Der Nächste

Über den Poli­tik­wis­sen­schaft­ler und BND-Aus­bil­der Pro­fes­sor Mar­tin Wagener habe ich auf die­sen Sei­ten gele­gent­lich geschrie­ben, zuerst wegen sei­nes Buchs „Deutsch­lands unsi­che­re Gren­ze. Plä­doy­er für einen neu­en Schutz­wall” (hier). Seit­dem gilt der Dozent als hoch­um­strit­ten (hier, ein biss­chen scrol­len) und Kol­le­gen pro­phe­zei­ten ihm dis­kret, irgend­wann wer­de man ver­su­chen, ihn fer­tig­zu­ma­chen. Vor kur­zem ist Wageners neu­es Opus erschie­nen: „Kul­tur­kampf um das Volk. Der Ver­fas­sungs­schutz und die natio­na­le Iden­ti­tät der Deut­schen” (Olzog). Mit die­ser 500seitigen Stu­die dringt der cou­ra­gier­te Pro­fes­sor („Beken­ner”) noch wei­ter in die Zone der aka­de­mi­schen Kopf­schüs­se vor. Die glo­ba­lis­ti­sche Klas­se akzep­tiert die Exis­tenz von Völ­kern, Iden­ti­tä­ten und der dar­auf grün­den­den natio­na­len Sou­ve­rä­ni­tät bekannt­lich nicht mehr, zumin­dest sofern es sich um west­li­che Völ­ker han­delt, was nicht nur zar­te­re Gemü­ter als ver­fas­sungs­feind­lich emp­fin­den könn­ten, wes­halb man Autoren, die dar­an erin­nern, wer eigent­lich der Sou­ve­rän ist, aus dem Publi­kums­ver­kehr zie­hen muss.
Ges­tern hat der Exper­te für inter­na­tio­na­le Poli­tik über sei­nen Pod­cast mit­ge­teilt, dass ihm der BND die Lehr­be­fug­nis beschränkt und den Zugang zum Zen­trum für nach­rich­ten­dienst­li­che Aus­bil­dung gesperrt hat. Wagener kann einst­wei­len weder mit sei­nen Stu­den­ten ver­keh­ren noch unter­rich­ten. Es sei „ein Hin­weis von außen” gewe­sen, der die Abtei­lung Sicher­heit des BND ver­an­lasst hat, so zu han­deln. Die­ser Hin­weis kam – vom Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz. Pro­fes­sor Wagener, lau­te der Vor­wurf, ver­fol­ge Bestre­bun­gen gegen die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung. „Das Ziel ist klar die völ­li­ge Dis­kre­di­tie­rung mei­ner Per­son mit anschlie­ßen­dem Ver­lust der Stel­le. Wenn die Köl­ner Behör­de zu einer sol­chen Maß­nah­me greift, muss sie das sehr gut begrün­den. … Ich bin daher sehr gespannt, wie sich das Krea­tiv­team aus Köln das zusam­men­rei­men wird.”
Das wird in der Tat span­nend. Wagener – ich habe das Ver­gnü­gen, ihn zu ken­nen – ist ein unta­de­li­ger Beam­ter und auf fast beängs­ti­gen­de Wei­se grund­ge­setz­treu. Er ist hoch­in­tel­li­gent, immer sach­lich und vor allem: im Recht. Zudem hat er den Schneid, sei­ne Sache bis zum Ende durch­zu­fech­ten. Könn­te sein, dass sich die Hal­den­wang-Com­bo mit dem Fal­schen ange­legt hat.
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