick. Heu­te etwas 1G-las­tig. Zunächst ein biss­chen Kurvendiskussion.

Die­ser Über­blick umfasst meh­re­re Län­der, man muss ihn ankli­cken.

***

Zwei Mel­dun­gen in der Neu­en Zür­cher Zei­tung. Lie­be Kin­der, fin­det den Fehler.

Rich­tig – das kann man doch nicht ver­glei­chen! Und hier noch mal:

***

Die Kern­aus­sa­ge der Coro­na­po­li­tik lau­tet: Eigen­ver­ant­wor­tung scha­det der Gesellschaft.

***

Die unent­behr­lichs­te aller Figu­ren aus „Hän­del und Gre­tel” strebt einer gewis­sen Klas­si­zi­tät entgegen.

Auch in der Klein­kunst, dort sogar mit kari­ta­ti­vem Begleitmotiv.

Wenn man nun auch das Rei­ter­stand­bild seri­ell ver­viel­fäl­tig­te – es kommt ja angeb­lich aus dem 3D-Dru­cker, das kann so schwer nicht sein, auch unter 2G-Bedin­gun­gen – und jeden Mer­kel­wäh­ler dazu ver­pflich­te­te, eines zu kau­fen, für den Gar­ten, für die Küche, für den Haus­ein­gang, den Kin­der­spiel­platz oder die Hun­de­wie­se, als eine Art Sym­pa­thie­zwangs­ab­ga­be, und dann den Erlös auf­teil­te, zwei Drit­tel für Opfer der Will­kom­mens­kul­tur, ein Drit­tel für Lock­down- und Impf­ge­schä­dig­te, das wäre doch ein Anfang, oder?

***

Der Unter­schied zwi­schen dem Uni­ver­sa­lis­mus (Glo­ba­lis­mus, Islam) und dem Par­ti­ku­la­ris­mus besteht dar­in, dass Par­ti­ku­la­ris­ten fried­lich koexis­tie­ren kön­nen, Uni­ver­sa­lis­ten aber die Herr­schaft über alle begeh­ren. Par­ti­ku­la­ris­ten akzep­tie­ren den Ande­ren und sein Anders­sein, sofern für jenen der Umkehr­schluss gilt, Uni­ver­sa­lis­ten wol­len erzie­hen, beleh­ren, bekeh­ren, wider­spens­ti­gen­falls mit Zwang und Gewalt. Des­we­gen kann man mit Uni­ver­sa­lis­ten auch nicht nor­mal reden, weder in der poli­ti­schen Sphä­re noch pri­vat bei Tische.

***

Ihre Steu­er­gel­der bei der Arbeit.

***

„Wenn Sie in Mün­chen, Ber­lin, Frank­furt am Bahn­hof sind”, schreibt Lese­rin ***, „wer­den Sie eine Frau sehen. Sie wird unge­fähr 35 Jah­re (plus minus) alt sein, lan­ge gera­de Haa­re haben und einen Roll­kof­fer hin­ter sich her­zie­hen. Sie ist stolz auf den Roll­kof­fer. Aber sie wird alles tun, um nicht stolz, son­dern beschäf­tigt, ja genervt zu erschei­nen. Sie zieht ihn nur so neben­bei neben sich her, will sie sagen. Weil sie es gewohnt ist, sie will sagen, guck das ist mein Leben. Genervt von allen und jedem. Weil sie Wich­ti­ge­res zu tun hat. Sie ist auf dem Weg zu einem Mee­ting. Ich nen­ne es Roll­kof­fer­stolz. Ver­steck­ter Rollkofferstolz.

Man gab den Frau­en Roll­kof­fer. Als Ersatz für Kin­der, Fami­lie, als Ersatz für ein gan­zes Leben.  Hans war ein Hans im Glück. Hän­sin ist eine Hän­sin im Unglück. Sie will trotz­dem einen Mann. Er muss so erfolg­reich sein wie sie. Also auch einen Roll­kof­fer besit­zen. Nun ist es aber so, dass der Roll­kof­fer-Mann ger­ne eine Nicht-Roll­kof­fer-Frau nimmt, wenn er Fami­lie haben will. Ist auch ver­nünf­tig, von sei­nem Standpunkt.

Das Gan­ze geht von Ende zwan­zig bis Mit­te vier­zig. Der Roll­kof­fer­glanz blät­tert ab. Aber mit MIt­te vier­zig ist immer noch kein Mann da. Hm, man hat­te gedacht, es geht bei­des. Wur­de einem das nicht in jeder hip­pen Serie und über­all gezeigt, dass es geht? Die hat­ten doch immer Män­ner. War eine Lüge.

Die bio­lo­gi­sche Uhr tickt so laut, dass man es über­all hört. Die Män­ner neh­men Reiß­aus. Sie sind auch irre gewor­den. Haben ver­ges­sen Mann zu sein. Wem nutzt das? Vor allem der Phar­ma­in­dus­trie (Repro­duk­ti­on!), der Phar­ma­in­dus­trie (Umbau von Men­schen!), der Phar­ma­in­dus­trie (Mothers Litt­le Hel­per!). Por­no­in­dus­trie usw. auch voll im Geschäft. Ganz zu schwei­gen von Frau Schwab (man muss das Gesicht angucken).

Alles das, weil wir zu tief flie­gen. Ein Roll­kof­fer gegen ein Leben. Es ist teuflisch.”

 

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