Leser *** nimmt Anstoß an der Zuschrift jenes Lesers, der „den AfD-Mann Junge für seine Kritik an der Regenbogen-Binde als ‚unfassbar dämlich’ bezeichnet. Dies wird begründet mit dem falschen Zeitpunkt der diesbezüglichen Einlassung, da die deutsche Mannschaft soeben gewonnen und ‚die halbe Nation’ mitgefiebert habe. Beide Argumente zielen meines Erachtens ins Leere.
Derlei grundsätzliche Einordnungen sind sicherlich unabhängig davon einzustufen, ob Mannschaft A gegen Mannschaft B das eine oder andere Tor mehr erzielt hat. Und ob denn tatsächlich die halbe Nation in Nibelungentreue hinter der ‚Mannschaft’ stand und steht, ist zumindest fraglich. Ich habe, im Zentrum einer Landeshauptstadt am Rhein wohnend, nach dem 4:2 gegen Portugal keine Autokorsos oder sonstige überschwänglichen Fanaktivitäten wahrgenommen. Sehr wohl jedoch nach jedem der nunmehr drei Vorrundensiege der italienischen Mannschaft.
Wann wäre denn der richtige Zeitpunkt für eine derartige Kritik? Vier Wochen nach dem EM-Finale, wenn sich ohnehin niemand mehr für das Gekicke politisch-korrekt eingenordeter Jung-Millionäre interessiert? Entlarvend in diesem Zusammenhang ist die Formulierung, Junge habe Spieler und Mannschaft ‚ohne Not’ angegriffen. Welcher Notfall muss vorliegen, um die völlig berechtigte Kritik am armseligen Niederknien einiger Mannschaften oder eben auch das irreguläre, wenngleich nun UEFA-seits nachträglich genehmigte Tragen dieser bunten Armbinde zu rechtfertigen?
Wie soll geistig-gesellschaftliche Oppositionsarbeit vonstatten gehen, wenn stets peinlich genau bedacht werden muss, wem man wann warum aus welchen Gründen mit der einen oder anderen Äußerung auf die Füße treten könnte?
Ich jedenfalls habe mich gefreut, dass es jemanden gegeben hat, der mit Namen und Stimme gegen den politisch-korrekten, heuchlerischen Fußball-EM-Klamauk aufbegehrt hat. In meinem Bekanntenkreis hat Herr Junge, den ich persönlich nicht kenne, reichlich Sympathiepunkte erworben.”
Kommt Ihnen, geehrter Herr ***, vielleicht in den Sinn, dass Herr Junge mit seiner Formulierung nicht primär Herrn Neuer – der es für seinen beflissenen Opportunismus verdient hätte – beleidigt hat, sondern praktisch sämtliche Schwulen? Es geht einzig um die Wortwahl. Um das konformistische Niederknien und die schäbige Instrumentalisierung des Sports zu Propagandazwecken anzuprangern, muss man sich als öffentliche Person nicht so im Ton vergreifen. Das ist alles.