11. Februar 2024

„Mes­ser­mor­de? Sie sind ja ein schä­bi­ger Lump! Zer­bre­chen Sie nicht unter Ihrer Gemeinheit?”
(Aus der Rei­he: Erwei­ter­te Wann­see­kon­fe­renz­ver­glei­che, der herr­schen­den Dop­pel­mo­ral zum Begei­fern anempfohlen)

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Es gibt ein gewis­ses lin­kes Milieu in ’schland, für des­sen Ver­tre­ter beim Kom­po­si­tum „Arbeits­la­ger” der Schre­cken vom Bestim­mungs­wort ausgeht.

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Im Auf­trag von der Ley­ens quasi
Ermit­telt heut die Laienstasi.

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„Paul hat­te Men­schen gekannt, die nicht im Traum dar­an gedacht hät­ten, ein ein­mal gege­be­nes Wort zurück­zu­neh­men, bei ihnen war es nicht ein­mal nötig, auf die For­ma­li­tät des Ver­spre­chens zurück­zu­grei­fen. Es war über­ra­schend, dass es sol­che Men­schen immer noch gab, und das nicht ein­mal all­zu sel­ten. … Seit unge­fähr einem Jahr­hun­dert waren immer mehr Men­schen  ande­rer Art auf­ge­taucht; sie waren spa­ßig und schmie­rig, sie besa­ßen nicht ein­mal mehr die rela­ti­ve Unschuld von Affen, sie waren beseelt von der höl­li­schen Mis­si­on, jedes Band zu zer­na­gen und zu zer­fres­sen, alles, was not­wen­dig und mensch­lich war, zu zer­stö­ren. Lei­der hat­ten sie am Ende die brei­te Öffent­lich­keit, die ein­fa­chen Men­schen erreicht.”
Michel Hou­el­le­becq, „Ver­nich­ten”

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Zuerst die gute Nach­richt: Es geht den Rot­grü­nen gar nicht vor­ran­gig um ideo­lo­gi­sche Gesell­schafts­um­bau­plä­ne. Die eigent­li­che Moti­va­ti­on die­ser Leu­te ist mate­ri­el­ler Natur; sie mögen ideo­lo­gisch ver­na­gelt sein, doch es sind kei­ne Idea­lis­ten. Fast alle roten und grü­nen Funk­tio­nä­re könn­ten außer­halb ihrer Bla­se nicht wirt­schaft­lich über­le­ben, weil sie außer­stan­de sind, etwas her­zu­stel­len, für das ande­re Men­schen bezah­len wür­den (man kann es nicht oft genug wie­der­ho­len). Aber kei­ner von ihnen wür­de für sei­ne Idea­le, heu­te also jene der Woke­ness, ins Zucht­haus gehen, wie das vie­le Kom­mu­nis­ten, man hal­te von ihnen, was man will, und Sozi­al­de­mo­kra­ten vor neun­zig Jah­ren noch taten. Der „Kampf” gegen „rechts” ist nur in zwei­ter Linie einer gegen den „Faschis­mus” oder was immer die Strei­ter her­bei­hal­lu­zi­nie­ren; in ers­ter Linie dient der rechts­extre­me Popanz, den sie so viel­stim­mig wie homo­phon her­bei­fa­seln, der mate­ri­el­len Absi­che­rung der rot­grü­nen Cote­rie. Für sei­ne Initia­to­ren ist der „Kampf” gegen „rechts” eine ABM-Tätig­keit und ein Pen­si­ons­si­che­rungs­pro­gramm. Da es ums mate­ri­el­le Über­le­ben geht, scheu­en sie auch nicht vor den schä­bigs­ten rhe­to­ri­schen Mit­teln zurück.

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„Man muß sich dar­an gewöh­nen, die Men­schen gleich von Anfang an umzu­den­ken, man ver­steht sie dann viel schnel­ler, man erkennt sofort in jeder belie­bi­gen Per­son ihre Rea­li­tät als unge­heu­re gie­ri­ge Made”, schreibt Céli­ne in der „Rei­se ans Ende der Nacht” und erklärt damit nahe­zu alles.

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Was nun die Scha­ren jener gegen „rechts” demons­trie­ren­den Mit­läu­fer betrifft, die mate­ri­ell kei­nen direk­ten Gewinn ein­strei­chen und von denen vie­le nach dem gro­ßen Grup­pen­ku­scheln wie­der in ihre tris­te Rea­li­tät aus Geld­ent­wer­tung, Ener­gie­preis­stei­ge­rung, Wohn­ge­biets­ver­wahr­lo­sung – „Lasst und deut­sche Grünanlagen/Mannhaft zu betre­ten wagen” (Marc Pom­me­re­ning) – und Bam­mel um die Zukunft der Kin­der zurück­keh­ren müs­sen, ist der Vor­teil wohl im See­len­haus­halt zu suchen: Da die­se Gesell­schaft von nahe­zu nichts mehr zusam­men­ge­hal­ten wird, braucht sie einen kleins­ten gemein­sa­men Nen­ner des zu Ver­ab­scheu­en­den, zu Bekämp­fen­den, und dafür steht der „Kampf” gegen „rechts“, den ich schon vor fünf­zehn oder mehr Jah­ren ein „Well­ness­pro­gramm” zu nen­nen mich erf­rech­te. Gleich­zei­tig ist die­ser „Kampf” abso­lut unge­fähr­lich; man kann sich ein behag­li­ches Her­den­wär­me­ge­fühl ver­schaf­fen und zugleich auf der Tugend­ska­la höher klet­tern, ohne das Gerings­te zu ris­kie­ren. Für Staat­s­a­li­men­tier­te und ande­re wirt­schaft­lich Labi­le ist das schwer aus­schlag­bar, an offer they can’t refuse.

Mei­ne Lieb­ling­s­tö­rin KGE hat ja die­ser Tage die Demons­tra­tio­nen in der spä­ten DDR gegen die SED mit den aktu­el­len gegen die Oppo­si­ti­on gleich­ge­setzt, sich dabei aber, was ers­te­re betrifft, ganz knapp mit dem Monat vertan.

Was den Dif­fe­renz­ge­winn auf der Tugend­ska­la anbe­langt, war es ja seit jeher auf­fäl­lig, dass die hef­tigs­ten Zei­ge­fin­ger­wed­ler gegen „rechts” – Kahrs, Edathy, Fried­man, die­ses Wrack von Fuß­ball­funk­tio­när e tut­ti quan­ti – etwas Per­sön­li­ches zu kom­pen­sie­ren haben.

Ich fän­de es, um auch das noch zu sagen, weit über­trie­ben, wenn sich auf der der­mal­einst unaus­weich­li­chen Trau­er­fei­er für U. Hoe­neß ein Red­ner gegen Steu­er­hin­ter­zie­hung aus­sprä­che. Nicht jeder, der ein Kava­liers­de­likt begeht, ist ein Kavalier.

(Am Ran­de: Der auto­ma­ti­sche Trans­la­ter von X, form­er­ly twit­ter, über­setzt „gott­be­kot­zens­wür­dig” mit „dis­gus­ting”; Goog­le mit „god-awful”.)

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Und immer neue Anläs­se, gegen „rechts” auf die Stra­ße zu gehen.

„Unser Land wird sich ändern, und zwar dras­tisch, und wisst ihr was: Ich freu mich drauf!” – „Wir wagen hier ein Expe­ri­ment, das in der Geschich­te ein­zig­ar­tig ist, und zwar, eine mono­eth­ni­sche und mono­kul­tu­rel­le Demo­kra­tie in eine mul­ti­eth­ni­sche zu ver­wan­deln. Das kann klap­pen, das wird, glau­be ich, auch klap­pen, aber dabei kommt es natür­lich auch zu vie­len Verwerfungen.“

Ganz – Heide –
hasst die AfD!

Ich zitie­re den NDR: „Fast täg­lich müss­ten Schü­ler oder Schü­le­rin­nen vom Unter­richt aus­ge­schlos­sen wer­den, heißt es in dem Brief. Das Schul­per­so­nal habe kei­ne Kraft­re­ser­ven mehr. (…) Die IGS Stö­cken gilt als soge­nann­te Brenn­punkt­schu­le. Rund 900 Schü­le­rin­nen und Schü­ler aus geschätzt 40 Natio­nen besu­chen die Schu­le, die für vie­le kein ent­spann­ter Ort zum Ler­nen ist. Ein Bei­spiel von vie­len: Der Brief eines Vaters an die Schul­lei­tung vom Janu­ar: ‚Seit eini­gen Tagen beschwert sich unser Kind über sei­nen All­tag an der Schu­le. Er wird stän­dig beläs­tigt, belei­digt, gemobbt, bedroht und geschlagen.’ ”

Es han­delt sich doch hof­fent­lich um eine „Schu­le ohne Rassismus”?

„Die Lehr­kräf­te bestä­ti­gen Schü­ler­be­rich­te, wonach eini­ge Schü­ler stän­dig Mes­ser oder ande­re Waf­fen bei sich tra­gen wür­den. Vor eini­ger Zeit sei, so steht es in dem Brief an den Schul­trä­ger, ein Kind außer­halb der Schu­le mit einer Eisen­stan­ge bewusst­los geschla­gen wor­den. Nach einem Kran­ken­haus­auf­ent­halt habe es sich nicht mehr in den Unter­richt getraut. Vie­le Schü­ler mei­den die Toi­let­ten, weil sie dort beläs­tigt und gefilmt wür­den. Die Vide­os wür­den dann in den sozia­len Netz­wer­ken auftauchen.

In dem Schrei­ben heißt es außer­dem: ‚Homo­se­xua­li­tät und sexu­el­le Diver­si­tät wider­spre­chen der reli­giö­sen Auf­fas­sung nicht weni­ger Schü­ler-/in­nen.’ ”

Ist das wirk­lich kor­rekt gegendert?

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Nun aber die schlech­te Nach­richt: Es bedeu­tet kei­nen Unter­schied, ob die Moti­ve der herr­schen­den Oppo­si­ti­ons­be­kämp­fer bei der schlei­chen­den Zer­stö­rung des Rechts­staa­tes mate­ri­el­ler oder ideo­lo­gi­scher Art sind.

Fast alles, was der Staat för­dert, schwächt er; man betrach­te nur die Kul­tur- oder die Frau­en­för­de­rung. Was sich Nan­ny Nan­cy unter einer geför­der­ten Demo­kra­tie vor­stellt, lie­fe im bes­ten Fal­le auf eine Art Demo­kra­tur hin­aus. (Für das, was die­ser poli­ti­schen Har­pye mut­maß­lich vor­schwebt, gibt es stär­ke­re Begriffe.)

Lesend, dass der Zeitungsmann/keinen deut­schen Satz mehr kann (Peter Hacks), bestau­nen wir zunächst die Erkennt­nis, dass Finanz­strö­me rechts­extrem sein kön­nen. Sodann beschleicht unser­ei­nen und hof­fent­lich noch vie­le ande­re Zeit­ge­nos­sen ein gewis­ser Zwei­fel dar­an, ob die extre­me Rech­te in ’schland über­haupt genug Geld besitzt oder zu erlan­gen hof­fen darf, dass ein zu durch­leuch­ten­der „Strom” dar­aus ent­ste­hen kön­ne. Wen oder was soll der VS da eigent­lich „bes­ser durch­leuch­ten”? Die Genos­sen vom Spie­gel ver­ra­ten es bereits in der Unter­zei­le, wo sich „rechts­extrem” sogleich in „neu­rechts” ver­wan­delt hat. Neu­rechts ist aus Sicht von Fae­ser und Hal­den­wang aber ten­den­zi­ell alles, was nicht Rot­grün ist.

Was die­se habi­tu­ell SED-Funk­tio­nä­ren ähneln­den Figu­ren in die Wege lei­ten, erinn­nert mich an mei­nen real­so­zia­lis­ti­schen Herkunftsverhau.

Auch wenn es eine Tri­via­li­tät ist: Die Frei­heit stirbt scheib­chen­wei­se. Das tota­li­tä­re Mus­ter ist inzwi­schen über­deut­lich zu erken­nen, unter ande­rem eben bei der Sta­si­fi­zie­rung des VS. Im Inter­view mit dem Jour­na­lis­ten Alex­an­der Wal­l­asch zeigt sich der ehe­ma­li­ge Ver­fas­sungs­schutz­chef Hans-Georg Maa­ßen „über­rascht” dar­über, „wie skru­pel­los Innen­mi­nis­te­rin Fae­ser den Ver­fas­sungs­schutz gegen poli­ti­sche Geg­ner ein­setzt”. Huber­tus Kna­be, der frü­he­re Lei­ter der Sta­si-Gedenk­stät­te Hohen­schön­hau­sen, habe erklärt, dass er eine Daten­samm­lung wie die vom VS über Maa­ßen ange­leg­te noch nicht ein­mal in Sta­si-Akten über Pro­mi­nen­te gese­hen hat­te. „Es ist erschüt­ternd”, fährt Maa­ßen fort, „mit wel­cher Detail­tie­fe der Ver­fas­sungs­schutz kri­ti­sche Bür­ger durch­leuch­tet. Es zeigt, dass bei der Innen­mi­nis­te­rin ein beson­de­res Maß an Fana­tis­mus und Hass gegen mich und ande­re pro­mi­nen­te Regie­rungs­kri­ti­ker bestehen muss.”

Über­rascht sei er vor allem des­halb, weil der Ver­fas­sungs­schutz grund­sätz­lich kei­ne Ein­zel­per­so­nen beob­ach­ten dür­fe. „Das ist Teil des Tren­nungs­ge­bots, wonach der Geheim­dienst kei­ne Poli­zei­be­fug­nis­se und die Poli­zei kei­ne Geheim­dienst­be­fug­nis­se aus­üben dür­fen. Der Ver­fas­sungs­schutz ist als Geheim­dienst für die Auf­klä­rung von Orga­ni­sa­tio­nen zustän­dig, die eine Gefahr für die frei­heit­li­che demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung sind. Per­so­nen wer­den nur im Zusam­men­hang mit der Zuge­hö­rig­keit zu die­sen Orga­ni­sa­tio­nen beob­ach­tet. Per­so­nen, die kei­ner gefähr­li­chen Orga­ni­sa­ti­on ange­hö­ren, dür­fen vom Geheim­dienst grund­sätz­lich nicht bear­bei­tet wer­den, son­dern sind Sache der Poli­zei, aber auch nur dann, wenn von ihnen eine kon­kre­te Gefahr aus­geht, dass sie schwe­re Straf­ta­ten begehen.”

Der Grund­satz des Tren­nungs­ge­bo­tes sei in den letz­ten Jah­ren auf­ge­weicht wor­den. Inzwi­schen mei­ne der Ver­fas­sungs­schutz, „jeden belie­bi­gen Bür­ger beob­ach­ten zu dür­fen, der ihm nega­tiv auf­ge­fal­len ist. Das ist ein Geheim­dienst, vor dem die Grün­der der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land und die Opfer der Sta­si zu Recht Angst hatten.”

Und jetzt kommt’s: Die Grü­nen und die Roten zögen es offen­sicht­lich noch nicht ein­mal in Erwä­gung, dass sie durch Wah­len die Macht ver­lie­ren könn­ten. „Ich habe den Ein­druck, dass sie mit allen zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­hin­dern wol­len, dass es zu einer Poli­tik­wen­de kommt. Und das bedeu­tet für mich, dass sie auch kei­ne Wahl­er­geb­nis­se zulas­sen oder akzep­tie­ren wer­den, die dazu füh­ren, dass die­se Par­tei­en abge­wählt wer­den. Im Zwei­fel sol­len dann die­se Wah­len ‚rück­gän­gig’ gemacht wer­den. Und das macht mir Angst, denn das ist das Ende unse­rer Demokratie.”

Die gegen „rechts” zusam­men­ge­trom­mel­ten Demons­tran­ten, die meis­ten so ahnungs­los wie auf­ge­hetzt, lie­fern zumin­dest einen Vor­ge­schmack dar­auf, was pas­sier­te, wenn die Schwe­fel­par­tei irgend­wo die Regie­rung stell­te oder ein Minis­te­ri­um über­näh­me. Erst unter dem Aspekt eines Pro­be­laufs bekom­men die­se Satur­na­li­en der Regie­rungs­fröm­mig­keit ihren tie­fe­ren Sinn. Die Fae­sers, Habecks und Hal­den­wangs wür­den im Fal­le eines AfD-Wahl­sie­ges ver­su­chen, das Votum durch den von ihnen orga­ni­sier­ten Druck der Stra­ße rück­gän­gig zu machen – das Haus des gewähl­ten thü­rin­gi­schen Minis­ter­prä­si­den­ten Tho­mas Kem­me­rich wur­de ja von einem lin­ken Mob bela­gert, sei­ne Fami­lie in der Stadt ange­grif­fen –, und die Poli­zei stün­de vor dem Pro­blem, wie sie als Voll­stre­cker des Rechts auf sol­che Kund­ge­bun­gen reagie­ren soll.

Maa­ßen: „Der Staat ist ver­pflich­tet, einen Raum der Sicher­heit, der Frei­heit und des Rech­tes zu schaf­fen, in dem sich jeder ent­fal­ten kann; auch Regie­rungs­geg­ner. Statt­des­sen wer­den Men­schen auf­ge­hetzt zu einem ‚Kampf gegen Rechts’, also gegen die legi­ti­me Oppo­si­ti­on, und damit wird der Mob zu Über­grif­fen ermu­tigt. Man muss kein Asyl­rechts­exper­te oder Jurist sein, um zum Ergeb­nis zu kom­men, dass die poli­ti­sche Lin­ke wie in allen sozia­lis­ti­schen Staa­ten der Auf­fas­sung ist, dass es Men­schen­rech­te nur für Lin­ke gibt, nicht aber für die Geg­ner des Sozia­lis­mus, die als Faschis­ten, Nazis, Reak­tio­nä­re oder Kon­ter­re­vo­lu­tio­nä­re mit aller Här­te und Bru­ta­li­tät bekämpft werden.”

Das Gazett­lein, das hier „wir” schreibt, ist übri­gens der Frei­tag; nur zur Illus­tra­ti­on, wie sicher die­se Bläh­häl­se sich füh­len. Bei man­chen lin­ken Jour­na­lis­ten, noch­mals Maa­ßen, kön­ne man den Ein­druck haben, dass sie unter der Tar­nung ihres Berufs­stands „klas­si­sche geheim­dienst­li­che Zer­set­zungs­ar­beit gegen Regie­rungs­kri­ti­ker betreiben”.

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Jeden­falls steht außer Fra­ge, dass die Grü­nen und die Roten die­se Repu­blik längst in einen Gesin­nungs­staat ver­wan­delt haben, in dem die Grund­rech­te für Rech­te kaum mehr gel­ten, spe­zi­ell jenes der frei­en Mei­nungs­äu­ße­rung. Nahe­zu im Wochen­takt fin­den Haus­durch­su­chun­gen wegen „Hass­ver­bre­chen” statt, womit kei­nes­wegs Gewalt­ta­ten gemeint sind.

Die bei­den Füh­rungs­fi­gu­ren der grü­nen Par­tei ste­hen, scheint’s, inzwi­schen unter beson­de­rem staat­li­chen Schutz vor ver­ba­len Verletzungen.

n‑tv mel­det: „Bis­lang Unbe­kann­te haben in einer Bus­hal­te­stel­le in Wes­ter­land auf Sylt ver­fas­sungs­wid­ri­ge Hass­bot­schaf­ten gegen Bun­des­au­ßen­mi­nis­te­rin Anna­le­na Baer­bock und Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­ter Robert Habeck hin­ter­las­sen. Nach Anga­ben der Poli­zei vom Frei­tag wur­den am ZOB zwei auf­ge­häng­te Zei­tungs­aus­schnit­te” – eine Lis­te sämt­li­cher ver­bo­te­ner Zei­tun­gen wird nach­ge­reicht – „und Auf­kle­ber gefun­den, die sich gegen die bei­den Grü­nen rich­te­ten und Refe­ren­zen zum Drit­ten Reich enthielten.”

Stel­len Sie sich mal vor, es hät­te sich um Reve­ren­zen gehan­delt. Puh! Wel­che „ver­fas­sungs­wid­ri­ge Hass­bot­schaf­ten” die Bus­hal­te­stel­le ver­un­zie­ren, ver­rät der Sen­der lei­der nicht, viel­leicht besit­zen die Genos­sen Jour­na­lis­ten ja eine vage Ahnung davon, dass es so etwas in Rechts­staa­ten nicht gibt, nicht geben kann, denn ver­fas­sungs­wid­rig kann der nur der Staat han­deln, nicht der Bür­ger. Es ist nicht ver­fas­sungs­wid­rig, an eine Bus­hal­te­stel­le zu pin­nen, das R. Habeck ein Voll­pfos­ten oder ein Lan­des­ver­rä­ter sei, son­dern mög­li­cher­wei­se eine Straf­rechts­sa­che (hängt vom Rich­ter ab). Ledig­lich soge­nann­te Hoheits­ak­te, spe­zi­ell Geset­ze und Ver­wal­tungs­ent­schei­dun­gen, kön­nen ver­fas­sungs­wid­rig sein, ins­be­son­de­re wenn sie die Grund­rech­te verletzen.

Sechs­tau­send Euro­nen Stra­fe soll wie­der­um ein Unter­neh­mer aus Bay­ern zah­len, weil er angeb­lich grüne Spit­zen­po­li­ti­ker auf Pla­ka­ten ver­un­glimpft hat – die­sen nämlich:

Die Staats­an­walt­schaft meint, es hand­le sich um „gegen Per­so­nen des poli­ti­schen Lebens gerich­te­te Belei­di­gung” nach Para­graph 188 StGB. Der wur­de im März 2021 schlau geän­dert; was heu­te „Belei­di­gung” heißt, war bis dahin „üble Nach­re­de”. Von einer Anwen­dung die­ses Para­gra­phen wegen der Belei­dung von Oppo­si­ti­ons­po­li­ti­kern ist nichts bekannt.

Gegen die vom Amts­ge­richt Mies­bach ver­häng­te Stra­fe hat der Beschul­dig­te Ein­spruch eingelegt.

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Auch so etwas hät­te es in der alten Bun­des­re­pu­blik, jenem Auen­land ante Mer­kel, nicht gegeben.

Das ist übri­gens der Text, für den ein Rich­ter im bes­ten Deutsch­land, das es je gab, neun Mona­te Haft ver­hängt und damit die For­de­rung des Staats­an­wal­tes um zwei Mona­te überbietet.

Der tür­kisch­stäm­mi­ge Kra­wal­le­ro befand sich näm­lich wegen „Hass­re­de” auf Bewäh­rung, weil er ein Foto der Hob­by-Meteo­ro­lo­gin Lui­sa Neu­bau­er gepos­tet hat­te mit dem Zusatz „Ja, wür­de ich sofort fi****. Auch wenn ich mir danach stun­den­lang das Kli­ma-Zeug anhö­ren müss­te.” Das war eines der revo­lu­tio­närs­ten Urtei­le der deut­schen Rechts­ge­schich­te, denn die Aus­sa­ge „Ich wür­de dich gern fi…” galt hier­zu­lan­de bis­lang als vie­ler­lei, nur nicht gera­de als Hass. Womög­lich war die Bewer­tung des Gerichts der zuneh­men­den Tur­ki­fi­zie­rung bzw. Levan­ti­sie­rung der Bun­des­re­pu­blik und einem damit ein­her­ge­hen­den seman­ti­schen Wan­del geschul­det; „Isch fi… dei­ne Mud­da” wird ja gemein­hin nicht als Lie­bes­er­klä­rung aufgefasst.

Was indes an jenem Text, des­sent­we­gen ein Rich­ter Pirin­çci in den Knast zu deut­schen Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gern und Mes­ser­ste­chern schi­cken will, straf­wür­dig sein soll, erschließt sich Men­schen ohne Grü­nen-Par­tei­buch nicht so leicht. Pro­tes­te aus dem Krei­se der schrei­ben­den Kol­le­gen sind mir nicht bekannt. Das wäre ja das Ende von Ver­lags­ver­trag und Rezensiertwerden!

Der Kin­der­stür­mer aus Kreuz­berg, die eins­ti­ge Kei­ne-Macht-für-nie­mand-Gazet­te, die frü­her ein­mal für Pädo­phi­lie, aber sogar gegen Volks­zäh­lung und Vor­rats­da­ten­spei­che­rung publi­zis­tisch Amok gelau­fen ist und nun plötz­lich Regie­rungs­blatt wur­de, fin­det die Ver­ur­tei­lung toll.

Je suis Akif!

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Die­sel­be Ankla­ge, leicht abwei­chen­des Design.

Neben dem bekann­ten Vor­wurf, der thü­rin­gi­sche Meis­ter Uri­an habe sich mit dem Aus­ruf „Alles für Deutsch­land” einer SA-Paro­le bedient, steht nun noch ein zwei­ter im Raum (ohne Volk), näm­lich „ein Post von Höcke bei Tele­gram aus dem Jahr 2022, in dem es um eine Gewalt­tat in Lud­wigs­ha­fen geht”. Streng­ge­nom­men um einen Dop­pel­mord durch einen soma­li­schen Asyl­be­wer­ber, des­sen Antrag bereits 2017 abge­lehnt wor­den war, der aber auf­grund des Wir­kens der Asyl­lob­by blei­ben und schließ­lich mor­den durf­te, wobei er aus­drück­lich deut­sche Män­ner töten woll­te, aus Eifer­sucht, wie er spä­ter zu Pro­to­koll gab, in die­sem Ein­zel­fal­le die bei­den Maler Jonas S., 20, und Sascha K., 35, – nie wird eine Tages­schau-Spre­che­rin mit erschüt­ter­ter Mie­ne ihre vol­len Namen ver­le­sen, noch wird man irgend­wo eine Gedenk­ta­fel für die­se Opfer der Will­kom­mens­kul­tur­schaf­fen­den auf­stel­len –, die der Kil­ler auf offe­ner Stra­ße bes­tia­lisch nie­der­stach, wie danach noch Mar­cel K., 27, den er schwer ver­letz­te. Nichts Beson­de­res also und vor allem kein Grund, wie Höcke het­ze­risch zu posten:

„Wahr­schein­lich ist der Täter psy­chisch krank und lei­det an jener unter Ein­wan­de­rern weit ver­brei­te­ten Volks­krank­heit, wel­che die Betrof­fe­nen ‚Alla­hu Akbar’ schrei­en lässt und deren Wahr­neh­mung so ver­zerrt, dass sie in den ‚ungläu­bi­gen’ Gast­ge­bern lebens­un­wer­tes Leben sehen.”

Ana­log zur „staats­feind­li­chen Het­ze” in der DDR ist die „Volks­ver­het­zung” inzwi­schen der Pas­se­par­tout zur Oppo­si­ti­ons­be­kämp­fung und Regie­rungs­kri­tik­ab­wehr in der BRD.

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Die „Anti-Rechts-Bewe­gung” war eine lan­des­wei­te „Säu­be­rung“ von soge­nann­ten Rech­ten, die Mao ab 1957 in der Volks­re­pu­blik Chi­na initi­ier­te. Dabei wur­den zwi­schen einer und zwei Mil­lio­nen Men­schen als „rechts“ ein­ge­stuft, aufs Land ver­bannt oder in Erzie­hungs­haft gesperrt und eine unbe­kann­te Zahl hin­ge­rich­tet. „Die meis­ten Opfer waren Intel­lek­tu­el­le und Mit­glie­der ande­rer poli­ti­scher Par­tei­en. Die Anti-Rechts-Bewe­gung war ein Wen­de­punkt in der Geschich­te Chi­nas, nach dem Chi­na de fac­to in einen von der Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Chi­nas kon­trol­lier­ten Ein­par­tei­en­staat ein­trat” (Wiki­pe­dia).

So unge­fähr stellt sich der deut­sche Bes­ser­mensch die juris­ti­sche Abrech­nung mit Höcke vor.

Und so mit Gauland.

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Jemand sag­te: „Die Stim­mung in die­sem Land wird sich erst ver­än­dern, wenn die­je­ni­gen, die im Besitz der kom­mu­ni­ka­ti­ven Macht­mit­tel sind, selbst etwas zu ver­lie­ren haben und zur Besin­nung kom­men oder wenn jun­ge Men­schen sich über ihre Zukunft ande­re Gedan­ken machen, als sie es heu­te tun. Das wird nicht mor­gen gesche­hen, und wir wer­den es viel­leicht auch gar nicht mehr erle­ben. Ich möch­te die mir noch ver­blei­ben­de Lebens­zeit in der inne­ren Emi­gra­ti­on ver­brin­gen. Könn­te ich mei­ne Inter­ven­tio­nen der Ver­gan­gen­heit rück­gän­gig machen – ich wür­de es tun. Es hat sich nicht gelohnt, hat nichts bewirkt und die Gesund­heit dau­er­haft ruiniert.”

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Man kann gegen den Tod einer Zivi­li­sa­ti­on womög­lich so wenig tun wie gegen den eigenen.

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Wol­len wir heu­te wirk­lich so betrüb­lich enden? Aber nicht doch!

Das Wort „lebend” soll dem Leser sug­ge­rie­ren, es sei eine knap­pe Sache gewe­sen, wor­an zu zwei­feln zwar ange­bracht, aber unmensch­lich ist. Denn die stell­ver­tre­ten­de Chef­re­dak­teu­rin des Süd­deut­schen Beob­ach­ters hat das­sel­be erlei­den müs­sen wie der eben­falls nur äußerst knapp einem gewis­sen Hasen ent­kom­me­ne Flücht­ling anno 2018 zu Chemnitz.

Die für die­sen Fall wesent­li­che Tat­sa­che, dass eine zeit­geist­be­flis­se­ne Pla­gi­ats­un­ter­stel­le­rin selbst als Pla­gia­to­rin ent­larvt wur­de, wir uns also mit­ten in der Com­me­dia del­l’ar­te befin­den, soll­te auf sol­che Wei­se weg­ge­mo­gelt wer­den, dar­in war sich der mul­ti­me­dia­le Sar­di­nen­schwarm wie­der ein­mal einig. Man­che hat­ten schon gehofft, end­lich eine Mär­ty­re­rin prä­sen­tie­ren zu können.

Als er vom Tod der Jour­na­lis­tin las, weil­te Ruprecht „Huschel­chen” Polenz in der­sel­ben Welt, in wel­cher Slee­py Joe Biden vor­ges­tern Wil­ly Brandt emp­fing. Es han­delt sich um diese:

Spot­ten wir nicht, wie ’schland steht auch jene Welt allen Men­schen offen! Auch einem J. Kasek, Grü­ne, der dies­mal wohl eher nur sei­ne Vor­lust­ge­füh­le nicht zügeln konnte:

Wer den Scha­den, den er (m/w/d) hat, auch noch selbst anrich­tet, braucht bekannt­lich für den Spott nicht zu sorgen.

Nicht aus­rei­chend gewür­digt wur­de die tie­fe Sym­bo­lik der Tat­sa­che, dass man die won­ni­ge Maid aus­ge­rech­net unter einer Brü­cke fand.

War­um sie sich gera­de dort­hin ver­fügt hat­te, ob nun aus schlech­tem Gewis­sen, tak­ti­scher Thea­tra­lik oder Zukunfts­ah­nung, wird die Öffent­lich­keit wohl nicht erfah­ren. Die gehäs­si­ge Fest­stel­lung, dass zumin­dest der öffent­lich-recht­li­che Per­so­nal­be­stand ihrer Bran­che die Plät­ze unter den städ­ti­schen Brü­cken besie­deln wür­de, wenn man ihn nicht mit frem­der Leu­te Steu­er­geld ali­men­tier­te, klingt fast wie von ges­tern, denn die KI wird bei­na­he die gesam­te Kli­en­tel, mit Aus­nah­me jener Hand­voll, die schrei­ben und selbst­stän­dig den­ken kann, in Kür­ze so arbeits­los machen, wie es die Stahl­ko­cher, Koh­le­kum­pel und die meis­ten Auto­bau­er heu­te schon sind, wobei, wie Freund *** bemerkt, die Letz­te­ren noch irgend­wo mit ihrer Hän­de Arbeit Geld ver­die­nen wer­den, wäh­rend ein Jour­na­list, spe­zi­ell der Gene­ra­ti­on Schnee­flöck­chen – oder, wie ich sie nen­ne, Gene­ra­ti­on Fatz­ke –, buch­stäb­lich nichts ande­res pro­du­zie­ren kann als poli­ti­sche Pro­pa­gan­da. In letz­ter Zeit las man öfter davon, dass immer mehr Brü­cken in Kein-schö­ner-Land maro­de sei­en; die heu­te noch schrei­ben­de Zunft soll­te im eige­nen Inter­es­se für deren Restau­rie­rung trom­meln, solan­ge man sie noch trom­meln lässt.

Mit die­ser abwechs­lungs­hal­ber ent­zü­cken­den Aus­sicht schlie­ße ich für heute.

 

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