Lektüre-Empfehlung

Der in die­sem Dia­ri­um schon öfter und meis­tens hem­mungs­los wohl­wol­lend erwähn­te Poli­tik­wis­sen­schaft­ler Mar­tin Wagener, sei­nes Zei­chens Pro­fes­sor für Inter­na­tio­na­le Poli­tik am Fach­be­reich Nach­rich­ten­diens­te der Hoch­schu­le des Bun­des für öffent­li­che Ver­wal­tung, ist ein muti­ger Mann und womög­lich noch ein biss­chen zu jung dafür. Nor­ma­ler­wei­se wer­den bun­des­deut­sche Pro­fes­so­ren erst intel­lek­tu­ell stö­ßig, wenn sie ihre Pen­si­on genie­ßen; der Ber­li­ner Lehr­be­am­te Wagener indes­sen hat nun­mehr schon sein zwei­tes Buch ver­öf­fent­licht, in dem er gegen die Staats- und Regie­rungs­po­li­tik mosert und sogar Alter­na­ti­ven vor­schlägt, als hät­te ihn irgend­wer gefragt – und zur Ren­te ist es noch ein Stück (der Mann ist Jahr­gang 1970).

Der­zeit hat ihm sein Arbeit­ge­ber aus Grün­den der Tole­ranz Haus- und Lehr­ver­bot erteilt. Anlass ist das erwähn­te zwei­te Buch: „Kul­tur­kampf um das Volk. Der Ver­fas­sungs­schutz und die natio­na­le Iden­ti­tät der Deut­schen” (Olzog-Ver­lag). Dar­in ver­tritt der BND- und Ver­fas­sungs­schutz-Aus­bil­der Ansich­ten, die seit der Amts­über­nah­me des unan­ge­pass­ten und unbe­que­men Inlands­ge­heim­dienst­chefs Tho­mas Hal­den­wang Stoff für einen Prüf­fall erge­ben, auch wenn nicht ersicht­lich ist, auf wel­cher recht­li­chen Grund­la­ge. Des Pudels Kern, der Stein des Ansto­ßes, der Apfel der Eris sowie aller kapi­to­li­ni­schen Gän­se Schnat­ter­grund besteht dar­in, dass Wagener offen­bar allen Erns­tes meint, es exis­tie­re so etwas wie ein deut­sches Volk, „als Teil des deut­schen Staats­vol­kes”, und die­ses Etwas sei auf iden­ti­fi­zier­ba­re Wei­se beson­ders und oben­drein erhal­tens­wert. Mit ande­ren Wor­ten: Der Mann dis­kri­mi­niert (= unter­schei­det) die auf deut­schem Acker­land ver­teil­ten Nicht­kar­tof­feln – das Bild passt inso­fern gut, als bei den Deut­schen wie bei den Erd­äp­feln das Bes­te unter der Erde ist –, indem er einen Unter­schied zwi­schen eth­nisch-kul­tu­rel­len, bereits län­ger hier leben­den sowie in jün­ge­rer Zeit ein­ge­wan­der­ten Staats­bür­gern sieht. Kein Wun­der, dass er beim glo­ba­lis­ti­schen Estab­lish­ment den natür­li­chen Patel­lar­seh­nen­re­flex aus­lös­te. Der Poli­to­lo­ge ver­mu­tet in der Dif­fe­renz näm­lich ein unge­lös­tes Pro­blem, statt sie als Gewinn zu prei­sen und mit Wohl­meins­be­kun­dun­gen zuzu­schüt­ten, wie es zum Bei­spiel die Mun­kel­rü­ben Mari­na und Her­fried in ihrem 2017 erschie­nen Geschenk­buch für die Frem­den­füh­re­rin namens die „Neu­en Deut­schen” taten – wenn es sol­che gibt, muss es auch alte oder älte­re und irgend­wie ori­gi­na­le Deut­sche geben – oder der säch­si­sche CDU-Poli­ti­ker Mar­tin Gil­lo, der bereits 2012, im Jah­re 2 n. Sar.(razin) und drei Umläu­fe vor der Gro­ßen Flut, „Zukunfts­deut­sche” von „Her­kunfts­deut­schen” schied.

Die Dif­fe­renz als sol­che scheint also bekannt zu sein. Aber nicht son­der­lich popu­lär. Offi­zi­ell exis­tiert sie nicht.

Die­se Behaup­tung wäre in vie­ler­lei Hin­sicht ein Fall für die Fak­ten­che­cker – in Deutsch­land leben mehr als zehn Mil­lio­nen Men­schen ohne deut­schen Pass, und Aber­tau­sen­de Pass­deut­sche emp­fin­den sich kei­nes­wegs als Tei­le des hie­si­gen Volks­puz­zles („Die wür­den über­haupt nicht auf die Idee kom­men, mir zu sagen, sie sind Deut­sche”, erklär­te die fesche Saw­san Che­bli über ihre hier leben­de Ver­wandt­schaft) –, sie dürf­te aber gleich­wohl unter den Mit­glie­dern der aktu­el­len Bun­des­re­gie­rung nicht nur mehr­heit­lich, son­dern aus­nahms­los auf ein zustim­men­des Gebrum­mel sto­ßen. Herr Habeck, der neue Vize­kanz­ler, hat sich noch nicht end­gül­tig fest­ge­legt, ob es ein deut­sches Volk über­haupt gibt oder ob er es bloß zu Kot­zen fin­det, aber wenn jeder dazu­ge­hö­ren darf, wird er es wohl seuf­zend akzep­tie­ren. Und die debü­tie­ren­de Innen­mi­nis­te­rin – das ist, zumin­dest for­mal, die Vor­ge­setz­te der Diens­te, vor deren Nach­wuchs Pro­fes­sor Wagener bis­lang dozie­ren durf­te – macht schon mal deut­lich, wo bei der Hei­mats­zu­wei­sung künf­tig der Gum­mi­knüp­pel hängt.

Hal­ten wir fürs ers­te gleich­wohl fest: Das deut­sche Volk ist ein Teil des deut­schen Staats­vol­kes. Denn, so Wagener: „Das eine hat mit Iden­ti­tät zu tun, das ande­re mit Recht.” Eigent­lich sind das zwei bana­le Tat­sa­chen – „Die Unter­schei­dung zwi­schen Volk und Staats­volk ist inter­na­tio­nal üblich” –, aber wo immer Sozia­lis­ten Macht besit­zen, ste­hen die ein­fa­chen Tat­sa­chen im Sturm kol­lek­ti­vis­ti­scher Wünsch­bar­kei­ten und des nivel­lie­ren­den Opt­ativs, gera­de in ’schland.

Neh­men wir ein popu­lä­res Exem­pel (Wagener führt es eben­falls an): Sind die deut­schen Fuß­ball-Natio­nal­spie­ler – der Begriff wird gleich der Natio­nal­mann­schaft sicher­lich bald vapo­ri­siert – Ilkay Gün­do­gan (übri­gens seit Jah­ren wegen sei­ner Spiel­in­tel­li­genz einer mei­ner Lieb­lings­fuß­bal­ler) und Mesut Özil eher Deut­sche oder eher Tür­ken? Gegen­über „ihrem Prä­si­den­ten” (Gün­do­gan), Recep dem Präch­ti­gen, haben sie die Fra­ge ganz offen­her­zig beant­wor­tet, moch­te der ande­re, der fal­sche Prä­si­dent, Pahl-Rugen­stein­mei­er, auch danach auf sie ein­quat­schen, wie er konn­te. Bei­de emp­fin­den sich offen­bar pri­mär als Tür­ken, was irgend­wie mit ihrer eth­nisch-kul­tu­rel­len Her­kunft zusam­men­hän­gen muss. Dass sie für die „Mann­schaft” spie­len, ist dabei völ­lig uner­heb­lich; Legio­nä­re kicken dort, wo sie sich am bes­ten ver­mark­ten kön­nen. Özil und Gün­do­gan dach­ten jeden­falls gar nicht dar­an, ihre Iden­ti­tät zu ver­leug­nen, nur weil lin­ke Deut­sche es von ihnen wünsch­ten, weil sie es jahr­ein, jahr­aus sel­ber tun. Afe­rin!

Ein unvor­ein­ge­nom­me­ner Beob­ach­ter könn­te dar­aus fol­gern, dass es Deut­sche und Tür­ken wirk­lich gibt und man nicht bei­des zugleich sein kann, zumin­dest nicht im glei­chen Maße, weil sich ein Zuge­hö­rig­keits­ge­fühl eben nicht sau­ber hal­bie­ren lässt. Im Übri­gen sieht das auch das Völ­ker­recht so, aus dem der Autor Bele­ge her­bei­zi­tiert, etwa die UNESCO-Erklä­rung von Mexi­ko-City über Kul­tur­po­li­tik aus dem Jahr 1982, wo es unter Punkt 7 heißt: „Die inter­na­tio­na­le Gemein­schaft sieht es als ihre Auf­ga­be an, sicher­zu­stel­len, dass die kul­tu­rel­le Iden­ti­tät eines jeden Vol­kes erhal­ten und geschützt wird.” Oder den Inter­na­tio­na­len Pakt über wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Rech­te vom 19. Dezem­ber 1966, kurz UN-Sozi­al­pakt genannt, in dem geschrie­ben steht: „Alle Völ­ker haben das Recht auf Selbst­be­stim­mung. Kraft die­ses Rechts ent­schei­den sie frei über ihren poli­ti­schen Sta­tus und gestal­ten in Frei­heit ihre wirt­schaft­li­che, sozia­le und kul­tu­rel­le Ent­wick­lung.” Oder das „Rah­men­über­ein­kom­men zum Schutz natio­na­ler Min­der­hei­ten” des Euro­pa­rats, ver­ab­schie­det am 1. Febru­ar 1995, des­sen schie­re Exis­tenz zei­ge, so Wagener, „dass natio­na­le Iden­ti­tät nicht belie­big ist, son­dern kul­tu­rel­le und eth­ni­sche Bezü­ge auf­weist. Min­der­hei­ten­schutz ist immer auch ein Plä­doy­er für eine Viel­falt, die logisch nur mög­lich ist, wenn Kul­tu­ren und Eth­ni­en erhal­ten wer­den.” Dürf­te denn andern­falls so etwas wie die 2007 ver­öf­fent­lich­te „Erklä­rung der Ver­ein­ten Natio­nen über die Rech­te der indi­ge­nen Völ­ker” über­haupt beschlos­sen wer­den? Gesetzt, es gäbe kein deut­sches Volk, dann könn­te es, so Wagener, auch kei­ne deut­schen Min­der­hei­ten im Aus­land geben, und die Bro­schü­re des Bun­des­in­nen­mi­nis­te­ri­ums „Deut­sche Min­der­hei­ten stel­len sich vor” – Bei­spiel: „Heu­te leben etwa 8000 usbe­ki­sche Staats­bür­ger deut­scher Volks­zu­ge­hö­rig­keit in Usbe­ki­stan” – müss­te ein­ge­stampft wer­den. Auch im Maas­tricht-Ver­trag, Arti­kel F der Gemein­sa­men Bestim­mun­gen, steht stur­heil natio­na­lis­tisch geschrie­ben: „Die Uni­on ach­tet die natio­na­le Iden­ti­tät ihrer Mitgliedsstaaten.”

Im Grun­de, sin­niert der Poli­tik­wis­sen­schaft­ler, sei­en das alles ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te rechts­ex­tre­me Behaup­tun­gen – zumin­dest sofern sie jemand auf Deutsch­land anwen­den woll­te. Wagener zitiert das „Säch­si­sche Sor­ben­ge­setz” von 1999, in dem fest­ge­legt ist: „Das sor­bi­sche Volk und jeder Sor­be haben das Recht auf Schutz, Erhal­tung und Pfle­ge ihrer ange­stamm­ten Hei­mat und Iden­ti­tät.” Erset­ze nun ein Nei­ding, etwa von der AfD, „sor­bisch” durch „deutsch”, dann läge „aus der Sicht der poli­tisch-media­len Eli­te ein Doku­ment mit rechts­ex­tre­mer Gesin­nung” vor. Mehr noch: „Dem deut­schen Volk wird durch die geziel­te För­de­rung des Zuzugs von Mil­lio­nen Migran­ten die Bewah­rung und Wei­ter­ent­wick­lung der eige­nen Iden­ti­tät deut­lich erschwert. Wären die Deut­schen in natio­na­ler Hin­sicht eine Min­der­heit, wür­de die Poli­tik der Bun­des­re­gie­rung nicht nur gegen das in Arti­kel 5 des Rah­men­über­ein­kom­mens fest­ge­leg­te Zwangs­as­si­mi­lie­rungs­ver­bot verstoßen.”

Wenn ein Poli­tik­pro­fes­sor und Geheim­dienst­aus­bil­der inter­na­tio­na­le Ver­trags­wer­ke zitie­ren muss, um zu bele­gen, dass es Völ­ker, Natio­nen und eth­nisch-kul­tu­rel­le Eigen­ar­ten wirk­lich gibt und sie nicht bloß von Ras­sis­ten, Rechts­po­pu­lis­ten und Mensch­heits­leug­nern kon­stru­iert wor­den sind, befin­den wir uns augen­schein­lich im bes­ten Deutsch­land, das jemals kon­stru­iert wur­de, aber längst nicht fer­tig­kon­stru­iert ist.

Im Som­mer 2016 frag­te Allens­bach: „Gibt es so etwas wie einen deut­schen Natio­nal­cha­rak­ter?” 57 Pro­zent der Befrag­ten ant­wor­te­ten mit Ja (Grü­nen-Anhän­ger: 46 Pro­zent), 26 Pro­zent mit Nein. Der Aus­sa­ge: „Deutsch­sein hat mit Her­kunft und Tra­di­ti­on zu tun, nur der Pass macht noch kei­ne ‚rich­ti­gen’ Deut­schen”, stimm­ten 49 Pro­zent zu, fünf Pro­zent mehr, als die NSDAP bei den Reichs­tags­wah­len 1933 erreichte.

„Nach den Maß­stä­ben des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz”, fol­gert Wagener, „kann dem­nach etwa die Hälf­te der Deut­schen als latent oder offen rechts­ex­tre­mis­tisch ein­ge­stuft wer­den.” Des­sen Defi­ni­ti­on rücke näm­lich „eine Per­son in die Nähe der Ver­fas­sungs­feind­lich­keit, sobald sie sich einem Volk zuge­hö­rig fühlt und dies über den Gesichts­punkt der Abstam­mung begrün­det”. – Wobei ich nicht aus­schlie­ßen will, dass der Grün­staat auch patrio­ti­sche Pass­deut­sche künf­tig wie unge­boos­ter­te Bio­deut­sche behandelt.

Zurück zum Buch. Pro­fes­sor Wagener meint also, dass ein eth­nisch-kul­tu­rell gepräg­tes, über sei­ne Abstam­mung defi­nier­tes deut­sches Volk exis­tiert, und er ent­nimmt den Ver­öf­fent­li­chun­gen des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz, kurz BfV, dass die­se Mei­nung mit dem Menschwür­de­gum­mi­pa­ra­gra­phen des Grund­ge­set­zes kol­li­diert, sobald irgend­et­was Exklu­si­ves dar­aus abge­lei­tet wird. Zum Bei­spiel im Ver­fas­sungs­schutz­gut­ach­ten über die AfD, wo Alex­an­der Gau­lands Satz „Wir wol­len Deut­sche blei­ben” als Beleg für „ein eth­nisch-bio­lo­gisch bzw. eth­nisch-kul­tu­rell begrün­de­tes Volks­ver­ständ­nis” gewer­tet wird, „das gegen die Men­schen­wür­de­ga­ran­tie des Art. 1 Abs. 1 GG ver­stößt”; aus jeman­des Wunsch, Deut­scher blei­ben zu wol­len, lei­tet der Ver­fas­sungs­schutz­gut­ach­ter also eine Ver­let­zung der Men­schen­wür­de Nicht­deut­scher ab (ich habe die­sen Gesin­nungs­fa­na­tis­mus „zeit­nah” kom­men­tiert). Wagener meint außer­dem, dass das Grund­ge­setz samt sei­nem hl. Arti­kel 1 nur in den deut­schen Gren­zen (von 2021) gel­ten kön­ne. Und dass jenes deut­sche Volk, wel­ches pene­trant durch das GG geis­tert, der deut­sche Sou­ve­rän sei.

Auf den ers­ten Blick sind das grund­ge­setz­kon­for­me Ansich­ten. Aber war­um stig­ma­ti­siert der Ver­fas­sungs­schutz sie dann? Auch dafür hat unser Pro­fes­sor eine Erklä­rung: Die Bun­des­re­gie­rung betrei­be „seit vie­len Jah­ren eine nach­hal­ti­ge Umfor­mung der Zusam­men­set­zung der Bevöl­ke­rung”, weil sie „das Pro­jekt der Erset­zung der deut­schen Kul­tur­na­ti­on durch eine mul­ti­kul­tu­rel­le” ver­fol­ge. Begon­nen habe die­ser Pro­zess bereits 1999 unter Ger­hard Schrö­der mit der Ände­rung des Staats­an­ge­hö­rig­keits­rechts „zuguns­ten der Errich­tung einer mul­ti­kul­tu­rel­len Gesell­schaft”. Die Regie­run­gen von Schrö­der und Mer­kel „haben die Grund­la­gen für einen neu­en Sou­ve­rän geschaf­fen”, für „ein Volk neu­en Typs”. Die Poli­tik­wis­sen­schaft unter­schei­de zwi­schen gewach­se­nen Kul­tur­na­tio­nen und aus frei­en Stü­cken gebil­de­te Wil­lens­na­tio­nen, aber in Deutsch­land „soll etwas völ­lig Neu­es geschaf­fen wer­den: eine Zwangs­na­ti­on”. Frei­lich wider­sprä­che die­ser Pro­zess „dem völ­ker­recht­lich ver­brief­ten Selbst­be­stim­mungs­recht des” – da ist der Zom­bie aus dem Grund­ge­setz wie­der! – „deut­schen Volkes”.

Der Aus­bil­der schlägt des­halb vor, den Tat­be­stand Ver­fas­sungs­feind­lich­keit um zwei Kate­go­rien zu erwei­tern: den „libe­ra­len” und den „admi­nis­tra­ti­ven Extre­mis­mus”. Libe­ra­ler Extre­mis­mus lie­ge vor, wenn Frei­zü­gig­keit auf Kos­ten der Sicher­heit des Staa­tes poli­tisch durch­ge­setzt wer­de. „Inso­fern müs­sen NGOs, die für eine Mas­sen­ein­wan­de­rung ad infi­ni­tum plä­die­ren, als poli­tisch extre­mis­tisch und in der Kon­se­quenz ihres Han­delns als ver­fas­sungs­feind­lich ein­ge­ord­net wer­den. Dies gilt auch für radi­ka­le Pazi­fis­ten, die sich für eine Abschaf­fung der Bun­des­wehr ein­set­zen.” Unse­rer Frem­den­füh­re­rin i.R. wie­der­um kön­ne, ja müs­se „eine Hal­tung des libe­ra­len Extre­mis­mus dort zuge­schrie­ben wer­den, wo sie mit ihrer Poli­tik zu einer chro­ni­schen Über­for­de­rung des Staa­tes bei­getra­gen hat”. Bei der von ihr gefö­der­ten oder gedul­de­ten „Mas­sen­ein­wan­de­rung unge­kann­ten Aus­ma­ßes” sei es schließ­lich abseh­bar gewe­sen, „dass ohne Kon­trol­len auch Schwer­ver­bre­cher und Ter­ro­ris­ten ein­rei­sen wer­den”. Das ist wahr, auf dem Altar der Ferns­ten­lie­be hat Mer­kel vie­le Men­schen geop­fert, auf die sie zuvor ihren Amts­eid geleis­tet hat­te. Deren Zahl – die, was die Toten betrifft, jene der Opfer des DDR-Grenz­re­gimes bereits über­schrit­ten hat – wird wei­ter­wach­sen, egal wie artig sie auch künf­tig jeden Tag ihre Fin­ger­nä­gel auf­isst. Ich schwei­fe ab –

Als „admi­nis­tra­ti­ven Extre­mis­mus” defi­niert Wagener, wenn jemand „mit einer sehr aus­ge­präg­ten ver­fas­sungs­feind­li­chen Hal­tung ein Amt beklei­det”. Als „Mus­ter­bei­spiel” wählt er ein his­to­ri­sches und nennt die Kar­rie­ren von Joseph „Josch­ka” Fischer und Hans-Ger­hart „Joscha” Schmie­rer im Aus­wär­ti­gen Amt unter Schrö­der, viel­leicht weil er zum Zeit­punkt der Manu­skript­ab­ga­be noch nicht wuss­te, wer alles in die Bun­des­re­gie­rung und ins Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­di­um ein­rü­cken würde.

Für den bra­ven deut­schen Diede­rich Heß­ling ist es eine Zumu­tung, anzu­er­ken­nen, „dass Mit­glie­der von deut­schen Regie­run­gen ver­fas­sungs­feind­li­che Posi­tio­nen ver­tre­ten und ver­fas­sungs­feind­li­che Hand­lun­gen bege­hen kön­nen”. Dies, meint der beur­laub­te Aus­bil­der, wer­de gemein­hin nicht ein­mal für mög­lich gehal­ten, ins­be­son­de­re im Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz nicht. Statt­des­sen sei der Ver­fas­sungs­schutz „in der Ver­gan­gen­heit immer wie­der als Instru­ment der Poli­tik” in Erschei­nung getreten.

Das BfV steht fol­ge­rich­tig – neben dem Volk, des­sen behaup­te­te Exis­tenz es bekämpft – im Mit­tel­punkt von Wag­ners Stu­die. Anno 2018 wur­de bekannt­lich des­sen Chef Hans-Georg Maaßen aus­ge­tauscht, weil er Mer­kels extem­po­rier­te Chem­nit­zer „Hetz­jag­den” nicht bestä­ti­gen moch­te. Ein streb­sa­mer, gesin­nungs­zä­her und in Regie­rungs­treue fes­te­rer Ersatz fand sich in Maaßens Stell­ver­tre­ter, seit­her bekannt als Tho­mas Hal­den­wang. Der Neue, jeder Zoll eine Cha­rak­ter­na­tur, lie­fer­te fort­an die gewünsch­ten Ein­schät­zun­gen. Unmit­tel­bar nach sei­ner Amts­über­nah­me stemm­te er das The­ma „Rechts­ex­tre­mis­mus” prak­tisch aus der Hüf­te auf Platz eins sei­ner Sicher­her­heits­agen­da, obwohl sich, wie Wagener schlau­mei­ert, „weder aus dem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt 2018 noch dem von 2019 ablei­ten lässt, dass eine Fixie­rung auf den Rechts­ex­tre­mis­mus als ver­meint­lich größ­te Her­aus­for­de­rung für die FDGO (im Buch aus­ge­schrie­ben – M.K.) ange­mes­sen ist”.

Im Inter­view mit dem Süd­deut­schen Beob­ach­ter direkt nach sei­ner Haupter­he­bung appor­tier­te Hal­den­wang das regie­rungs­of­fi­zi­ell gewünsch­te Feindbild:

Mein­te er die Hetz­jag­den-Mär der Kanz­le­rin? Nein, die war ja nicht gefälscht, das war eine ech­te, eine authen­ti­sche Lüge.

In Wageners weid­li­chen Wor­ten: Der neue BfV-Chef „befes­tig­te bestehen­de Nar­ra­ti­ve, die in unbe­küm­mer­ter Wei­se die Ver­ant­wor­tung Mer­kels für die Gefähr­dung des inne­ren Frie­dens ausblenden”.

Eben­so unbe­küm­mert stellt Hal­den­wang inzwi­schen gan­ze Tei­le der Bevöl­ke­rung unter den Ver­dacht des Rechts­ex­tre­mis­mus, etwa die Bun­des­wehr:

Bis in sei­ne Wort­schatz­wahl über­nimmt der sym­pa­thi­sche Ober­schlapp­hut, was ihm Regie­rung und Gesin­nungs­pres­se souf­flie­ren; er spricht von einer „angeb­li­chen Über­frem­dung und Isla­mi­sie­rung” (Zah­len dazu wei­ter unten) sowie von einer „sogenannte(n) Flücht­lings­kri­se” (wobei er mit „soge­nannt” die Kri­se meint, nicht die Flücht­lin­ge). Eine Unbot­mä­ßig­keit namens „Euro­pa­skep­sis” stuft er als ein typi­sches The­ma von Rechts­ex­tre­mis­ten ein. Dem Spie­gel ver­trau­te er an, dass „die soge­nann­te” – nicht die „angeb­li­che”! – „Neue Rech­te” die „Ver­schwö­rungs­theo­rie der ‚Umvol­kung’ ” ver­brei­te – ob das Ber­li­ner Pro­fes­so­ren­ehe­paar Münk­ler auch dazu­ge­hört, sag­te er nicht – und damit „das Gefühl, dass etwas gesche­hen muss”, ver­mitt­le – wie schön, wenn der Ver­fas­sungs­schutz­häupt­ling auch mal über Gefüh­le spricht! –, und das sei „der geis­ti­ge Nähr­bo­den für Taten” – bzw. Trig­ger-Ereig­nis­se – „wie in Hal­le”. Das Gefühl ist der geis­ti­ge Nähr­bo­den: Man fühlt sofort geis­tig, dass der Mann sich auf sei­nen Job ver­steht und wenigs­tens einen Bruch­teil der Lücke, die Mer­kel hin­ter­lässt, zu fül­len wis­sen wird. Auch wenn Wagener – erwähn­te ich, dass er als Pro­fes­sor beur­laubt wur­de? – die kru­de The­se ver­brei­tet, Hal­den­wang gin­ge „weit über den eigent­li­chen Auf­trag der Behör­de – die Bekämp­fung des nach­weis­ba­ren Extre­mis­mus – hin­aus”, sei­ne öffent­li­chen Äuße­run­gen besä­ßen „zum Teil den Cha­rak­ter von Droh­ge­bär­den, die direkt in die poli­ti­sche Aus­ein­an­der­set­zung hin­ein­wir­ken”. Etwa wenn er die „Ver­tre­ter der Neue Rech­ten” als „Super­sprea­der von Hass und Gewalt” ding­fest mache (so gesche­hen im Juli 2020), lei­der ohne Erklä­rung, wer genau und vor allem was eigent­lich damit gemeint sei.

Als Eides­hel­fer ruft Wagener aus­ge­rech­net das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit sei­nem Urteil vom 18. Mai 2001 her­bei, in dem es heißt, es sei einer poli­ti­schen Par­tei vor dem Hin­ter­grund „einer erheb­li­chen Ein­wan­de­rung in Deutsch­land (…) nicht ver­wehrt, zum Bei­spiel einen ‚Ver­lust der natio­na­len Iden­ti­tät’ durch ‚Über­frem­dung’ und die Aus­höh­lung des ‚Abstam­mungs­prin­zips’ zu bekla­gen, die Art und Wei­se der Bewäl­ti­gung der deut­schen Ver­gan­gen­heit nach dem Zwei­ten Welt­krieg zu pro­ble­ma­ti­sie­ren sowie die Fra­ge nach der Aus­län­dern geschul­de­ten Soli­da­ri­tät anzu­spre­chen”. 2001 – das war vier Jah­re, bevor das bes­te Deutsch­land, das es ja gab, über­haupt gegrün­det wur­de! Die Kanz­le­rin hat wahr­schein­lich nur ver­ges­sen, die­ses unwich­ti­ge Urteil für unver­zeih­lich zu erklä­ren, aber der Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­prä­si­dent Har­b­arth wird sich der Sache hof­fent­lich annehmen.

Ein­mal in Ver­schwö­rungs­lau­ne gera­ten, kennt unser Poli­tik­pro­fes­sor kein Hal­ten mehr. Gegen­über der AfD, schreibt er, habe sich das BfV, da ein Ver­bot nicht so ein­fach sei, für die Tak­tik der „Ver­un­si­che­rung von Wäh­lern und Man­dats­trä­gern” ent­schie­den. Dies sei exem­pla­risch gesche­hen durch die öffent­li­che Brand­mar­kung der AfD als „Prüf­fall” im Febru­ar 2019, was das Ver­wal­tungs­ge­richt Köln als „ein­deu­tig rechts­wid­rig” bewer­te­te (im offi­zi­el­len Ver­fas­sungs­schutz­gut­ach­ten gab es ledig­lich „Ver­dachts­split­ter”). „Die Iro­nie des gan­zen Vor­gangs könn­te nicht grö­ßer sein”, kom­men­tiert Wagener, „Hal­den­wang gab sich auf der Pres­se­kon­fe­renz als Beschüt­zer der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung und setz­te genau zu die­sem Zweck Mit­tel ein, die kurz zuvor von einem Gericht als Ver­let­zung des Grund­ge­set­zes ein­ge­ord­net wor­den sind.” Das sei „nor­ma­ler­wei­se ein kla­rer Rück­tritts­grund”. Aber der soge­nann­te Ver­fas­sungs­schüt­zer hat­te sich „das rich­ti­ge Ziel” aus­ge­sucht. „Spä­tes­tens an die­ser Stel­le soll­te der recht­s­treue Bür­ger ner­vös wer­den. Wenn der Ver­fas­sungs­schutz tat­säch­lich bereit ist, in einer rechts­wid­ri­gen Wei­se eine Par­tei zu atta­ckie­ren und er dabei auch noch poli­tisch gedeckt wird, dann muss man sich Sor­gen um die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung machen.”

Der Pro­fes­sor meint gar, Hal­den­wang habe die Nie­der­la­ge vor Gericht „wil­lent­lich in Kauf genom­men”, weil der Zweck, die medi­en­wirk­sa­me Anpran­ge­rung der Schwe­fel­par­tei samt Ein­mi­schung in das Wahl­jahr 2019, ja erfüllt und das bei­fäl­li­ge Brum­men der Kanz­le­rin sicher gewe­sen sei. Der Ver­fas­sungs­schutz sei in der Lage, in der Gesell­schaft „Aus­gren­zungs­kam­mern” zu instal­lie­ren, „die poli­ti­schen Lepra­s­ta­tio­nen glei­chen”. Ein Mann kann durch das Aus­plap­pern gewis­ser Wahr­hei­ten bewei­sen, dass er beur­lau­bens­wür­dig ist.

Es mag sein, dass der eine oder ande­re Leser inzwi­schen ein gewis­ses Ennui emp­fin­det, aber Freund Hal­den­wang ist eine Figur, an der ich mich ein­fach satt­se­hen muss, weil Geor­ge Grosz es nicht mehr kann. Seit sei­ner Beför­de­rung prä­sen­tiert der Maaßen-Wie­der­gut­ma­cher der Öffent­lich­keit immer neue Beob­ach­tungs­fäl­le, die sein Vor­gän­ger genau­so über­se­hen hat­te wie die Hetz­jag­den rund ums Chem­nit­zer Karl-Marx-Monu­ment: das Insti­tut für Staats­po­li­tik und den Antai­os-Ver­lag (gegrün­det 2000), das Maga­zin Com­pact (gegrün­det 2010), den – soge­nann­ten – „Flü­gel” der AfD und die Akti­vis­ten von „Ein Pro­zent” (bei­de akten­kun­dig seit 2015). Wagener merkt an, dass all die­se nun­mehr vom VS beob­ach­te­ten Per­so­nen das, was sie tun, seit Jah­ren kon­stant und öffent­lich tun; es lägen kei­ner­lei neu­en Erkennt­nis­se über sie vor. Wie habe er, Hal­den­wang, es in sei­ner Zeit als BfV-Vize­prä­si­dent (von 2013 bis 2018) „inner­lich ertra­gen” kön­nen, dass sein dama­li­ger Vor­ge­setz­ter Maaßen nicht gegen die genann­ten Akteu­re vor­ging? War­um habe er, Hal­den­wang, die­sen Stil gegen alle sei­ne Gewiss­hei­ten mit­ge­tra­gen? „Durch einen Rück­tritt”, so Wagener, „hät­te er Hal­tung zei­gen können.”

Genos­se Hal­tungs­zwang fand es aus­rei­chend, sich in Bereit­schaft zu halden.

Kom­men wir zur Con­clu­sio. Die Haupt­auf­ga­be des Ver­fas­sungs­schut­zes ist ein­ge­stan­de­ner­ma­ßen der „Kampf gegen rechts”. Der‚ behaup­tet Wagener, sei in Wirk­lich­keit ein „Kampf gegen Kon­ser­va­ti­ve”. Vor allem aber ist es ein Kampf gegen die Nati­on, gegen das deut­sche Volk, ein „Kul­tur­kampf”. Durch den Ver­fas­sungs­schutz „wer­den zen­tra­le natio­na­le Dis­kurs­ele­men­te kon­ta­mi­niert” (Wagener). Die Abtei­lung Ver­fas­sungs­schutz des nie­der­säch­si­schen Innen­mi­nis­te­ri­ums bei­spiels­wei­se hat als ver­fas­sungs­feind­li­che Erken­nungs­me­lo­dien den „Natio­nal­stolz”, die „Ableh­nung von Poli­ti­cal Cor­rect­ness”, eine „Beto­nung natio­nal­kon­ser­va­ti­ver Wer­te” sowie Sym­pa­thien für Otto von Bis­marck gelis­tet. „Unter Rechts­ex­tre­mis­mus wer­den Bestre­bun­gen ver­stan­den, die sich gegen die im Grund­ge­setz kon­kre­ti­sier­te fun­da­men­ta­le Gleich­heit der Men­schen rich­ten und die uni­ver­sel­le Gel­tung der Men­schen­rech­te ableh­nen”, erwei­tert die VS-Zen­tra­le ihre Auf­ga­be ins Glo­ba­lis­ti­sche. Nur dekre­tiert das Grund­ge­setz nir­gends eine „Gleich­heit der Men­schen”, Arti­kel 3 sta­tu­iert ledig­lich die Gleich­heit „vor dem Gesetz”, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau sowie ein Bevor­zu­gungs- bzw. Benach­tei­li­gungs­ver­bot nach den übli­chen Grup­pen­zu­ge­hö­rig­kei­ten Geschlecht, Ras­se, Religion.

Der Glut­kern des gan­zen anti­rech­ten Ver­fas­sungs­schutz-Zin­no­bers ist die Defi­ni­ti­ons­macht über den Volks­be­griff, dar­um ist der Buch­ti­tel äußerst zutref­fend gewählt. Wer das Volk ist, wer der Sou­ve­rän, wer dazu­ge­hört und wer nicht, das sind die zen­tra­len Zukunfts­fra­gen für sämt­li­che west­li­chen Natio­nen. Die Mas­sen­mi­gra­ti­on ist die größ­te Gefahr für die west­li­che Welt, nicht Coro­na, nicht der Klimawandel.

Im letz­ten Kapi­tel „Schleich­we­ge zum Cha­os” nimmt Wagener die klei­ne Vor­gän­ge­rin des bes­ten Deutsch­lands ever in den Blick, die auch bereits eine „Zwangs­na­ti­on” gewe­sen sei, kein deut­scher, son­dern ein „sozia­lis­ti­scher Staat der Arbei­ter und Bau­ern”, der die Deut­schen inner­halb sei­ner Gren­zen zu „Bür­gern der DDR” umge­schult hat­te bzw. umzu­er­zie­hen im Begrif­fe stand (in der Zone galt das Wort „deutsch” offi­zi­ell als pfui). Damals wie heu­te sei es das staat­li­che Ziel gewe­sen, die deut­sche Kul­tur­na­ti­on abzu­schaf­fen und eine neue sozia­lis­ti­sche Nati­on zu kre­ieren. Die Bun­des­re­gie­rung ste­he inzwi­schen vor dem­sel­ben Pro­blem wie wei­land die DDR-Regie­rung: Mehr­hei­ten für ein sol­ches Pro­jekt gebe es nicht, aber „die offi­zi­ell ange­streb­te neue Iden­ti­tät kann erst mög­lich wer­den, wenn die alte besei­tigt ist”. Des­halb wird heu­te der Migra­ti­ons­he­bel ange­setzt, des­halb nimmt der Druck auf den stör­ri­schen Teil der Her­kunfts- und Bio­deut­schen, ob nun durch Pro­pa­gan­da, die Staats­or­ga­ne oder die gesteu­er­te soge­nann­te Zivil­ge­sell­schaft, täg­lich zu. Wei­te­re DDR-Ver­glei­che sei­en der Phan­ta­sie der Leser Lesen­den anheimgestellt.

Schluss­wort des Autors: „Wer die Bun­des­re­pu­blik der 1990er Jah­re erlebt hat, dürf­te das eige­ne Land mehr als 30 Jah­re nach der Wie­der­ver­ei­ni­gung kaum wie­der­erken­nen. Um es in ein Bild zu fas­sen: Der über Jahr­hun­der­te gewach­se­ne deut­sche Wald wird nicht nur abge­holzt, son­dern so stark ver­nach­läs­sigt, dass sein geschwäch­tes Wur­zel­werk den Stür­men der Zeit bald nicht mehr trot­zen kann. Für die Wald­wäch­ter ist dies kein Pro­blem. Sie haben längst mit der Neu­pflan­zung begonnen.”

Vor­hang.

***

Noch zum Vorigen.

Wagener rech­net: Im Jahr 2005 hat­ten 15,3 Mil­lio­nen Deutsch­land­be­woh­ner einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund (18,6 Pro­zent), dar­un­ter 7,32 Mil­lio­nen Aus­län­der (8,9 Pro­zent). 2019 waren es 21,246 Mil­lio­nen (25,6 Pro­zent), davon 10,12 Mil­lio­nen Aus­län­der (12,2 Pro­zent). Bei den Kin­dern im Alter von null bis fünf Jah­ren hat­ten 40,4 Pro­zent einen Migra­ti­ons­hin­ter­grund (in Frankfurt/M. übri­gens 71,4 Pro­zent). Der Anteil von Men­schen mit dem Hin­ter­grund aller Hin­ter­grün­de betrug 2019 in Ber­lin 36,2 Pro­zent, in Mün­chen 45,1 Pro­zent, in Frank­furt 53,7 Pro­zent, in Offen­bach 63,9 Pro­zent. Der Bevöl­ke­rungs­aus­tausch ist eine Lüge der Rechten.

In Deutsch­land leben inzwi­schen offi­zi­ell zwi­schen 5,3 und 5,6 Mil­lio­nen Mos­lems, die Zahl der Moscheen wird auf 2500 bis 2800 geschätzt. Ver­gli­chen mit dem Zustand vor 30, ja 50 Jah­ren kann also unmög­lich von einer Isla­mi­sie­rung gespro­chen werden.

Eine Umfra­ge im Spät­som­mer 2020 unter Mos­lems in Deutsch­land ergab: 40 Pro­zent stel­len ihre reli­giö­sen Ansich­ten über staat­lich garan­tier­te Rech­te (bei Jugend­li­chen unter 25 waren es 74 Pro­zent; in punc­to Ver­stand kön­nen die Frei­tags­be­ter mit den Frei­tags­hüp­fern mithalten).

Der Pos­ten „Arbeit und Sozia­les” des Bun­des­haus­hal­tes umfass­te 2019 143 Mil­li­ar­den Euro oder 40,12 Pro­zent des Gesamt­haus­hal­tes, die gesam­ten Sozi­al­aus­ga­ben des Bun­des­haus­hal­tes lagen bei 177,13 Mil­li­ar­den (oder 49,6 Pro­zent). Beim ALG II (Hartz IV) lag der Migran­ten­an­teil bei 55 Pro­zent (Sozi­al­hil­fe: 59 Prozent).

Rech­net man jetzt die Kos­ten der Ein­wan­de­rung – von Janu­ar 2015 bis Dezem­ber 2020 stell­ten 1.769.607 Men­schen in ’schland einen Erst­an­trag auf Asyl –, die Kri­mi­na­li­täts­bi­lanz der Schutz­su­chen­den bzw. ‑fle­hen­den, ihren Bil­dungs­stand etc. dazu, fer­ner Peti­tes­sen wie die 192.801 offe­nen Haft­be­feh­le (Stand 31. März 2020), das Altern der­je­ni­gen Deut­schen, die für das Funk­tio­nie­ren der Tech­no­sphä­re maß­geb­lich zustän­dig sind, die dro­hen­den Kol­la­te­ral­schä­den der Ener­gie­wen­de und der Dekar­bo­ni­sie­rung der deut­schen Täter­volks­wirt­schaft – eine Wil­lens­na­ti­on „ist öko­no­misch gera­de­zu zum Erfolg ver­dammt”, schreibt Wagener, ja und eine Zwangs­na­ti­on erst! –, und ver­gisst man über­dies nicht die Dau­er­dro­hung durch isla­mi­sche Ter­ro­ris­ten (und deren har­ren­de Sym­pa­thi­san­ten) sowie durch ein­sa­me iden­ti­tä­re Wöl­fe vor dem Hin­ter­grund der emprisch x‑fach beleg­ten Tat­sa­che, dass segre­gier­te, mul­ti­kul­tu­rel­le Gesell­schaf­ten in Man­gel- und Kri­sen­fäl­len ent­lang der erwart­ba­ren Bruch­li­ni­en gewalt­sa­me Kon­flik­te um sich ver­knap­pen­de Res­sour­cen aus­tra­gen – „Die Geschich­te hat gezeigt, dass künst­lich erzeug­te Natio­nen ohne kul­tu­rel­len Tie­fen­be­zug nach einer bestimm­ten Zeit ver­ge­hen. … Den Preis zahlt immer die letz­te Genera­ti­on” –, dann wird sich nie­mand Wageners Schluss­fol­ge­rung ver­schlie­ßen: „Das Eis ist durch­aus dünn, auf dem sich die Bun­des­re­gie­rung bewegt.”

***

Im bespro­che­nen Buch fand ich den Hin­weis auf die­sen Kom­men­tar in der Zeit (Joseph „Josch­ka” Fischer war damals gera­de hes­si­scher Umweltministergeworden).

Zitat: „Ein als Ver­fas­sungs­feind regis­trier­ter Umwelt­mi­nis­ter – das ist die absur­de Kon­se­quenz eines Den­kens, in dem ver­al­te­te Feind­bil­der, star­re Prin­zi­pi­en­treue und grund­lo­se Risi­ko­scheu immer noch über poli­ti­sches Fin­ger­spit­zen­ge­fühl und demo­kra­ti­sche Sen­si­bi­li­tät triumphieren. (…)

Gewiß kann man die star­ken Sprü­che eines Josch­ka Fischer oder Rai­ner Tram­pert für bare Mün­ze neh­men. Man kann sie aber eben­so­gut als poli­ti­sches Maul­hel­den­tum abtun.”

Und nun, lie­be Schü­ler, über­tra­gen wir den Kom­men­tar auf die par­la­men­ta­ri­sche Gegen­wart. – Lasst ihr wohl die Fül­ler lie­gen! Das war ein Scherz!

 ***

Inzwi­schen regt sich aka­de­mi­scher Pro­test gegen die Zwangs­be­ur­lau­bung des frei­sin­ni­gen Professors.

Der offe­ne Brief ist von 15 Wis­sen­schaft­lern unter­zeich­net wor­den. Ihre For­de­run­gen sind moderat.

 

Total
1
Shares
Vorheriger Beitrag

Des g'follt mer

Nächster Beitrag

22. Dezember 2021

Ebenfalls lesenswert

10. August 2019

Aus­land – das fühlt sich an, als habe man eine Woh­nung ver­las­sen, in der man pau­sen­los von Gou­ver­nan­ten…

11. März 2019

Klei­ner Nach­trag zu Matu­s­seks reui­gem Gebuts­tags­par­ty­gast (Acta von gestern): Die­se Beschrei­bung des bun­des­re­pu­bli­ka­ni­schen Phä­no­typs stammt aus: „Der Held.…

30. September 2019

„Es gibt nur einen Fri­day for Future: den Karfreitag.” Alex­an­der Pschera *** Unser Außen- und ehe­dem Jus­tiz­mi­nis­ter belie­ben,…