14. Mai 2022

„Und ein Engel trat zu mir und sprach: ‚Zitie­re sie!’ Und ich zitier­te sie.”
(Karl Kraus)

So viel Hass, Ekel, Abrech­nung und Moral las man zuvor aber in der woken Gesin­nungs­pres­se ver­läss­lich und vor allem zuneh­mend. Nach der Lek­tü­re die­ser Rezen­si­on (Bezahl­schran­ke = Geschmacks­schran­ke) habe ich mich gefragt, ob sie den Roman des armen Tell­kamp mit vol­ler Absicht einem juve­ni­len Platt­kopf über­ant­wor­tet haben – der Bub ver­steht ja von Lite­ra­tur unge­fähr so viel wie ein Schim­pan­se von der Vio­la d’a­mo­re –, oder ob an der Ham­bur­ger Relo­ti­us­spit­ze nur noch Pro­pa­gan­da­sim­pel die­ses Schlags ange­stellt wer­den (betriebs­wirt­schaft­lich plau­si­bel wäre es ja). „Der Schlaf in den Uhren” ist noch nicht erschie­nen, ich kann mir kein Urteil erlau­ben, doch die tat­säch­li­che Qua­li­tät des Romans tut hier sowie­so nichts zur Sache, weil nach Ansicht sol­cher Lite­ra­tur­kom­mis­sa­re ein Buch, des­sen Autor sich nicht der herr­schen­den poli­ti­schen Ten­denz anschmiegt, unmög­lich etwas tau­gen darf.

Mer­ke: Die Zuge­hö­rig­keit zum intel­lek­tu­el­len Pöbel mani­fes­tiert sich in kei­ner Eigen­schaft deut­li­cher als in der Unfä­hig­keit, die lite­ra­ri­sche Qua­li­tät eines Tex­tes zu wür­di­gen, des­sen inhalt­li­che Ten­denz einem zuwi­der ist.

So gut wie jede Rezen­si­on des neu­en Tell­kamp ist nega­tiv, stellt poli­ti­sche Asso­zia­tio­nen her und beginnt mit einem Rück­blick auf den „Turm”, weil der als jener Gip­fel ver­kauft wer­den muss, von wel­chem des Autors rui­nö­ser Abstieg anhub (by the way, Herr Kol­le­ge: „So einen Durch­fall möch­te ich auch ein­mal erle­ben”, soll Goun­od nach der Pari­ser „Tannhäuser”-Premiere nei­disch gesagt haben; sei­en Sie getrost, das gei­fert alles zu Ihrem Nutz und From­men). Der Ver­lag brach­te damals fast eine Mil­li­on Exem­pla­re an den Leser. „Bei durch­schnitt­lich 21 Zen­ti­me­ter Höhe pro Buchrücken”, rech­net unser Ham­bur­ger Sach­ver­stän­di­ger vor, „hät­te man damit die 198 Kilo­me­ter vom Ber­li­ner Kanz­ler­amt bis zum Buch­haus Losch­witz in Dres­den, damals noch eine all­ge­mein aner­kann­te Buch­hand­lung, ziem­lich genau aus­le­gen kön­nen. Hat man aber nicht, viel­mehr wur­de die Ver­bin­dung zwi­schen Dres­den und dem groß­städ­ti­schen Polit- und Medi­en­be­trieb Ber­lin immer brüchiger.”

Wahr­schein­lich muss man Jahr­gang 1990 sein, also noch in der milieu­ty­pi­schen Spät­pu­ber­tät retar­die­ren – zwi­schen Juve­ni­li­tät und Grei­sen­tum kommt bei die­sen Leu­ten meist nichts –, um auf das kunst­sin­ni­ge Gedan­ken­spiel einer mit Büchern aus­ge­leg­ten Stre­cke zu ver­fal­len. Man tat es aber nicht und ließ statt­des­sen zu, dass die Ver­bin­dung zwi­schen einem wei­land noch halb­wegs aner­kann­ten Kul­tur-Dres­den und einem bereits damals als zutiefst unse­ri­ös gel­ten­den Ber­li­ner Poli­tik- und Medi­en­be­trieb „immer brü­chi­ger” wur­de. Der Über­gang über die Bere­si­na war nicht nur weni­ger holp­rig, er war über­haupt einer.

Ungern, geneig­te Lese­rin, behel­li­ge ich Sie wei­ter mit die­sem Scha­mott, doch mei­ne Rol­le als Chro­nist und Sozi­a­len­to­mo­lo­ge nötigt mich dazu.

„Tell­kamp fiel mit kru­den Äuße­run­gen zu Mei­nungs­frei­heit, Flüchtlingen und Sozi­al­sys­te­men auf.”

Äuße­run­gen von Falsch­mei­nern sind näm­lich immer kru­de. Ich wet­te, dass ein belie­bi­ger Spie­gel von 1990 einen drei- bis vier­fach umfang­rei­che­ren Wort­schatz ent­hielt als eine aktu­el­le Aus­ga­be; damals hat­ten sie noch ein paar Res­sort­lei­ter und vor allem Autoren, die Deutsch konn­ten; inzwi­schen ist die Ver­bin­dung der Gazet­te zum dif­fe­ren­zier­ten Sprach­ge­brauch – „kru­de Äuße­run­gen zu Mei­nungs­frei­heit und Sozi­al­sys­te­men” – immer brü­chi­ger geworden.

Am Ran­de: Kaum einer der Rezen­sen­ten des neu­en Romans hat Tell­kamps auf dem bis­lang letz­ten frei­mü­ti­gen Dresd­ner Podi­um vor­ge­tra­ge­ne Bemer­kung zu zitie­ren ver­ges­sen, dass zir­ka 95 Pro­zent der soge­nann­ten Syri­en-Flücht­lin­ge tat­säch­lich Wirt­schafts­flücht­lin­ge sei­en, also Men­schen, die mit Deutsch­land das für sie lukra­tivs­te Sozi­al­sys­tem wähl­ten. (Und wäh­len!) Natür­lich ist die Zahl falsch. Es sind näm­lich 100 Pro­zent. Ein Mensch ist so lan­ge ein (Bürgerkriegs-)Flüchtling, bis er ein siche­res Nach­bar­land erreicht hat. Wenn er dann aber Land auf Land – oder grund­ge­setz­kon­form for­mu­liert: siche­ren Dritt­staat auf siche­ren Dritt­staat – durch­quert, um dort­hin zu gelan­gen, wo er die höchs­ten Sozi­al­leis­tun­gen erhält, hat sich der Flücht­ling in einen Wirt­schafts­mi­gran­ten ver­wan­delt. Das ist alles.

Aber wei­ter. „Tell­kamp ver­öf­fent­lich­te einen 112-sei­ti­gen Aus­zug geson­dert in der Edi­ti­on ‚Exil’ des Buch­hau­ses Losch­witz, es wird von der Buch­händ­le­rin Susan­ne Dagen geführt, die sich selbst wie­der­um im Dunst­kreis des Rechts­ideo­lo­gen Götz Kubit­schek bewegt.”

A unter­hält Kon­tak­te zu B, der wie­der­um mit C bekannt ist, was auf A zurück­fällt: so reden und schrei­ben Denun­zi­an­ten. Der Dunst­kreis gehört übri­gens in das­sel­be stan­dar­di­sier­te Voka­bu­lar wie kru­de und weist vor­aus auf Zei­ten, da der­glei­chen Refle­xe kom­plett auto­ma­ti­siert und vor allem noch bil­li­ger von der KI pro­du­ziert werden.

„Jetzt ist der Roman also da, und im Umkehr­schluss heißt das wohl, dass Suhr­kamp ihn für ver­öf­fent­li­chungs­taug­lich hielt. Das ist er auch in dem Sin­ne, dass dar­in nichts Ver­fas­sungs­feind­li­ches steht.”

Hier müs­sen wir unse­ren infor­mel­len Ver­fas­sungs­schüt­zer lei­der schon ver­las­sen, denn mir sind die von innen imprä­gnier­ten klei­nen Luft­han­sa-Tüten aus­ge­gan­gen, ohne die eine Zei­tungs­lek­tü­re im bes­ten Deutsch­land, das es ja gab, zu einer ris­kan­ten Akti­on mit erheb­li­chen Rei­ni­gungs­ne­ben­kos­ten ent­ar­ten kann.

Um ein Maga­zin wie den Spie­gel zu begrei­fen, darf man kei­ne jour­na­lis­ti­schen oder gar lite­ra­ri­schen Maß­stä­be anle­gen – das war ein­mal anders, als die­ses Blatt noch von sexis­ti­schen und letzt­lich wohl auch ras­sis­ti­schen wei­ßen Män­nern sowie ein paar ähn­lich gear­te­ten Frau­en gemacht wur­de –, son­dern man muss die Redak­ti­on als eine Art publi­zis­ti­sches Frei­korps betrach­ten (bei allem Respekt vor der Kampf­kraft der Frei­korps), das mit den Platz­pa­tro­nen sei­ner Kom­men­ta­re – nahe­zu jeder Text ist ein Kom­men­tar; das Gen­re Mel­dung stirbt aus – auf schlech­te Men­schen mit fal­schen Ansich­ten schießt.

Bei der Zeit ver­hält es sich ähn­lich, die Texe sind nur meis­tens klebriger.

Von einem Abstieg wür­den sie auch schrei­ben, wenn Tell­kamp einen Jahr­hun­der­t­ro­man vor­ge­legt hät­te oder hat; sie wer­den es nie akzep­tie­ren und ver­win­den, dass Lite­ra­tur, wie alle Kunst, nichts mit Moral zu tun hat und dass auch die poli­ti­schen Ansich­ten eines Autors für den Rang sei­ner Pro­sa voll­kom­men irrele­vant sind. Des­we­gen wird die Unter­hal­tung mit einem Lin­ken ver­gleichs­wei­se amü­sant, wenn man vom Ästhe­ti­schen ins Poli­ti­sche wechselt.

Einen hab’ ich noch.

Umstrit­ten ist die nächs­te rhe­to­ri­sche Glas­per­le auf unse­rer Konformitätsnarrenkette.

Auch die Ber­li­ner Zei­tung hadert mit Susan­ne Dagen und ihrer ehe­mals all­ge­mein aner­kann­ten Buch­hand­lung; eine für rote Lini­en offen­bar wie die Kuh für den Elek­tro­zaun emp­fäng­li­che Jour­na­lis­tin schreibt: „Für Uwe Tell­kamp gibt es die­se rote Linie nicht, er geht wei­ter in Dagens Buch­haus ein und aus, hat eine Erzäh­lung in der von ihr auf­ge­leg­ten Rei­he mit dem anma­ßen­den Namen ‚Exil’ veröffentlicht.”

Die­ser Schrift­stel­ler ver­kehrt nicht nur bei einer von uns Dis­kurs­li­ni­en­rich­tern ins Aus des Umstrit­ten­seins ver­wie­se­ne Buch­händ­le­rin, er hat oben­drein eine Erzäh­lung bei ihr ver­öf­fent­licht, ist das zu glau­ben? Der Schwei­ne­hund hat unse­re Geduld bald auf­ge­braucht! Dann wird er sich ein ech­tes Exil suchen müs­sen, nicht nur ein angemaßtes!

Für eine im Stahl­bad der soge­nann­ten Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung gehär­te­te Mus­ter­deut­sche kann der Begriff „Exil” ein­zig und allein mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus kon­no­tiert sein – woge­gen frei­lich allein die Tat­sa­che spricht, dass Aber­tau­sen­de Nazis nach 1945 ins Exil gin­gen, vor allem nach Süd­ame­ri­ka. Mensch, Mädel: Nazis im Exil! Wie konn­ten Sie die­se Chan­ce nur vertun?

***

Bei­sei­te gespro­chen: Ich fin­de ja eher den Titel Spie­gel anma­ßend ange­sichts des­sen, was er als Bild zurückwirft.

***

Noch zum Vorigen.

„Ernst Robert Cur­ti­us und Carl Schmitt, jun­ge Pro­fes­so­ren der Roma­nis­tik bezie­hungs­wei­se Rechts­wis­sen­schaft, wech­seln im Jahr 1921 Brie­fe. Bei­de ste­hen am Beginn einer gro­ßen Kar­rie­re. Bei­de füh­len sich am Ort ihres Lehr­stuhls im ‚Exil’. Cur­ti­us lehrt in Mar­burg, Schmitt in Greifs­wald. Cur­ti­us trös­tet Schmitt, daß Greifs­wald wohl nur ein ‚befris­te­tes Exil’ sein wer­de; denn die­ser Ort sei wie Mar­burg, ‚eine Pöni­tenz, mit der wir viel abver­dient haben wer­den’. Bei­de prei­sen dage­gen den geni­us loci des Rhein­lan­des mit sei­nem ‚Latei­ner­tum’ und tref­fen sich unter dem Wahl­spruch: ‚Nur süd­lich vom Limes kann man eben leben!’ ”
(Hel­mut Lethen, „Carl Schmitt: Der Begriff des Poli­ti­schen”, 2000)

***

***

Had­mut Danisch ver­sucht in immer neu­en exem­pli­fi­zie­ren­den Anläu­fen den Furor der lin­ken, grü­nen und/oder woken Gut­men­schen von einem bio­lo­gisch-anthro­po­lo­gi­schen Ansatz her zu erklä­ren, näm­lich dem Wir­ken der Amyg­da­la. Das ist ein Teil des lim­bi­schen Sys­tems im Gehirn, der für emo­tio­na­le Äuße­run­gen und vor allem Angst­ge­füh­le zustän­dig ist – und damit, ver­mu­tet Danisch, auch für die Bil­dung von Gruppen‑, Her­den- oder Meu­ten­ge­füh­len. Die Amyg­da­la schwei­ße die Men­schen zu irra­tio­nal han­deln­den Kol­lek­ti­ven zusam­men, da die meis­ten Ein­zel­we­sen die Beloh­nung der Grup­pen­zu­ge­hö­rig­keit über die Ratio stell­ten. So las­se sich das Phä­no­men immer neu­er am eige­nen Ast sägen­der oder sehen­den Auges ins Ver­der­ben mar­schie­ren­der Groß­kol­lek­ti­ve plau­si­bel erklä­ren, von denen die Geschich­te kün­det, etwa im 20. Jahr­hun­dert Bol­sche­wi­ken und Natio­nal­so­zia­lis­ten und nun­mehr eben die Bol­sche­wo­ken.

„Die­se The­se”, schreibt mir Leser ***, „erklärt auch das Phä­no­men, daß wei­ter­hin die Poli­ti­ker gewählt wer­den, die den Staat und damit ihre eige­ne Wäh­ler­schaft erkenn­bar zugrun­de rich­ten. Ent­schei­dend sind der gefühlt gute Zweck und die damit bekräf­tig­te Zuge­hö­rig­keit zum schüt­zen­den Rudel. Damit erklärt sich auch, war­um die  Bevöl­ke­rungs­mehr­heit die ihr vor­ge­setz­te Wider­sprüch­lich­keit des poli­ti­schen Han­delns und der ent­spre­chen­den Äuße­run­gen der Poli­ti­ker, wie sie zuletzt von Alex­an­der Wendt beschrie­ben wur­de, offen­bar pro­blem­los zu schlu­cken in der Lage ist. Heu­te nennt man die­sen von der Bevöl­ke­rungs­mehr­heit hin­ge­nom­me­nen Zustand ‚kogni­ti­ve Dis­so­nanz’, Orwell hat ihn als absichts­voll erfun­de­nes und ein­ge­setz­tes Instru­ment zur men­ta­len Kon­trol­le der Bevöl­ke­rung durch Regie­rung und Medi­en beschrie­ben und ‚Dop­pel­denk’ benannt. Die Wir­kung dürf­te wohl dar­in lie­gen, daß die Bür­ger die Dis­so­nanz zur Auf­recht­erhal­tung ihrer Hand­lungs­fä­hig­keit men­tal ver­drän­gen und ihre poli­ti­schen Ent­schei­dun­gen nicht mehr an ihren wirk­li­chen, ratio­nal zu erfas­sen­den Inter­es­sen aus­rich­ten, son­dern nur noch an dem Bedürf­nis, dazuzugehören.

Es gibt immer einen Pro­zent­satz an Resis­tenz, viel­leicht 10 Pro­zent. Das sind aber inter­es­san­ter­wei­se nicht die Intel­li­gen­tes­ten, im Gegen­teil, der Intel­li­gen­te ist viel anfäl­li­ger für Oppor­tu­nis­mus als der etwas Stump­fe­re, der wider­stän­di­ger agiert, wenn ihm etwas nicht paßt, selbst wenn er gar nicht selbst beschrei­ben kann, was genau und war­um. Die­se Schicht war man­gels sozia­ler Medi­en vor­her nicht öffent­lich hör­bar, wor­aus die aktu­el­le media­le Panik resul­tiert. Dage­gen hilft nur Ein­schüch­te­rung, wes­halb man das Straf­recht ver­schärft und die Staats­an­walt­schaf­ten sowie die VS-Behör­den auf Vor­der­mann gebracht hat.”

Ein­schub:

„Das Dop­pel­denk- bzw. kogni­ti­ve-Dis­so­nanz-Ding”, fährt Leser *** fort, „ist ein alt­be­kann­tes Phä­no­men aus der Psych­ia­trie, Psy­cho­lo­gie und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­leh­re. Dort hieß und heißt es Dou­ble-Bind oder Dop­pel­bot­schaft und beschreibt das Ver­hal­ten von Müt­tern (Väter wohl eher nicht), die an das Kind wider­sprüch­li­che Bot­schaf­ten sen­den. Dar­in liegt ein ein­fa­ches Herr­schafts­in­stru­ment, das offen­bar auch gegen­über Erwach­se­nen wirkt, sofern es von Auto­ri­tä­ten aus­geht – womit wir bei Poli­ti­kern und Medi­en­prot­ago­nis­ten, vor allem denen der GEZ wären. Der Trick besteht dar­in, daß das Opfer – Kind oder erwach­se­ner Bür­ger – ins Unrecht gesetzt und damit eine men­ta­le Abhän­gig­keit erzeugt wird. Es muß und wird sein Ver­hal­ten danach aus­rich­ten und alles tun, um der Auto­ri­tät zu Wil­len zu sein, um von ihr gelobt zu wer­den und sich damit gut zu füh­len. Dies kor­re­spon­diert mit dem Effekt der Bestä­ti­gung durch die Mehr­heit, sprich das sozia­le Umfeld. Auch dabei wird das Beloh­nungs­zen­trum im Gehirn sti­mu­liert. Daher macht Unfrei­heit glück­lich. Nicht alle Men­schen, aber um die 90 Prozent.”

***

***

Ich frag­te Leser *** dar­auf­hin: Dann kön­nen wir ja ein­pa­cken, wie?

Ant­wort: „Im Grun­de ja, wenn Sie die Wirk­sam­keit von Kor­rek­tur­ver­su­chen durch auf­klä­ren­de poli­ti­sche Akti­vi­tä­ten inner–  und außer­halb von Par­la­men­ten mei­nen. Ich muß­te auch erst die Erfah­rung machen, daß von den poli­ti­schen Füh­rungs­schich­ten bis hin­un­ter auf die ein­fa­che Bür­ge­r­ebe­ne eine Art Immu­ni­sie­rung gegen offen­sicht­lich rich­ti­ge Argu­men­te und Human­zie­le ent­stan­den ist. Man schirmt sich ab dage­gen, indem man sie für Igitt bis schlecht und böse erklärt. Einen sol­chen Zustand möch­te ich mitt­ler­wei­le als par­ti­el­le ‚Zom­bi­fi­zie­rung’ bezeich­nen. Das Phä­no­men ist dar­an zu erken­nen, daß Sie sich nicht mehr mit der eige­nen Schwes­ter oder vor­ma­li­gen Freun­den oder Kol­le­gen über poli­tisch-gesell­schaft­li­che-media­le The­men aus­tau­schen kön­nen, ohne daß von die­sen statt eines Argu­ments ein emo­tio­nal auf­ge­la­de­ner Bann­fluch kommt. Wir haben es mit der flä­chen­de­cken­den Umco­die­rung vor­mals funk­tio­nie­ren­der Gehirn­area­le beim Groß­teil der Bevöl­ke­rung zu tun. Man kann das mit Fug und Recht als mas­sen­haf­te Gehirn­wä­sche, gleich einer Mas­sen­psy­cho­se, bezeich­nen. Ein Merk­mal einer Psy­cho­se ist ja die Unzu­gäng­lich­keit für jeg­li­che ratio­na­le Argu­men­ta­ti­on und hart­nä­cki­ge Kon­takt­ab­wehr gegen­über Men­schen, die einem den Spie­gel vor­hal­ten. Wer hat dies wann und wie bewirkt? Da müs­sen wir auf das Mer­kel-Regime zurück­ge­hen: Sie hat ab irgend­ei­nem Punkt die ‚Mutti’-Rolle ein­ge­nom­men, und das Volk hat sich ihr kind­lich unter­wor­fen, jeden­falls im Wes­ten. Damit hat sie eine men­tal-psy­chi­sche Abhän­gig­keit erzeugt, die sich selbst ver­stär­kend den inzwi­schen vor­zu­fin­den­den Gehirn­wä­sche-Zustand erzeugt hat. Sie hat vor­ge­ge­ben, mit wem man als anstän­di­ger Bür­ger und Poli­ti­ker Umgang pfle­gen darf und mit wem nicht – bei Stra­fe, ihre müt­ter­li­che Gunst und die Zuge­hö­rig­keit zur Fami­lie der Anstän­di­gen zu ver­lie­ren. Das hat funk­tio­niert und tut es bis heu­te. Die­se Abhän­gig­keit wird sich erst auf­lö­sen durch wirk­lich schmerz­haf­te, von außen kom­men­de Scho­cker­eig­nis­se mit Wach­ma­cher-Effekt. Was dafür alles in Betracht kommt, kann man seit zwei Jah­ren erle­ben. Bemer­kens­wert ist die Par­al­le­li­tät zu 1933ff: Damals hat sich fast das gan­ze Volk in die Abhän­gig­keit zu einem Vater­er­satz bege­ben und konn­te sich dar­aus nicht mehr selbst befrei­en. Wie die Sache aus­ging, ist bekannt. Was uns der­zeit pas­siert, ist die Vene­zu­a­li­sie­rung und Liba­no­ni­sie­rung des Lan­des. Wir kön­nen im Ver­gleich zu damals ja noch froh sein, wenn es wenigs­tens dabei bleibt.”

PS: „Die aso­zia­len Medi­en (ein­schließ­lich ÖRR) brin­gen die Men­schen um den Ver­stand, weil die Ska­lie­rung nicht funk­tio­niert. Jedes Fern­seh­ge­sicht wird in die klei­nen sozia­len Inseln/Familien adop­tiert, und es wird kei­ne Distanz mehr her­ge­stellt. Der Bild­schirm hat Recht, der Groß­va­ter nicht. Resis­tent sind aber mit Sicher­heit mehr als 10%! Wahr­schein­lich die Mehr­heit, sonst gäbe es nicht die­ses Dauerfeuer.”
(Leser ***)

***

Dazu passt jetzt nur noch Hoff­mann von Fal­lers­le­bens Gedicht „Deut­sche Verzweiflung”.

In Angst und bür­ger­li­chem Leben
wur­de nie eine Ket­te gesprengt.
Hier muß man schon mehr geben,
die Frei­heit wird nicht geschenkt.

Es sind die glück­li­chen Sklaven
der Frei­heit größ­ter Feind,
drum sollt Ihr Unglück haben
und spü­ren jedes Leid.

Nicht Mord, nicht Brand, nicht Kerker,
nicht Stand­recht obendrein;
es muß noch kom­men stärker,
wenn’s soll von Wir­kung sein!

Ihr müßt zu Bett­lern werden,
müßt hun­gern allesamt,
zu Mühen und Beschwerden
ver­flucht sein und verdammt.

Euch muß das biß­chen Leben
so gründ­lich sein verhaßt,
daß Ihr es fort wollt geben
wie eine Qual und Last.

Erst dann viel­leicht erwacht noch
in Euch ein bess’rer Geist,
der Geist, der über Nacht noch
Euch hin zur Frei­heit reißt!

***

Und dazu wie­der­um passt die Zuschrift von Leser ***, der die Wahl­er­geb­nis­se im Kai­ser­reich und in der Wei­ma­rer Repu­blik ver­gli­chen hat, weil er wis­sen woll­te, „wie gro­ße Kata­stro­phen sich im Wahl­ver­hal­ten aus­wir­ken. Nun, um es vor­weg­zu­neh­men: Fast gar nicht.

Die Urka­ta­stro­phe des 1. WK ver­puff­te fast, wenn man die Par­tei­en gewis­sen Lagern zuord­net. Inner­halb der poli­ti­schen Lager gab es Ver­än­de­run­gen, zwi­schen den Lagern kaum. Auch die Hyper­in­fla­ti­on 1923 bewirk­te kei­ne Ände­rung. Die Ver­ar­mung des Mit­tel­stan­des hat­te auf das Wahl­ver­hal­ten fast kei­ne Aus­wir­kun­gen. Ledig­lich die Welt­wirt­schafts­kri­se mit ein­her­ge­hen­der Mas­sen­ar­beits­lo­sig­keit und Mas­sen­ar­mut und jeg­li­chem Ver­lust in Zukunfts­hoff­nun­gen erschüt­ter­te das Parteienwesen.

M.a.W.: Der Zement ist vor 150 Jah­ren ange­rührt wor­den und inzwi­schen zu Beton abgebunden.”

***

Das wirk­li­che Pro­blem besteht dar­in, dass nicht nur die sub­mis­si­ons­rou­ti­nier­ten Deut­schen, son­dern der hal­be Glo­bus einer Dik­ta­tur ent­ge­gen­seufzt. Bei Tichy liest man heute:

Die Reichs­not­si­re­ne Lau­ter­bach ist natür­lich mit von der Par­tie. Bei der Vor­stel­lung sei­nes Buches „Bevor es zu spät ist” plap­per­te er das Pro­gramm aus: „Wir wer­den jetzt immer im Aus­nah­me­zu­stand sein. Der Kli­ma­wan­del wird zwangs­läu­fig mehr Pan­de­mien bringen.”

Die Lau­ter­bachs, Bil­ly­boys und Schwabs die­ser Welt tag­träu­men von einer Art Dop­pel­di­ka­tur, halb Pandemo‑, halb Kli­ma­to­kra­tie. Den Weg zum per­ma­nen­ten Aus­nah­me­zu­stand haben sie 2020 ein­ge­schla­gen, und uns bleibt allen­falls eine Atem­pau­se bis zum Win­ter. Das Volk ist mür­be genug, um sofort wie­der in den Panik­mo­dus umzu­schal­ten; die vie­len Mas­kier­ten in der Öffent­lich­keit sind aus­sa­ge­kräf­tig genug.

Die Medi­zin dage­gen liegt seit lan­gem vor.

Die Hoff­nun­gen der Völ­ker Mit­tel­er­des, die nicht in die Fal­le der Glo­ba­lis­ten gehen wol­len, ruhen auf der Wie­der­wahl Donald Trumps. Nie­mand ist sich dar­über mehr im Kla­ren als die Gegenseite.

(Ich wie­der­ho­le das so rasend gern, weil ich weiß, dass es Leser gibt, die es rasend macht.)

***

Im Wes­ten nichts Neues.

„Für ein isla­mis­ti­sches Motiv der Tat haben wir bis­lang nichts Belast­ba­res“, sag­te eine Spre­che­rin der Staats­an­walt­schaft Aachen.
Nur für ein islamisches.
Der Täter ist ein poli­zei­be­kann­ter Ira­ker, der den Behör­den bereits 2017 als soge­nann­ter „Prüf­fall Isla­mis­mus” auf­ge­fal­len war. Inzwi­schen hat man ihn rou­ti­niert zum Psych­ia­trie-Fall upge­gra­det. Immer­hin geschah die Tat unmit­tel­bar vor der NRW-Wahl, für die man zuletzt so glück­li­cher- wie zufäl­li­ger­wei­se einen rechts­ex­tre­men 16jährigen Bei­na­he-Atten­tä­ter zaun­pfahl­win­kend hat­te prä­sen­tie­ren können.

***

Was es bedeu­te, fragt Lese­rin ***, wenn ich erklär­te, Deutsch­land wer­de zu den Ver­lie­rern des Ukrai­ne­kriegs gehören.

Das.

***

Der gesund­heits­po­li­ti­sche Spre­cher der AfD-Bun­des­tags­frak­ti­on, Mar­tin Sichert, hat beim Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um Dienst­auf­sichts­be­schwer­de gegen das Robert-Koch-Insti­tut (RKI), in Per­son von Prof. Lothar H. Wie­ler, und das Paul-Ehr­lich-Insti­tut (PEI), in Per­son von Prof. Klaus Cichu­tek, ein­ge­legt, weil bei­de dem Gesund­heits­mi­nis­te­ri­um unter­stell­ten Insti­tu­te seit über einem Jahr ihrer Pflicht nicht nach­kom­men, den Para­graph 13 Absatz 5 Infek­ti­ons­schutz­ge­setz in Anwen­dung zu bringen.

Jenem zufol­ge haben das RKI und das PEI zum Zwe­cke der Über­wa­chung von Wirk­sam­keit und Neben­wir­kun­gen von Imp­fun­gen von Kas­sen­ärzt­li­chen Ver­ei­ni­gun­gen und Impf­zen­tren rele­van­te Daten zur Imp­fung und den Neben­wir­kun­gen ein­zu­for­dern und in ihrer Arbeit zu berück­sich­ti­gen. Der Gesetz­ge­ber hat in der Geset­zes­be­grün­dung die­se Daten­er­he­bung und Aus­wer­tung für not­wen­dig erach­tet, weil so Häu­fig­keit, Schwe­re und Lang­zeit­ver­lauf von Impf­kom­pli­ka­tio­nen bes­ser beur­teilt wer­den kön­nen und mit die­sen Daten unter­sucht wer­den kann, ob gesund­heit­li­che Schä­den bzw. Erkran­kun­gen bei geimpf­ten Per­so­nen in einem zeit­li­chen Zusam­men­hang mit Imp­fun­gen häu­fi­ger vor­kom­men als bei unge­impf­ten Personen.

***

Zwei Urtei­le im Vergleich.

„Her­aus­ge­sprengt aus der kom­po­si­to­ri­schen Logik eines Gan­zen hat gewiß der Kul­tus des Ein­falls zu fla­chen, grob zusam­men­ge­haue­nen Kom­po­si­ti­ons­ty­pen vom Schla­ge Puc­ci­nis geführt.”
Theo­dor W. Adorno

„Men­schen ster­ben und Regie­run­gen wech­seln, aber die Melo­dien der ‚Bohè­me’ wer­den ewig bestehen.”
Tho­mas Alva Edison
Edi­son wur­de ein­mal gefragt, nach wel­cher Metho­de in sei­nen Labo­ra­to­ri­en gear­bei­tet wer­de. Nach gar kei­ner, ver­setz­te er, man wol­le schließ­lich etwas zuwe­ge bringen.
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Aus einer gewis­sen Per­spek­ti­ve ist es immer­hin wit­zig, dass die neu­es­te Angriffs­wel­le der Gleich­ma­che­rei aus­ge­rech­net unter dem Schlacht­ruf…