24. April 2024

„Wis­sen Sie zufäl­lig, ob Frank­furt am Main (vor)gestern ‚Hap­py Pessach’-Transparente aus­hän­gen ließ?”
(Leser ***)
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Bemer­kens­wert, wie schlecht das Inter­net im ICE gewor­den ist, zu schlecht und zu regel­mä­ßig, um es für Zufall zu hal­ten. Es dau­ert Minu­ten, bis sich eine Web­sei­te auf­baut, und von fünf Ver­su­chen, ein Foto hoch­zu­la­den, miss­lin­gen vier. Der Zug ist übri­gens nicht beson­ders voll, das Netz kann schwer­lich über­las­tet sein.
Wenn mich jemand frag­te, was in den ver­gan­ge­nen zehn Jah­ren in Kein-schö­ner-Land bes­ser gewor­den sei, müss­te ich lan­ge überlegen.
PS: Die Qua­li­tät des Inter­nets im Zug kön­ne immer nur so gut oder schlecht sein, wie es der öffent­li­che Mobil­funk sei, an wel­chem sich die Bahn bedie­ne, erklärt Leser ***. Nun, dann wird wohl der immer miserabler.
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Die­se Fra­ge tren­de­te auf X, form­er­ly twitter.
Die Kom­men­tie­rer waren sich mehr­heit­lich recht unei­nig dar­über, wel­cher der genann­ten Ver­ei­ne den Anfang machen wer­de („Mehr Scha­ria wagen”). Man­che mein­ten gar, die Fra­ge sei unstatt­haft bzw. unsin­nig wenn nicht gar „per­fi­de”. Ihr gewis­ser­ma­ßen zur Sei­te sprin­gen­de Nach­rich­ten kom­men der­weil aus deut­schen Schulen.
For­sa hat den Trend schon vor­aus­ge­ahnt, als er gera­de erst rich­tig in Gang kam.
Bild zitiert einen Staats­schüt­zer mit den Wor­ten: „Immer mehr Eltern deut­scher Kin­der wen­den sich an Bera­tungs­stel­len, weil die christ­li­chen Kin­der kon­ver­tie­ren wol­len, um in der Schu­le kei­ne Außen­sei­ter mehr zu sein.” Christ­li­che Kin­der sei­en – beson­ders in Groß­städ­ten – häu­fig in der Min­der­heit. (Der Bevöl­ke­rungs­aus­tausch ist übri­gens eine rechts­extre­me Ver­schwö­rungs­theo­rie.) Der Staatsschützer wei­ter: „Durch die star­ke Zuwan­de­rung in den ver­gan­ge­nen acht Jah­ren ist der Anteil mus­li­mi­scher Jugend­li­cher und Kin­der an den Schu­len deut­lich gestie­gen.” Was war vor acht Jah­ren? In den Geschichts­bü­chern – zumin­dest in asia­ti­schen Geschichts­bü­chern – wird man spä­ter lesen, dass damals ein Will­kom­mens­staats­streich statt­fand, der auf mitt­le­re Sicht zur Abschaf­fung des hl. Grund­ge­set­zes führte.
„Vie­le der Kin­der kom­men aus streng reli­giö­sen Familien.”
Des­we­gen sind sie schließ­lich hier.
„Wenn sich Mäd­chen in der Schu­le in den Augen der mus­li­mi­schen Jugend­li­chen zu west­lich ver­hal­ten, kein Kopf­tuch tra­gen oder sich mit Jungs tref­fen, mei­nen die männ­li­chen Schüler, sie müssten die Ehre ver­tei­di­gen und die Mäd­chen ermah­nen, sich wie ein gläu­bi­ger Mus­lim zu ver­hal­ten. Außer­dem ent­steht dann auch ein Grup­pen­zwang, man will dazu­ge­hö­ren. Meist tre­ten die männ­li­chen mus­li­mi­schen Schüler auch sehr dro­hend und teil­wei­se gewalt­tä­tig auf.” Das sind sie, die „neu­en Deut­schen”, wie es im Mün­k­ler­schen Rot­welsch opti­mis­tisch heißt, und die mögen tat­säch­lich den Islam.
Es gibt mitt­ler­wei­le, schreibt Bild, in Groß­städ­ten Schu­len, an denen der Anteil mus­li­mi­scher Schüler bei weit über 80 Pro­zent lie­ge, etwa in Ber­lin, Frankfurt/M., Offen­bach, Duis­burg, Essen. Der Staatsschützer sagt: „Es sind bestimm­te Tik­Tok-Kanä­le, in denen isla­mis­ti­sche Pop­stars den Schülern ein­re­den, sie müssten sich gegen die west­li­che Lebens­art stel­len, nur ein Kali­fat sei die rich­ti­ge Staats­form.” Die bio­deut­schen bzw. nicht­mus­li­mi­schen Kin­der müssten jetzt aus­ba­den, was die Poli­tik ver­bockt – auch: ver­baer­bockt – habe.
Aber Mer­kel hat doch keine!
Das Kri­mi­no­lo­gi­sche For­schungs­in­sti­tut Nie­der­sach­sen befrag­te 8539 Schü­ler (Durch­schnitts­al­ter 15 Jah­re), dar­un­ter 300 mus­li­mi­sche. – Unter acht­ein­halb­tau­send Schü­lern nur 300 mus­li­mi­sche? Da fehlt doch eine Null, oder? – 67,8 Pro­zent der befrag­ten mus­li­mi­schen Schü­ler stimm­ten der Aus­sa­ge zu: „Die Regeln des Korans sind mir wich­ti­ger als die Geset­ze in Deutsch­land.“ Knapp die Hälf­te (45,8 Pro­zent) glaubt, dass ein isla­mi­scher Got­tes­staat die bes­te Staats­form sei. Mehr als die Hälf­te (51,5 Pro­zent) ist der Mei­nung, dass nur der Islam in der Lage sei, „die Pro­ble­me unse­rer Zeit zu lösen“. 35,3 Pro­zent gaben an, dass sie „Ver­ständ­nis für Gewalt gegen Men­schen, die Allah oder den Pro­phe­ten Moham­med belei­di­gen“ haben.
The same pro­ce­du­re as every stu­dy, James.

„Die Daten im neu­es­ten Nie­der­sach­sen­sur­vey geben Anlass zur Sor­ge und zei­gen, wie wich­tig poli­ti­sche Bil­dung in den Schu­len im Unter­richt ist“, sagt Carl Phil­ipp Schrö­der vom For­schungs­in­sti­tut. Poli­ti­sche Bil­dung ist ja soo wich­tig. Aber: sur­vey? Nicht sur­vi­val (of the fit­test)?

Auch in Lud­wigs­ha­fen läuft alles blendend.

Ent­schei­dend wird sein, dass bereits die Erst­kläss­ler ihr Sit­zen­blei­ben als Dis­kri­mi­nie­rungs­er­fah­rung zu begrei­fen ler­nen. Wenn sie schon sonst nichts ler­nen können.

Es wird mal wie­der Zeit für ein Geheim­tref­fen, oder was mei­nen Sie?
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Isla­mi­sie­rung ist Ländersache.
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„Schü­le­rin mit Weltoffenheitshämatomen”
(Bernd Zeller)
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Apro­pos poli­ti­sche Bil­dung. Ges­tern erfuhr ich, dass beim Höcke-Pro­zess im Gerichts­saal der gesam­te Wahl­kampf­auf­tritt der sach­sen-anhal­ti­ni­schen AfD im Mai 2021 zu Mer­se­burg vor­ge­spielt wur­de, an wel­chem neben dem Meis­ter Uri­an aus Thü­rin­gen der Betrei­ber des klei­nen Eck­la­dens als Gast­red­ner auftrat.
Poli­ti­sche Bil­dung ist ja soo wichtig.
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Apro­pos Islamisierung.
Wie man sieht, hat der Mann gar kein Pro­blem mit ungläu­bi­gen Frauen.
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Die Zivil­ge­sell­schaft soll an jene Stel­le tre­ten, die frü­her der tota­li­tä­re Staat inne­hat­te. Hier ist sie, die­se Zivil­ge­sell­schaft, 250 Sei­ten staat­s­a­li­men­tier­te „N”-GOs, die fast alle gegen „Rechts” kämp­fen und dafür von der Bun­des­re­gie­rung mit Steu­er­geld geschmiert und ein­ge­fet­tet werden.
Der Zivil­ge­sell­schaft zur Sei­te trabt das spürn­ä­si­ge „Bedien­ten- und Läu­fer­ge­schmeiß der Zeit” (Tho­mas Mann). Die Ruhr-Nach­rich­ten tei­len erschüt­tert mit:
Auch das Zivil­cou­ra­ge­por­tal t‑online lie­fert ver­läss­lich, was von der Regie­rung bestellt wird.
In gewis­sem Sin­ne ist das ein Fort­schritt bei der Gleich­be­hand­lung der Schwe­fel­par­tei: Sie stel­len die AfD jetzt auf Augen­hö­he mit den ande­ren „Lan­des­ver­rä­tern”.
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Zu mei­nen Expek­to­ra­tio­nen am bzw. zum 20. April schreibt Leser ***: „Sie haben den noch viel här­te­ren Spruch als A… f… D… (AfD?), näm­lich ’suum cui­que’ ange­spro­chen, der das Wap­pen der Feld­jä­ger­trup­pe der Bun­des­wehr ziert. Sie wer­den es ver­mut­lich schon wis­sen, doch kann ich nicht umhin, trotz­dem auf die all­wis­sen­de Müll­hal­de hinzuweisen.”
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Das ist übri­gens die Cha­rak­ter­na­tur, die Höcke wegen „Alles für Din­gens” ange­zeigt hat.
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Dass die regie­rungs­na­hen Genos­sen Jour­na­lis­ten bes­ser über die Lage der Wirt­schaft Bescheid wis­sen als die Indus­trie­ver­tre­ter selbst, ken­ne ich noch aus Erichs des Ein­zi­gen Arbei­ter- und Bauern-Paradies.
Noch Ende der 1980er Jah­re infor­mier­te mich die sozia­lis­ti­sche Pres­se dar­über, dass die DDR zu den zehn füh­ren­den Indus­trie­na­tio­nen der Erde gehö­re. Wenn ich mich recht ent­sin­ne, stand das auch im West­ber­li­ner Tages­spie­gel.
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„Wie Ihr häu­fi­ger anony­mer Gast­au­tor bin ich Jurist im Staats­dienst, kon­kret Vor­sit­zen­der einer Zivil­kam­mer am Land­ge­richt ***. Da ich dem Zeit­geist in vie­len Punk­ten nicht ent­spre­che, ist für mich das Vor­ge­hen des Bun­des­am­tes für Ver­fas­sungs­schutz gegen die AfD und Orga­ni­sa­tio­nen, die zu ihrem Vor­feld gezählt wer­den kön­nen, von beson­de­rer Rele­vanz. Ich will hier nicht zum x‑ten Mal die Argu­men­ta­ti­on des BfV aus­ein­an­der­neh­men und über den abwe­gi­gen Stand­punkt zum Volks­be­griff sowie die hier­aus gezo­ge­nen Unter­stel­lun­gen schrei­ben, das haben von Diet­rich Murs­wiek über Mar­tin Wage­ner bis Ulrich Vos­ger­au schon Beru­fe­ne­re hin­rei­chend getan. Mein gedank­li­cher Aus­gangs­punkt sind viel­mehr die fol­gen­den Fra­gen: Ist das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz bereit, die Maß­stä­be, an denen es die Oppo­si­ti­on misst, auch auf Regie­rungs­par­tei­en oder ihnen nahe­ste­hen­de Orga­ni­sa­tio­nen anzu­wen­den? Falls nein, was folgt daraus?

Als Ver­fas­sungs­feind oder Extre­mist (bei­de Begrif­fe wer­den syn­onym ver­wen­det) gilt, wer gegen die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung arbei­tet. Die­se besteht aus den wich­tigs­ten der Grund­sät­ze, die nach Arti­kel 79 Absatz 3 des Grund­ge­set­zes (GG) unab­än­der­lich sind, dem Demo­kra­tie­prin­zip, dem Rechts­staats­prin­zip und der Men­schen­wür­de­ga­ran­tie. Die Argu­men­ta­ti­on des BfV gegen die patrio­ti­sche Oppo­si­ti­on (AfD, Iden­ti­tä­re Bewe­gung, Insti­tut für Staats­po­li­tik, Jun­ge Alter­na­ti­ve, Ein Pro­zent…) ist im Kern immer gleich: Wegen der Auf­fas­sung ihrer Prot­ago­nis­ten, es gebe ein deut­sches Volk im eth­nisch-kul­tu­rel­len Sin­ne, die eine Her­ab­set­zung von ein­ge­bür­ger­ten Staats­an­ge­hö­ri­gen zu Deut­schen zwei­ter Klas­se impli­zie­re, bestün­de die Besorg­nis, dass eine deren Men­schen­wür­de ver­let­zen­de Behand­lung beab­sich­tigt sei, eben­so wie die Ver­let­zung der Men­schen­wür­de von Aus­län­dern, die nach Deutsch­land ein­wan­dern wol­len oder bereits hier leben.

Ver­all­ge­mei­nert bedeu­tet dies: Ver­fas­sungs­feind ist der­je­ni­ge, bei dem die Besorg­nis besteht, dass er eine Poli­tik anstrebt, die die Men­schen­wür­de bestimm­ter Men­schen nicht ach­tet. Es ist uner­heb­lich, ob sich dies auf nur ein Poli­tik­feld beschränkt (hier die Migra­ti­ons­po­li­tik), es ist auch nicht erfor­der­lich, dass die­sen Men­schen die Men­schen­wür­de ins­ge­samt abge­spro­chen wird (nicht ein­mal Herr Hal­den­wang behaup­tet, dass die AfD Migran­ten fol­tern las­sen wol­le). Ohne Belang ist schließ­lich, ob sich die Orga­ni­sa­ti­on auf ande­ren Poli­tik­fel­dern beson­ders für die Men­schen­wür­de oder eine ande­re Säu­le der frei­heit­lich-demo­kra­ti­schen Grund­ord­nung ein­setzt. Es nutzt der AfD bei­spiels­wei­se nichts, dass sie sich in beson­de­rem Maße für das Demo­kra­tie­prin­zip stark macht, indem sie der wei­te­ren Über­tra­gung von Kom­pe­ten­zen auf die EU (die dazu füh­ren wür­de, dass den deut­schen Staats­bür­gern Ein­fluss­mög­lich­kei­ten ent­zo­gen wer­den) ent­ge­gen­tritt, sich für direk­te Demo­kra­tie auf Bun­des­ebe­ne ein­setzt und sich den Plä­nen der Kar­tell­par­tei­en von Grü­nen bis CDU, den Ein­fluss der Bür­ger durch eine Ver­län­ge­rung der Legis­la­tur­pe­ri­ode auf Bun­des­ebe­ne zu beschnei­den, widersetzt.

Die­se ver­all­ge­mei­ner­ten Grund­sät­ze kön­nen ohne wei­te­res auf ande­re Poli­tik­fel­der über­tra­gen wer­den. Ich will nach­fol­gend die Fra­ge des Schut­zes des unge­bo­re­nen Lebens in den Blick neh­men. Nach gefes­tig­ter Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts folgt aus der Men­schen­wür­de­ga­ran­tie die Ver­pflich­tung des Staa­tes, das unge­bo­re­ne Leben zu schüt­zen. Des­halb muss der Gesetz­ge­ber der Mut­ter den Schwan­ger­schafts­ab­bruch grund­sätz­lich ver­bie­ten und ihr die grund­sätz­li­che Rechts­pflicht auf­er­le­gen, das Kind aus­zu­tra­gen. Die Men­schen­wür­de­ga­ran­tie ver­pflich­tet den Staat ins­be­son­de­re dazu, ein wirk­sa­mes Schutz­kon­zept zu ergrei­fen, das auch Ele­men­te des repres­si­ven Schut­zes ent­hält. Des­halb darf der Staat nicht auf den Ein­satz auch des Straf­rechts und die davon aus­ge­hen­de Schutz­wir­kung für das mensch­li­che Leben frei ver­zich­ten. All dies kann man im Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 28. Mai 1993 zu 2 BvF 2/90 u.a. nach­le­sen.

Zwi­schen­fa­zit: Wer die „Ent­kri­mi­na­li­sie­rung” des Schwan­ger­schafts­ab­bruchs anstrebt, will unge­bo­re­nen Men­schen den Schutz ent­zie­hen, der ihnen wegen der Men­schen­wür­de­ga­ran­tie zusteht. Das ist verfassungsfeindlich.

Nun kann man sich anse­hen, wie zum Bei­spiel die Grü­nen zu die­ser Fra­ge ste­hen. Dazu muss man weder Reden noch sons­ti­ge Äuße­run­gen durch­su­chen, erst recht nicht erfor­der­lich ist der Ein­satz nach­rich­ten­dienst­li­cher Mit­tel. Aus­rei­chend ist viel­mehr die Lek­tü­re der Grund­satz­pro­gram­me der Par­tei (die hier abruf­bar sind). Im Bun­des­pro­gramm von 1980 hieß es: ‚In der Fra­ge der Schwan­ger­schaft­un­ter­bre­chung gera­ten zwei wesent­li­che Zie­le der GRÜNEN in Wider­spruch mit­ein­an­der: einer­seits ent­schie­den für das vol­le Selbst­be­stim­mungs­recht von Frau und Mann ein­zu­tre­ten, ande­rer­seits das mensch­li­che Leben in allen Berei­chen zu schüt­zen. […] Die Schwan­ger­schafts­un­ter­bre­chung kann als eine Fra­ge der mora­li­schen Ein­stel­lung und der per­sön­li­chen Lebens­um­stän­de nicht Gegen­stand juris­ti­scher Ver­fol­gung sein. […] Wir for­dern: […] Kei­ne Bevor­mun­dung und Dis­kri­mi­nie­rung der Frau­en durch Staat und Ärz­te. Kei­ne Straf­ver­fol­gung und Ein­schüch­te­rung von Frau­en und Ärz­ten, die abge­trie­ben haben.’

Im Grund­satz­pro­gramm von 2002 klang es so: ‚Wir wol­len das Recht der Mäd­chen und Frau­en auf ein selbst­be­stimm­tes Leben sichern und för­dern. Des­halb wer­den wir uns wei­ter dafür ein­set­zen, dass das Recht der Frau­en, sich selbst­be­stimmt und ohne äuße­ren Druck für oder gegen eine Schwan­ger­schaft zu ent­schei­den, gewahrt bleibt. […] Auch eine straf­recht­li­che Ver­fol­gung von Schwan­ger­schafts­ab­brü­chen ist kein geeig­ne­ter Weg, Ent­schei­dun­gen für das Leben mit Kin­dern zu för­dern. […] Kei­ne Frau soll durch die sozia­le und mate­ri­el­le Situa­ti­on oder durch aus­ge­üb­ten Druck von außen in ihrer frei­en Ent­schei­dung beein­träch­tigt werden.’

Die ent­spre­chen­de Pas­sa­ge im aktu­el­len Grund­satz­pro­gramm von 2022 lau­tet: ‚Das Recht auf Selbst­be­stim­mung über den eige­nen Kör­per und das eige­ne Leben muss für alle Men­schen, ins­be­son­de­re auch Frau­en, Mäd­chen, trans*, inter* und nicht-binä­re Men­schen mit und ohne Behin­de­rung unein­ge­schränkt gel­ten. Die­ses Recht zu rea­li­sie­ren ist Teil einer guten öffent­li­chen Gesund­heits­ver­sor­gung. Zu ihr zäh­len auch selbst­be­stimm­te Schwan­ger­schafts­ab­brü­che, die nichts im Straf­ge­setz­buch ver­lo­ren haben und deren Kos­ten grund­sätz­lich über­nom­men wer­den müssen.’

Es ist also seit Par­tei­grün­dung durch­ge­hen­de Posi­ti­on der Grü­nen, dass allein die Mut­ter frei und ohne straf­recht­li­che Ver­fol­gung befürch­ten zu müs­sen dar­über ent­schei­den soll, ob ein unge­bo­re­nes Kind getö­tet wird oder ob es leben darf. Staat­li­chen Schutz gegen die Ent­schei­dung der Mut­ter darf es ihrer Auf­fas­sung nach nicht geben. Die Men­schen­wür­de des unge­bo­re­nen Kin­des spielt für die Grü­nen dabei kei­ne Rol­le. Die­se Posi­ti­on ist, wie oben gezeigt, ver­fas­sungs­feind­lich. (Auf­fäl­lig ist, dass die Tex­te zuneh­mend radi­ka­ler for­mu­liert sind. Die vor­herr­schen­de Erzäh­lung, die Grü­nen hät­ten Radi­ka­lis­men der Anfangs­zeit abge­legt, trifft offen­sicht­lich nicht zu.)

Das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz geht aber kei­nes­wegs gegen die Grü­nen vor, obwohl sie eine erheb­li­che Gefahr für die frei­heit­lich-demo­kra­ti­sche Grund­ord­nung dar­stel­len. Denn anders als die poli­tisch iso­lier­te AfD, die kei­ne rea­le Chan­ce auf Macht­be­tei­li­gung hat, sind sie an der Bun­des­re­gie­rung und der Mehr­zahl der Lan­des­re­gie­run­gen betei­ligt und haben so nicht nur die Mög­lich­keit, die Gesetz­ge­bung zu beein­flus­sen, son­dern kön­nen auch über die Beset­zung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts mit­be­stim­men, mit der Gefahr, dass eine neue Beset­zung des Gerichts Buch­sta­ben und Geist des Grund­ge­set­zes außer Acht lässt und die Men­schen­wür­de­ga­ran­tie im Sin­ne des grü­nen Par­tei­pro­gramms entkernt.

Das Vor­ge­hen des Bun­des­amts für Ver­fas­sungs­schutz allein gegen die Oppo­si­ti­on ist nach alle­dem objek­tiv will­kür­lich. Es ver­stößt damit gegen das Recht der AfD auf Chan­cen­gleich­heit und han­delt sei­ner­seits ver­fas­sungs­feind­lich. Denn nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts folgt das Recht der poli­ti­schen Par­tei­en auf Chan­cen­gleich­heit auch aus der Bedeu­tung, die dem Mehr­par­tei­en­prin­zip für die frei­heit­li­che Demo­kra­tie zukommt, weil die Demo­kra­tie nicht funk­tio­nie­ren kann, wenn nicht die Par­tei­en grund­sätz­lich unter den glei­chen recht­li­chen Bedin­gun­gen in den Wahl­kampf ein­tre­ten. Da das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz den poli­ti­schen Wil­len der Bun­des­in­nen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser (SPD) exe­ku­tiert und sich ihre Par­tei nicht von die­sem gegen das Demo­kra­tie­prin­zip gerich­te­ten Vor­ge­hen distan­ziert, son­dern es im Gegen­teil unter­stützt, wäre die SPD nach die­sen Maß­stä­ben zumin­dest als Ver­dachts­fall einzustufen.”

***
Ich muss in letz­ter Zeit oft an Gómez Dávil­as Sen­tenz den­ken: „Die Frau­en, die die neue Lit­ur­gie dazu ver­lei­tet, das pau­li­ni­sche Ver­bot zu ver­let­zen, spre­chen in der Kir­che immer mit näseln­der und schril­ler Stim­me.” Die neue Lit­ur­gie der Frau­en­för­de­rung bei­spiels­wei­se in der Fuß­ball-Bericht­erstat­tung, wo inzwi­schen über­wie­gend Frau­en kom­men­tie­ren und mode­rie­ren. (Man soll sich den Pau­lus-Satz „Das Weib schwei­ge in der Kir­che“ nicht als her­ri­sches Kom­man­do, son­dern als ver­zwei­fel­ten Seuf­zer vor­stel­len.) Die Hol­den erobern, wie es heißt, eine Män­ner­do­mä­ne nach der ande­ren; man schaue nur in die Bun­des­re­gie­rung bzw. ‑wehr. Ich hat­te am Mon­tag die Gele­gen­heit, einer auf­stre­ben­den Diri­gen­tin bei einer öffent­li­chen Gene­ral­pro­be zu hos­pi­tie­ren (Mozarts „Lin­zer” Sin­fo­nie und Tschai­kow­skys Sechs­te). Die Lokal­pres­se hat sie schon vor eini­ger Zeit nobilitiert.
Ich geste­he, ich war frap­piert: eine leib­haf­ti­ge Wil­helm-Busch-Figur am Pult des Baye­ri­schen Staats­or­ches­ters! „Egal, wie es aus­sieht”! Sie exami­nier­te die Musi­ker wie eine Leh­re­rin Läm­pel ihre Schul­klas­se. „Das Orches­ter frisst ihr aus der Hand, die Che­mie stimmt”, meint eine Volon­tä­rin von BR Klas­sik. Völ­li­ger Unsinn – die meis­ten Musi­ker sind genervt. Mall­witz diri­giert nicht, son­dern tanzt die Par­ti­tur; ein Freund fühl­te sich ange­sichts ihrer ver­kas­per­ten aus­la­den­den Bewe­gun­gen an Euryth­mie erin­nert. Angeb­lich hat sie gute Chan­cen, in Mün­chen GMD zu werden.
Hal­ten Sie mich für miso­gyn, aber ans Pult gehört kei­ne Frau. Simo­ne Young selbst­ver­ständ­lich ausgenommen.
PS: Wie es klang, was sie da aus dem Orches­ter her­vor­tanz­te? Das habe ich, womög­lich immer noch seh­be­rauscht, vergessen …
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