31. Juli 2023

Es ist außer­halb der Welt­kli­ma­kir­che – und dort immer­hin in den Pries­ter- und Funk­tio­närs­rän­gen – all­ge­mein bekannt, dass die Zahl der Käl­te­to­ten jene der von hohen Tem­pe­ra­tu­ren Dahin­ge­raff­ten all­jähr­lich um ein Viel­fa­ches über­steigt. Als neue Rubrik wer­den jetzt die mit­tel­eu­ro­päi­schen August­un­ter­kühl­ten eingeführt.
Mich frös­telt zur­zeit an den Gesta­den der näch­tens nicht unlau­schi­gen Müritz.
Natür­lich weil­te ich lie­ber in Apu­li­en oder andern­orts im Süden, wo mein Gehirn scho­nend gegart wür­de. So aber –
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Er sieht sich bis­wei­len gern einen Hol­ly­wood­film an, einen Box­kampf oder ein Fuß­ball­spiel, gele­gent­lich auch mal einen Por­no, aber am bes­ten fühlt er sich unter­hal­ten, wenn er beob­ach­ten kann, wie „eine Wer­te­ge­mein­schaft zerbricht“.
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„Das poli­ti­sche Ver­mächt­nis des Lin­ken ist die Lieblingslektüre des Reaktionärs.”
Nicolás Gómez Dávila
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Ein Gespenst geht um in ’schland, das Gespenst des Rechts­extre­mis­mus. Beim Mag­de­bur­ger Sab­bat der Schwe­fel­par­tei reck­te es unge­scheut sein gehörn­tes Haupt in die öffent­lich-recht­li­chen Kameras.

Es mag unüb­lich, ja uner­laubt anmu­ten, wenn der Prä­si­dent eines west­li­chen Inlands­ge­heim­diens­tes die Kan­di­da­ten, die eine lega­le Par­tei für eine Wahl auf­stellt, sum­ma­risch kri­ti­siert bzw. denun­ziert, doch die Zei­ten der Oppo­si­ti­ons­de­le­gi­ti­mie­rung erfor­dern außer­ge­wöhn­li­che Regie­rungs­maß­nah­men. Es wer­den der AfD-Frak­ti­on im EU-Par­la­ment für­der­hin näm­lich Dun­kel­men­schen ange­hö­ren, „die in der Ver­gan­gen­heit mit Posi­tio­nen auf­ge­fal­len sind, die nicht mit unse­rer frei­heit­li­chen demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ver­ein­bar sind”, teil­te Tho­mas Hal­tungs­zwang, füh­ren­der Schwert- und Schild­knap­pe der Regie­rungs­par­tei­en, zutiefst erschüt­tert der dpa mit. Um was für Posi­tio­nen es sich dabei han­delt? Nun, zum Bei­spiel – es ist das ein­zi­ge Bei­spiel übri­gens – um die Theo­rie des „soge­nann­ten Gro­ßen Austauschs“.

Als der Ver­fas­sungs­schutz noch rech­ten bis extrem rech­ten Kanz­lern zu die­nen gezwun­gen war (Schmidt, Kohl, Kem­me­rich), pflog das Bun­des­amt eine Schein-Dif­fe­ren­zie­rung des poli­ti­schen Spek­trums vor­zu­neh­men, und zwar in die Kate­go­rien rechts/links – rechtsradikal/linksradikal – rechtsextrem/linksextrem, wobei aus­schließ­lich die Extre­me als ver­fas­sungs­schutz­re­le­vant betrach­tet wur­den. Dadurch konn­ten sich Ras­sis­mus, Sexis­mus, Anti­fe­mi­nis­mus, Anti­kom­mu­nis­mus, Islam­feind­lich­keit, Kli­ma­leug­nung, grup­pen­be­zo­ge­ne Regie­rungs­kri­tik, Impf­hass, Hei­zungs­um­stel­lungs­het­ze sowie die AfD unge­hin­dert aus­brei­ten und inson­der­heit ihr Gift versprühen.

Heu­te haben wir gewis­ser­ma­ßen den Salat – aber wenigs­tens die Unter­schei­dung zwi­schen rechts, rechts­ra­di­kal und rechts­extrem auf­ge­ge­ben und die Pen­dants auf der Lin­ken zu gro­ßen Tei­len in die Bekämp­fung der Schlim­men ein­ge­bun­den. Der Spit­zen­ka­di­dat der AfD für die Euro­pa­wahl bei­spiels­wei­se wird nicht nur von vie­len Medi­en und vom Bun­des­amt für Regie­rungs­schutz, son­dern auch auf der all­se­hen­den, all­wis­sen­den, aber nicht aller­bar­men­den Zeit­geistschrott­sam­mel­stel­le umstands­los in die Sek­ti­on „Rechts­extre­mis­mus” gepfercht.
Wer wis­sen will, ob dafür gute und wah­re Grün­de vor­lie­gen, wird sich der Beant­wor­tung einer Fra­ge nicht ent­schla­gen kön­nen: Was ist eigent­lich Rechtsextremismus?
Die Schlapp­hü­te – blei­ben wir beim kon­ven­tio­nel­len Begriff – mei­nen: „Rechts­extre­mis­ten unter­stel­len, dass die Zuge­hö­rig­keit zu einer Eth­nie oder Nati­on über den tat­säch­li­chen Wert eines Men­schen ent­schei­de. Die­ses Wer­te­ver­ständ­nis kon­ter­ka­riert zen­tra­le Wer­te der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung und steht damit in einem fun­da­men­ta­len Wider­spruch zum Grund­ge­setz. Natio­na­lis­mus und grup­pen­be­zo­ge­ne Men­schen­feind­lich­keit wie Ras­sis­mus und Anti­se­mi­tis­mus prä­gen die rechts­extre­mis­ti­sche Agitation.”
Die Zeit­geistschrott­samm­ler sekun­die­ren: „Rechts­extre­mis­ten ori­en­tie­ren sich an einer eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit, bestrei­ten und bekämp­fen den Anspruch aller Men­schen auf sozia­le und recht­li­che Gleich­heit und ver­tre­ten ein anti­plu­ra­lis­ti­sches, anti­de­mo­kra­ti­sches und auto­ri­tä­res Gesell­schafts­ver­ständ­nis. Poli­tisch wol­len sie den Natio­nal­staat zu einer auto­ri­tär geführ­ten ‚Volks­ge­mein­schaft’ umge­stal­ten. ‚Volk’ und ‚Nati­on’ wer­den dabei ras­sis­tisch oder eth­no­plu­ra­lis­tisch definiert.”
Der nahe­lie­gen­de Ein­wand, dass auf Erden dann ca. 7,9 Mil­li­ar­den Rechts­extre­mis­ten – Men­schen, die sich an einer „eth­ni­schen Zuge­hö­rig­keit ori­en­tie­ren” – leben müss­ten, wäre ten­den­zi­ell rechts­extrem. Der eben­so nahe­lie­gen­de Ein­wand, die AfD kön­ne offen­sicht­lich mit allen ande­ren Kri­te­ri­en die­ser Defi­ni­ti­on nicht gemeint sein, desgleichen.
Wir ent­neh­men der Wiki­pe­dia: Staa­ten wie Kana­da, die USA und Aus­tra­li­en, die zwi­schen will­kom­me­nen und unwill­kom­me­nen Ein­wan­de­rern unter­schei­den, sind rechts­extre­mis­tisch, und zwar unab­hän­gig davon, wel­che Par­tei­en dort regieren.
Nach die­ser Defi­ni­ti­on gerie­ten wie­der­um SPD und Grü­ne mit all ihren Ama­deu-Stif­tun­gen und „gegen rechts”-Kämpferinnen und Kämp­fen­den in den Ver­dacht des Rechtsextremismus.
Im Übri­gen ist der Volks­be­griff des Grund­ge­set­zes rechts­extrem. Nur Arti­kel 1, kon­se­quent auf die gesam­te Welt­be­völ­ke­rung erwei­tert, kann uns vor die­sem struk­tu­rel­len Grund­ge­setz­rechts­extre­mis­mus ret­ten. „Da nie­man­dem eine auch nur not­dürf­tig ver­bind­li­che Defi­ni­ti­on der Ver­fas­sung mög­lich ist, wird sie, anstatt der Boden zu sein, auf dem die (Rest-)Nation ihre Kräf­te zusam­men­faßt, der Boden, auf dem sie ihre Bür­ger­krie­ge aus­trägt”, erkann­te Gün­ter Maschke, er ruhe in Frie­den, vor einem hal­ben Men­schen­al­ter wei­se. Packen wir es an! Kein Mensch ist ille­gal! Deutsch­land ist bunt! Wir schaf­fen das!
Ernst bei­sei­te – als siche­res Merk­mal von poli­ti­schem Extre­mis­mus käme in einem Rechts­staat nur ein ein­zi­ges Kri­te­ri­um in Fra­ge: der nach­weis­bar aktiv betrie­be­ne Umsturz der Rechts­ord­nung im Namen einer Ideo­lo­gie (ob nun des völ­ki­schen Füh­rer­staa­tes, des zu ret­ten­den Welt­kli­mas, der angeb­li­chen Pan­de­mie­be­kämp­fung oder der Gesell­schafts­um­for­mung nach Kri­te­ri­en der Iden­ti­ty Poli­tics). Gewalt­frei vor­ge­brach­te Regie­rungs­kri­tik, radi­ka­le poli­ti­sche Ansich­ten und „Theo­rien”, etwa jene des „Gro­ßen Aus­tauschs” – der ja kei­ne Theo­rie ist, son­dern eine auf den Stra­ßen, in den Schu­len und Kin­der­gär­ten der Groß­städ­te und in den Bevöl­ke­rungs­sta­tis­ti­ken für jeder­mann sicht­ba­re Tat­sa­che, zu wel­cher sich einen pla­nen­den Urhe­ber zu den­ken mög­li­cher­wei­se ver­schro­ben, aber von der Mei­nungs­frei­heit gedeckt ist –, sind jeden­falls kei­ne Umsturz­ver­su­che, nicht im Ansatz, und haben folg­lich mit poli­ti­schem Extre­mis­mus nichts zu tun. Wird eine sol­che Unter­stel­lung den­noch öffent­lich von einer staat­li­chen Behör­de erho­ben, könn­te das auf poli­ti­schen Extre­mis­mus in sta­tu nas­cen­di eben­dort hinweisen.
Dass „die Zuge­hö­rig­keit zu einer Eth­nie oder Nati­on über den tat­säch­li­chen Wert eines Men­schen ent­schei­de”, ist kei­ne und war nie AfD-Posi­ti­on – der­glei­chen wur­de von kei­nem mir bekann­ten Funk­ti­ons­trä­ger je geäu­ßert –, sonst könn­te es, neben­bei, in die­ser Par­tei weder Mit­glie­der nicht­deut­scher Her­kunft geben noch die Ver­ei­ni­gung „Juden in der AfD”, und es wären auch nicht so vie­le AfD-Poli­ti­ker mit Aus­län­dern ver­hei­ra­tet. Eine Unter­schei­dung zwi­schen erwünsch­ter und uner­wünsch­ter Ein­wan­de­rung hin­ge­gen gehört selbst­ver­ständ­lich zur Par­tei­dok­trin, was die gesun­den wirt­schaft­li­chen und Schwie­ger­mut­ter­in­stink­te die­ses ideel­len Gesamt­hau­fens bezeugt. Weder das Pro­gramm noch die poli­ti­schen For­de­run­gen der Schwe­fel­par­tei sind extre­mis­tisch, im Gegen­teil, die Posi­tio­nen der AfD ent­spre­chen jenen der Uni­on vor Mer­kel und dem Volks­be­griff des Grund­ge­set­zes. Dass jemand sei­ne poli­ti­sche Ver­or­tung ohne Scheu als „rechts” bezeich­nen darf, gilt zwar in den links­grün ver­siff­ten Medi­en und der sogen. intel­lek­tu­el­len Sze­ne als ein Tabu­bruch, ist aber grund­ge­setz­lich garan­tiert. Der momen­tan mas­sivs­te inne­re Angriff auf die Ver­fas­sung und den Rechts­staat nennt sich „Kampf gegen rechts”. Er wird ange­führt von der aktu­el­len Bundesregierung.
(Ich bin es übri­gens durch­aus satt, das wie­der und wie­der zu schreiben.)
PS: So pas­sa­bel sie im Gleich­schritt mar­schie­ren: Der Regie­rungs­schutz soll­te auch ein paar Beob­ach­ter der Schrott­sam­mel­stel­le einsetzen.
Auch das – es gehört wirk­lich Chuz­pe bzw. abso­lu­te Macht dazu, Aus­tausch­mi­gra­ti­on zu for­dern und zu för­dern und zugleich den Begriff „Aus­tausch” zu kri­mi­na­li­sie­ren – habe ich hier x‑mal zitiert. Sie lügen, und sie wis­sen, dass sie lügen, und sie wis­sen, dass wir wis­sen, dass sie lügen, und sie lügen.
***
Apro­pos Gro­ßer Aus­tausch: In der Wer­bung und beim Sym­bol­fo­to­ein­satz in den Medi­en darf der wohl, wie auch hier viel­fach doku­men­tiert, als voll­zo­gen betrach­tet wer­den. Leser *** sand­te mir ein wei­te­res Exempel.
„Selbst wenn es so ist, dass es eine Mil­li­on N… in Deutsch­land gibt, dann dürf­te in der Wer­bung, bei über acht­zig Mil­lio­nen Deut­schen, nur einer von acht­zig Dar­stel­lern schwarz sein. Sie dürf­ten also kaum auf­fal­len. Sie tun es aber”, notiert ein ande­rer Leser; ledig­lich in der Wer­bung für ger­ia­tri­sche Arz­nei­mit­tel sehe man noch aus­schließ­lich wei­ße Männer.
Das mag sein. Um aber eine Lan­ze für unse­re über­re­prä­sen­tier­ten schwar­zen Men­schen­brü­der zu bre­chen: So etwas wür­de kei­ner von ihnen in der Öffent­lich­keit präsentieren.
„Den nach­fol­gen­den eng­li­schen Text incl. des ange­häng­ten Bil­des habe ich aktu­ell auf dem Tele­gram Kanal von Amir Tsa­r­fa­ti gefun­den”, schreibt Leser ***. „Viel­leicht erregt er Ihr Inter­es­se. Die­se Welt nähert sich rasend schnell ihrem Gericht.
‚Judgment is very near!
Green­ville, SC.- Far left abor­ti­on acti­vist who escorts women to cli­nics to get abor­ti­ons holds a sign with a reci­pe inclu­ding dead fetuses.’
Ich möch­te Ihnen ein son­ni­ges und geseg­ne­tes Wochen­en­de wünschen.”
***
Apro­pos Ver­schwö­rungs­theo­rien. Eine, an deren Ver­brei­tung auch ich mit­wir­ke, lau­tet, dass die per­ma­nen­te Gefahr für Recht und Frei­heit vom Staat ausgeht.
(Netz­fund, übrigens)
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