18. Oktober 2022

„Dass wir den Krieg gewin­nen, ist klar. Aber manch­mal fra­ge ich mich: wie?“
Hans-Ulrich Rudel im Febru­ar 1945

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(Netz­fund)

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Die woke Schi­cke­ria fei­ert ein­mal mehr sich selbst.

Kim de l’Horizon, Jahr­gang 1992, „ist das Pseud­onym einer nicht­bi­nä­ren schwei­ze­ri­schen Per­son”, belehrt uns die online-Sam­mel­stel­le für Sekun­där­roh­stof­fe, wo der Autor, sei­nem Kon­ter­fei nach ein Kerl, wie in den Medi­en auch aus­schließ­lich bei sei­nem Lus­ti­ge-Per­son-Namen genannt wird, um ein Fett­näpf­chen namens Per­so­nal­pro­no­men – mensch weiß ja nie, was das für Fol­gen nach sich zöge – zu umgehen.

Der „Roman” wid­me sich „der impli­zi­ten Gewalt, die von Kate­go­ri­sie­run­gen aus­geht” (nicht­bi­när? schwei­ze­risch? Roman?), erkennt ein mit impli­zi­ter Gewalt zur „Redak­teu­rin im Feuil­le­ton” kate­go­ri­sier­tes Nach­wuchs­ta­lent bei der Welt.

„Das hier vor­ge­führ­te Schrei­ben”, notiert die Maid, „ist ein trans­gres­si­ves” – auch pro­gres­si­ves, aber immer vor allem trans –, „es bewegt sich in den Zwi­schen­räu­men der Gat­tun­gen, Spra­chen und Kon­ven­tio­nen. Mal wird im Modus unauf­hör­li­chen Flie­ßens auf Satz­zei­chen ver­zich­tet, kurz dar­auf trifft man auf unge­heu­er­li­che Inter­punk­ti­ons­ver­schwen­dung” – das sind die Gat­tun­gen Bre­mer Hauptschule/Zwischenraum/Duisburger Gesamt­schu­le –, „mal wird die Groß­mutter als ‚du’ adres­siert, dann vom ‚Ich’ in die drit­te Per­son gewech­selt: ‚Das Kind weiß: Es darf kein Mann werden.’ ”

Das weiß heu­te bekannt­lich jedes Kind außer­halb der eben­falls, wann auch aus ande­ren Grün­den, preis­wür­di­gen soge­nann­ten Parallelgesellschaften.

„Statt ‚man’ heißt es ‚mensch’; Stern­chen bre­chen eine ein­deu­ti­ge Geschlechts­ord­nung auf. ‚Ich bin ein*e Zeug*in für die­se Zeit, für die­sen Kör­per’, liest man” – wie gewagt, außer dem ZDF, den Grü­nen und der Stadt Han­no­ver traut sich das kaum jemensch! – „Oder: ‚Ich wur­de ein Wer­wolf, ein Wen­wolf, ein Wenfickeichheute-wuff.’ ”

Spä­tes­tens hier dürf­te den Juror:*_Innen klar gewe­sen sein, dass sie den Sieger*:_Innentext vor sich haben.

Sie bemer­ken, geneig­te Besu­cher des klei­nes Eck­la­dens, die binä­re Rezen­sen­tin und der nicht­bi­nä­re Wen­fick­eich­heu­te-wuff ver­hal­ten sich kon­ge­ni­al zuein­an­der. „Wie unglaub­lich sanft und leben­dig sich ein pene­trier­ter Arsch anfühlt. Als wäre mensch ganz aus Sei­de gezim­mert“, webt Kim de l’Horizon, kurz die non­bi­nä­re Rol­le preis­ge­bend, vir­tu­os aus dem Tot­holz der Spra­che den Samt küh­ner Meta­phern. „Beschrei­bun­gen wie die­se”, kom­men­tiert die Sach­ver­stän­di­ge aus dem Feuil­le­ton, „ent­ste­hen im vir­tuo­sen Wech­sel aus gefühl­vol­ler Poe­sie und knall­har­ter Mate­ria­li­tät.” Oder eben gefühl­vol­ler Mate­ria­li­tät, knall­hart aus Sei­de gezimmert.

Noch eine Text­pro­be vom „größ­ten Schwei­zer Schrift­stel­ler seit Max Frisch” (so ganz unbe­fan­gen binär­fa­schis­tisch Leser ***, der sie mir zusand­te) gefällig?

Außer­or­dent­lich gro­ße Din­ge im Leib, außer­or­dent­lich gro­ße Lite­ra­tur! „Schmer­zen ent­ste­hen, wenn mensch sich gegen das Ein­drin­gen­de wehrt” – nehmt das, ihr Zicken, Klem­mis und Rechtspopulisten!

„Eine muti­ge Ent­schei­dung der Jury”, kom­men­tier­te ein Mit­mu­ti­ger aus dem anti­nor­ma­ti­ven Wider­stands­nest dpa die Preis­ver­lei­hung an den ent­spannt pul­sie­ren­den, all­zeit für Gro­ßes offe­nen Beken­ner. „Das Sie­ger­buch”, schreibt der Stan­dard, „passt in die Fest­stel­lung der Jury­spre­che­rin Miri­am Zeh, es brau­che mehr Geschich­ten über jene, die nicht als Gewin­ner auf­ge­stie­gen sei­en, sich nicht schon eman­zi­piert hät­ten. Es gebe Erfah­rungs­hun­ger bei den Lesern, per­sön­li­che und poli­ti­sche Dring­lich­keit hät­ten in vie­len der 202 ein­ge­reich­ten Roma­ne eine Rol­le gespielt.” (Dring­lich­keit: ande­res Wort für Not­durft.) Beim Sieger:_*Innenbuch schei­nen sich per­sön­li­che und poli­ti­sche Dring­lich­keit am tie­fein­dring­lichs­ten ver­bun­den zu haben.

War­ten wir nun auf den Preis für eine Kon­zept­künst­le­rin, die mit ihrem Penis malt und vom Patri­ar­chat lan­ge mit der Behaup­tung unter­drückt wur­de, sie kön­ne gar nicht malen.

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Hier spricht der Sponsor.

Schreib­tisch­un­ter­la­gen und Mau­s­pads aus ech­tem Lederfaserstoff
Lefa ist ein hap­tisch ange­neh­mes Mate­ri­al aus Leder­res­ten und Natur­la­tex als Bin­de­mit­tel. Als Lauf­stall für die Com­pu­ter­maus, aber auch und beson­ders als Schreib­un­ter­la­ge ist es das schlecht­hin idea­le Mate­ri­al: Nicht ganz so hart und glatt wie Leder, nicht so fus­se­lig und nach­gie­big wie die meis­ten Kunst­stof­fe. Als Leder­fa­ser­stoff, Bond­ed Lea­ther oder Recy­cled Lea­ther ist sehr viel zwei­fel­haf­tes Zeug im Umlauf. Unser Roh­ma­te­ri­al kommt von Sala­man­der aus Türk­heim im Unter­all­gäu. Aus dem mit 3,5 mm Stär­ke sehr üppi­gen Mate­ri­al las­sen wir in Tübin­gen die­ses Mau­s­pad und die­se Schreib­un­ter­la­ge anfertigen.

Da Sie als Klo­n­ovs­ky-Leser dem Klo­n­ovs­ky-Ver­le­ger prin­zi­pi­ell sym­pa­thisch sind, gewäh­ren wir Ihnen einen Rabatt von fünf Pro­zent. Bit­te bei der Bestel­lung ein­fach den Code „Actadiurna5“ eingeben.

(Das war eine Anzeige.)

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Bei mei­nem letz­ten Ein­trag kam auch die teil­zeit­er­schöpf­te Hoch­leis­tungs­ko­lum­nis­tin Mar­ga­re­te Sto­kow­ski zur Spra­che und zu Wort. Hier zwei Ergän­zun­gen aus dem Netz.

„Long Covid” befällt eben manch­mal auch das Gedächtnis.

Ahi­mé!

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Von Mar­ga­re­te ist es nur ein klei­ner Schritt zur Impfung.

Aber wenigs­tens nicht tot!

Vor allem aber: Schluss mit dem whata­bou­tism!

Neben­bei: Geimpf­te Kin­der soll­ten womög­lich auf Video­spie­le verzichten.

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Eine Isla­mi­sie­rung fin­det nicht statt.

Es gibt auf Erden 57 Län­der, in denen der Islam Staats­re­li­gi­on ist; man fragt sich, was sol­che Leu­te aus­ge­rech­net hier wol­len. Aber was schon, Land erobern, ihren Glau­ben ver­brei­ten, ein nicht uner­heb­li­cher Teil will Sozi­alkne­te abgrei­fen, was sich auf Quo­ten­stel­len und För­der­mit­tel aus­wei­ten lässt. Ich plä­die­re für eine Zwei-Staa­ten-Lösung. Sol­len sie auf ihre Art leben, nur eben auch auf eige­ne Rech­nung. Ent­mi­schung ist die Maxi­me der Zukunft. (Das mei­ne ich übri­gens nicht eth­nisch, son­dern reli­gi­ös-kul­tu­rell und zivilisatorisch.)

PS: Eigent­lich muss es Drei-Staa­ten-Lösung hei­ßen. Unse­re Woken brau­chen ja auch irgend­wo eine Bleibe.

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Wie­der­vor­la­ge.

Wenn das Haus ihres Nach­barn von einer Flut­ka­ta­stro­phe zer­stört wird und Sie dem vom Schick­sal Heim­ge­such­ten ein Obdach geben, sind Sie ein guter Mensch. Wenn Sie den Nach­barn dann noch län­ge­re Zeit beher­ber­gen und ver­sor­gen, sind Sie ein sehr groß­zü­gi­ger Mensch. Wenn der Nach­bar Ihr Haus nicht mehr ver­las­sen will, nach­dem die Flut vor­über ist, son­dern wei­ter auf Ihre Kos­ten zu leben gedenkt, und Sie las­sen sich das bie­ten, dann sind Sie ein fast krank­haft selbst­lo­ser Mensch.

Wenn Sie ihn immer noch bewir­ten, nach­dem er begon­nen hat, sich in Ihr Leben ein­zu­mi­schen, Ihre Sit­ten zu miss­ach­ten oder zu ver­ur­tei­len und von Ihnen ver­langt, dass Sie alte Gewohn­hei­ten aus Rück­sicht auf ihn able­gen, gewis­se Spei­sen nicht essen sol­len, dann sind Sie ver­mut­lich ein biss­chen irre. Wenn Sie oben­drein noch klag­los hin­neh­men, dass er immer mehr Zim­mer in Ihrem Haus für sich bean­sprucht und Sie aggres­siv behan­delt, weil Sie unrein sind und zum fal­schen Gott beten, brau­chen Sie drin­gend Hilfe!

Und wenn Ihnen ihr Bür­ger­meis­ter, ihr Pfar­rer und ihre Lokal­ga­zet­te erklä­ren, Ihr ehe­ma­li­ger Nach­bar ver­hal­te sich völ­lig ange­mes­sen, er habe das­sel­be Recht auf Ihr Haus wie Sie und jeder ande­re auch, und Ihre hei­li­ge Pflicht bestehe jetzt dar­in, die Reno­vie­rung sei­ner von der Flut beschä­dig­ten Blei­be zu bezah­len, dann leben Sie wahr­schein­lich im bes­ten Deutsch­land, das es je gab.

(Irgend­ei­ne Acta aus dem Jahr 2017, leicht gekürzt.)

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Zur weib­li­chen Part­ner­wahl (Acta vom 16. Okto­ber) schreibt Leser *** recht aus­führ­lich und erschüt­ternd unromantisch:

„Das von Ihnen beschrie­be­ne Part­ner­such­ver­hal­ten ist ja nun auf die Ver­hält­nis­se der Ers­ten Welt beschränkt, in der das Patri­ar­chat einst­wei­len noch Ver­hält­nis­se auf­recht erhält, die den Frau­en erlau­ben, sich rela­tiv risi­ko­los so pro­mis­kui­tiv zu ver­hal­ten, wie es vie­le von ihnen tun. Zwei­tens hat sich die­ses Ver­hal­ten mei­nes Erach­tens weni­ger durch von Män­nern garan­tier­te Frei­heits­rech­te, son­dern maß­geb­lich erst durch das Inter­net (Stich­wort Dating­platt­for­men) ‚radi­ka­li­siert’, wie man in ande­rem Zusam­men­hang sagen wür­de, und drit­tens ist die­ses Ver­hal­ten recht deut­lich alters­ab­hän­gig, denn jen­seits aller zeit­geis­ti­gen Tün­che bre­chen sich immer wie­der gene­ti­sche Pro­gram­mie­run­gen Bahn.

Frau­en fah­ren seit Jahr­hun­dert­tau­sen­den eine völ­lig ande­re Sexu­al­stra­te­gie als Män­ner. Ein Mann kann ja, jeden­falls theo­re­tisch, nahe­zu unbe­grenzt vie­le Nach­kom­men zeu­gen, eine ihm zur Ver­fü­gung ste­hen­de hin­rei­chen­de Anzahl paa­rungs­wil­li­ger, frucht­ba­rer Frau­en vor­aus­ge­setzt. Eine Frau dage­gen wird, egal wie sie es anstellt, mit wem und wie vie­le Män­ner es für sie gibt, in ihrem Leben nur maxi­mal etwa 30 Kin­der haben kön­nen, selbst wenn sie alle zehn Mona­te nie­der­kommt. Sie pflanzt sich also auch bei maxi­ma­ler Gebär­freu­de bedeu­tend sel­te­ner fort als ein Mann das kann und mit­un­ter auch heu­te noch tut, wenn er gut genug aus­sieht. Und Gene­ti­ker wis­sen aus ihren Unter­su­chun­gen, dass sich vor allem in Natur­ge­sell­schaf­ten etwa 80 % aller Frau­en fort­pflan­zen, aber nur 20 % aller Män­ner – womög­lich kommt das von Ihnen zitier­te Zah­len­ver­hält­nis ja von dort.

Wenn eine Frau sich also einen Sexu­al­part­ner sucht, dann über­legt sie wesent­lich genau­er, wer das sein soll, als ein Mann das tut, der sei­nen Samen sozu­sa­gen mit der Schrot­flin­te ver­schießt. Genau aus die­sem Grund sind es auch heu­te noch die (jun­gen, gebär­fä­hi­gen) Frau­en, die sich die Män­ner aus­su­chen, die sie beschla­fen dür­fen, und nicht umge­kehrt. Denn sie sind ja dar­auf ange­wie­sen, dass der Mann sie, wenn sie schwan­ger ist oder ein klei­nes Kind von ihm hat, zu ernäh­ren und zu beschüt­zen in der Lage ist. Heut­zu­ta­ge gibt es zwar vor­läu­fig noch das erwähn­te funk­tio­nie­ren­de Patri­ar­chat und daher das Sozi­al­amt, das ein­springt und für die Fol­gen des exo­ti­schen Spa­ßes der Frau auf­kommt, wenn die scho­ko­brau­ne Fach­kraft ver­duf­tet, statt ihren Unter­halts­pflich­ten nach­zu­kom­men (Stich­wort weib­li­che Unter­ver­ant­wort­lich­keit, der deut­sche Mann bezahlt für das Kind sei­ner Thai­frau durch­aus allein und für das Wech­sel­balg ande­rer Frau­en über sei­ne Steu­ern und Sozi­al­ab­ga­ben gleich noch mit). Aber frü­her, als das mensch­li­che Ver­hal­ten unse­rer Spe­zi­es mit archai­schen Metho­den evo­lu­tio­när ein­ge­prägt wur­de, waren die Ver­hält­nis­se noch etwas rau­er und frau ver­hun­ger­te dann eben.

Wor­auf schaut die Frau also unbe­wusst bei der Wahl des Sex­part­ners? Sie sucht nicht das ver­ständ­nis­vol­le Weich­ei, son­dern einen ker­ni­gen, gut gebau­ten Macker, dem ande­re Män­ner lie­ber aus dem Weg gehen. Er kann 20, 30 oder 40 sein, Haupt­sa­che, er sieht aus wie Brad Pitt und hat den Kör­per­bau von Dolph Lundgren. Grips ist unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen nicht über­mä­ßig wich­tig, ent­ge­gen anders­lau­ten­der weib­li­cher Beteue­run­gen, des­we­gen darf er sogar bevor­zugt ein Dreck­sack sein: Ein Karl Don­ner­lör­res hat es gar nicht nötig, einer Frau son­der­lich viel Auf­merk­sam­keit zukom­men zu las­sen, er muss sie, um bei ihr zu lan­den, eher behan­deln als eine von vie­len (die sie ja auch ist), denn Frau­en lie­ben die Kon­kur­renz. (Wäre es anders, wäre die Mode­in­dus­trie für die Damen der Ers­ten Welt nicht einer der größ­ten Res­sour­cen­ver­brau­cher und Abfall­ver­ur­sa­cher des Pla­ne­ten.) Män­ner dage­gen suchen die Frau­en ent­spre­chend ihrem eige­nen Markt­wert aus, ori­en­tie­ren sich daher nicht nur nach oben, son­dern mehr auf glei­chem Niveau.

Damit bewei­sen Män­ner weit­aus mehr Rea­li­täts­sinn als Frau­en: Legt man Frau­en eine zufäl­lig gewähl­te, aus­rei­chend gro­ße Stich­pro­be von Män­nern vor und lässt sie jedem Mann einen Attrak­ti­vi­täts­wert zuwei­sen, so erhält man eine schie­fe Nor­mal­ver­tei­lung mit dem Mit­tel­wert bei ‚eher unat­trak­tiv’. Kein Mann erscheint den Frau­en wirk­lich gut genug, die vol­le Punkt­zahl zu bekom­men, denn wer weiß, ob sich nicht noch irgend­wo auf der Welt etwas Bes­se­res fin­det. Die Gegen­pro­be ‚Män­ner beur­tei­len Frau­en’ ergibt dage­gen die zu erwar­ten­de Nor­mal­ver­tei­lung als Glo­cken­kur­ve mit dem Mit­tel­wert ‚durch­schnitt­lich attraktiv’.

Was hat das für Fol­gen? Dass unat­trak­ti­ve Män­ner ver­su­chen, bei unat­trak­ti­ven Frau­en zu lan­den, weil sie rea­lis­tisch genug sind, ein Foto­mo­dell gar nicht erst anzu­spre­chen. Die so ange­spro­che­nen unat­trak­ti­ven Frau­en dage­gen ver­su­chen ihrer­seits aus­schließ­lich, ihren Sexu­al­part­ner beim (optisch) obe­ren Fünf­tel der Män­ner zu fin­den. Sich dar­aus erge­ben­de Mit­nah­me­ef­fek­te (selbst gut­aus­se­hen­de Män­ner sind nicht so wäh­le­risch, wenn es nur um einen One-Night-Stand geht) und das (aller­dings uner­wi­der­te) Inter­es­se mäßig attrak­ti­ver Män­ner an mäßig attrak­ti­ven Frau­en neh­men letz­te­re daher ledig­lich als wei­te­ren Beweis ihrer eige­nen hohen Attrak­ti­vi­tät wahr. Man­che Frau­en ken­nen die­sen Effekt, ihre sich dar­aus erge­ben­de ver­zerr­te Selbst­wahr­neh­mung und das ent­spre­chend unan­ge­mes­sen anspruchs­vol­le Ver­hal­ten vom Tinder-‚Matching’. Das Inter­net hat dies also mas­siv beför­dert und damit auch die ‚Incels’ wesent­lich hervorgebracht.

Wenn die sexu­el­le Attrak­ti­vi­tät der Frau­en ab Mit­te 20 zuerst lang­sam, dann schnel­ler wer­dend abnimmt und sie bemer­ken, dass sie nicht mehr unbe­dingt jeden Dis­co­abend von ein paar Typen ange­bag­gert wer­den, bei denen auch einer dabei ist, der zu den opti­schen TOP-10-Pro­zent der Män­ner gehört, die ihnen gera­de noch gut genug für sie erschei­nen, dann spü­ren sie, dass sie auf das zura­sen, was man als ‚Mau­er der Gerech­tig­keit’ bezeich­net: Die abneh­men­de Attrak­ti­vi­tät der Frau­en um 30 trifft auf die zuneh­men­de Attrak­ti­vi­tät der Män­ner der­sel­ben Alters­grup­pe, und plötz­lich mer­ken die Män­ner, die bis­her stets einen Korb erhiel­ten, dass sie ja doch Qua­li­tä­ten haben, die sie für die­sel­ben Frau­en attrak­tiv erschei­nen las­sen, von denen sie ein paar Jah­re zuvor noch igno­riert wur­den. Zwar schau­en sie immer noch nicht aus wie Karl Don­ner­lör­res, der jede Nacht in einem ande­ren Bett ver­bringt, und haben auch nicht die gro­ße Klap­pe, das geleas­te Auto und die Tages­frei­zeit von Hakan vom McFit oder den Exo­ten­bo­nus und die BBC-Vor­schuss­lor­bee­ren einer Fach­kraft aus Jamai­ka, aber dafür ver­die­nen sie genug Geld, um eine Fami­lie zu ernäh­ren – even­tu­ell für zukünf­ti­ge Kuckucks­kin­der oder um die bereits von Karl Don­ner­lör­res gezeug­te Jugend­sün­de zu baby­sit­ten –, sind treu im Sin­ne von ‚ren­nen nicht gleich davon, son­dern ver­su­chen ihrer Frau jeden Luxus­wunsch zu erfül­len’. Und kön­nen somit den Eltern als ‚Zukünf­ti­ger’ vor­ge­stellt wer­den. (‚End­lich ist das Mädel ver­nünf­tig geworden.’)

Grund­sätz­lich bleibt die weib­li­che Aus­wahl­stra­te­gie also immer gleich, doch es schlägt eben das Schick­sal zu in Form des Alte­rungs­pro­zes­ses, der die kör­per­li­che Attrak­ti­vi­tät schwin­den lässt, und auch wenn man den Frau­en noch so viel ein­re­det in ein­schlä­gi­gen Zeit­schrif­ten über den unge­bro­che­nen Lieb­reiz rei­fer Frau­en: Die Mas­se der Män­ner, vor­ne­weg die Brad Pitts die­ser Welt, wählt im Zwei­fel die 20-jäh­ri­ge anstel­le der 30- jäh­ri­gen oder gar 40-jäh­ri­gen Ver­si­on der­sel­ben Frau. Es ist also ein Zeit­fens­ter, das sich rela­tiv schnell schließt, nach zehn Jah­ren ist der Par­ty­spaß für Frau­en im Gro­ßen und Gan­zen vor­bei und der Ernst des Lebens beginnt in Form des Kamp­fes dar­um, nicht als alte Jung­fer zu enden, son­dern mög­lichst noch eine freie gute Par­tie abzu­krie­gen, die sich bei den Ü30-Män­nern aber nur ver­ein­zelt noch fin­det, denn die Kon­kur­renz schläft nicht. Und sexu­el­le Anzie­hung ist nun mal nicht ver­han­del­bar. Das macht es Frau­en immer schwe­rer, sich im Lau­fe der Zeit hyper­gam zu ver­bes­sern, weil die Zeit eben gegen ihre Attrak­ti­vi­tät arbeitet.

Und trotz­dem (ver)sucht eine Frau nahe­zu zeit­le­bens, sich noch wei­ter zu ver­bes­sern. Das machen nur Frau­en: der Chef­arzt und die Kran­ken­schwes­ter: ja, aber die Spar­kas­sen­di­rek­to­rin und der Haus­meis­ter: in hun­dert kal­ten Win­tern nicht. Als heim­li­che, zeit­wei­li­ge Affä­re viel­leicht schon, aber nicht als offi­zi­el­ler Part­ner. Egal, wie modern, unab­hän­gig und so wei­ter die Frau­en heu­te angeb­lich zu sein beteu­ern. Man gehe bei einer Frau dar­um nie danach, was sie sagt, son­dern beob­ach­te, was sie tut. Selbst der Chef­arzt kann nicht sicher sein. Er mag zwar als Ver­sor­ger mit hohem Sozi­al­sta­tus gut zum Ange­ben bei ihren Freun­din­nen tau­gen (die Frau ‚erbt’ den Sta­tus), aber sei­ne Kin­der mögen eben trotz­dem einen ande­ren Vater haben. Oder er wird eines Tages für einen Mann mit noch höhe­rem Gel­tungs­wert ver­las­sen, sofern der Inter­es­se an ihr zeigt. Seri­el­le Monogamie.

Natür­lich sucht auch ein Mann zeit­le­bens nach etwas ande­rem (nicht unbe­dingt bes­se­rem) im Bett als dem, was er bereits hat. Bei ihm geht es aber meist nur ums Beschla­fen: Der Schrot­flin­ten­ef­fekt bzw. Poly­ga­mie. Nur sind die meis­ten Män­ner eben aus Sicht der Frau­en kei­ne Besor­ger, son­dern Ver­sor­ger: beliebt als Ehe­ma­te­ri­al zu gege­be­ner Zeit, doch weni­ger als begehr­ter Sexu­al­part­ner. Und von daher bei ihrer Suche nach Abwechs­lung ver­gleichs­wei­se erfolglos.”

Ich wider­spre­che in einem Punkt: dem Wert der äußer­li­chen Attrak­ti­vi­tät des Man­nes. Macht, Geld, Sou­ve­rä­ni­tät sind wich­ti­ger. Ein paar ver­wirr­te Mädels mögen auch geist­vol­le Män­ner, sofern die gut verdienen.

 

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