15. Juni 2022

Man kann das heu­te bekannt­ge­ge­be­ne Urteil des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zur Cau­sa Mer­kel-Kem­me­rich so sehen:

Oder so:

Die Karls­ru­her Rich­ter haben seit dem Amts­an­tritt des Mer­kel-Favo­ri­ten Ste­phan Har­b­arth mit meh­re­ren maß­stäb­li­chen Ent­schei­dun­gen in den ver­gan­ge­nen Jah­ren selbst die Ver­fas­sung gebro­chen oder mei­net­hal­ben zur Dis­po­si­ti­on gestellt (sie­he hier und hier); es fragt sich – bzw. leib­haf­ti­ge Leser fra­gen –, ob die­ses Urteil nur ein „Aus­rei­ßer” sei oder doch eine „Trend­wen­de”?

Ich hal­te bei­des für Wunsch­den­ken. Zunächst ein­mal: Wäre die BRD ein Rechts­staat, hät­te der Gene­ral­bun­des­an­walt wegen „Nöti­gung von Ver­fas­sungs­or­ga­nen” gemäß § 105 StGB zumin­dest Ermitt­lun­gen gegen die Kanz­le­rin und den von ihr ange­stif­te­ten gewalt­tä­ti­gen lin­ken Mob auf­ge­nom­men, der Kem­me­richts Wohn­haus bela­gert und sei­ne Fami­lie atta­ckiert hat. Dann hät­te sich die Schwe­fel­par­tei womög­lich gar nicht an die Karls­ru­her nomi­nel­len Ver­fas­sungs­hü­ter wen­den müs­sen. Jene wie­der­um lie­ßen sich Zeit – „Zeit gewon­nen, alles gewon­nen” (Kleist) –, obwohl der Fall ja noch ein­deu­ti­ger war als das Wem­bley-Tor, zwei Jah­re lang, bis Mer­kel nicht mehr im Amt war, dann rie­fen sie ihr ein sanft-sym­bo­li­sches Dudu! nach, ein Das-macht-man-doch-nicht! Man kann die­se ex post-Ent­schei­dung wahl­wei­se bequem, schlau, kor­rupt oder fei­ge nen­nen, es ist egal. Das Urteil ist wir­kungs­los, es wird kei­ne Kon­se­quen­zen haben.

„Wie schon in den gleich­ge­la­ger­ten Fäl­len Wan­ka 2015 (da gab es die Einst­wei­li­ge Anord­nung, das Haupt­sa­cheur­teil kam 2018 und wur­de von der Zeit noch rela­tiv neu­tral berich­tet) und See­hofer 2018 (Das Urteil erging 2020 und wur­de sogar von der SZ rela­tiv sach­be­zo­gen refe­riert) hat die Medi­en­meu­te den Skan­dal weg­ge­schwie­gen, wäh­rend vor dem Mer­kel­schen Staats­streich von 2015 kein Minis­ter und auch kein Kanz­ler eine der­art mas­si­ve ver­fas­sungs­feind­li­che Hand­lung poli­tisch über­lebt hät­te”, notiert der inzwi­schen ein­schlä­ge Leser ***, Jurist im Staatsdienst.

Die Ent­schei­dung ging mit 5:3 aus. „Das bedeu­tet”, fährt Leser *** fort, „es gibt im 2. Senat zwei Lager, ein (noch) grund­ge­setz­kon­for­mes, kon­ser­va­ti­ves, und ein radi­ka­les, dem das GG egal ist, und das die von Mer­kel ein­ge­lei­te­te Trans­for­ma­ti­on in den lin­ken Gesin­nungs­staat wei­ter­trei­ben will. 5:3 heißt übri­gens, daß es nur an einer Stim­me lag, denn bei einem Patt wäre die Kla­ge abge­lehnt gewe­sen. In Wirk­lich­keit gibt es im Wes­ten nichts Neu­es, denn die Beklag­te hat ihr Ziel, der auf­ge­kom­me­nen Oppo­si­ti­on end­gül­tig den Gna­den­stoß zu ver­set­zen, zu 100 Pro­zent erreicht. Sogar der Gene­ral­bun­des­an­walt hat still­ge­hal­ten. Momen­tan wird Mer­kel genüß­lich in sich hineinlächeln.”

Immer­hin kann die AfD künf­tig im Bun­des­tag, wenn die ande­ren sich ein­mal mehr uni­si­o­no als „die demo­kra­ti­schen Par­tei­en” auf­man­derln, die Fra­ge stel­len, wie sie die­se Selbst­dar­stel­lung mit der nun offi­zi­ell ver­fas­sungs­wid­ri­gen und trotz­dem von ihnen allen durch­aus fre­ne­tisch akkla­mier­ten „Rück­gän­gig­ma­chung” einer demo­kra­ti­schen Wahl in Ein­klang brin­gen wollen.

Frei­lich, eine erwünsch­te kogni­ti­ve Dis­so­nanz mehr, wer zählt da noch mit?

 

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