20. Oktober 2021

Sou­ve­rän ist, wer über die Abschie­bung entscheidet.
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Der harm­lo­se Ego­ist denkt aus­schließ­lich an sei­nen Vor­teil. Der gefähr­li­che Ego­ist behaup­tet, ihm lie­ge das Wohl ande­rer am Her­zen, um sei­nen Vor­teil ein­zu­strei­chen. Wäh­rend rei­ner Ego­is­mus, wenn er auf sei­nes­glei­chen trifft, Arran­ge­ments zum wech­sel­sei­ti­gen Nut­zen begrün­det, führt der Ego­is­mus des Wohl­wol­lens zu end­lo­sen Kon­flik­ten um das Bezah­len der Rechnungen.
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„Der dok­tri­nä­re Indi­vi­dua­lis­mus ebnet den Boden, damit der Kol­lek­ti­vis­mus bau­en kann.“
Nicolás Gómz Dávila

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Gibt es noch irgend­ei­nen Phi­lo­so­phen, des­sen Haupt­be­stre­ben nicht dar­in besteht, ein nütz­li­ches Glied der Gesell­schaft zu sein? Des­sen Gedan­ken frei sind von tak­ti­schen Wahr­hei­ten? Zu des­sen Schrif­ten man in schwar­zen Stun­den grei­fen kann? Gibt es noch Philosophen?
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Die nächs­te Hexe­rin­nen- und Hexen­jagd beginnt.
Dass mit dem Bild-Chef­re­dak­teur Juli­an Rei­chelt die ein­zi­ge halb­wegs regie­rungs­kri­ti­sche Füh­rungs­fi­gur eines eta­blier­ten Medi­ums gefeu­ert wur­de, genügt dem „zivil­ge­sell­schaft­li­chen” Hyä­nen­ru­del nicht. Wenn Würst­chen wie Nig­ge­mei­er einen Kon­zern­chef anpin­keln, müs­sen sie sich ver­dammt sicher fühlen.
Ein ame­ri­ka­ni­scher Jour­na­list mit dem some­whe­re-Namen Smith, aber vom Zen­tral­or­gan der glo­ba­lis­ti­schen Woken, der New York Times, erhielt Ein­blick in pri­va­te Nach­rich­ten, wel­che der Sprin­ger-Vor­stands­chef mit einer Per­son aus­ge­tauscht hat­te, die ein kul­ti­vier­ter Mensch nicht zwin­gend per­sön­lich ken­nen müss­te. Der­glei­chen rächt sich näm­lich bisweilen.

Wenn jemand frech behaup­tet – und sei es nur im pri­va­ten Ver­kehr –, die BRD sei ein auto­ri­tä­rer Staat, muss er für die­se Lüge abge­straft wer­den, idea­ler­wei­se mit dem Ver­lust sei­nes Jobs und sei­ner Repu­ta­ti­on. „Es gibt kei­ne Mei­nungs­frei­heit zum Null­ta­rif”, wie die Kanz­le­rin in ihrer jetzt schon legen­den­um­wo­be­nen „flam­men­den Rede für Mei­nungs­frei­heit” (stern) sag­te. Bei uns herrscht Tole­ranz, und wer da nicht mit­zieht, wird aus dem Krei­se der Tarif­part­ner ver­sto­ßen. Ja, wo sam­ma denn!

Schwur­beln ist das neue Jüdeln.”
(Leser ***)
Kom­men­ta­ri­at und Twit­termob wol­len zei­gen, dass sie prak­tisch jeden in die Knie zwin­gen oder, bei Bedarf, ganz erle­di­gen kön­nen, der die Wän­de des Mei­nungs­kor­ri­dors auch nur schrammt, ob es sich nun um Pro­fes­so­ren, Schau­spie­ler, Wis­sen­schaft­ler oder Kon­zern­ma­na­ger han­delt (Poli­ti­ker hier noch eigens zu erwäh­nen, grenz­te an Sexis­mus gegen Huren). Selbst­ver­ständ­lich steht es jedem frei, den Rubi­kon zu über­schrei­ten, aber dann muss er fort­an als Paria leben. Da die meis­ten die­ser Leu­te den sozia­len Tod und das Nicht-mehr-Ein­ge­la­den­wer­den mehr fürch­ten als den kom­mo­den Ekel des Dazu­ge­hö­rens, wird sich so schnell nicht zei­gen, wie vie­le eigent­lich dis­si­dent sind bzw. sein könnten.
Wann immer in letz­ter Zeit Kar­rie­ren been­det wur­den, steck­te das­sel­be Prin­zip, das­sel­be Milieu dahin­ter. Neh­men wir den Fall Huber­tus Kna­bes, des ent­las­se­nen Lei­ters der Sta­si-Gedenk­stät­te Ber­lin-Hohen­schön­hau­sen. Die Vor­wür­fe gegen ihn erin­nern nicht zufäl­lig an die gegen Rei­chelt erho­be­nen, auch wenn Kna­be nicht sel­ber bezich­tigt wur­de, son­dern man ihm nur unter­stell­te, er sei als Dienst­herr gegen die sexu­el­le Beläs­ti­gung von Mit­ar­bei­te­rin­nen nicht ent­schie­den genug vor­ge­gan­gen. Die kaum je nach­ge­wie­se­ne, meis­tens nur behaup­te­te sexu­el­le Beläs­ti­gung ist eine Wun­der­waf­fe, sie trifft immer, hin­ter­lässt mit Sicher­heit Ver­let­zun­gen und tötet hin­rei­chend oft. Nicht dass die­se Waf­fe nötig wäre, es geht auch anders. Der Rück­tritt von Sebas­ti­an Kurz ist aus dem näm­li­chen Milieu orga­ni­siert wor­den, des­glei­chen die Honig­fal­le für Stra­che. Kur­zens rigo­ro­se Ableh­nung der Mas­sen­mi­gra­ti­on hat ihn untrag­bar gemacht, da konn­te er beim Kampf gegen Coro­na hyper­kom­pen­sie­ren, wie er woll­te. Es geht dar­um, dass kein Nicht­ge­fü­gi­ger mehr irgend­ei­ne Füh­rungs­po­si­ti­on in der west­li­chen Welt besetzt, dass alle nach der­sel­ben glo­ba­lis­tisch-ega­li­tär-diver­sen Mari­na­de rie­chen, in der sie ein­ge­legt und mehr­fach gewälzt wurden.
PS: „Au con­tr­ai­re”, wen­det Leser *** ein: „Kurz ist sicher nicht der spi­ri­tus rec­tor und Strip­pen­zie­her des ÖVP-Sump­fes, das ist ihm intel­lek­tu­ell schlicht nicht zuzu­trau­en. Ich konn­te noch nie nach­voll­zie­hen, war­um bun­des­deut­sche Kon­ser­va­ti­ve in ihm eine Licht­ge­stalt zu erbli­cken glau­ben, er ist ein Blen­der und Oppor­tu­nist, der von den alten schwar­zen Seil­schaf­ten nach vor­ne gestellt wur­de, um Wah­len zu gewin­nen. Sei­ne Hal­tung in der Migra­ti­ons­fra­ge ist vor allem dem Umstand geschul­det, dass die letz­te Bun­des­prä­si­den­ten­wahl – wel­che in felix aus­tria dem Volk direkt obliegt – gezeigt hat, dass die Hälf­te der Öster­rei­cher unter Umstän­den bereit ist, FPÖ zu wählen.
Ich neh­me eher an, Kurz hat sich selbst für unver­zicht­bar gehal­ten und im inter­nen Macht­spiel zu hoch gepo­kert, er ist eher einen inter­nen Par­tei­in­tri­ge zum Opfer gefal­len als einer Anywhere-Verschwörung.”
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Zum Vori­gen drang von der Ham­bur­ger Relo­ti­us­spit­ze ein Recher­che­re­sul­tat ins Land.
Was man den Spie­gel-Wei­bern nun wahr­lich nicht vor­wer­fen kann, vor allem den gebe­ne­dei­ten unter ihnen nicht.
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Zur Dia­lek­tik der Aufklärung.
Ich habe mich schon oft gefragt, nach wel­chen Kri­te­ri­en unse­re Anti­ras­sis­ten eigent­lich die Leu­te aus­wäh­len, die sie nach ihren Ras­sis­muser­fah­run­gen befragen.
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Es kann der frömms­te Some­whe­re nicht in Frie­den leben, wenn es dem bösen Any­whe­re nicht gefällt.
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Der Coro­na-Faschis­mus greift auf die Schweiz über.
Aber Kein-schö­ner-Land lässt sich so schnell nichts vormachen.
Und wehe dem, der aus der Rei­he tanzt.
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Tja.
Oder eben, als Nemesis:

PS: „Lie­ber Herr Klo­n­ovs­ky, ‚anek­do­ti­sche Bele­ge’ nen­nen wir das in der Medi­zin. Ger­ne wer­den die­se anek­do­ti­schen Bele­ge her­an­ge­zo­gen, um das eige­ne Welt­bild zu bele­gen (Homöo­pa­then lie­ben das). Sie hän­gen auch seit Beginn der Covid-Imp­fun­gen in die­ser logi­schen Fal­le, sind aber wohl schlau genug, Ihrem metho­di­schen Feh­ler zu erken­nen (?): Ihre Dar­stel­lun­gen sug­ge­rie­ren eine Kau­sa­li­tät zwi­schen Imp­fung und Leta­li­tät; wer sich imp­fen lässt, kann ster­ben, was neben­bei grund­sätz­lich bei jeder Appli­ka­ti­on eines Medi­ka­ments gesche­hen kann. Sie sug­ge­rie­ren durch Ihre anek­do­ti­sche Dar­stel­lung eine Häu­fung, die nicht exis­tiert. Umge­kehrt wird jeder Unge­impf­te, der an Covid stirbt, von Ihnen mehr oder weni­ger unter ‚zufäl­lig gestor­ben’ geführt. Hier gilt also die Kau­sa­li­tät nicht, oder? Hier sind es Vor­er­kran­kun­gen und Alters­schwä­che. Ich ver­bu­che das in Anleh­nung an Jas­pers unter ‚intel­lek­tu­el­le Unred­lich­keit’. Ein 24-stün­di­ges Prak­ti­kum auf einer Inten­siv­sta­ti­on kann so man­che Gril­le korrigieren.”

Leser *** scheint ent­gan­gen zu sein, dass auch 24 Stun­den Inten­siv­sta­ti­on nichts ande­res als anek­do­tisch sind.

Was die Neben­wir­kun­gen oder Kol­la­te­ral­schä­den der Imp­fung betrifft, hat­te ich unlängst die­sen Arti­kel verlinkt.

Die Kern­aus­sa­ge:

Wenn das auch nur im Ansatz stimmt, hät­te ich als Arzt bei der Impf­emp­feh­lung leich­te Hem­mun­gen. Wenn es nicht stimmt, bit­te ich um Belege.

Und außer­dem – apro­pos Intensivstation –:

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Kei­ne Imp­fung wirkt hun­dert­pro­zen­tig. Hier haben wir indes den inter­es­san­ten Fall, dass sie zu hun­dert Pro­zent nicht gewirkt hat.
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Man ver­sucht einen Para­dig­men­wech­sel, der jahr­tau­sen­de­lang belä­chelt wor­den wäre – wobei ich nicht ver­ken­nen will, dass vor 2000 Jah­ren im Römi­schen Reich Ähn­li­ches in Angriff genom­men wur­de, was dem Auf­tau­chen des Attri­buts „christ­lich” in der Spal­te der Ange­klag­ten eine gewis­se Pikanz verleiht.
Ich zäh­le voll­stän­dig zur links gelis­te­ten Grup­pe und soll also „mei­ne Pri­vi­le­gi­en che­cken”. Aber zu die­ser Grup­pe gehö­ren hier­zu­lan­de auch 90 Pro­zent aller Pen­ner, 75 Pro­zent der Net­to­steu­er­zah­ler (min­des­tens), die Mehr­heit der Erfin­der, Nobel­preis­trä­ger, Wis­sen­schaft­ler, Buckel­krum­ma­cher, den-Laden-am-Lau­fen-Hal­ter. Wie wäre es, wenn die ande­re Sei­te ihre „Pri­vi­le­gi­en checkte”?
(Dass sie „jüdisch” dort unter­brin­gen, ist natür­lich unfrei­wil­lig komisch.)
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Man mes­se die­sen Befund am Wahlverhalten.
Kogni­ti­ve Dis­so­nanz? Stockholm-Syndrom?
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Leser *** möch­te Hoff­nung ver­brei­ten und schreibt mir: „Chi­nas Regie­rung will ein Gesetz ein­brin­gen, das Eltern für schlech­tes Beneh­men ihrer Kin­der ver­ant­wort­lich macht. Ist das nur eine Rand­no­tiz im poli­ti­schen Skur­ri­li­tä­ten­ka­bi­nett?  Kei­nes­wegs! Denn dies geschieht vor dem Hin­ter­grund eines aus dem Ruder lau­fen­den Men­ta­li­täts- und Ver­hal­tens­wan­dels der jun­gen chi­ne­si­schen Genera­ti­on, wie ich ihn bei Ihnen in mei­nem klei­nen Essay über Chi­na beschrie­ben habe (ist noch auf Ihrem Blog zu lesen). Und vor dem Hin­ter­grund fal­len­der Gebur­ten­zah­len, die sogar unter die der USA gesun­ken sind. Immer weni­ger chi­ne­si­sche Eltern wol­len es sich antun, Kin­der in Chi­na zu bekom­men – die Nach­tei­le sind ein­fach zu erdrü­ckend, vom Schul­sys­tem bis zu den Kos­ten und zum Weg­fall selbst der letz­ten Res­te von Freizeit.
Ich erin­ne­re mich an eine Dis­kus­si­on mit einem Chi­ne­sen unge­fähr vor einem Jahr. Der etwas natio­na­lis­tisch ein­ge­stell­te Herr (so gut wie alle Chi­ne­sen sind heu­te Natio­na­lis­ten – Kom­mu­nis­ten gibt es kei­ne mehr) frag­te mich etwas pro­vo­kant: ‚Wer soll den Chi­na auf dem Weg zur Num­mer 1 in der Welt noch stop­pen?!’ Ich ant­wor­te­te damals: ‚Die­se Auf­ga­be wer­det Ihr selbst übernehmen!’
Ich bekom­me offen­bar frü­her Recht, als ich es selbst gedacht hät­te. Chi­nas Regie­rung hat eine Coro­na-Poli­tik, die noch viel restrik­ti­ver und irrer ist als die unse­re. Wenn sich irgend­wo der Schat­ten eines Virus zeigt, wer­den gan­ze Regio­nen dicht­ge­macht, mit den öko­no­mi­schen Fol­gen. Aber das ist nicht die ein­zi­ge Gele­gen­heit, wegen der Fabri­ken zeit­wei­se still­ge­legt wer­den. Auch die Ener­gie­kri­se bricht sich Bahn. Die alu­mi­ni­um­ver­ar­bei­ten­de Indus­trie, Ver­zin­kungs­be­trie­be und ähn­li­ches müs­sen Strom spa­ren. Das heisst: Zeit­wei­li­ge Schlies­sung. Denn die Pro­vinz­re­gie­run­gen haben Strom­spar­vor­ga­ben der Regie­rung zu beach­ten. Errei­chen sie die­se Vor­ga­ben, bekom­men die han­deln­den Per­so­nen Vor­tei­le – das Schick­sal der Fabri­ken und von allem, was dar­an hängt, ist ihnen egal.
Zwar wer­den die­se Aspek­te bei unse­ren Berich­ten über  die Ursa­chen der gegen­wär­ti­gen Lie­fer­schwie­rig­kei­ten aus­ge­spart – es ist meist nur die Rede vom Con­tai­ner­stau und der nach Coro­na anzie­hen­den Nach­fra­ge. Aber sie wis­sen ja selbst, wie Zei­tun­gen berich­ten: die wich­ti­gen, aber etwas schwe­rer zu fin­den­den Din­ge ste­hen da meist nicht drin.
Inter­es­sant sind die Wachs­tums­ra­ten des chin. BIP. Schon vor Coro­na fie­len die unter 6% per annum – und da wird es schwie­rig in punc­to Arbeits­lo­sen­zah­len. Nach dem gröss­ten ers­ten Coro­na­schub gab es eine explo­si­ons­ar­ti­ge Erho­lung mit über 18% Wachs­tum in die­sem Früh­jahr. Aber jetzt sinkt die Zahl schon wie­der auf rachi­ti­sche 4,9%. Die chi­ne­si­sche Regie­rung ver­sucht dies zu ver­kau­fen mit dem Hin­weis dar­auf, dass die Aus­sen­wirt­schafts­ab­hän­gig­keit der Wirt­schaft ver­rin­gert wer­den soll. Das ist gut und schön. Aber der stei­gen­de Wohl­stand in Chi­na beruht auf der Ein­bin­dung des Lan­des in den inter­na­tio­na­len Handel.
Kurz: Da in dik­ta­to­ri­schen Regimes mit Unfehl­bar­keits­an­spruch  Kon­troll­me­cha­nis­men feh­len, machen sie sich irgend­wann selbst den Gar­aus, da sie Fehl­ent­wick­lun­gen nicht erken­nen und stop­pen. Und das mag ja tröst­lich sein für die zu erwar­ten­de Zukunft Deutsch­lands. Die Ant­wort auf die Fra­ge, wer den grün­lin­ken Irr­sinn der­einst stop­pen wird, lau­tet daher: die Grün­lin­ken selbst.”
Amen.
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