17. Juli 2022, Nachtrag

Leser ***, auf die­sen Sei­ten bereits als Chi­na­ken­ner vor­stel­lig gewor­den, schreibt: „Lei­der ken­nen die deut­schen Jour­na­lis­ten die neur­al­gi­schen Punk­te des chi­ne­si­schen Sys­tems nicht und bemer­ken dem­entspre­chend nicht, wel­che Nach­rich­ten wich­tig sind. Sie lie­gen vor aller Augen, wer­den aber von den wenigs­ten wahr­ge­nom­men (eine Aus­nah­me bil­det aus­ge­rech­net CNN, wo chi­ne­si­sche Repor­ter unter der Rubrik ‚Mean­while in Chi­na’ teils aus­ge­zeich­ne­te Infos liefern).
Den deut­schen Zei­tun­gen war die Tat­sa­che, dass chi­ne­si­sche Pro­vinz­ban­ken in Zah­lungs­schwie­rig­kei­ten gera­ten, nur eine Rand­no­tiz wert. Man weiss offen­bar nicht, dass sol­che Ban­ken ca. 40% des chi­ne­si­schen Bin­nen­mark­tes bedie­nen – die Gross­ban­ken sind sich oft ‚zu fein’, sich mit den ‚bread-and-butter’-Bedürfnissen chi­ne­si­scher Klein­kun­den abzu­ge­ben und bie­ten auch ungüns­ti­ge Bedingungen.
Ein Ban­ken­sys­tem fusst auf Ver­trau­en. Geht dies ver­lo­ren, droht der Abgrund. Chi­ne­si­sche Immo­bi­li­en­kun­den haben nun auf beängs­ti­gend brei­ter Basis begon­nen, sich zu wei­gern, gekauf­te, aber noch unfer­ti­ge Immo­bi­li­en im vor­aus zu bezah­len. Auf die­sem Geschäfts­mo­dell beruht aber die chi­ne­si­sche Immobilienwirtschaft!
Wenn die Kri­se um sich greift, dann fal­len die Ban­ken wie Domi­no­stei­ne. Ever­gran­de und eini­ge ande­re Immo­bi­li­en­rie­sen wan­ken schon kräf­tig – bis­lang schmort das Pro­blem vor sich hin, aber der Gar­punkt scheint sich zu nähern. Dann 晚安 (Gute Nacht!).
Auch die irr­sin­ni­ge Coro­na­po­li­tik Xis und sei­ne restrik­ti­ven Mass­nah­men gegen­über Gross­fir­men, die er als Kon­kur­renz zur Par­tei­macht sieht (Stich­wort Jack Ma) haben Ver­trau­en zer­stört – in die­sem Fall der Investoren.
Das ist nur ein klei­ner Teil der Geschich­te, die sich im Moment unbe­merkt von den Augen der west­li­chen Pres­se dort abspielt. Ein paar Hin­wei­se mehr – aller­dings bei wei­tem nicht alle wich­ti­gen – fin­den Sie in Craig Sin­gle­tons Auf­satz in ‚For­eign Poli­cy’, ‚China’s Cri­sis of Con­fi­dence’, June 13, ’22.
Wenn Chi­na das Ruder nicht radi­kal her­um­wirft und z.B. Xi absägt (unter mei­nen chi­ne­si­schen Freun­den sage ich oft scherz­haft, der Mann müs­se ein Ein­fluss­agent einer frem­den Macht sein, der Chi­na scha­den soll, sozu­sa­gen Chi­nas Mer­kel), dann ist für die­ses Land Schwarz­se­hen ange­sagt. Chi­na als funk­tio­nie­ren­de Öko­no­mie könn­te sich bald auf dem Müll­hau­fen wie­der­fin­den. Neben Deutsch­land, denn auch wir haben ja den Knopf für die Selbst­ver­nich­tung unse­res Raum­schiffs längst betätigt.
Wir sehen: Hob­bes hat etwas Wich­ti­ges über­se­hen. Für Staa­ten sind in den meis­ten Fäl­len nicht ande­re Staa­ten die gröss­te Exis­tenz­be­dro­hung, son­dern sie selbst.
Mit quietsch­fi­de­len Grüs­sen aus der infla­ti­ons­ar­men, ver­gleichs­wei­se kaum gas­ab­hän­gi­gen Schweiz”
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