Giacomo Puccini: Il Trittico

 

Puc­ci­nis „Il Trit­ti­co“ ist ein in der Opern­ge­schich­te sin­gu­lä­res, gleich­wohl recht unbe­kann­tes Werk, bestehend aus drei unzu­sam­men­hän­gen­den Ein­ak­tern von jeweils einer (knap­pen) Stun­den Dau­er. Es han­delt sich um „Il Tabar­ro“ („Der Man­tel“), ein Schau­er­dra­ma aus der Welt des Lum­pen­pro­le­ta­ri­ats, „Suor Ange­li­ca“, ein Rühr­stück über den Selbst­mord einer Non­ne – die ein­zi­ge Oper des gesam­ten Reper­toires für aus­schließ­lich Frau­en­stim­men –, sowie „Gian­ni Schic­chi“, einen bur­les­ken Spaß um eine Tes­ta­ments­fäl­schung, spie­lend im Flo­renz der Früh­re­nais­sance. Jeder der Ein­ak­ter ist wie aus einem Guss kom­po­niert. Vor allem der „Tabar­ro“ ist bezüg­lich sei­ner Kom­pri­miert­heit zu prei­sen; wie der Kom­po­nist es schafft, in einem Akt über ein Kleinst­so­zio­top von Men­schen nahe­zu alles zu sagen und neben­her eine Ehe sowie ein Ver­hält­nis final zer­bre­chen und einen Tot­schlag gesche­hen zu las­sen, das hat in der mir bekann­ten Kunst über­haupt kein Gegenstück.

Dass die Ein­ak­ter eigent­lich nicht zusam­men­ge­hö­ren und auch fast nie zusam­men auf­ge­führt wur­den bzw. wer­den, dürf­te ihrer Unpo­pu­la­ri­tät erklä­ren – nur „Gian­ni Schic­chi“ hat­te sich einst in den Spiel­plä­nen halb­wegs eta­bliert, nicht zuletzt weil dar­in die ein­zi­ge berühm­te Arie des „Trit­ti­co“ erklingt („O mio bab­bi­no caro“). Frei­lich fügen sich die drei Tei­le, wenn man sie nach­ein­an­der hört, doch zu einem Gan­zen; der Abfol­ge der grund­ver­schie­de­nen Gen­res und Sze­ne­rien wohnt ein eigen­tüm­li­cher, wenn nicht gar eigen­tüm­lich erhe­ben­der Effekt inne, wobei der Hörer zunächst schwer erschüt­tert, sodann zu Trä­nen gerührt und schließ­lich getrös­tet wird. Wie die drei­zehn­te Fee an Dorn­rös­chens Wie­ge ver­mag der hei­te­re „Schic­chi“ die Wir­kung sei­ner Vor­gän­ger aller­dings nur zu mil­dern, nicht auf­zu­he­ben, und man ver­lässt das Opern­haus mit dem Ein­druck, nicht spe­zi­el­le mensch­li­che Geschi­cke, son­dern die Akti­vi­tä­ten der Gat­tung an sich beob­ach­tet zu haben.

Gia­co­mo Puc­ci­ni: Il Trit­ti­co; Anto­nio Pap­pa­no; Guleg­hi­na, Gheor­g­hiu, Guel­fi, Shi­coff, Alagna u.a.,  Lon­don Sym­pho­ny Orches­tra (EMI)

 

Erschie­nen in: eigen­tüm­lich frei

 

 

Total
0
Shares
Vorheriger Beitrag

Gustav Mahler: Des Knaben Wunderhorn

Nächster Beitrag

Robert Schumann: Carnaval

Ebenfalls lesenswert