Das meint der Leser

Eins.

„Heu­te habe ich Ihren Bei­trag zu Sören Siegs Buch ‚Oh, wie schön ist Afri­ka …’ gele­sen (Acta vom 16. April). Ich bin neu­gie­rig und wer­de es kau­fen, aber wahr­schein­lich eben­so wenig Freu­de dar­an haben, wie an Ihrer Rezension.
Ich war selbst ein paar Jah­re ‚in Afri­ka’ unter­wegs (und bin es gera­de wie­der), habe dort aber etwas ande­res erlebt als das, was Sie mit ‚Afri­ka, das heißt – und Sieg beschreibt es aus­führ­lich …’ ein­lei­ten. Ich mei­ne, Sie über­zeich­nen und ver­all­ge­mei­nern sowohl die nega­ti­ven als auch die posi­ti­ven Aspek­te ‚Afri­kas’. Und, naja, ich genie­re mich ein wenig, das so zu schrei­ben (ich möch­te ja nicht gleich in die grü­ne Ecke gedrängt wer­den), aber Ihre Über­zeich­nung kommt mir tat­säch­lich wie eine sehr wei­ße Kon­struk­ti­on vor.
Mei­ne Kon­struk­ti­on ist natür­lich auch weiß, aber eine ande­re: Ich habe drei Jah­re im Sene­gal ver­bracht und inten­siv mit sene­ga­le­si­schen Sol­da­ten und Zivi­lis­ten gear­bei­tet. Die waren pro­fes­sio­nell, offen und ehr­lich, kon­struk­tiv, gut aus­ge­bil­det, freund­lich, ver­läss­lich etc. Da Sene­gal sta­bil ist, konn­ten mei­ne Fami­lie und ich uns sicher im Land bewe­gen und haben Freund­schaf­ten in eine mus­li­mi­sche und eine katho­li­sche Fami­lie eta­bliert, die wir bis heu­te pfle­gen. Da war nichts mit habi­tu­el­lem Lügen, end­lo­sen Slums oder Unver­bind­lich­keit, aber auch nichts mit über­mä­ßig mehr Lebens­freu­de und Opti­mis­mus als in Deutsch­land. Mehr bun­te Klei­der, mehr Kin­der und mehr Reli­giö­si­tät frei­lich schon (bei der sonn­täg­li­chen Mes­se waren alle Kir­chen­bän­ke immer kom­plett gefüllt, man saß da und schwitz­te, weil es so heiß war, die Leu­te waren fein ange­zo­gen und es roch nach sau­be­rer Klei­dung, Sei­fe, Haut).
Dann war ich als Mili­tär­be­ob­ach­ter für UNMISS im Süd­su­dan, wo ich zwar weni­ger Kon­takt zur Zivil­be­völ­ke­rung hat­te, aber (durch Zufall) von einem Sene­ga­le­sen geführt wur­de, Kame­ra­den und Kame­ra­din­nen aus etwa fünf afri­ka­ni­schen Län­dern hat­te und auf Patrouil­len durch eine ruan­di­sche Force Pro­tec­tion-Kom­pa­nie geschützt wur­de. Der sene­ga­le­si­sche Oberst hat soli­de geführt, die Kame­ra­din­nen und Kame­ra­den aus den ande­ren afri­ka­ni­schen Län­dern hat­ten frei­lich sehr unter­schied­li­che Aus­bil­dungs­stän­de, dar­un­ter auch sehr gerin­ge, die ruan­di­sche Force Pro­tec­tion war wie­der­um sehr zuver­läs­sig und pro­fes­sio­nell. In dem Ört­chen, in dem unser Camp sich befand, wohin sich aber nie­mand Frem­des ver­irr­te, war es auch deut­lich sau­be­rer als im Shit­ho­le Dschuba. Unver­ges­sen ist mir die Sze­ne, als ich gemein­sam mit einer ruan­di­schen Sol­da­tin eine Patrouil­le fah­re, vor uns jemand Müll aus einem fah­ren­den süd­su­da­ne­si­schen Fahr­zeug wirft und sie sich furcht­bar dar­über auf­regt, in ihrem Land gäbe es so etwas nicht. Will sagen: Ja, es ist alles sehr fremd, aber es ist nicht so ein­deu­tig und ver­all­ge­mei­ner­bar, wie Sieg oder Sie das beschrei­ben, und ganz bestimmt nicht in die­ser Dop­pe­lung von ‚Bet­te­lei, Unver­bind­lich­keit, habi­tu­el­lem Lügen’ und ‚zugleich Lebens­freu­de, Opti­mis­mus, lachen­de Men­schen’ usw.
Bit­te erlau­ben Sie mir etwas Küchen­psy­cho­lo­gie: Ich ver­mu­te, dass Siegs Wahr­neh­mun­gen des­halb ande­re als mei­ne sind, weil er als Tou­rist unter­wegs war. So, wie man an Flug­hä­fen, vor Taxi­stän­den, Muse­en oder Sehens­wür­dig­kei­ten häu­fi­ger an klei­ne Gangs­ter, betrü­ge­ri­sche Gui­des oder auf­dring­li­che Bett­ler gerät, wird er viel­leicht ein irgend­wie ver­gleich­ba­res Kli­en­tel erlebt haben. Als die­se Art von Tra­vel­ler ist Sieg frei­lich ein bemer­kens­wert offe­ner Typ und eine Besonderheit.
Wei­ter küchen­psy­cho­lo­gisch: Von Aus­nah­men wie ihm mal abge­se­hen, mei­ne ich, in den Jah­ren zwei Ide­al­ty­pen von Deut­schen (und west­li­chen Wei­ßen) in Afri­ka aus­ge­macht zu haben: Die einen fin­den halt die ver­meint­li­che ‚Lebens­freu­de’ und den ver­meint­li­chen ‚Opti­mis­mus’ so toll, gehen extrem schnell Bin­dun­gen ein, um dann irgend­wann besof­fen und ent­täuscht in einem Feri­en­res­sort zu sit­zen und zu sagen: ‚Die Afri­ka­ner – die haben kein Herz; Koh­le, das ist deren Herz.’ Die ande­ren sehen über­all Staub, Dreck und lau­ter ver­meint­li­che Dys­funk­tio­na­li­tä­ten, kom­men dar­auf­hin mit gro­ßem Enga­ge­ment und vie­len tol­len Ideen um die Ecke, die mit der Jähr­lich­keit des Haus­halts sowie Mit­tel­ab­fluss­druck auch umge­setzt wer­den müs­sen, um dann irgend­wann besof­fen und ent­täuscht in einer Roof­top-Bar zu sit­zen und zu sagen: „Die Afri­ka­ner – die ler­nen es ein­fach nicht.’

Das Küm­mern will Zunei­gung vor­aus­set­zen, das Beleh­ren Pro­ble­ma­ti­sches. Bei­des hin­dert ‚die Wei­ßen’ dar­an, die afri­ka­ni­schen Län­der erst­mal so hin­zu­neh­men, wie sie halt sind (hier bin ich sehr von Fel­win Sarrs Buch ‚Afro­to­pia’ beein­flusst), statt­des­sen drängt es qua­si zu Bewer­tun­gen, die zumin­dest mei­ne Wenig­keit nicht teilt.”

Zwei.

Bezug neh­mend auf mei­ne Anmer­kun­gen zur isla­mi­schen Exklu­si­on als Mit­tel der Expan­si­on (Acta vom 18. April) schreibt Leser ***, Arzt:

„Mein isla­mi­scher Pati­en­ten- und Freun­des­kreis ist sehr hete­ro­gen. Am lus­tigs­ten, wenn man das so nen­nen kann, ist D., 1993 mit­samt rie­si­ger Roma-Fami­lie aus dem Koso­vo geflüch­tet. Nar­ben am Kör­per, Nar­ben an der See­le. Er zu mir: ‚Ich bin jetzt Deut­scher. Aber eins sag ich dir, Dok­tor: Ihr Deut­schen seid ver­rückt. Was da auf der Behör­de für unver­schäm­te Leu­te rum­hän­gen, mei­ne Brü­der. Ich schä­me mich! Ich bin dank­bar trotz aller Büro­kra­tie und beneh­me mich anstän­dig, und das sind nicht mei­ne Brü­der. Ich weiß nicht, was das ist, aber dass ihr Deut­schen ver­rückt seid, das weiß ich. Ich wer­de rechts wäh­len, ich will nicht noch mehr von die­sen unver­schäm­ten Leu­ten im Land. Jetzt ist es auch meins, und ich bin nicht verrückt.’

Dann sind da die Kur­den. Völ­lig irre, wie die Russ­land­deut­schen: Zwei Jah­re hier – Haus bau­en. Alle arbei­ten bis zum Umfal­len. Die Män­ner sind jedes Wochen­en­de trotz­dem beim Fuß­ball, als Spie­ler. Nach dem Spiel Alko­hol mit dem Geg­ner. Mei­ne Rück­fra­ge, Ihre Ant­wort: Allah ist all­mäch­tig und barm­her­zig, Allah ver­zeiht! Ver­brü­de­rung nach dem Spiel mit Ultra­rech­ten, Fans des Geg­ners, weil ‚wir ja ihre Kur­den’ sind, also, grinst mein kur­di­scher Freund vom Schlüs­sel­dienst, dann sind das wohl ‚mei­ne Nazis’, nur die Fami­lie meckert, aber, was soll das? Die Nazis haben uns zum Gril­len ein­ge­la­den und sogar für uns das Schwei­ne­fleisch weg­ge­las­sen. Im Irak oder in der Tür­kei schie­ßen wir Mus­li­me auf­ein­an­der, davon habe ich die Schnau­ze voll. Hier lebe ich in Frie­den, hier trin­ke ich mit Nazis, ich lie­be Deutsch­land, ein tol­les Land!

Sol­ches höre und sage ich sel­ten. Hal­te es eher mit Clau­dia Roth, aus ande­ren Grün­den, oder auch nicht? Ach, was weiß ich!

Denn der Spaß hört sofort auf, will eines der Mäd­chen einen Deut­schen hei­ra­ten; das geht bei den mus­li­mi­schen Roma so wenig wie bei den Kur­den. Die jun­gen Frau­en zu mir: ‚Ich muss Onkel fra­gen, das ist unser Ältes­ter, und der wird nein sagen.’ Rück­fra­ge zu den Jungs, Ant­wort: ‚Die dür­fen, aber nur Sex. Hei­ra­ten müs­sen sie eine Mus­li­ma, alles ande­re ist Schan­de für die Fami­lie. Das ist lächer­lich, habe ich Onkel auch gesagt. Hat er ange­fan­gen zu wei­nen. Für Mäd­chen ist es Schan­de, hat er gesagt. Ein Mann soll vie­le Frau­en haben, auch Ungläu­bi­ge, das ist Tole­ranz, das ist Stär­ke, die Stär­ke des Pro­phe­ten, auch schwa­che Frau­en zu sich zu neh­men, denn eine Frau ist schwach, was weiß sie von Allah? Der Mann aber weiß, er ver­tritt die Fami­lie nach außen, zuerst vor Allah, aber eine Frau weiß nichts, sie muss aber auch fast nichts, nur rein sein für Allah, denn sie hält die Fami­lie nach innen zusam­men, und ich soll das end­lich begrei­fen, dass das mei­ne Ehre ist. Mehr aber auch nicht. Ist das denn zuviel ver­langt? Das ist doch nicht das­sel­be wie die Ehre eines Man­nes, mein Kind! – Na, wenigs­tens hat er es mir erklärt.’

Eine drit­te, aus dem Irak, mach­te Prak­ti­kum in mei­ner Pra­xis, woll­te Sozi­al­ar­beit stu­die­ren und mit einem Deut­schen durch­bren­nen, kif­fen, Sex haben. Sie tat alles. Dann sitzt sie Mona­te spä­ter wei­nend in der Pra­xis. Die Män­ner der Fami­lie haben sie ent­führt, geschla­gen und eine Deut­schen-Hure genannt. Sie hat nach­ge­ge­ben, möch­te kei­ne Anzei­ge, hat jetzt einen guten, libe­ra­len Mos­lem zum Part­ner, der sie auch ohne Jung­fern­schaft akzep­tiert und liebt, die Fami­lie akzep­tiert ihn auch, weil er sie in ihrem Zustand zu sich genom­men hat, und lernt Erzie­he­rin. Ihr Neu­ro­lo­ge und Psych­ia­ter weiß es auch, ist empört. Ruft mich an. Wir kön­nen nichts tun, sie ver­bleibt im Stock­holm-Syn­drom und kommt nur noch sel­ten in die Praxis.

Ich mag die­se Leu­te, viel­leicht weil ich muss, eine pro­fes­sio­nel­le Defor­ma­ti­on. Ich ver­ste­he sie. Aber ich sehe, wie ihre Tra­di­ti­on sie zer­bricht, zu Opfern macht oder Tätern, auf dem plat­tes­ten Land. Das erin­nert mich an fins­te­re Zei­ten, aus denen Leu­te wie Juli­us Strei­cher oder Erich Miel­ke stam­men. Das ist kei­ne Reli­gi­on, das ist eine furcht­ba­re Ideo­lo­gie, und wenn das Tau­wet­ter kommt, so kommt die Revan­che unaus­weich­lich. Schon in den Men­schen. Und von außen. Sehr trau­rig. Selbst ein unan­stän­di­ges Opfer ist trau­ma­ti­siert, und sogar ein anstän­di­ger Täter ist es. – Das ‚gehört zu Deutschland’?

Ja. Tat es frü­her auch. Die Tat­sa­chen lügen nicht, die Zah­len auch nicht. Eine ande­re Ant­wort ist eine Illu­si­on. Der Rest ist nur noch Nost­al­gie, in mei­nem Fal­le die nach mei­ner alten Bun­des­re­pu­blik, jener der CDU/CSU der 1970er bis 1990er Jah­re. Und nun: nur noch der Kotau vor einer archai­schen Ideo­lo­gie – und Demo­gra­phie. Und ein belang­lo­ser Orden für eine geis­tig eben­sol­che Altkanzlerin.

Und näch­tens die quä­len­de Fra­ge von D., was haben sie, außer D. selbst, hier zu gewin­nen, was haben sie hier ver­lo­ren, sei­ne ‚Brü­der’?”

 

Drei.

„Die Ver­lei­hung des Ordens an Mer­kel spot­tet jedes Kom­men­tars, ein­zig erstaunt mich, wie schnell das gegan­gen ist. Die Epi­go­nen hat­ten wohl das Bedürf­nis, das Ver­mächt­nis der Frau fest­zu­klop­fen, der sie alles ver­dan­ken. Wann fol­gen Stra­ßen, Plät­ze, Uni­ver­si­tä­ten? Für man­che müs­sen der­zeit ja neue Namen gefun­den wer­den, auch über Stein­mei­ers Nach­fol­ger für 2027 wird man sich lang­sam Gedan­ken machen.

Was Sie zur all­fäl­li­gen juris­ti­schen Ver­ur­tei­lung Mer­kels vor­brin­gen, tei­le ich im Her­zen, weil ich mir wün­sche, dass wir ein­mal Ver­hält­nis­se bekom­men, unter denen eine Ver­ur­tei­lung nicht mehr ganz so hoff­nungs­los uto­pisch erscheint wie unter den aktu­el­len. Den­noch: Schon heu­te wäre ein Urteil bei­spiels­wei­se wegen Bei­hil­fe zu den Straf­ta­ten, wel­che die auf Mer­kels Geheiß ein­ge­las­se­nen Ver­bre­cher began­gen haben, zumin­dest in der Theo­rie nicht unbe­dingt abwe­gig. Schließ­lich kann nach der neu­es­ten Recht­spre­chung auch eine Sekre­tä­rin, die Büro­ar­beit erle­dig­te, wäh­rend anders­wo im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger gemor­det wur­de, für die­se Mor­de haf­ten (Bei­hil­fe zum Mord, §§ 211, 27 Strafgesetzbuch).

Es han­delt sich hier­bei um eine extre­me, uner­hör­te Aus­deh­nung des Tat­be­stands der Bei­hil­fe. Das ist mit der tra­di­tio­nel­len Rechts­dog­ma­tik nicht zu ver­ein­ba­ren und erfolgt offen­kun­dig in der Absicht, die letz­ten ‚NS-Täter’ noch irgend­wie dran­zu­krie­gen, bevor die­se Art von Straf­ver­fol­gung aus bio­lo­gi­schen Grün­den end­gül­tig ein­ge­stellt wer­den muss. Denn Stoff für die nächs­te und über­nächs­te Anspra­che mit erho­be­nem Zei­ge­fin­ger und her­ab­ge­fal­le­nen Mund­win­keln lässt sich dar­aus alle­mal noch gewin­nen, obwohl ein sol­ches Urteil nicht ein­mal einen aner­kann­ten Straf­zweck erfüllt, von eigent­lich juris­ti­schen Grün­den zu schwei­gen. Inso­fern ist man aller­dings in der kom­for­ta­blen Lage, dass die Bio­lo­gie längst gna­den­los zuge­schla­gen hat bzw. dass frü­he­ren Gene­ra­tio­nen von Staats­an­wäl­ten und Rich­tern eine sol­che Ent­gren­zung der Straf­ver­fol­gung nicht im Traum ein­ge­fal­len wäre, und zwar nicht weil sie sel­ber lau­ter klei­ne Freis­lers waren, son­dern weil eine rechts­staat­li­che Metho­de das gebie­tet. Selbst wenn man das – wie heu­te – anders sieht, wird man nie­man­den mehr fin­den, an dem man es durch­zie­hen kann.

Jeden­falls auf dem Gebiet der straf­recht­li­chen Auf­ar­bei­tung des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Als letz­ten Stroh­halm hät­te man das Argu­ment von des­sen ‚Sin­gu­la­ri­tät’ zur Hand, wenn man die kon­se­quen­te Über­tra­gung jener Bei­hil­fe-Recht­spre­chung auf ande­re Berei­che der Kri­mi­na­li­tät ver­hin­dern woll­te. Woll­te man sie hin­ge­gen über­tra­gen, z. B. auf die Kanz­ler­schaft Mer­kels, gin­gen bei der gro­ßen Mehr­heit der deut­schen Juris­ten alle Schran­ken her­un­ter, zudem die Kinn­la­de; über­wie­gend wohl aus den fal­schen Grün­den (‚rech­te Het­ze’ usw.), rich­ti­ge Grün­de gibt es aber auch. Poli­ti­sche und mora­li­sche Ver­ant­wor­tung ist das eine, pau­scha­le straf­recht­li­che Haf­tung Mer­kels für die Taten der von ihr Her­ein­ge­be­te­nen ist jedoch auf her­kömm­li­che Wei­se nicht zu konstruieren.

Geeig­ne­ter erschei­nen kon­kre­te Fäl­le wie die Cau­sa Kem­me­rich, die Grenz­öff­nung als sol­che oder bestimm­te Maß­nah­men der ‚Coro­na-Poli­tik’. Soll­te sich einst trotz aller Orden und Hagio­gra­phien der Zeit­geist wan­deln, lie­ße sich aus die­sen Stof­fen der sprich­wört­li­che Strick dre­hen. Schrö­der ist ein Paria wegen eines Ver­hält­nis­ses zu Putin, das bis vor ca. einem Jahr als für Deutsch­land vor­teil­haft aner­kannt wur­de, die ’schwar­zen Kas­sen’ wür­fen einen ‚Schat­ten’ auf Kohls ‚Lebens­werk’ der Wie­der­ver­ei­ni­gung, bei Schmidt reich­te die Wehr­machts­uni­form, um ihn abzu­hän­gen, Brandt woll­te Frie­den mit Russ­land, und die ande­ren drei waren sowie­so restau­ra­ti­ve Spät­fa­schis­ten. Ob zu Recht oder Unrecht, Bun­des­kanz­ler sind hier­zu­lan­de schnell unten durch; wenn es neben den nich­ti­gen so vie­le gute Grün­de gibt wie bei Mer­kel, darf man immer­hin hof­fen. Hier­aus erklärt sich, wie gesagt, die Eile, mit der an ihrer Legen­de gestrickt wird.”
(Leser ***, Rechtsstudent)

Vier.
„Zum Anlaß auf der Suche nach völ­ki­schen Sied­ler­sek­ten (Acta vom 18. April) und jenen, die sich Reli­gio­nen nen­nen dür­fen (ein phi­lo­so­phi­scher Unter­schied zwi­schen Sek­te und Reli­gi­on ist mir, bis auf grö­ße­re poli­ti­sche Durch­set­zungs­kraft, ansons­ten lei­der ver­bor­gen geblie­ben, und ich las­se mich hier ger­ne erleuch­ten), möcht ich Ihnen einen aus dem alten Hin­du­is­mus zum Bes­ten geben, was ja dann auch gut paaßt, weil’s ‚Hin­du­is­mus’ irgend­wie ja auch eigent­lich nicht gibt.
Wir Euro­pä­er haben ein Gund­ver­ständ­nis von Reli­gi­on, wel­ches ja tra­di­tio­nell von einer ein­zig wah­ren Reli­gi­on aus­geht, und jenen ‚ande­ren’, die zwangs­läu­fig in so etwas wie in die Höl­le füh­ren müssen.
Noch ehe die­se Ideen ent­stan­den, wel­che mei­nes Wis­sens alle­samt auf die Abra­ha­mi­ti­schen Heils­bot­schaf­ten zurück­ge­hen, muss­te man sich im Kon­glo­me­rat der indi­schen Strö­mun­gen und Prak­ti­ken anders zurecht­fin­den und tat dies auf eine für mich als Phi­lo­so­phen recht ent­spann­te Art und Weise.
Dhar­ma wird oft als Über­set­zung des Sans­krit für Reli­gi­on ver­wen­det, was es mei­ner Ansicht nach aber nicht trifft. Dhar­ma ist im indi­schen Den­ken die inne­woh­nen­de Ord­nungs­kraft auf das der eige­nen Natur (!) ent­spre­chen­de Ver­hal­ten. Also das Hund‑, Kat­ze- oder Baum-Sein. Als Kat­ze oder Baum, kann man dem aller­dings kaum ent­kom­men. Bei Men­schen ist es der Sva-dhar­ma, also der eige­ne Weg, den wie­der­um jeder für sich fin­den muß.
Den prak­ti­zie­ren­den Reli­gi­ons­grup­pen kommt hier der Begriff Shak­ha am Nächs­ten. Shak­ha bedeu­tet im Sans­krit ‚Ast’. Man betrach­te­te die Strö­mun­gen des Athe­is­mus, Mate­ria­lis­mus, Vis­hu­is­mus, Shi­vais­mus als Äste eines Bau­mes. Die phi­lo­so­phi­schen Dis­kus­sio­nen ergin­gen sich dann in Fra­gen, ob bestimm­te Din­ge zum Heil füh­ren oder nicht, bei­spiels­wei­se wur­de der Mate­ria­lis­mus dadurch wie­der­legt, dass der Ver­lust der Mate­rie letzt­end­lich gro­ßes Leid ver­ur­sa­che. Letzt­lich wur­de aber ein all­ge­mein­gül­tig ein­zi­ger Weg nie dog­ma­tisch durchgesetzt.
Die Wei­te und Offen­heit, gip­felnd in einer Fra­ge Dhar­mas, des Vaters Yud­dhish­ti­ras, was denn Wahn­sinn sei? In der für indi­sches Den­ken eigent­lich ein­zig logi­schen Ant­wort: ‚ein ver­ges­se­ner Weg.’
Viel­leicht wärs bis dahin ja hilf­reich, von allen Ein­rei­se­wil­le­gen wenigs­tens Les­sings Ring­pa­ra­bel recht­lich bin­dend unter­schrei­ben zu lassen.”
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