12. Oktober 2021

Als ein Mensch, der sel­ten träumt und wenn, dann nur Bana­les (man ver­scho­ne mich bit­te mit dem Hin­weis, dass jeder Mensch in jeder Nacht träu­me; wor­an ich mich nicht erin­ne­re, das habe ich nicht geträumt), als ein Tri­via­li­tä­ten­träu­mer las ich mit gro­ßem Ver­gnü­gen Ciorans Traum­er­in­ne­rung in sei­nem Notiz­buch­ein­trag vom 11. Dezem­ber 1963: „Nach der Kon­fe­renz von Jal­ta kom­men mich Sta­lin, Roo­se­velt und Chur­chill in mei­nem Hotel­zim­mer besu­chen, um sich zu ent­schul­di­gen, daß sie mich nicht vor der Kon­fe­renz kon­su­liert haben.”

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Dass der Süd­deut­sche Beob­ach­ter genau die­sen Kose­na­men ver­dient, demons­triert ein als jour­na­lis­ti­scher „Streif­zug” camou­flier­ter Spit­zel­be­richt eines wah­ren Covidioten.

Natür­lich wer­den die­je­ni­gen Loka­le, die es nicht hun­dert­pro­zen­tig genau neh­men mit den Gäs­te­kon­trol­len, nament­lich genannt. Wei­ter­mel­den! Wir schaf­fen das!

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St. Jür­gen, unser füh­ren­der Tran­szen­den­tal­de­mo­krat, hat jetzt die Volks- resp. Bevöl­ke­rungs­ge­sund­heit als tran­szen­den­ta­les Maß aller Din­ge iden­ti­fi­ziert. Jeden­falls spricht er sich, in sei­ner üblich ver­kau­der­welsch­ten Wei­se, aber auf einer Linie mit Leu­ten wie Söder, Mer­kel, Lau­ter­bach (und A. Hütt­ler!) dafür aus, die indi­vi­du­el­len Grund­rech­te zuguns­ten der kol­lek­ti­ven Gesund­heit getrost einzuschränken.

(Wer sich’s antun will: hier.)

Sach­tes Grau­sen erfassst den Kom­men­ta­tor der Welt.

Dem wich­tigs­ten Wie­der­gän­ger Kants auf Erden (Selbst­ein­schät­zung) schwebt so etwas wie ein Kriegs­recht vor.

Das Virus führt also Krieg gegen uns. Man sieht, Haber­mas gehör­te auch in Bio­lo­gie zu den Hoch­be­gab­ten. Der Haken ist, dass der Gevat­ter nicht dar­legt, wer und wodurch legi­ti­miert in die­sem Krieg die Obers­te Hee­res­lei­tung auf sei­ten der Men­schen – näher­hin der Deut­schen – bil­den soll.

Danisch kommt in gewohnt ver­gnüg­li­cher Pol­te­rei zu dem Schluss: „Haber­mas will dar­auf hin­aus, per Moral Demo­kra­tie als Wahl­mög­lich­keit und alle Grund­rech­te abzu­schaf­fen. Mar­xis­ti­sche Dika­tur. Irgend­ei­ne Moral soll alles recht­fer­ti­gen, die gewalt­sa­me staat­li­che Durch­set­zung irgend­ei­nes will­kür­lich defi­nier­ten Zieles.

Irgend­je­mand erkennt ein ‚Ziel’ an, und damit sind dann alle Grund­rech­te ein­fach weg­ge­wischt und erledigt?

Wenn die Wäh­ler die­ses Ziel aber mehr­heit­lich nicht aner­ken­nen? Wer soll es sonst aner­ken­nen? Die Phi­lo­so­phen? Eine Leni­nis­ti­sche Partei?”

Haber­mas hat kei­ne Angst (mehr) vor dem Staat, er ver­traut ihm so sehr, dass er die Ret­tungs­dik­ta­tur wünscht. Die Brü­der sind sich inzwi­schen sicher, dass über­all an den Schalt­he­beln ihres­glei­chen sit­zen, also Ver­tre­ter der glo­ba­lis­ti­schen, post­na­tio­na­len, diver­si­tä­ren Klas­se. Des­halb gibt es zu sei­nem Ser­mon für mich nur eine Fra­ge: Wür­de er auch für die Ein­schrän­kung der Grund­rech­te im Kampf gegen Coro­na plä­die­ren, wenn aktu­ell die AfD regierte?

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Ana­log zum „Deep Sta­te”, jenem teils steu­er­staats­fi­nan­zier­ten, teils von stink­rei­chen Glo­ba­lis­ten ali­men­tier­ten und jeden­falls mun­ter wuchern­den Geflecht aus Stif­tun­gen, NGOs (bzw. GOs), meta­po­li­ti­schen Vor­feld­or­ga­ni­sa­tio­nen etc., das weit in die Uni­ver­si­tä­ten, Kul­tur­ein­rich­tun­gen, Gewerk­schaf­ten und Ver­wal­tun­gen hin­ein­wächst, gebe es eine „Deep Church”, sagt Erz­bi­schof Car­lo Maria Viganò. Ange­sichts der Früch­te, an denen wir die Frücht­chen nach Mat­thä­us 7:16 erken­nen sol­len, besteht dar­an kaum Zwei­fel. Auf dem Papst­stuhl sitzt als Nach­fol­ger des Katechons Bene­dikt ein Mann, der ver­sucht, den Vati­kan nach dem Vor­bild der pro­tes­tan­ti­schen Kir­che in eine NGO-arti­ge Orga­ni­sa­ti­on  zu ver­wan­deln. Eigent­lich ist das ein Job für den Anti­chris­ten. Aber was heißt eigentlich?

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Über­all­hin stre­cken sich die Ten­ta­keln der glo­ba­lis­ti­schen Krake.

Ein typi­sches Exem­pel ist auch Anna­le­na B., die, von wem auch immer gespon­sert, an der Lon­don School of Eco­no­mis ein Jahr lang Netz­wer­ken stu­dier­te (sie dach­te, es sei Völ­ker­recht) und vom Davo­ser Welt­wirt­schafts­fo­rum in den Orden der Glo­bal Young Lea­ders auf­ge­nom­men wurde.

Die zum Nach­wuchs-Lea­der Gekür­ten durch­lau­fen ein fünf­jäh­ri­ges Aus­bil­dungs­pro­gramm, finan­ziert von einer Stif­tung des Welt­wirt­schafts­fo­rums und von Kon­zern­spen­den. Eigent­lich soll­te sie jetzt Bun­des­kanz­le­rin sein und dem angeb­li­chen Papst zei­gen, wie man sei­nen Laden gründ­lich zu Glo­bal­gra­nu­lat schred­dert. Aber: „Am Ende hän­gen wir doch ab / Von Krea­tu­ren, die wir mach­ten” (Mephis­to, „Faust II”, Labo­ra­to­ri­um). Dass Anna­le­nas Füh­rungs­of­fi­zie­re bei ihr gewis­se Intel­li­genz­de­fi­zi­te über­se­hen haben, weckt Hoff­nun­gen bezüg­lich deren eige­ner; dass die Nobi­li­tie­rung unse­rer Völ­ker­recht­le­rin der Her­zen zur Glo­ba­len Führer_*:In in ihr jene Hybris beför­der­te, wel­che sie all die ulki­gen Feh­ler machen ließ, die erst sie und dann die Grü­nen ins Strau­cheln brach­ten, ist wahr­schein­lich, lässt aber kei­ne Ver­all­ge­mei­ne­run­gen zu. Schau­en Sie mal, wer bereits 1992 zu den Glo­ba­len Füh­rern von Mor­gen gehör­te; nur einer davon trägt heu­te Fuß­fes­seln, wenn auch bloß elektronische.

(hier, S. 113)

Die damals völ­lig unbe­kann­te Mer­kel war 1991 Minis­te­rin für Frau­en und Jugend gewor­den, ein Rumpf- und Gedöns­mi­nis­te­ri­um, das Hel­mut Kohl extra für sie geschaf­fen hatte.

Macron war übri­gens auch ein Young Glo­bal Lea­der. Sie müs­sen in Davos wirk­lich ein Näs­chen für Talen­te haben. Die gute Höhen­luft eben.

PS: Die­sen Jung­volklea­der hat­te ich zu erwäh­nen vergessen.

Jaci­na Ardern, die neu­see­län­di­sche Pre­mier­mi­nis­te­rin, gehört eben­falls zum Club. Das ist kei­ne Ver­schwö­rung, son­dern die geziel­te Pro­duk­ti­on, För­de­rung und Ver­flech­tung ein- und der­sel­ben Welt­sicht bzw. poli­ti­schen Mentalität.

***

Im Zei­chen des Glo­ba­lis­mus agiert auch das Nobel­preis­ko­mi­tee. Zunächst muss man frei­lich nüch­tern fest­stel­len, dass die drei seriö­sen Prei­se wie­der nur an alte, über­wie­gend wei­ße Män­ner gin­gen und eine dis­kri­mie­rungs­freie Zukunft ohne Frau­en- und PoC-Quo­te schwer vor­stell­bar ist. (Inwie­weit der Phy­sik­preis in die­sem Jahr ideo­lo­gisch moti­viert war, ver­mag ich nicht ein­zu­schät­zen.) Den Wirt­schafts­no­bel­preis, für den in punc­to Geschlecht und Eth­nie der Gekür­ten das­sel­be gilt, über­ge­he ich, weil er im Grun­de nur ein the­ma­tisch ein­ge­schränk­ter Lite­ra­tur­preis ist. Jener aber, wie auch der „Frie­dens­no­bel­preis”, wird immer mehr poli­ti­siert, und zwar im Sin­ne des Glo­ba­lis­mus, der Diver­si­ty, des Mul­ti­kul­tu­ra­lis­mus, des (Mil­li­ar­därs-)Sozia­lis­mus der Einen Welt.

Wer den Frie­dens­no­bel­preis tat­säch­lich ver­dient hät­te, aber unmög­lich bekom­men durf­te, ist natür­lich kein ande­rer als Donald Trump, der ein­zi­ge Frie­dens­prä­si­dent der USA seit all­mäh­lich Men­schen­ge­den­ken und Anti-Inter­ven­tio­nist par excel­lence. Aber nicht der Frie­den ist das Ziel der Glo­ba­lis­ten und der Sinn die­ses Prei­ses, son­dern der Ewi­ge Frie­den, den man nur über vie­le lan­ge Krie­ge erreicht, bis end­lich alle Bösen – Dik­ta­to­ren, Popu­lis­ten, Natio­na­lis­ten, Eth­nop­lu­ra­lis­ten – tot oder besiegt sind. Bekom­men hat den Preis bekannt­lich Trumps Amts­vor­gän­ger, anlass­los, gewis­ser­ma­ßen auf Kre­dit, wofür er sich mit einer Rei­he von Krie­gen bedank­te, unter ande­rem mit der für die Euro­pä­er so ver­häng­nis­vol­len viel­falts­för­der­li­chen Desta­bi­li­sie­rung Libyens.

Nach dem Trump­schen Inter­re­gnum sind für die Zukunft wie­der Prei­se drin.

Auch der Lite­ra­tur­no­bel­preis wird, wie gesagt, schon seit län­ge­rem nicht mehr nach (von Anfang an schwan­ken­den) lite­ra­ri­schen, son­dern nach poli­ti­schen bzw. poli­tisch kor­rek­ten Kri­te­ri­en vergeben.

Wer­den die Afri­ka­ner den Euro­pä­ern im Gegen­zug auch die Stra­ßen, Brü­cken, Eisen­bahn­li­ni­en und Kran­ken­häu­ser zurück­ge­ben? (Ich fra­ge für einen Freund.)

Ansons­ten bin ich für jede Art Rück­ga­be bzw. ‑nah­me, sofern sie rezi­prok verläuft.

Das ist übri­gens die neue Spre­che­rin der Grü­nen Jugend.

(„Immer­hin ist die Göre nur hal­be­k­lig.” Leser***)

Sie wird der­zeit wegen eini­ger miss­ver­ständ­li­cher Twit­ter­ein­trä­ge mit rech­ter Het­ze überzogen.

Die­se Rech­ten bedro­hen sie sogar.

Die Tweets, sagt Frl. Hein­rich, sei­en doch alle längst mit his­to­ri­schem Rost über­zo­gen, also ver­jährt, und ohne­hin mit Grün­den puber­tä­ren Über­schwangs entschuldigt.

Wie die­ser.

Oder der.

Ihr Gesamt­werk auf Twit­ter ist hier doku­men­tiert. Das N‑Wort und das F‑Wort kom­men in erfreu­li­cher Häu­fung vor.

***

Loka­les Vermischtes.

Der gute alte deut­sche Brauch des Klin­gel­streichs, wie­der­be­lebt in Will­kom­mi­stan. So läuft Inte­gra­ti­on! Da geht einem doch, Kopf­tuch hin, Groß­fa­mi­lie her, das Herz auf!

Einen Klick wei­ter folgt das.

Anfangs könn­te der Leser mei­nen, es sei die­sel­be Mel­dung. Ist aber nur die glei­che, mit ver­gleich­ba­rem Per­so­nal und der glei­chen Ursa­che (wenn auch nicht den glei­chen Grün­den, z. B. schei­nen kei­ne Klin­geln zum Ein­satz gekom­men zu sein). Muss sich wohl um eine struk­tu­rel­le Ange­le­gen­heit handeln.

***

Noch zum Vorigen.

***

Sie täu­schen und täu­schen und täuschen.

Aber es ist immer­hin nicht gelogen!

Erin­nert ein biss­chen daran.

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Beim Wahl­mo­dus für Ver­fas­sungs­rich­ter unter­schei­de sich Deutsch­land nicht prin­zi­pi­ell von Polen, nimmt Leser *** Bezug auf mei­nen Ein­trag vom 10. Okto­ber. „Die Wahl der Ver­fas­sungs­rich­ter der gan­zen Welt (da, wo es Ver­fas­sungs­ge­rich­te gibt – in der Schweiz gibt es keins) fin­det nach unge­fähr den­sel­ben Regeln statt. Der Streit­punkt geht eigent­lich um die nor­ma­len Feld‑, Wald- und Wie­sen-Rich­ter. Die wür­den in Polen ‚falsch’ gewählt, näm­lich unter poli­ti­schem Ein­fluss. Nun ver­hält es sich aber so, dass etwa in der Hälf­te der deut­schen Bun­des­län­der die Lan­des­re­gie­rung eben­falls das letz­te Wort bei der Bestel­lung eines Rich­ters hat. Ganz genau wie in Polen.
Die deut­schen Rich­ter­wahl­ge­set­ze der Län­der beschrei­ben dies ja in aller Klar­heit – man muss nur die jewei­li­gen Arti­kel über die Wahl der Rich­ter lesen. Aller­dings schei­nen die­se Geset­ze für die deut­sche Pres­se irgend­wie unter Geheim­hal­tung zu fal­len. Denn nie­mand scheint je davon gehört oder gele­sen zu haben, oder sind Jour­na­lis­ten etwa zu faul, sich ein paar Stun­den hin­zu­set­zen und ein paar Geset­zes­tex­te zu lesen?”
Tja, wenn zwei das glei­che tun, ist es nicht dasselbe.
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