Sex ist sexistisch!

Die schrift­li­che Ver­si­on von Pod­cast Nr. 5; wer den Vor­trag sehen bzw. hören will, fin­det ihn nach wie vor hier.

 

Ich wer­de in die­sem Jahr 60, erlang­te also vor unge­fähr 45, 46 Jah­ren mei­ne soge­nann­te Geschlechts­rei­fe und ver­mag mich, wie wohl jeder, sehr genau an die­se Zeit zu erin­nern. Vie­le der dama­li­gen teils geheim­nis­vol­len, teils kla­mauk­haf­ten Ereig­nis­se ste­hen mir noch deut­lich vor Augen, zu deut­lich mit­un­ter. Es gibt ja, zumin­dest in Frie­dens­zei­ten, kei­ne ein­schnei­den­de­re Pha­se im Leben. Alles war neu, alles war mys­te­ri­ös, alles war aufregend.

„Mit den Mäd­chen hat es die Natur auf Das, was man im dra­ma­tur­gi­schen Sin­ne, einen Knall­ef­fekt nennt, abge­se­hen, indem sie die­sel­ben, auf weni­ge Jah­re, mit über­reich­li­cher Schön­heit, Reiz und Fül­le aus­stat­tet“, schreibt Scho­pen­hau­er. Knall­ef­fekt ist ein tref­fen­der Begriff. Die Mäd­chen sprin­gen auf wie die Blu­me aus der Knos­pe, bin­nen kür­zes­ter Zeit wach­sen ihnen all jene Run­dun­gen, mit denen sie die Kna­ben zugleich anlo­cken und irri­tie­ren. Für Letz­te­re beginnt eine aus Erre­gung und Ver­klemmt­heit wun­der­sam gemisch­te Pha­se der Initia­ti­on in die Arka­na der Sexua­li­tät. Wäh­rend die Mäd­chen mit einer gewis­sen Sou­ve­rä­ni­tät durch die Puber­tät gehen – zumin­dest aus der Sicht der gleich­alt­ri­gen Jungs; ich erin­ne­re mich, dass ich mei­ne Toch­ter ein­mal auf ein Kon­zert der Back­street Boys beglei­te­te; da war von Sou­ve­rä­ni­tät beim aus­nahms­los weib­li­chen Publi­kum nichts zu spü­ren, es war viel­mehr ein Puber­tie­ren­den­sab­bat, und die Ord­ner muss­ten im Minu­ten­takt glut­köp­fi­ge Früh­teen­ager aus dem Pulk ihrer Alters­ge­nos­sin­nen zie­hen, um sie vor dem Kol­laps zu bewah­ren –, wäh­rend, sag­te ich, die Mäd­chen, zumin­dest aus der Per­spek­ti­ve der gleich­alt­ri­gen Jungs betrach­tet, rela­tiv sou­ve­rän durch die Puber­tät gehen, und die meis­ten von ihnen trotz ihrer plötz­li­chen Radi­kal­ver­wand­lung ins Frau­li­che – oder gera­de wegen ihr – mit einer unheim­li­chen Sicher­heit wis­sen, wie sie sich zu bewe­gen, bei­spiels­wei­se wie sie zu tan­zen haben, besit­zen die Ker­le in der Regel kei­ne Ahnung, wohin mit sich, mit ihren schlak­si­gen Lei­bern und dunk­len Trie­ben. Sie wer­den unge­lenk, sie wer­den laut, sie wer­den plump, sie wer­den unsi­cher, sie wer­den aggres­siv, und stän­dig müs­sen sie kon­kur­rie­ren und prah­len, sich selbst als bedeu­tend dar­stel­len, immer geht es bei ihnen dar­um, wer etwas bes­ser kann, wer den Grö­ße­ren hat, wer dem ande­ren über­le­gen ist, und wenn ein Kerl um eine Frau wirbt, kommt er vor lau­ter Ange­be­rei normaler­weise kaum dazu, sich ihre Lieb­lings­blu­me zu mer­ken. Mit einem Wort: Ab der Puber­tät wer­den die Buben pein­lich. Die meis­ten sind aber, zu ihrem Schutz, viel zu stumpf­sin­nig, um das über­haupt zu bemerken.

Es beginnt jeden­falls die Zeit des Wer­bens und Bal­zens; mit recht ein­deu­tig ver­teil­ten Rol­len – die Mäd­chen wer­ben vor allem mit ihren ero­ti­schen Rei­zen, die Jungs mit ihren Kräf­ten, Fähig­kei­ten oder ihrer Ori­gi­na­li­tät beim Anhar­fen der Schö­nen. Das hat im Wesent­li­chen damit zu tun, dass Jungs oder Män­ner evo­lu­tio­när dar­auf kon­di­tio­niert sind, sich Frau­en nach äußer­li­chen Kri­te­ri­en aus­zu­su­chen, wäh­rend Mäd­chen oder Frau­en sich Part­ner unter dem Ver­sor­gungs­aspekt wäh­len, wie bewusst auch immer. Natür­lich ach­tet die Frau eben­falls auf die Attrak­ti­vi­tät des Kan­di­da­ten, aber am Ende ent­schei­det der Sta­tus. Noch nie ging der Alpha-Typ einer Klas­se mit der Unan­sehn­lichs­ten zum Abi-Ball. Noch nie hat man einen erfolg­rei­chen Mann mit einer unat­trak­ti­ven Frau gese­hen. Der Mann meint es ja nicht böse, wenn er die attrak­ti­ve Sekre­tä­rin dem unschein­ba­ren weib­li­chen Mathe­ma­tik­ge­nie vor­zieht, denn jede nor­ma­le Part­ner­schaft kor­re­liert so ein­deu­tig wie pro­fan mit der Erek­ti­ons­häu­fig­keit des Man­nes. Ist die Mathe­ma­ti­ke­rin aber oben­drein lang­bei­nig und hübsch, stün­de einer Paa­rung wenig im Wege – außer einem Phä­no­men namens Hyper­ga­mie, wel­ches für die hüb­sche Zah­len­akro­ba­tin den Kreis der In-Fra­ge-Kom­men­den erheb­lich ein­schränk­te. Kein Weib will sich „nach unten“ paa­ren. Umge­kehrt stie­ge die attrak­ti­ve Sekre­tä­rin sogar mit einem Phi­lo­so­phen ins Bett, wenn des­sen Ein­kom­men und Sozi­al­pres­ti­ge deut­lich ober­halb des Durch­schnitts lägen.

Ich bin aber schon wie­der vor­aus­ge­eilt; noch ste­hen wir ja in der Puber­tät, aus wel­cher man­che Män­ner zeit­le­bens nicht her­aus­fin­den. Die Rück­schau auf die­se Jah­re schließt die Erin­ne­rung an eine Rei­he von wohl unver­meid­li­chen Kala­mi­tä­ten ein. Ein jun­ger, trieb­haft ent­flamm­ter Bur­sche, der sich einer Maid nähert, ähnelt ja immer ein biss­chen einem Goril­la, der ver­sucht, Cel­lo zu spie­len – und zwar völ­lig unab­hän­gig davon, ob ihm das Mäd­chen die Pro­be­stun­de ver­wehrt oder gewährt. Es dau­ert Jah­re, bis ein Mann anhand der Signa­le, die eine Frau sen­det, halb­wegs ein­zu­schät­zen ver­mag, wo sich für ihn eine rea­lis­ti­sche Gele­gen­heit eröff­net, und vie­le Typen ler­nen es nie, die­se Gele­gen­heit auf eine ele­gan­te Wei­se zu ergreifen.

Die soge­nann­te Anma­che ist der heik­le Punkt des gesam­ten Mann-Frau-Ver­hält­nis­ses, und das umso mehr, seit die bür­ger­li­chen Kon­ven­tio­nen gefal­len sind und aus dem for­mel­haft-ver­bind­li­chen Pflicht­pro­gramm eine rei­ne Kür und Will­kür gewor­den ist. Schließ­lich besteht für ihn immer die depri­mie­ren­de und, wenn sie sich häuft, gera­de­zu ver­nich­ten­de Erfah­rung des Sich-einen-Korb-ein­fan­gens. Der Mann als der akti­ve Wer­ber – Frau­en wer­ben selbst­ver­ständ­lich auch, nur eben dezen­ter –  geht das weit höhe­re Risi­ko zu schei­tern ein. Die Frau trifft die Wahl. In die­ser Kon­stel­la­ti­on wur­zeln nicht nur alle Rei­ze, son­dern auch sämt­li­che Kon­flik­te im öffent­li­chen Ver­hält­nis der Geschlech­ter. Ohne Fehl­ein­schät­zun­gen, Abfuh­ren, Miss­ver­ständ­nis­se, Bla­ma­gen kann die Sache ja gar nicht ablau­fen. Es ist gemein­hin der Mann, der sich die­se Abfuh­ren ein­fängt. Es ist gemein­hin der Mann, der schei­tert. Aber er hat kei­ne Wahl.

Peter Slo­ter­di­jk hat die­sen Sach­ver­halt sehr schön zusam­men­ge­fasst mit den Wor­ten: „Wir stam­men nicht von Men­schen ab, die nach den ers­ten Mißer­fol­gen den Kopf hän­gen lie­ßen. Unse­re Vor­fah­ren sind eher robus­te Froh­na­tu­ren, san­gui­ni­sche Schwind­ler oder ver­bis­se­ne Bast­ler, die immer auf die nächs­te Chan­ce war­te­ten. (…) Adam war ein Hand­lungs­rei­sen­der, der neun­und­vier­zig Mal ver­geb­lich klin­gel­te und doch über­zeugt blieb, an der nächs­ten Tür sein Zeug an den Mann zu brin­gen. Das ist der Anfang des hei­li­gen Buchs vom männ­li­chen Mißer­folg. Wir exis­tie­ren, weil wir Vor­fah­ren hat­ten, die aus ihren Erfah­run­gen nichts lern­ten. Die­se Bur­schen lie­ßen die Nie­der­la­gen an sich abtrop­fen wie war­men Regen über der Savan­ne. Bio­lo­gen nen­nen das: ero­ti­sche Fit­ness auf­grund hoher Mißer­folgs­to­le­ranz. Im All­tag wird die­se Hal­tung als Selbst­über­schät­zung oder als männ­li­che Groß­spu­rig­keit miß­in­ter­pre­tiert. Man will nicht zuge­ben, daß Män­ner auf Aus­ge­lacht­wer­den, Ver­höh­nung und Mißer­folg gene­tisch bes­ser vor­be­rei­tet sind.“

Das heißt, Frau­en haben weder die mas­ku­li­nen Geltungsansprü­che im Blut, noch wer­den sie von der Gesell­schaft – und von der Natur – in die Macher- und Sie­ger­rol­le genö­tigt. Er muss aufs Seil der Paa­rungs­an­bah­nung stei­gen, und die Wahr­schein­lich­keit, dass er abstürzt, ist hoch. Er muss aber immer wie­der hin­auf, denn ein Mann will und muss immer nur das Eine.

Wenn wir nun noch in Rech­nung stel­len, dass die meis­ten Män­ner Töl­pel sind, und nie­mand ihnen bei­bringt, wie sie sich einer Frau zu nähern haben, dann wird es ver­ständ­lich, dass, aufs Gan­ze gese­hen, Sex ohne sexu­el­le Beläs­ti­gung schlech­ter­dings nicht mög­lich ist. Unge­fähr so wie es kein Fuß­ball­spiel ohne zahl­rei­che Schüs­se neben das Tor gibt und kei­nen Stra­ßen­ver­kehr ohne Unfäl­le – es sei denn, was Letz­te­ren betrifft, die Auto­mo­bi­le wer­den von einem Zen­tral­com­pu­ter fern­ge­steu­ert und der Mensch hat kei­nen Ein­fluss mehr auf sie –, ist das freie Paa­rungs­spiel der Geschlech­ter ohne Fehl­schlä­ge, Unfäl­le und Über­grif­fig­kei­ten nicht denk­bar. Aber wäre das Ende der Frei­heit nicht ein all­zu hoher Preis für die Abschaf­fung des Sexis­mus? In der isla­mi­schen Welt und bei ortho­do­xen Juden sind die Frei­hei­ten der Part­ner­wahl bekannt­lich enorm ein­ge­schränkt. Womög­lich ist das wei­se, aber wer möch­te so leben?

„Viel­leicht ist Sex ja a prio­ri sexis­tisch?“, frag­te ich aus­ge­rech­net Ali­ce Schwar­zer vor vie­len Jah­ren in einem Inter­view. Sie ant­wor­te­te damals:  „Ach wis­sen Sie, die Sache ist zu ernst, um sie so blö­delnd abzu­tun.“ Das Gegen­teil war der Fall. Ich hat­te eine bana­le Tat­sa­che mit der Chuz­pe des in der DDR Sozia­li­sier­ten und damit von der femi­nis­ti­schen Pro­pa­gan­da unbe­rührt Geblie­be­nen aus­ge­spro­chen. Heu­te wür­de ich ledig­lich das „Viel­leicht“ weg­las­sen. Sex ist sexis­tisch. Gera­de wenn er gut wird! Ohne Sexis­mus bekä­me kein Mann einen Stän­der. Frau­en sind Sex-Objek­te. Män­ner natür­lich auch. Ohne Sexis­mus stür­be die Mensch­heit aus. Es lebe der Sexismus!

Das wirft nun doch die Fra­ge auf, was das über­haupt ist: Sexis­mus. Wer in die hys­te­ri­sier­te Metoo-Öffent­lich­keit hin­ein­lauscht, wird fest­stel­len: prak­tisch alles. Eine Art Mei­len­stein auf dem Weg in die Äch­tung des Sexis­mus – die nach mei­ner The­se ohne die Äch­tung des Sexes nicht zu haben ist – bil­de­te die Kam­pa­gne gegen den gele­gent­li­chen Wein­kö­ni­gin­nen­ab­räu­mer Rai­ner Brüderle vor unge­fähr einer Deka­de. Der FDP-Poli­ti­ker hat­te einer Jour­na­lis­tin abends an der Bar ein paar beschwips­te Anzüglichkeiten, ihr Dekol­le­té betref­fend, zuge­raunt, was die keu­sche Maid so sehr trau­ma­ti­sier­te, dass sie ein geschla­ge­nes Jahr war­ten muss­te, bis sie den Vor­fall publik zu machen sich erkühnte. Statt eines So what? brach Empö­rung über den immer­hin keu­schen Fleisch­be­schau­er her­ein. Doch wor­über empör­ten sich die Mäg­de eigent­lich? Dar­über, dass Ker­le auf Brüs­te ste­hen? Brü­der­le war ein­fach der Fal­sche. Aber was geht das die ande­ren an?

„Ich weiß von jun­gen Kol­le­gin­nen, dass es das nach wie vor gibt: Kom­pli­men­te, Ein­la­dun­gen, die gan­ze Palet­te“, zitiert ARD.de damals eine Spie­gel-Jour­na­lis­tin, und zwar geschä­hen der­glei­chen Scheuß­lich­kei­ten sowohl „in der Poli­tik“ als auch „in Redak­tio­nen oder Unter­neh­men bis in die Mana­ge­r­e­ta­gen hin­ein“. Kurz­um: Es ist ganz schlimm! Frau­en wer­den ein­ge­la­den! Und bekom­men Kom­pli­men­te für ihr Äuße­res! Ich hege bei sol­chen Ankla­gen stets den empi­risch gut unter­füt­ter­ten Ver­dacht, dass die­je­ni­gen sich am hef­tigs­ten über den Sexis­mus der Anma­cher bekla­gen, denen er nicht zuteil wird. Eine Frau, die nicht von einem Mann umwor­ben wird, behaup­tet, dass männ­li­ches Wer­ben sexis­tisch sei und sank­tio­niert wer­den müs­se. Kei­ne wirk­lich attrak­ti­ve Frau hat je etwas Der­ar­ti­ges geäußert.

Gleich­wohl – ich könn­te auch sagen: des­halb – ver­geht kaum ein Tag, an wel­chem wir nicht in den Medi­en mit neu­en Unge­heu­er­lich­kei­ten bei der ver­such­ten Anbah­nung des alten Rein-Raus-Spiels kon­fron­tiert wer­den. So errich­te­te Spie­gel online einen Pran­ger, auf dem der Leser über sexis­ti­sche Schand­ta­ten pro­mi­nen­ter wei­ßer Män­ner unter­rich­tet wur­de. Der Schau­spie­ler Ben Affleck etwa hat­te 14 Jah­re vor sei­nem Auf­tau­chen an jenem Pran­ger einer MTV-Mode­ra­to­rin an die Brust gefasst und sich dafür ent­schul­digt – „Kon­se­quen­zen: kei­ne bekannt“ (Mer­ke: Sex-Ver­bre­chen ver­jäh­ren nie!). In der Regel führ­ten die Anschul­di­gun­gen aber zu „Kon­se­quen­zen“, meist ver­lor der Beschul­dig­te sei­nen Job, und zwar ohne Beweis­auf­nah­me oder Gerichts­ur­teil, nur auf­grund von Vor­wür­fen. Für die Zukunft weib­li­cher Kar­rie­ren ist das eine gute Nach­richt. Job nicht bekom­men? Ich bin beläs­tigt wor­den! Rol­le bekom­men? Ja, aber erst nach­dem ich beläs­tigt wor­den bin! Sogar den alten Geor­ge H. W. Bush hat­ten sie dort gelis­tet, der damals bereits über 90jährige soll irgend­wann, wahr­schein­lich exis­tier­te die Sowjet­uni­on noch, Frau­en begrapscht haben. Also beim Füh­rer gab es so etwas nicht! (Wobei, Goe­b­bels, der „Bock von Babelsberg“…)

Die­ser Tage ent­zog sich Die­ter Wedel sei­ner zumin­dest mora­li­schen Ver­ur­tei­lung durch Exitus, doch im Grun­de wird jedem männ­li­chen Pro­mi der­zeit irgend­ein Pro­zess gemacht. Pla­ci­do Dom­in­go etwa. Jeder weiß, wie ver­lo­gen das alles ist. Jeder weiß, wie Frau­en Stars umschwär­men. Ein Mann, der sich heu­te nicht mit Vor­wür­fen der sexu­el­len Beläs­ti­gung kon­fron­tiert sieht, ist bloß nicht pro­mi­nent genug. Dabei han­delt es sich um eine Mischung aus Glück und Pech zu glei­chen Tei­len, mei­ne Her­ren Unbekannten.

Was jenes über­grif­fi­ge Begeh­ren wie im Fal­le Ben Afflecks betrifft: Wenn ich auf mei­ne Sturm- und Drang-Zeit zurück­schaue, wäre ich heu­te aber so was von dran; gott­lob hat sich nie­mand beschwert, mit einer Aus­nah­me, und das übri­gens auch erst Jah­re spä­ter, aus­ge­rech­net eine Les­be, für die ich nie­mals in die­sem Sin­ne Emp­fin­dun­gen ent­wi­ckel­te; aber wer weiß, Brüs­te besaß sie ja immer­hin. Und was wäre reiz­vol­ler, bestau­nens­wür­di­ger, erre­gen­der, was ver­langt mehr nach einem Zugriff, als eine anspre­chend geform­te weib­li­che Brust? „Traue nie­man­dem, den der Anblick einer schö­nen weib­li­chen Brust nicht aus der Fas­sung bringt“, bemerk­te Augus­te Renoir; wie wahr.

Es gibt aber nicht nur den über­grif­fi­gen, son­dern auch den „wohl­wol­len­den Sexis­mus“. Was das ist? Bei der Zeit, dem Zen­tral­or­gan für moder­ne Geschlech­ter­tren­nung, erfuhr man’s: zum Bei­spiel, wenn jemand erklärt, dass Frau­en doch so viel diplo­ma­ti­scher als Män­ner sei­en. Oder wenn bei Umräum­ar­bei­ten im Büro aus­schließ­lich Män­ner gebe­ten wer­den, die Möbel zu ver­rü­cken. Es zeigt sich, dass direkt nach der Bio­lo­gie die Manie­ren für den Sexis­mus ver­ant­wort­lich sind; des­we­gen ist es dem eige­nen Vor­an­kom­men z.B. an der Uni­ver­si­tät för­der­lich, kei­ne zu haben (und des­we­gen gibt es auch kaum ech­ten Sexis­mus unter min­der­jäh­ri­gen unbe­glei­te­ten „Flücht­lin­gen“ jed­we­den Alters).

Wer nach einer exak­ten Defi­ni­ti­on von Sexis­mus ver­langt, ist wahr­schein­lich männ­lich, will Frau­en mit sei­nem Herr­schafts­an­spruch auf ver­meint­lich logi­sche Argu­men­ta­ti­on demü­ti­gen und die Dun­kel­zif­fer leug­nen. Auch bei der sexu­el­len Beläs­ti­gung weiß nie­mand mehr, wo genau sie beginnt. Aber­mals in der Zeit gab eine Sozi­al­psy­cho­lo­gin Aus­kunft, was sie, als Ver­fas­se­rin eines Hand­buchs „Sexu­el­le Beläs­ti­gung am Arbeits­platz“, dar­un­ter ver­steht, näm­lich „jedes uner­wünsch­te sexu­el­le Ver­hal­ten, das die Wür­de einer Per­son ver­letzt. Das kön­nen Berüh­run­gen und Bli­cke sein, aber auch Worte.“

Bli­cke? Bli­cke! Die Kol­le­gin trägt ihre Brüs­te auf­fäl­lig zur Schau, der Mann muss hin­schau­en – erwischt! Abmah­nung! Oder sie zeigt gar nichts zum Hin­gu­cken, und er schaut auch nir­gend­wo hin. Betriebs­frie­dens­ziel erreicht. Wenn er Pech hat, behaup­tet sie trotz­dem: „Kol­le­ge K. hat mir auf die Brust geschaut!“

Nach den Vor­wür­fen sexu­el­ler Beläs­ti­gung gegen den Bild-Chef­re­dak­teur Juli­an Rei­chelt mel­de­ten die Gazet­ten: „Sprin­ger-Mit­ar­bei­ter sol­len Bezie­hun­gen am Arbeits­platz offen­le­gen.“ Wer sei­ne Bezie­hung am Arbeits­platz offen­le­gen soll, wird gezwun­gen, sein Pri­va­tes­tes preis­zu­ge­ben, also eine Sache, die unter Zivi­li­sier­ten nie­man­den etwas angeht. Wer kei­ne Bezie­hung hat, wird zumin­dest zögern, unter sol­chen Umstän­den eine ein­zu­ge­hen. Die Bezie­hung ist ja nicht plötz­lich da, es gibt ein Lar­ven­sta­di­um, die Schwe­be, das Noch-nicht-ganz, über­dies das Recht auf Ver­such und Irr­tum; ab wann wird die Sache mel­de­pflich­tig? Wenn Mit­ar­bei­ter ihr Ver­hält­nis bekannt­ge­ben sol­len, müs­sen sie not­ge­drun­gen auch die Tren­nung öffent­lich beken­nen. Eine Amour fou mit ihrer lau­ni­gen Abfol­ge von Schluss­ma­chen und Wie­der­ver­söh­nung bekommt dann wohl eine eige­ne Was­ser­stands­mel­dung in der Betriebs­zei­tung. Und wie steht jemand da, der sei­ne zwei­te oder drit­te Bezie­hung „offen­legt”? Gefähr­det der­je­ni­ge nicht Ruf und Karriere?

Ein Ver­lags­haus ergibt sich dem gesell­schafts­zer­set­zen­den, frei­heits­feind­li­chen Res­sen­ti­ment von Femi­nis­ten, Gen­de­ris­ten und Les­bo­kra­tin­nen, um sich den Medi­en- und Twit­termob vom Hals zu schaf­fen. Da das Zusam­men­le­ben der Geschlech­ter immer mit Flirt und Anbag­ge­rei ver­bun­den ist, will man bzw. frau ein Kli­ma des per­ma­nen­ten Ver­dachts und der kol­lek­ti­ven Kon­trol­le erzeu­gen, die gesam­te Arbeits­welt soll lust­feind­lich, fri­gi­de, ste­ril wer­den (das­sel­be geschieht bekannt­lich an den Unis). Es läuft auf eine unsicht­ba­re, aber rigi­de durch­ge­setz­te Geschlech­ter­tren­nung hinaus.

Dabei machen die Flirts den Arbeits­platz erst erträg­lich. Wie vie­le Bezie­hun­gen haben sich dort erge­ben, wie vie­le Paa­re haben sich „im Job” ken­nen­ge­lernt! Und das wird jetzt jeden Tag ein biss­chen mehr unter Straf­an­dro­hung gestellt. Gewiss kommt es stän­dig zu uner­wünsch­ten Annä­he­run­gen, das gehört zum Spiel – selt­sa­mer­wei­se hal­ten aus­ge­rech­net die­je­ni­gen, die immer die weib­li­che Stär­ke pre­di­gen, die Frau­en im Büro für schutz­lo­se, hilfs­be­dürf­ti­ge Wesen, die sich nicht selbst weh­ren kön­nen –, und es gibt gewiss auch Vor­ge­setz­te, die ver­su­chen, ihre Posi­ti­on aus­zu­nut­zen, doch wer dar­aus fol­gert, man müs­se das gesam­te Paa­rungs­an­bah­nungs­spiel des­halb unter Kon­trol­le stel­len, offen­bart nur sei­nen auto­ri­tä­ren Cha­rak­ter, sei­ne Ver­klemmt­heit und Phantasielosigkeit.

Es wird höchs­te Zeit, eine Fran­zö­sin zu zitie­ren. Juli­et­te Binoche erklär­te in einem Inter­view: „Wenn Sie klar und selbst­be­wusst Nein sagen, sind Sie in Sicher­heit, dann gehor­chen die Män­ner. Dann heißt nicht anfas­sen auch nicht anfas­sen.” (Das gilt zumin­dest für Europäer.)

Und: „Ich habe ja nichts dage­gen, begehrt zu sein, auch nicht, ver­führt zu wer­den. Aber es darf dann ruhig ein biss­chen sub­til sein.”

Mehr ist dazu eigent­lich nicht zu sagen.

Sexis­mus, hören wir indes mit ener­vie­ren­der Regel­mä­ßig­keit, sei im Kern gar nichts Sexu­el­les, son­dern ein Instru­ment männ­li­cher Macht­aus­übung und wer­de oft dort ein­ge­setzt, wo Män­ner Angst hät­ten, ihre Auf­stiegs­chan­cen mit Frau­en tei­len zu müs­sen. Schon mög­lich, aber sicher ist, dass Frau­en inzwi­schen Macht erlan­gen kön­nen mit der Unter­stel­lung, Män­ner ver­such­ten, ihre Macht mit sexis­ti­schem Ver­hal­ten zu sichern. Ich will hier kei­nes­wegs all den Töl­peln und plum­pen Hei­nis ein Fest machen, die nicht wis­sen, wie sie eine Frau anzu­spre­chen haben. Ich habe eini­ge davon ken­nen­ler­nen müs­sen, in den ver­schie­dens­ten sozia­len Milieus übri­gens, und ich gehör­te dann und wann selbst in die­se Deplor­ablen­trup­pe. Aber ich habe nie erlebt, dass die Frau­en sich nicht dage­gen zu weh­ren wuss­ten, und in der Regel steht der Kerl dann als der Trot­tel da, der er offen­bar ist. Han­nah Arendt hat eine rei­zen­de Anek­do­te berich­tet, die zur im Schwan­ge befind­li­chen Sexismus-„Debatte“ passt und in wel­cher sich Geis­tes­ge­gen­wart und Weis­heit aufs vor­bild­lichs­te ver­schrän­ken. Als ein Galan in einem Pari­ser Hotel­zim­mer mit den näm­li­chen Absich­ten über sie her­fiel und wild an ihrer Klei­dung zerr­te (wir sind in den spä­ten 1930ern, das Patri­ar­chat herrsch­te unbe­schränkt), habe sie ihn zunächst „mit schal­len­dem Geläch­ter“ und, als das nicht half, mit „ein paar Ohr­fei­gen“ zur Ver­nunft gebracht – aller­dings ohne sich danach in die heu­te so wohl­fei­le anklä­ge­ri­sche Pose zu wer­fen. Viel­mehr kom­men­tier­te sie den Vor­fall mit den Wor­ten: „Män­ner kön­nen nur so. Müssen sie viel­leicht auch! Oder die Frau­en glau­ben ihnen nicht.“ Die Gute war eben eine Philosophin.

Weni­ger hin­ter dem Sexis­mus als viel­mehr in der Dau­er­kla­ge über ihn ver­birgt sich tat­säch­lich ein Macht­kampf. Eini­ge enga­gier­te Schwes­tern haben eine idea­le Mög­lich­keit ent­deckt, an die Jobs der Män­ner zu kom­men, näm­lich den Gene­ral­ver­dacht und die Denun­zia­ti­on. Die­ser Weg ist inso­fern ide­al, als die Vor­wür­fe ja gele­gent­lich stim­men.  Aller­dings wohl nicht oft genug, war­um hät­te man sonst die Kri­te­ri­en für sexu­el­le Beläs­ti­gung – „Wor­te“, „Bli­cke“ – in den ver­gan­ge­nen Jah­ren der­ma­ßen absen­ken müs­sen? Wer nach oben will, hat­te zu allen Zei­ten eini­ges aus­zu­hal­ten, aber auch hier wol­len eini­ge mit­tel­hoch­be­gab­te Mädels den roten Tep­pich aus­ge­rollt bekommen.

Die Gren­ze zu dem, was als über­grif­fig gilt, ist flie­ßend und typen­ab­hän­gig. Einem Brad Pitt lie­ße frau ja unend­lich mehr durch­ge­hen als dem unan­sehn­li­chen Kol­le­gen mit dem Über­biss. Dass eine Ver­ge­wal­ti­gung unver­zeih­lich ist und gesühnt wer­den muss, gilt unter Zivi­li­sier­ten als aus­ge­macht. In den frü­hen 1990ern schwapp­te eine Date-Rape-Debat­te über den Gro­ßen Teich zu uns und mit ihr die Fra­ge, ob denn die Frau­en, wenn sie in eine sol­che Situa­ti­on gerie­ten, nicht bis­wei­len ihren Teil dazu bei­trü­gen. Die abtrün­ni­ge Femi­nis­tin Camil­le Paglia ver­such­te damals, ihren Geschlechts­ge­nos­sin­nen zu ver­kli­ckern, dass der männ­li­che Trieb eben nicht so leicht kon­trol­lier­bar sei, und kon­ter­te die Aus­sa­ge, eine Frau kön­ne sich beim Date so las­ziv klei­den, wie sie wol­le, ohne dass ein Kerl sich ange­macht füh­len dür­fe, mit der Bemer­kung, man kön­ne selbst­ver­ständ­lich sei­ne Brief­ta­sche auf einer Park­bank lie­gen­las­sen, sol­le sich aber nicht wun­dern, wenn sie tags dar­auf nicht mehr dort liege.

Dass es unse­rem Femi­nat bei sei­nen Metoo-Satur­na­li­en gar nicht um die tat­säch­li­chen weib­li­chen Ver­ge­wal­ti­gungs­op­fer geht, son­dern um die Kar­rie­re­chan­cen von Mädels mit Job-Ambi­tio­nen und twit­ter-Account, zeigt sehr deut­lich die Reak­ti­on bzw. Nicht-Reak­ti­on die­ser Hol­den auf die zahl­rei­chen Ver­ge­wal­ti­gun­gen und Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen wei­ßer Unter­schichts-Mäd­chen durch Migran­ten. Über den armen Brü­der­le und den gei­len Bock Har­vey Wein­stein lärm­ten die Schwes­tern hun­dert­mal lau­ter als über Rother­ham und die Köl­ner Unter­wä­sche­spon­tan­par­ty an Sil­ves­ter 2015/2016. Dass im bes­ten Deutsch­land, das es je gab, jeden Tag zwei Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen statt­fin­den und die Täter über­wie­gend den berühm­ten daseins­ver­edeln­den Hin­ter­grund haben, egal ob mit oder ohne deut­schen Pass, ist dem femi­nis­ti­schen Kom­men­ta­ri­at schnurz – Ali­ce Schwar­zer neh­me ich hier expli­zit aus, die Gute mag zwar abson­der­li­che Din­ge mei­nen, aber sie benutzt wenigs­tens kei­ne Dop­pel­mo­ral. Die Bru­ta­li­tät und der Ernied­ri­gungs­fu­ror wäh­rend sol­cher Gang-Bangs sind ja immens, die Täter uri­nie­ren nach voll­zo­ge­ner Grup­pen­pe­ne­tra­ti­on auf ihre Opfer, ver­let­zen sie teil­wei­se und fil­men alles mit dem Hän­di. Es ist eine drei­fa­che Ver­ach­tung, die dabei zum Aus­druck kommt: Ihre Opfer sind für die­se Typen wei­ße, unrei­ne Schlam­pen, sie ver­ach­ten sie zugleich als Nicht-Mos­lems, als Ange­hö­ri­ge der west­li­chen Zivi­li­sa­ti­on und als Frau­en. Aber die Täter gehö­ren einer Grup­pe an, bei der für streb­sa­me wei­ße Mädels nichts zu holen ist. Des­we­gen folgt ihren Schand­ta­ten kein Auf­heu­len; eher greift das Kom­men­ta­ri­at die­je­ni­gen an, die auf Her­kunft und Prä­gung der Täter ver­wei­sen, weil sich aus Ras­sis­mus­vor­wür­fen min­des­tens der Honig des mora­li­schen Pro­mo­viert­wer­dens, ide­al­falls aber auch staat­lich-zivil­ge­sell­schaft­li­che Ali­men­tie­rung sau­gen lässt.

Wie gesagt, wenn der Metoo-Radau dazu führen soll­te, dass sich die Och­sen die­ses Lan­des ein paar pas­sa­ble­re Anmach­ver­fah­ren ein­fal­len las­sen, sei er hier­mit abge­nickt. Und all jene, so da Geld haben und gedeck­te Kre­dit­kar­ten, mögen sich nicht so sehr gemeint fühlen und wei­ter grap­schen! Nur eben zugleich auch ganz viel schen­ken! Schu­he, Schmuck, Hand­ta­schen, das Übli­che, in Här­te­fäl­len ein paar Bän­de Fou­cault. Ansons­ten gilt die alte Dia­lek­tik: Nie wur­den Frau­en weni­ger sexu­ell beläs­tigt und unterdrückt als heut­zu­ta­ge und hier­zu­lan­de, doch nie lamen­tier­te das Femi­nat lau­ter als im len­den­lahms­ten Land der Welt­ge­schich­te. Die anti­se­xis­ti­schen Jere­mia­den dürften nach die­ser Logik ihren ohren­be­täu­ben­den Höhe­punkt errei­chen, wenn es kei­ner­lei Sexis­mus mehr gibt.

Jeden­falls wird der­zeit in Poli­tik und Medi­en, an Thea­tern, in den Unter­neh­men und Uni­ver­si­tä­ten eine neue Prü­de­rie unter dem Label des soge­nann­ten Anti-Sexis­mus eta­bliert. Die Ver­drän­gung des Eros aus der Öffent­lich­keit, die im Ori­ent ursprüng­lich aus der Angst vor den Ver­pflich­tun­gen der Blut­ra­che resul­tiert, ist im Wes­ten ledig­lich ein Werk des Res­sen­ti­ments. Nietz­sche schreibt, dass sich hin­ter der Paro­le der „Eman­zi­pa­ti­on des Wei­bes“ der „Instinkt­haß des miß­ra­te­nen, das heißt gebär­un­tüch­ti­gen Wei­bes gegen das wohl­ge­ra­te­ne“ ver­ber­ge und „der Kampf gegen den ʽMan­n’ immer nur Mit­tel, Vor­wand, Tak­tik“ sei, und so ver­hält es sich. Die­se ganz unmit­schwes­ter­lich agie­ren­den Schwes­tern haben aus Neid das Ver­hält­nis der Geschlech­ter nach­hal­ti­ger ver­gif­tet als die Kom­mu­nis­ten die Gewäs­ser in den von ihnen beherrsch­ten Län­dern. Das Resul­tat sieht so aus, wie eine Bekann­te, eine seit eini­gen Jah­ren in Deutsch­land leben­de Ukrai­ne­rin, ver­wun­dert fest­stell­te, dass die deut­schen Frau­en nicht mehr weib­lich sein wol­len und die deut­schen Män­ner kei­ne Män­ner. Mir tun die Jugend­li­chen heu­te wirk­lich leid, und ich bin heil­froh, dass ich das hin­ter mir habe und mich in die­ser ver­lo­ge­nen und ste­ri­len, mit Euphe­mis­men und Buß­an­dro­hun­gen umstell­ten Geschlech­ter­welt nicht bewe­gen muss. Ande­rer­seits: Hat die Genera­ti­on woker Schnee­flöck­chen mit den merk­wür­di­gen Vor­stel­lun­gen von ihren Rech­ten, die Genera­ti­on mikro­ag­gres­si­ons­be­droh­ter gen­dern­der Erb­sen­prin­zes­schen, frei­wil­li­ger Mas­ken­trä­ger und anti­ka­pi­ta­lis­ti­scher Kli­ma­ho­sen­schei­ßer etwas ande­res ver­dient? Manch­mal den­ke ich mir: Ihr wisst ja gar nicht, wie recht ihr mit dem Gere­de von der „letz­ten Genera­ti­on“ habt.

Nun, es wird nicht lang mehr gehen… Die ernst­haf­ten Pro­ble­me, von denen sich ja eini­ge am Hori­zont halb­wegs düster ankündigen, wer­den die gro­ße Gau­di been­den und die Rela­tio­nen zwi­schen erträg­lich und schlimm wie­der her­stel­len, auch und gera­de im Ver­hält­nis von Mann und Frau. Soll­ten die Schwes­tern näm­lich wie­der Ver­tei­di­ger brau­chen, wer­den sie sogar den Klaps auf den Po ertragen.

Soviel zu Spiel und Krieg der Geschlech­ter. Kom­men wir zuletzt zum eigent­li­chen Zweck des gan­zen Spek­ta­kels. Ich lausch­te ein­mal im Spei­se­wa­gen des ICE am Nach­bar­tisch der Unter­hal­tung einer noch recht jun­gen und zugleich etwas her­ben Maid mit ihrer älte­ren Beglei­te­rin – also ich lausch­te nicht im Wort­sin­ne, ich konn­te das Gespräch nicht über­hö­ren. Sie fin­de die Roma­ne von Zola, Balzac und Tol­stoi schon allein des­we­gen lang­wei­lig, erklär­te die Jün­ge­re, weil die dar­in geschil­der­ten Frau­en­le­ben so uner­träg­lich öde sei­en. Weil die­se Frau­en alle­samt nicht arbei­te­ten. Ich hät­te mich gern ein­ge­mischt und die Gute gefragt, ob sie Kin­der habe. Sie sah so gar nicht danach aus, aber viel­leicht täusch­te ich mich. Nicht nur die Tat­sa­che, dass sie die­se Autoren über­haupt kann­te, son­dern auch Worte­wahl und Habi­tus leg­ten die Ver­mu­tung nahe, dass es sich um eine Aka­de­mi­ke­rin han­del­te – ich will nicht um den Begriff strei­ten, angeb­lich lachen die Ame­ri­ka­ner über die deut­sche Sit­te, jeden Men­schen mit Hoch­schul­ab­schluss als Aka­de­mi­ker zu bezeich­nen –, und wie wir wis­sen, sind aka­de­misch gebil­de­te Frau­en oft kinderlos.

Das Sta­tis­ti­sche Bun­des­amt publi­zier­te anno 2012 Zah­len über Frau­en zwi­schen 35 und 49 Jah­ren in Betreff ihrer Fer­ti­li­tät – ich weiß nicht, ob sol­che Zah­len heu­te über­haupt noch ver­öf­fent­licht wer­den –; das Resul­tat lau­te­te: Rei­ni­gungs­kräf­te waren zu etwa acht Pro­zent kin­der­los, Köchin­nen und Ver­käu­fe­rin­nen zu ca. 16 Pro­zent. Bei den Geis­tes- und Natur­wis­sen­schaft­le­rin­nen lag der Anteil der Kin­der­lo­sen bei 41 Pro­zent. Künst­le­rin­nen kamen auf 47 Pro­zent. Bei den Letzt­ge­nann­ten ist natür­lich der Anteil von Homo­se­xu­el­len sehr hoch, allein die Arbeits­zei­ten an Thea­tern, Kon­zert- und Opern­häu­sern sind für Müt­ter mit Kin­dern kaum zu bewäl­ti­gen. Wie auch immer, gebil­de­te Frau­en pflan­zen sich nicht in einem rele­van­ten Maße fort, sie geben ihre Gene nicht wei­ter. Sofern die­se Hol­den vor­sätz­lich und bewusst auf Kin­der ver­zich­ten – das gilt für Män­ner genau­so –, set­zen sie ihr eige­nes Dasein abso­lut. Sie den­ken nicht mehr in Genera­tio­nen. Mit ihrem Ende endet alles.

Eine Gesell­schaft, die das Leit­bild der berufs­tä­ti­gen, kin­der­lo­sen Frau über das der Mehr­fach-Mut­ter stellt, stirbt suk­zes­si­ve aus. Die Bio­lo­gie lässt sich nicht über­lis­ten. Auch wenn ein paar Dege­ne­rier­te mei­nen, das wer­de sich durch Ein­wan­de­rung schon aus­glei­chen las­sen, kurio­ser­wei­se durch die Ein­wan­de­rung von Völ­ker­schaf­ten, die von Frau­en­eman­zi­pa­ti­on im Schnitt unge­fähr so viel hal­ten wie die Grünen von der Atomenergie.

Alle die­je­ni­gen, die heu­te behaup­ten, die Bun­des­re­pu­blik sei das bes­te Deutsch­land aller Zei­ten, müssen die Fra­ge beant­wor­ten, war­um die­ses Volk sich dann nicht mehr im für die Selbst­er­hal­tung not­wen­di­gen Maße fort­pflanzt, war­um vie­le lie­ber als End­ver­brau­cher ihr schö­nes Land allein genie­ßen und sich dann nach­kom­men­los absen­tie­ren wol­len. Tat­säch­lich sind die meis­ten Frau­en­le­ben auch heu­te so uner­träg­lich öde, dass man über sie nicht ein­mal dann einen Roman lesen woll­te, wenn er von Tol­stoi stamm­te. Beson­ders wenn die Prot­ago­nis­tin­nen dem neu­en Aka­de­mi­ker-Pre­ka­ri­at ent­stam­men, das sich in Gen­der-Semi­na­ren sowie staat­lich geför­der­ten Kam­pa­gnen gegen Ras­sis­mus, Sexis­mus und  Dis­kri­mi­nie­rung enga­giert, im Inter­net Spit­zel­diens­te ver­rich­tet, an den Unis Theoriemüllhalden auf­häuft, im Bun­des­tag bei den Grü­nen her­um­irrt, all­mäh­lich aber eine Zahl erreicht hat, dass ers­te Detache­ments der wohl­ver­dien­ten Arbeits­lo­sig­keit zugeführt wer­den müs­sen. Wären die­se Mädels, statt völ­lig nutz­lo­se Pseu­dostu­di­en­gän­ge zu absol­vie­ren, ein­fach wie frü­her Ehe­frau­en und Müt­ter gewor­den, leb­ten sie ein zumin­dest erfüllteres Leben.

Da ich weiß, dass es unfair wäre, die Frau­en allein für die Situa­ti­on ver­ant­wort­lich zu machen, zitie­re ich noch­mals den Brief einer Lese­rin, der mit der Fra­ge anhebt, wo eine jun­ge Frau heu­te einen Mann fin­de, der Kin­der wol­le. „Ich bin sel­ber Ende 20 und habe kei­ne, aber das liegt nicht dar­an, dass ich nicht woll­te, son­dern ledig­lich dar­an, dass ich mich mit Ent­wick­lungs­psy­cho­lo­gie aus­ein­an­der­ge­setzt habe und des­we­gen zu dem Schluss gekom­men bin, nicht allein­er­zie­hend sein zu wol­len. Es waren aller­dings ledig­lich Schwarz­afri­ka­ner, die mir die Mut­ter­schaft anbo­ten. Alle ande­ren Män­ner woll­ten nicht. Man soll­te sich des­halb hüten, den Schwar­zen Peter nur den Frau­en zuzu­schie­ben. Und man soll­te sich auch davor hüten, dann sofort davon aus­zu­ge­hen, dass die Frau bös­ar­tig ist und es des­we­gen ver­dient hat. Frau­en in Arbeit zu brin­gen, ist darüber hin­aus not­wen­dig, um Frau­en vor der Alters­ar­mut zu bewah­ren. Wenn Sie mei­nen, man­geln­de Ehe­schlie­ßun­gen oder Schei­dun­gen sei­en nur Pro­duk­te von Femi­nis­mus und ähn­li­chem, dann irren Sie. Für mich sind es Pro­duk­te der Moder­ne. Wir haben Glo­ba­li­sie­rung, man kann in ein paar Stun­den zum Sexur­laub nach Thai­land fah­ren, wir haben Mas­sen­por­no­gra­fie und Sex­spiel­zeu­ge, wir haben Verhütungsmittel, wir haben Anti­bio­ti­ka, die eine Syphi­lis leicht kurie­ren, wir haben Sozi­al­staat, der Kin­der am Leben hält, die kei­nen Ernäh­rer haben, wir haben inzwi­schen Vir­tu­el­le-Rea­li­täts-Por­no­gra­fie, die von der neu­ro­lo­gi­schen Sti­mu­lie­rung alles, was nor­ma­le Frau­en bie­ten kön­nen, in den Schat­ten stellt. Und in so einer Welt den­ken Sie, dass Män­ner ein Inter­es­se dar­an haben, für eine Frau zu sor­gen, bis sie 98 ist? War­um soll­ten sie? Wenn Frau­en über 30 sogar oft­mals kei­nen Mann fin­den, der umsonst und ohne Ver­pflich­tung mit ihnen schläft, wie­so soll­ten Män­ner für einen auf­kom­men wol­len, wenn man 35, 40 oder gar 55 ist?“

Wie gesagt, ich will kei­nes­wegs den kin­der­lo­sen Frau­en allein die Schuld an der demo­gra­phi­schen Kata­stro­phe geben. Die Situa­ti­on ist ver­trackt. Und den­noch: Haben Men­schen nicht in den schlimms­ten Kri­sen­zei­ten Kin­der bekommen?

Nach den gel­ten­den Kri­te­ri­en ver­wan­delt sich eine Mut­ter erst dann in ein Leis­tungs­we­sen, wenn sie die Kin­der in der Krip­pe abge­ge­ben hat und im Büro ange­kom­men ist. Das ist ein ver­gleichs­wei­se trau­ri­ges Phä­no­men, wel­ches mit der Hei­li­gung der Lohn­ar­beit zusam­men­hängt und vie­le Frau­en in eine para­do­xe Lage bringt, die eine Freun­din in die Wor­te fass­te: Sie arbei­te immer mehr, um sich immer bes­se­re Kin­der­be­treu­ung leis­ten zu kön­nen. Kin­der zu betreu­en gilt nur als ver­re­chen­ba­re Leis­tung, wenn sie von pro­fes­sio­nel­len Erzie­he­rin­nen erbracht wird. Mut­ter­schaft läuft neben­her oder fin­det gar nicht mehr statt. Als Haupt­fein­de der Mut­ter­schaft agie­ren der Öko­no­mis­mus, am deut­lichs­ten in Gestalt des femi­nis­ti­schen Kar­rie­re­fe­ti­schi­mus, und der Hedo­nis­mus. An eine moder­ne jun­ge Frau wer­den extre­me For­de­run­gen gestellt: Sie soll eman­zi­piert sein, attrak­tiv, sport­lich, gepflegt, modisch up to date, mobil, dyna­misch, beruf­lich erfolg­reich (und belast­bar). Nichts stört hier mehr als Kin­der. Die Super­mo­dels machen es vor, dass zumin­dest theo­re­tisch die Mög­lich­keit besteht, ein hal­bes Jahr nach der Geburt wie­der bauch­fal­ten­frei vor die Kame­ra zu tre­ten. Ohne pri­va­ten Fit­ness­trai­ner und zwei Nan­nys pro Kind ist Mut­ter­schaft jedoch, zumin­dest nach den Kri­te­ri­en des beruf­li­chen und part­ner­schaft­li­chen Mark­tes, eine mitt­le­re Kata­stro­phe. Sie bedeu­tet das exak­te Gegen­teil von ganz­tä­gi­ger beruf­li­cher Belast­bar­keit und sexu­el­ler Attrak­ti­vi­tät. Schwan­ger­schaft und Still­zeit gel­ten heut­zu­ta­ge eher als tem­po­rä­re Behin­de­run­gen. Kin­der sind sozu­sa­gen gut­ar­ti­ge Tumo­re, die die Frau kör­per­lich dau­er­haft beschä­di­gen und ihr Zeit, Ener­gie und Attrak­ti­vi­tät abziehen.

Ich hat­te vor­hin Scho­pen­hau­er zitiert, aber den Satz abge­bro­chen; er geht näm­lich wei­ter: „Mit den Mäd­chen hat es die Natur auf Das, was man im dra­ma­tur­gi­schen Sin­ne, einen Knall­ef­fekt nennt, abge­se­hen, indem sie die­sel­ben, auf weni­ge Jah­re, mit über­reich­li­cher Schön­heit, Reiz und Fül­le aus­stat­tet, auf Kos­ten ihrer gan­zen übri­gen Lebens­zeit, damit sie näm­lich, wäh­rend jener Jah­re, der Phan­ta­sie eines Man­nes sich in dem Maße bemäch­ti­gen könn­ten, daß er hin­ge­ris­sen wird, die Sor­ge für sie auf Zeit Lebens, in irgend einer Form, ehr­lich zu über­neh­men; zu wel­chem Schrit­te ihn zu ver­mö­gen, die blo­ße ver­nünf­ti­ge Über­le­gung kei­ne hin­läng­lich siche­re Bürg­schaft zu geben schien.“

Es sind fast aus­nahms­los her­ren- und kin­der­lo­se Frau­en, die sich Theo­rien über „Gen­der“ und „kon­stru­ier­te Geschlech­ter­rol­len“ aus­den­ken. Wenn wir auf 5000 Jah­re reka­pi­tu­lier­ba­rer mensch­li­cher Geschich­te zurück­schau­en, dann wür­de in ca. 4950 davon kein Mensch den Begriff „Mut­ter­rol­le“ ver­stan­den haben. Gewiss, die Begrif­fe „Work-Life-Balan­ce“ oder „Frau­en­qou­te“ hät­te auch nie­mand ver­stan­den, aber es dürf­te kein Zufall sein, dass die Idee, aus der natür­li­chen Mut­ter die angeb­lich sozi­al kon­stru­ier­te Mut­ter­rol­le zu machen, aus einem demo­gra­fisch erschöpf­ten Welt­teil stammt, des­sen Bevöl­ke­rungs­py­ra­mi­de sich anschickt, einen auf Dau­er höchst unge­sun­den Kopf­stand zu machen.

Ich habe eben eine jun­ge Frau zitiert. Irgend­wo bei Gettr las ich den Ein­trag eines jun­gen Man­nes, der schrieb, er habe noch kei­ne Kin­der, weil es immer schwie­ri­ger wer­de, eine „nicht­wo­ke“ Part­ne­rin zu fin­den. Dann, jun­ger Mann, neh­men Sie sich halt eine Aus­län­de­rin. Ihre Gene wer­den trotz­dem bleiben.

Die sozia­len Siche­rungs­sys­te­me aber wer­den nicht hal­ten, obwohl die Steu­er­last für die der­zeit ca. 15 Mil­lio­nen wirk­li­chen Leis­ter und Net­to­zah­ler in Deutsch­land wach­sen wird. Der Lebens­stan­dard der Deut­schen wird sin­ken. Lie­be jün­ge­re Hörer, je frü­her Sie das erken­nen, des­to mehr Vor­sor­ge wer­den Sie trei­ben für die spä­te­ren Lebens­jah­re. Die Fami­lie wird nicht ver­schwin­den, wie die Bun­ten Khmer mei­nen, son­dern sie wird ange­sichts der kom­men­den Kri­sen und Wohl­stands­ein­brü­che immer wich­ti­ger wer­den. Mit einem Satz: Sehen Sie zu, dass Sie Kin­der bekommen.

 

PS. Einen Wider­spruch mel­det Leser *** an: „Die Wer­bung der Frau­en ist hoch­ag­gres­siv, markt­schreie­risch, pro­vo­ka­tiv, so wie es sich kein Mann erlau­ben dürf­te, woll­te er nicht wegen ‚Erre­gung öffent­li­chen Ärger­nis­ses’ fest­ge­nom­men wer­den – nur ist sie halt eben nicht ver­ba­ler, son­dern rein opti­scher Natur. Wir haben sie in unse­rer Wahr­neh­mung als der­ma­ßen all­täg­lich abge­spei­chert, dass sie uns offen­bar schon gar nicht mehr auf­fällt als das, was sie lei­der nur zu oft ist – eine fort­ge­setz­te sexu­el­le Beläs­ti­gung, am Arbeits­platz eben­so wie in der Öffent­lich­keit und natür­lich auch in den Medi­en. Was neben­bei dazu führt, dass sie sich stän­dig wei­ter hoch­schau­keln muss, um noch irgend­ei­nen Effekt zu erzie­len. Ein ero­ti­sches Wett­rüs­ten, das am Ende die sub­ti­le Lust an der Lust tötet.”

Das stimmt – davon abge­se­hen, dass ich es nicht als Beläs­ti­gung emp­fin­de –; ich habe ja geschrie­ben: „Die Mäd­chen wer­ben vor allem mit ihren ero­ti­schen Rei­zen, die Jungs mit ihren Kräf­ten, Fähig­kei­ten oder ihrer Ori­gi­na­li­tät beim Anhar­fen.” Mit der „dis­kre­te­ren” Wer­bung der Frau­en mein­te ich aller­dings nicht die­se sozu­sa­gen ins Blaue und All­ge­mei­ne zie­len­de Selbst­ver­mark­tung, son­dern die kon­kret an einen Mann adressierte.

 

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