1. März 2022

Best­deutsch­land zieht in den Krieg. Man­gels Waf­fen und Män­nern for­miert sich die Volks­ge­mein­schaft in den Schüt­zen­grä­ben der anti­so­zia­len Netz­wer­ke und auf den Schlacht­fel­dern der Boykotte.

Am Sonn­tag lud man mich zur Geburts­tags­fei­er einer ukrai­ni­schen Freun­din, die Stim­mung war gedrückt, zwei der Gäs­te sorg­ten sich um Ange­hö­ri­ge und san­nen über Aus­wan­der­op­tio­nen für sie nach, doch kei­ner aus der Run­de woll­te ein rich­ti­ges Zei­chen set­zen; da muss erst ein enga­gier­ter Alman kom­men und zei­gen, wie es geht.

„Net­to” habe Wod­ka und rus­si­sche Waren aus dem Sor­ti­ment genom­men, mel­det ein rus­si­scher Freund aus Hes­sen. Fuß­bal­ler aus dem Reich des Bösen wer­den von inter­na­tio­na­len Wett­be­wer­ben sus­pen­diert, ande­ren sport­li­chen Reu­ßen droht die­sel­be Nemesis.

Unse­re enga­gier­ten Tole­ran­ten, wie ich sie ken­ne, wer­den gewiss bald rus­si­sche Opern aus dem Reper­toire ver­ban­nen und kei­ne rus­si­schen Kom­po­nis­ten mehr im Radio spie­len. Der OB eines Welt­gaus mit Herz, Zoll für Zoll eine Cha­rak­ter­na­tur, hat schon den Diri­gen­ten Vale­ri Ger­giev für sei­ne Wei­ge­rung bestraft, sich vom Zaren zu distanzieren.

Dabei war dem Maes­tro zuvor prak­tisch ein roter Tep­pich aus­ge­rollt wor­den, auf dem er coram publi­co knie­rut­schend sei­ne Kon­takt­schuld hät­te bereu­en kön­nen! Ein in der Kon­sens­brü­he des bes­ten Deutsch­land ever gut durch­ge­gar­ter Distan­zie­rungs­rou­ti­nier ver­mag sich gar nicht mehr vor­zu­stel­len, dass jemand nicht ein­knickt, zu Kreu­ze kriecht, sich demü­tigt wie ein Lin­der­chris­ti­an, bereut, abschwört. Auf geht’s, Demo­kra­ten! Tole­ran­te! Diver­se! Boy­kot­tiert rus­si­sche Gast­stät­ten und Geschäf­te! Mar­kiert sie mit Haken­kreu­zen! Kün­digt den Rus­sen die Woh­nun­gen! Weg mit den rus­si­schen Ehren­ma­len! Rus­si­sche Sän­ger? Pia­nis­ten? Schluss mit den Enga­ge­ments! Es sei denn, sie spu­cken auf Putin-Bil­der, schrub­ben mit der rus­si­schen Fah­ne das Pflas­ter oder neh­men die ukrai­ni­sche Staats­bür­ger­schaft an.

Auch den deut­schen Put­in­ver­ste­hern dürft ihr kein Par­don geben!

Ich wet­te mei­ne Aus­ga­be der Wer­ke Sta­lins, dass die Rus­sen, wenn sie in ’schland ein­mar­schier­ten, auf kei­ner­lei Gegen­wehr trä­fen, zumin­dest auf kei­ne deut­sche. Nur im Erzwin­gen von Bekennt­nis­sen sind die Almans ganz vorn, da befin­den sie sich sogar noch ober­halb des Wehr­machts­le­vels. Die Ver­klei­dun­gen und Anläs­se wech­seln, der Fun­da­men­ta­lis­mus bleibt konstant.

PS. Und wei­ter geht’s.

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Alle Schlag­zei­len der aktu­el­len Zel­ler Zei­tung sind genial.

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Jauch­zet, frohlocket!

Natür­lich begrüßt es kein euro­päi­scher Poli­ti­ker, dass Putin sei­ne Armee in ein Nach­bar­land ein­rü­cken lässt. Die Zitier­ten – dar­un­ter Éric Zem­mour, den ein Exkre­mist bei der Welt ganz unge­niert einen „Extre­mis­ten” nennt – tun übri­gens nichts ande­res kund als ihre Ver­ur­tei­lung des Angriffs. Was denn auch sonst?

Kein Mensch von leid­li­chem Geschmack wird sich dar­über hin­aus auf die Sei­te derer stel­len, die jetzt kol­lek­tiv gegen den Kreml eifern, leit­ar­ti­keln und twit­tern (die Ukrai­ner dar­un­ter natür­lich aus­ge­nom­men), im Ernst­fall aber sofort ihre Cha­rak­ter­köpf­chen ein­zö­gen. Mit gewis­sen Leu­ten macht man sich nicht gemein, in kei­ner Sache, wie gerecht­fer­tigt sie auch sei.

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Apro­pos.

(Wei­ter hier.)

Die­se Brü­cke ist von zwei Sei­ten in Brand gesteckt worden.

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„Man mer­ke: Demo­kra­ti­sche Sys­te­me dür­fen aus faden­schei­ni­gen Grün­den Angriffs­krie­ge vom Zaun bre­chen; auto­ri­tä­re nicht”, notiert Leser ***. „Der Vor­teil an Demo­kra­tien ist, dass hin­ter­her nie­mand für einen Völ­ker­rechts­bruch ver­ant­wort­lich gemacht wird. Dem Auto­kra­ten hin­ge­gen ist eine Straf­ver­fol­gung vor dem Inter­na­tio­na­len Straf­ge­richts­hof sicher. Mindestens.

Ob die Inter­na­tio­na­le Gemein­schaft das nächs­te Mal, wenn ein demo­kra­ti­scher Staat unter erstun­ke­nen und erlo­ge­nen Vor­wän­den irgend­wo eine Inva­si­on star­tet und einen Regi­me­chan­ge durch­füh­ren will, genau­so stramm zusam­men­steht und bereit dazu ist, Ver­sor­gungs­eng­päs­se, einen welt­wirt­schaft­li­chen Kol­laps oder gar Atom­krieg in Kauf zu neh­men? Ich schät­ze eher nicht.”

Wen oder was mag er mit „demo­kra­ti­sche Sys­te­me” meinen?

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„Was gilt es in die­sem Krie­ge?” (Die Fra­ge sei unstatt­haft verallgemeinert.)

„Eine Gemein­schaft gilt es, deren Wahr­haf­tig­keit und Offen­her­zig­keit, gegen Freund und Feind gleich uner­schüt­ter­lich geübt, bei dem Witz der Nach­barn zum Sprich­wort gewor­den ist; die, über jeden Zwei­fel erho­ben, dem Besit­zer jenes ech­ten Rin­ges gleich, die­je­ni­ge ist, die die ande­ren am meis­ten lie­ben; deren Unschuld, selbst in dem Augen­blick noch, da der Fremd­ling sie belä­chelt oder wohl gar ver­spot­tet, sein Gefühl geheim­nis­voll erweckt: der­ge­stalt, daß der­je­ni­ge der zu ihr gehört, nur sei­nen Namen zu nen­nen braucht, um auch in den ent­fern­tes­ten Tei­len der Welt noch, Glau­ben zu fin­den. Eine Gemein­schaft, die, weit ent­fernt, in ihrem Busen auch nur eine Regung von Über­mut zu tra­gen, viel­mehr, einem schö­nen Gemüt gleich, bis auf den heu­ti­gen Tag, an ihre eig­ne Herr­lich­keit nicht geglaubt hat; die her­um­ge­flat­tert ist, uner­müd­lich, einer Bie­ne gleich, alles, was sie Vor­treff­li­ches fand, in sich auf­zu­neh­men, gleich, als ob nichts, von Ursprung her­ein Schö­nes, in ihr sel­ber wäre; in deren Schoß gleich­wohl (wenn es zu sagen erlaubt ist!) die Göt­ter das Urbild der Mensch­heit rei­ner, als in irgend­ei­ner ande­ren, auf­be­wahrt hat­ten. Eine Gemein­schaft, die dem Men­schen­ge­schlecht nichts, in dem Wech­sel der Dienst­leis­tun­gen, schul­dig geblie­ben ist; die den Völ­kern, ihren Brü­dern und Nach­barn, für jede Kunst des Frie­dens, wel­che sie von ihnen erhielt, eine ande­re zurück­gab; eine Gemein­schaft, die, an dem Obe­lis­ken der Zei­ten, stets unter den Wackers­ten und Rüs­tigs­ten tätig gewe­sen ist: ja, die den Grund­stein des­sel­ben gelegt hat, und viel­leicht den Schluß­block dar­auf zu set­zen, bestimmt war. Eine Gemein­schaft gilt es, die den Leib­niz und Guten­berg gebo­ren hat; in wel­cher ein Gue­ri­cke den Luft­kreis wog, Tschirn­hau­sen den Glanz der Son­ne lenk­te und Kep­ler der Gestir­ne Bahn ver­zeich­ne­te; eine Gemein­schaft, die gro­ße Namen, wie der Lenz Blu­men auf­zu­wei­sen hat; die den Hut­ten und Sickin­gen, Luther und Melan­chthon, Joseph und Fried­rich auf­er­zog; in wel­cher Dürer und Cra­nach, die Ver­herr­li­cher der Tem­pel, gelebt, und Klopstock den Tri­umph des Erlö­sers gesun­gen hat. Eine Gemein­schaft mit­hin gilt es, die dem gan­zen Men­schen­ge­schlecht ange­hört; die die Wil­den der Süd­see noch, wenn sie sie kenn­ten, zu beschüt­zen her­bei­strö­men wür­den; eine Gemein­schaft, deren Dasein kei­ne deut­sche Brust über­le­ben, und die nur mit Blut, vor dem die Son­ne ver­dun­kelt, zu Gra­be gebracht wer­den soll.”

Sie wis­sen, von wem das stammt.

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Was mag Putin mei­nen, wenn er von einer „Ent­na­zi­fi­zie­rung” der Ukrai­ne spricht?  Die­ses Wort wird pro­phy­lak­tisch aus allen offi­zi­el­len Mel­dun­gen getilgt, um sozi­al­ethi­sche Ver­wir­run­gen beim deut­schen Publi­kum zu vermeiden.

Da es zum Gesamt­bild gehört, ver­wei­se ich auf die­se und jene Facette.

***

Es gehört zwar nicht zu Putins Kriegs­zie­len, aber für Deutsch­land hat er jetzt schon viel Posi­ti­ves erreicht.

Ers­tens: Die Pan­de­mie ist so gut wie beendet.

In der Gas­tro­no­mie hat ab sofort auch jeder Zutritt, der statt eines Impf­pas­ses eine Ukrai­ne­fah­ne vor­legt; das Tra­gen der Fah­ne ersetzt dar­über hin­aus voll­gül­tig das Tra­gen einer Maske.

Zwei­tens: Die Kli­ma­kri­se wird ver­tagt, die Ener­gie­wen­de ver­scho­ben. Atom- und Koh­le­kraft­wer­ke, ja sogar die ato­ma­re Auf­rüs­tung sind plötz­lich wie­der diskutabel.

Drit­tens: Die Bun­des­wehr wird reani­miert, aller­dings aus Man­gel an wehr­fä­hi­gen und vor allem ‑wil­li­gen deut­schen Män­nern als Söld­ner­trup­pe (eine sol­che taug­te auch bes­ser zur all­fäl­li­gen Nie­der­schla­gung künf­ti­ger Unruhen).

Vier­tens: Die „femi­nis­ti­sche Außen­po­li­tik” wird als das Fürz­chen erkenn­bar, als wel­ches sie in den ver­klemm­ten Popos ihrer Urheber:*_Innen von Anfang an querlag.

Ein paar Fuß­kran­ke wer­den noch ein Weil­chen brauchen.

Die­se Begna­de­ten kön­nen sich alles vor­stel­len, nur nicht, dass sie kei­ne Rol­le spielen.

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Spie­gel online will offen­bar die schö­ne Tra­di­ti­on des Such­bilds wiederbeleben.

Heu­te: Such die Ukrainer.

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The­men­wech­sel.

Fast immer stellt sich her­aus, dass die Schwur­b­ler gar nicht so ver­kehrt lagen.

Die Welt schreibt: „Die Medi­zin­pro­fes­so­rin der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen bezieht nicht nur von staat­li­chen Stel­len wie dem Bun­des­for­schungs­mi­nis­te­ri­um und dem Ethik­rat Geld – seit Jah­ren pro­fi­tiert die 44-Jäh­ri­ge auch von För­der­mit­teln phar­ma­na­her Insti­tu­tio­nen wie dem bri­ti­schen Well­co­me Trust.
Die­ser erscheint auf den ers­ten Blick wie eine gemein­nüt­zi­ge, poli­tisch und finan­zi­ell unab­hän­gi­ge Stif­tung, die vor allem im Bereich Gesund­heits­for­schung ein wich­ti­ger glo­ba­ler Geld­ge­ber ist.
Fakt ist aber auch, wie ein Bericht der medi­zi­ni­schen Fach­zeit­schrift ‚Bri­tish Medi­cal Jour­nal’ im März 2021 offen­ge­legt hat: Das beträcht­li­che Ver­mö­gen der Stif­tung von ins­ge­samt 45,77 Mil­li­ar­den Euro steckt zu einem gro­ßen Teil in Unter­neh­men, die Covid-19-Impf­stof­fe, ‑Medi­ka­men­te und ‑Dia­gnos­ti­ka her­stel­len. Dar­un­ter Roche, Novar­tis, Abbott, Sie­mens, John­son & Johnson.”
Anfra­ge an Sen­der Ere­wan: Muss ein Mensch, der ethi­sches Ver­hal­ten pre­digt, immer ethisch handeln?
Ant­wort: Muss ein Zitro­nen­fal­ter immer Zitro­nen falten?
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Rät­sel­haf­te Zah­len, ver­öf­fent­licht bei Spektrum.de, unter Beru­fung auf The Lan­cet.

Todes­fäl­le welt­weit, Stand heute.

Alter der an bzw. mit Coro­na Ver­stor­be­nen in Deutschland.

„Pro Coro­na-Todes­fall gibt es einen Min­der­jäh­ri­gen, der ein Eltern­teil ver­lo­ren hat.” Zum Bei­spiel bei den 24.000 über 90jährigen, die in Deutsch­land das Zeit­li­che seg­ne­ten? Hat uns der Vati­kan etwas verschwiegen?

Wer weiß eine Erklärung?

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Erzäh­le mir noch ein­mal jemand, wir leb­ten hier in einem frei­en Land.

Es gibt auch im Wes­ten kei­ne Frei­heit mehr zu ver­tei­di­gen (allen­falls wie­der­zu­er­rin­gen). Wohin man schaut, wer­den die Git­ter­stä­be der Zukunft justiert.

 

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