25. Juli 2023

„Nie­mand hat die Absicht, die Brand­mau­er zur AfD niederzureißen.”
Christ­lich Demo­kra­ti­sche Uni­on Deutsch­lands, 2023
(Leser ***)
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Frau­en lieb ich, und Fuß­ball, auch den, Freun­de, weiß ich zu schätzen.
Doch wel­cher törich­te Mensch meng­te bei­des in eins?
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„Gute Aus­sich­ten für neue Kri­mi­na­li­sie­run­gen. (…) Sichert Euch recht­zei­tig die Posi­ti­on des Anklägers!“
Carl Schmitt, ewig­gül­tig am 5. Janu­ar 1948

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Kriegs­schuld­de­bat­ten zet­teln bevor­zugt jene an, die ihre Mas­sa­ker als bedau­er­li­che Zwi­schen­fäl­le gerech­ter Krie­ge ver­kau­fen wol­len. Es sind mora­li­sche Umbuchungen.
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Ein schlan­ker Koch wirkt wie ein kran­ker Arzt.
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Der Deutsch­land­funk teilt mit:
Aber ja! Und kei­nes­wegs nur das! Von den euro­zen­tri­schen Begrif­fen „Geschich­te”, „Phi­lo­so­phie” und „Pro­fes­sor” soll­ten wir uns kon­se­quen­ter­wei­se auch gleich ver­ab­schie­den. Und vom Begriff „Begriff” sicher­heits­hal­ber oben­drein. (Bei Lich­te bese­hen, wackelt sogar das kau­sa­lo­zen­tri­sche „War­um”…)
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Es ist egal, wo’s steht, weil es über­all ste­hen könnte.
Caro­lin Müller-Spitzer –
Die Dop­pel­na­mens­trä­ge­rin­nen
Sind meis­tens Nervensägerinnen
– lei­tet das „Pro­jekt ‚Empi­ri­sche Gen­der­lin­gu­is­tik‘” am Leib­niz-Insti­tut für Deut­sche Spra­che in Mann­heim. Sie lehrt übri­gens an der dor­ti­gen Uni als Extra­or­di­na­ri­us, par­don: Extra­or­di­na­ria. „Gen­der-Ver­bo­ten” wie dem in Sach­sen „steht sie kri­tisch gegen­über” (wenn­gleich nicht ganz so kri­tisch wie ich Arti­keln, die sich Pro­ble­men der Spra­che zu wid­men vor­ge­ben, aber aus lau­ter Wort­hül­sen bestehen). „Ich sehe es als äußerst pro­ble­ma­tisch an, die sprach­li­che Frei­heit so stark zu beschnei­den, gera­de weil es kei­ner­lei sach­li­che Grund­la­ge dafür gibt“, erklärt sie.
Man kennt die­ses orwel­les­ke Mus­ter inzwi­schen zur Genü­ge: Die­je­ni­gen, die den ande­ren – und die­se Ande­ren sind immer die Mehr­heit – etwas auf­zu­zwin­gen ver­su­chen, um sie zu bevor­mun­den, zu erzie­hen und eine Ideo­lo­gie durch­zu­set­zen, behaup­ten rotz­frech, man rau­be ihnen ihre Frei­heit, wenn die ande­ren Nein dazu sagen. Selbst­re­dend geben sie stets vor, in höhe­rem Auf­trag zu han­deln – der Fort­schritt ist noch der Gerings­te unter ihren Man­dan­ten –, und spre­chen immer „im Namen von”. Das erklärt auch die anma­ßen­de Begriffs­wahl die­ses Agit­prop-Por­täl­chens; weder ist die Gen­de­rei „sen­si­bel”, noch „gerecht”, sie ist viel­mehr bra­chi­al und vormundschaftlich.
Der Recht­schreib­rat, heißt es wei­ter, habe sich 2018 gegen eine Auf­nah­me von Gen­der­stern, Unter­strich und Dop­pel­punkt in das amt­li­che Regel­werk der Recht­schrei­bung aus­ge­spro­chen, aber nicht dafür, die Zei­chen als Recht­schreib­feh­ler zu wer­ten. Dar­aus fol­gern sie (bzw. fin­gie­ren es; das glau­ben die natür­lich selbst nicht):

„Die öffent­li­che Debat­te um das Gen­dern spie­gelt also nicht den aktu­el­len For­schungs­stand wider. ‚Der öffent­li­che Ein­druck ist sehr ver­zerrt’, betont auch Mül­ler-Spit­zer. Aktu­ell For­schen­de und Leh­ren­de stün­den Gen­dern offen gegen­über.” Schließ­lich sind Gen­der­stern­chen kei­ne Rechtschreibfehler!

Der öffent­li­che Ein­druck mag in der Tat ver­zerrt sein, wes­halb ich, als beschei­de­ner Vor­ar­bei­ter im Wein­berg der Spra­che, mei­nen Teil zur Ent­zer­rung bei­steue­re. Die Ver­zer­rung besteht dar­in, dass unse­re lin­gu­is­ti­schen Jako­bi­ner ein­fach behaup­ten, die paar Han­seln, die ihre Ansicht tei­len, sei­en reprä­sen­ta­tiv, weil sie den „aktu­el­len For­schungs­stand” ver­kör­per­ten. Als ob irgend­ein For­schungs­stands­in­ha­ber, also eine Art seman­ti­scher Haus­be­set­zer, dar­über befin­den kön­ne, wie Deutsch gespro­chen wer­den müs­se. Als ob über­haupt irgend­ein „For­schungs­stand” zum guten Deutsch exis­tie­re, der das ortho­gra­phisch-gram­ma­ti­ka­li­sche Regel­werk über­steigt, das durch die Sprach­klemp­ner, Sprach­pant­scher, Sprach­ver­hun­zer, Sprach­ver­ge­wal­ti­ger und Sprach­ma­ni­pu­la­teu­re der Recht­schreib­re­form schon genug ram­po­niert wor­den ist. Woher neh­men sol­che tris­ten Figu­ren die Dreis­tig­keit, dar­über zu befin­den, wie die Men­schen reden und schrei­ben sol­len? Die Spra­che ent­steht im Volk und erblüht im Mun­de der Dich­ter. Poli­ti­ker und Ideo­lo­gen, die ihr das Mie­der lockern und sich an ihr ver­ge­hen wol­len, gehö­ren aus den Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und Aka­de­mien ver­trie­ben, not­falls mit tem­pel­rei­ni­gen­dem Furor. Die Gen­de­rei ist nicht allein gram­ma­ti­ka­lisch unsin­nig, auf­dring­lich und ten­den­zi­ell tota­li­tär, sie ist vor allem: hässlich.

Die Lil­ly findet’s falsch, und der Genos­se Pro­pa­gan­dist lässt sie im Namen aller Sach­sen­schü­ler spre­chen. Das ken­nen die Älte­ren dort noch aus den Zei­ten, als SED, FDJ und FDGB so mit einer Stim­me spra­chen, dass es genüg­te, irgend­ei­nen Vor­sit­zen­den zu zitie­ren, um die Gesamt­heit zu meinen.
Und nu sind se halt weg.
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Die Gen­de­rei ver­trägt sich präch­tig mit den Obs­zö­ni­tä­ten des Chris­to­pher Street Day, die ja letzt­lich ihr öffent­li­cher Aus­druck sind. In bei­den Fäl­len mel­den sich die Dis­kri­mi­nier­ten, Ver­damm­ten und Devi­an­ten die­ser Erde lei­der nicht nur zu Wort.
Unnö­ti­ge Auf­re­gung ent­stand um die­ses Foto des Refe­ren­ten einer Bundestagsvizepräsidentin.
Genau­er: um das, was dar­auf weg­ge­schnit­ten wur­de (und den Ver­dacht der Homo­pho­bie aus sei­nem meta­phy­si­schen Schlum­mer weckte).
Zur Erin­ne­rung: Es sind Geset­zes­än­de­run­gen fäl­lig. Immer­hin lie­fen auf dem CSD scha­ren­wei­se Frau­en und Kin­der herum.
Wenn der Ver­lust des Scham­ge­fühls, Freud zufol­ge, ein Zei­chen des Schwach­sinns ist *, dann muss umge­kehrt der Ver­lust des Ekel­emp­fin­dens etwas Ähn­li­ches bezeu­gen (und sich als Sym­ptom bis ins poli­ti­sche Per­so­nal der Bun­des­re­gie­rung erstre­cken). Män­ner, die mit­ten in der Haupt­stadt eines Lan­des gewis­ser­ma­ßen aller Welt, auch Min­der­jäh­ri­gen, ihre Geni­ta­li­en prä­sen­tie­ren, wür­den in sitt­lich nor­mal geblie­be­nen Län­dern von der Poli­zei einkassiert.
(* Das sei ein Kuckucks­zi­tat, wer­de ich belehrt; ich dach­te, der Wie­ner Scha­ma­ne – Zitat von wem? – habe aus­nahms­wei­se etwas Zitier­ba­res geäu­ßert. Also: Freud ist gestri­chen, die Fest­stel­lung indes bleibt bol­zen­fest stehen.)
Was haben der Chris­to­pher Street Day und „Gen­der” gemein­sam? Gen­der ist eine Art seman­ti­sches Glied- oder bes­ser Vagi­na­vor­zei­gen. Aber die woke Revo­lu­ti­on frisst längst ihre bun­ten Kinderlein.
Das Typi­sche an die­sem Arti­kel, in dem auch der neue Que­er­be­auf­trag­te des Ber­li­ner Senats, Alfon­so Pan­tis­a­no, mit den Wor­ten zitiert wird, er gehe aus Angst vor homo­pho­ben Atta­cken „mit einem mul­mi­gen Gefühl“ zum CSD, besteht dar­in, dass mit kei­ner Sil­be die Ursa­che des besag­ten Gefühls erwähnt wird, weder ein Löwe noch ein Wildschwein.
Ker­ke­ling hat­te in einer Talk­schau gesagt, er habe manch­mal das Gefühl – man hat in die­sem Seg­ment bevor­zugt Gefüh­le –, „dass wir in einer ähn­li­chen Zeit leben wie in der Wei­ma­rer Repu­blik“. Damals habe der Sexu­al­wis­sen­schaft­ler Magnus Hirsch­feld die stren­ge Unter­schei­dung in zwei Geschlech­ter infra­ge stel­len kön­nen, und es sei kein Pro­blem gewe­sen, trans­gen­der zu sein – viel­leicht, weil nie­mand ein Leit­bild und eine Ankla­ge an die Adres­se der Mehr­heit dar­aus mach­te? Zugleich kom­me es ihm so vor, als befin­de sich die Gesell­schaft heu­te „am Vor­abend von etwas, was ich jetzt nicht drin­gend erle­ben möch­te”, fuhr Ker­ke­ling fort – „eine Anspie­lung auf den Natio­nal­so­zia­lis­mus, der auf die Wei­ma­rer Repu­blik folg­te”, erläu­tert der geschichts­kun­di­ge Tages­spie­gel-Redak­teur. Die Schwe­fel­par­tei mit einer offen les­bi­schen Frak­ti­ons­vor­sit­zen­den, zahl­rei­chen Schwu­len sowie sogar einem Trans­gen­der­men­schen in ihren Rei­hen kann schwer­lich gemeint sein (wenn­gleich die Homo­se­xu­el­len in der AfD gemein­hin sitt­lich so gefes­tigt sind, dass sie nie­man­dem, der nicht aus­drück­li­ches Inter­es­se bekun­det, ihre Geschlechts­werk­zeu­ge prä­sen­tie­ren, die­se Nazis). Wer aber dann berei­tet dem Alfon­so mul­mi­ge und dem Hape Macht­er­grei­fungs­vor­abend­ge­füh­le? Tja – wer hät­te gedacht, dass Deutsch­land sei­ne nächs­ten „Nazis” ein­fach impor­tiert? Aber was heißt Deutsch­land; es waren die Lin­ken, die Grü­nen, die Woken und ihnen prä­lu­die­rend das Ver­häng­nis im Hosen­an­zug samt sei­ner ent­ei­er­ten Par­tei, die es taten, und hin­rei­chend vie­le Almans haben sie gewählt.
Wenn ich das lese, träu­me ich durch­aus von einem CSD in Gaza Stadt.
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Egi­di­en­kir­che Nürnberg.
Der Anspruch ist totalitär.
Die­se unap­pe­tit­li­chen Mon­ta­gen wol­len gezielt Kirch­gän­ger ver­let­zen. Ihre Anord­nung zum Tri­pty­chon wür­de ich unter Hass & Het­ze rubrizieren.
Es scheint ein Welt­ge­setz zu sein, dass kei­ne Eman­zi­pa­ti­ons­be­we­gung recht­zei­tig vor dem Über­span­nen des Bogens inne­zu­hal­ten vermag.
Ein Leser teilt mir eben mit, dass die „pro­vo­kan­te Aus­stel­lung” (Jour­na­lis­ten­deutsch) auf­grund hef­ti­ger Pro­tes­te – Pro­tes­tan­ten! – geschlos­sen, also weg­ge­räumt wird. Bemer­kens­wert ist, dass die Pfaf­fen dort­selbst, evan­ge­lisch-luthe­ri­scher Kon­fes­si­on natür­lich, also Ungläu­bi­ge, die­ser Zur­schau­stel­lung zuwei­len zwar auch von Got­tes­fürch­ti­gen prak­ti­zier­ter, aber, wenn wir dem Schrift­tum Glau­ben schen­ken, kei­nes­wegs gott­ge­woll­ter Kopu­la­ti­ons­prak­ti­ken in einem Got­tes­haus erst ein­mal zuge­stimmt haben müs­sen. (Es wäre übri­gens auch Blas­phe­mie, wenn auf den Bil­dern Heten kopu­lie­ren wür­den; aller­dings wür­de das die LGBTQ-Baga­ge wohl eben­falls als Blas­phe­mie emp­fin­den.) Auf Twit­ter schreibt jemand, dass die Idee für die „Aus­stel­lung” aus der Kir­chen­ge­mein­de kam – erwähn­te ich schon, dass es sich um Mit­glie­der der pro­tes­tan­ti­schen NGO oder bes­ser: GO handelt?
Viel­leicht ver­su­chen es die reli­gi­ons­kri­ti­schen Por­no­gra­phen jetzt mal in einer Moschee?
Unse­re Bun­ten Khmer­chen wer­den sich noch umgu­cken. Und nie­mand wird sich mit ihnen soli­da­ri­sie­ren, auch kein Ber­li­ner Que­er­be­auf­trag­ter, und am aller­we­nigs­ten jene Mol­lus­ken, die heu­te über­all Regen­bo­gen­fah­nen auf­hän­gen. Wobei man fai­rer­wei­se ein­räu­men muss, dass die tat­säch­li­chen Trans­men­schen von den woken Pro­pa­gan­dis­ten nur instru­men­ta­li­siert und irgend­wann ihrem Schick­sal über­las­sen werden.
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„Ein Unter­schied zwi­schen der Bun­des­re­pu­blik und der DDR bestand häu­fig dar­in, dass in der DDR es kon­for­mis­tisch aus­se­hen muss­te, aber man durch­aus auch in einem gewis­sen Maße und mit Klug­heit sei­ne non­kon­for­mis­ti­sche Nische suchen konn­te, wäh­rend es in der Bun­des­re­pu­blik non­kon­for­mis­tisch aus­se­hen, aber man im Kern kon­for­mis­tisch zu sein hat­te. Die Wen­dung der Unter­wer­fung, die sich in der auf­trump­fen­den Gebär­de ver­wirk­lich­te – das kann­ten die Ost­deut­schen nicht.”
Schreibt Klaus-Rüdi­ger Mai in sei­ner Publi­co-Rezen­si­on des Buches „Wir sind die Ande­ren” von Bian­ca Kell­ner-Zotz und Micha­el Meyen.
Unter­wer­fung mit auf­trump­fen­der Ges­te – das trifft’s. Anders for­mu­liert: Inner­li­che Uni­for­mi­tät unter Vor­spie­ge­lung äußer­li­cher Indi­vi­dua­li­tät. Ich habe Zeit­ge­nos­sen die­ses Schla­ges in nicht gerin­ger Zahl ken­nen­ge­lernt, natur­ge­mäß im aka­de­mi­schen, intel­lek­tu­el­len, jour­na­lis­ti­schen, künst­le­ri­schen und selbst­re­dend im poli­ti­schen Milieu: aler­te, smar­te, pfif­fi­ge, elo­quen­te und zugleich glat­te, wen­di­ge, immer-auch-anders-kön­nen­de, nicht ganz gera­de Cha­rak­te­re, bei denen, triffst du nur das Zau­ber­wort, der Ver­rat als Opti­on stets in der Luft liegt. Alex­an­der Wendt hat dazu die Sot­ti­se geprägt: „Wenn ein West­deut­scher einen Debat­ten­raum betritt, schaut er zuerst, wo sich der Not­aus­gang befin­det.” Obwohl es mir fern sei, die­sen Typus zu loka­li­sie­ren und damit zu gene­ra­li­sie­ren, wür­de ich doch behaup­ten, dass er im Wes­ten im Schnitt häu­fi­ger anzu­tref­fen ist als unter den Insas­sen der Ehe­ma­li­gen.
Bewei­sen kann ich das natür­lich nicht; es ist sozu­sa­gen Pri­vat­empi­rie. Ich kann aller­dings Hypo­the­sen auf­stel­len, war­um es sich so ver­hal­ten mag, cum gra­no salis und, wie ein kri­ti­scher, zu jeder Art Holz­schnitt unfä­hi­ger Jour­na­list schrei­ben wür­de, holz­schnitt­ar­tig.
Zunächst ein­mal macht Wohl­stand oppor­tu­nis­tisch, weil er sowohl Auf­stiegs­ver­hei­ßun­gen als auch Ver­lust­ängs­te erzeugt. Der Wes­ten erkauf­te Anpas­sung mit wirt­schaft­li­chem Wohl­stand, der Osten erzwang sie mit staat­li­chem Druck. Was, bei heik­len poli­ti­schen Ansich­ten, im Wes­ten allen­falls die Dro­hung mit sozia­ler Iso­la­ti­on bewir­ken konn­te, erle­dig­ten im Osten die Sta­si und der Knast mit roher Gewalt. Par­al­lel dazu ver­kauf­ten bei­de Staa­ten ihr jewei­li­ges Geschichts- und Welt­bild, das natur­ge­mäß von den Men­schen mit dem Grad ihrer indi­vi­du­el­len Frei­heit sowie ihrer pri­va­ten wirt­schaft­li­chen Lage kon­no­tiert wur­de. Wel­che der bei­den Ver­sio­nen, auch bei inner­li­cher Ableh­nung, über­zeu­gen­der wir­ken muss­te, liegt auf der Hand.
Kar­rie­ris­ti­sches Ver­hal­ten mit den übli­chen oppor­tu­nis­ti­schen Begleit­erschei­nun­gen setzt vor­aus, dass über­haupt vie­len Men­schen eine Kar­rie­re offen­steht. Das war im Osten nicht der Fall. Da die Deut­schen ein kol­lek­ti­vis­ti­sches Volk sind, muss­ten Kar­rie­ren im Wes­ten aller­dings sozi­al ver­träg­lich ver­lau­fen; gera­de die Rei­chen und Erfolg­rei­chen erwer­ben sich in zuneh­men­dem Maße mit der rich­ti­gen Gesin­nung jene Akzep­tanz, die ihnen der aus dem sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Gleich­heits­wunsch sich spei­sen­de deut­sche Neid sonst ver­weh­ren wür­de. Auch das war im Osten nicht der Fall; man leb­te zwar mit dem staat­li­chen Gesin­nungs­druck, aber die wenigs­ten glaub­ten an die Paro­len der Bon­zen, da die Wirk­lich­keit sie täg­lich eines Schlech­te­ren belehrte.
Als 1990 die ers­ten West­deut­schen in Ost­ber­lin ein­zo­gen, war ich fas­zi­niert von ihrem Stil, ihrer äußer­li­chen Eigen­art, Bered­sam­keit und Welt­läu­fig­keit (oder was ich damals dafür hielt). Im Roman „Land der Wun­der” besucht der Haupt­cha­rak­ter sei­ne ers­te West­ber­li­ner Par­ty und fin­det dort Gäs­te vor, „die mehr­heit­lich das Ide­al eines mög­lichst per­fek­ten Aus­se­hens zu ver­fol­gen schie­nen. Die meis­ten Her­ren waren dyna­mi­schen Wesens, blen­den­der Lau­ne, rede­ten laut, tru­gen fach­män­nisch gestyl­te Fri­su­ren sowie eine frap­pie­ren­de Viel­falt von Desi­gner­bril­len, an ihrer Sei­te wan­del­ten wah­re Selbst­be­wusst­seins­fes­tun­gen von Frau­en, die an ihrem Äuße­ren her­vor­ge­ho­ben und weg­ge­ma­kelt hat­ten, was ging, jede war ein klei­nes Kunst­werk. Lau­ter lackier­te Ober­flä­chen, resümierte der Hos­pi­tant Schön­bach, der ja nicht wuss­te, was im Wes­ten Stan­dard war und was Schi­cke­ria (das hier war nichts als Stan­dard), und er sah mit Wohl­ge­fal­len auf die eine oder ande­re vergrübelte Natur in Jeans und schlecht­sit­zen­dem karier­ten Sak­ko, die dazwi­schen umher­strich. Aber bei der Mehr­heit der Anwe­sen­den schien jedes Acces­soire, ob modisch oder habi­tu­ell, dazu zu die­nen, um jeden Preis Ver­schie­den­heit und damit zugleich auch Distanz her­zu­stel­len – wobei nicht sicher war, ob es sich bei dem zwei­ten Effekt um einen erwünschten oder nur einen in Kauf zu neh­men­den han­del­te. Das wirk­lich Merkwürdige und gera­de­zu Dia­lek­ti­sche an die­ser Par­ty­ge­sell­schaft bestand frei­lich dar­in, dass die Gäs­te trotz aller insze­nier­ten Indi­vi­dua­li­tät eine rela­tiv homo­ge­ne Grup­pe bil­de­ten. Ihr Non­kon­for­mis­mus hat­te etwas emi­nent Kon­for­mis­ti­sches. Am meis­ten scher­te wohl er, Schön­bach, aus dem Rahmen.”
Die letz­te Fest­stel­lung ist tri­vi­al, nicht aber die enor­me Rol­le, die Äußer­lich­kei­ten in der west­li­chen Welt spiel­ten und spie­len. Es han­delt sich dabei nicht nur um Distink­ti­ons­merk­ma­le – gegen sol­che habe ich, neben­bei, nichts –, son­dern vor allem um Lar­ven, Rüs­tun­gen, Cha­rak­ter­ver­ste­cke, Selbst­be­wusst­seins­boll­wer­ke. Die aus dem Wes­ten erschie­nen uns glatt, unper­sön­lich, distan­ziert, irgend­wie mas­kiert. Man wuss­te nie genau, wor­an man bei ihnen war. Die zwi­schen­mensch­li­chen Bezie­hun­gen, das Mann-Frau-Ding inbe­grif­fen, waren im Wes­ten – immer cum gra­no salis gespro­chen – for­mel­ler, geschäfts­be­zo­ge­ner, auf wech­sel­sei­ti­gen Vor­teil bedacht. Das kann­ten wir im Osten so nicht.

Wer auf die Situa­ti­on der bei­den kon­kur­rie­ren­den deut­schen Staa­ten vor der Wie­der­ver­ei­ni­gung zurück­schaut, erblickt auf der einen Sei­te die wirt­schaft­li­chen Sie­ger mit einem poli­tisch-mora­li­schen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex (wegen des Drit­ten Reichs), wäh­rend sich die ande­ren zumin­dest in der offi­zi­el­len Rhe­to­rik als die poli­tisch-mora­li­schen Sie­ger der Geschich­te (über das Drit­te Reich) fühl­ten, aber mit guten Grün­den einen gewal­ti­gen wirt­schaft­li­chen Min­der­wer­tig­keits­kom­plex mit sich umher­schlepp­ten. Die einen fuh­ren dicke Autos und tru­gen schi­cke Kla­mot­ten, waren aber sozu­sa­gen am gesam­ten Leib mit mora­li­schen Hüh­ner­au­gen über­sät – oder benah­men sich, als ob sie es wären, weil das zum Kom­ment gehör­te –, auf die nur jemand drü­cken muss­te, um reflex­haf­te Bück­lin­ge aus­zu­lö­sen; die ande­ren schäm­ten sich ihrer schlech­ten Klei­dung und lächer­li­chen Autos, emp­fan­den aber gera­de wegen ihrer mise­ra­blen mate­ri­el­len Situa­ti­on kei­ne beson­de­re exis­ten­ti­el­le Schuld, sei es nun gegen­über den Opfern des NS oder den Bewoh­nern der Drit­ten Welt.

Der Unter­schied folg­te aus der Qua­li­tät der Gehirn­wä­sche; sie war im Wes­ten, wie nahe­zu alles, ein­fach bes­ser, und da sie sich mit öko­no­mi­schem Erfolg und den Frei­hei­ten des Kon­sums ver­band, ver­trau­te im Wes­ten ein gro­ßer Teil der Gesell­schaft auf die atro­päi­sche Wir­kung jener Lip­pen­be­kennt­nis­se zur deut­schen Schuld, die im Osten die Mehr­heit eben nicht glaub­te. Das heißt, dass im Wes­ten sowohl der Wohl­stand als auch die Schuld weit grö­ßer aus­fie­len als bei den Brü­dern und Schwes­tern auf der ande­ren Sei­te des Eiser­nen Vor­hangs. BRD, das hieß: gesell­schaft­li­cher Wohl­stand und öffent­li­che Schuld­be­kennt­nis­se gehö­ren zusam­men wie Talent­man­gel und Quo­ten, aber die­ser wal­te­te über das gesam­te Jahr, jenen oblag die sün­den­stol­ze Gemein­de nur an hohen welt­li­chen Feiertagen.

Gün­ter Maschke hat die Men­ta­li­tät, die im Wes­ten nach dem Zusam­men­bruch des Drit­ten Reichs ent­stand bzw. erzeugt wur­de, scharf­sin­nig beschrie­ben; in sei­nem 1985 ver­öf­fent­lich­ten Essay „Die Ver­schwö­rung der Flak­hel­fer”, einem Höhe­punkt der Auf­klä­rung in der Geis­tes­ge­schich­te der BRD, notier­te er: „Der neue, demo­kra­ti­sche, mün­di­ge, kom­mu­ni­zie­ren­de und kon­su­mie­ren­de Bür­ger wur­de in nuce mit der Ent­na­zi­fi­zie­rung geschaf­fen. Die Bezie­hung zwi­schen Gesin­nung und Brot­korb wur­de den Geschla­ge­nen deut­lich ein­ge­schärft, und so ver­lo­ren sie den letz­ten Rest an Zivil­cou­ra­ge, falls ihnen davon der Natio­nal­so­zia­lis­mus etwas übrig gelas­sen hat­te. Demo­kra­tie und Heu­che­lei gin­gen eine Ver­bin­dung ein, die heu­te voll­kom­men natur­haft wirkt. Ich war nicht dabei, ich war immer dage­gen, ich war nicht dafür, ich wuß­te von nichts, ich hat­te eh nichts zu sagen, ich kann mich an nichts mehr erin­nern. Damit die Umzu­er­zie­hen­den die Gefil­de der Demo­kra­tie betre­ten durf­ten, muß­ten sie mög­lichst erfolg­reich lügen. Und so wur­de die Lüge das Fun­da­ment der bis dahin ja in Deutsch­land unbe­kann­ten ‚Frei­heit’.”

An die Stel­le des „sich ver­ant­wort­lich füh­len­den Ichs” sei ein neu­es, geläu­ter­tes Ich getre­ten, „das, geld­gie­rig, sanft­mü­tig und schlau, von nun an mit sei­nem Inter­es­sen­ver­band in der mono­to­nen Step­pe des Plu­ra­lis­mus heul­te. Die­ses befrei­te, demo­kra­ti­sche, von Vor­ur­tei­len erlös­te, auf­bau­en­de und sich jedes auto­ri­tä­ren Gedan­kens ent­schla­gen­de Ich kennt so vie­le Denk-Tabus, daß sie nicht mehr zu zäh­len sind, und es ist so kri­tisch und mün­dig, daß es glaubt, es sei frei. (…)

Heu­te aber hat sich die­ses Objekt durch­ge­setzt und das Inein­an­der von Zer­knir­schung und Genuß­sucht (wobei die Zer­knir­schung die Genuß­sucht häß­lich macht und die Genuß­sucht die Zer­knir­schung ver­ewigt) zeich­net sich längst nicht nur auf den Gesich­tern unse­rer Eli­te ab.”

Dass unter sol­chen Bedin­gun­gen ein zwar cle­ve­rer, aber nicht beson­ders ehr­li­cher und gera­der Men­schen­schlag her­an­wächst, der sich letzt­lich jeder Auto­ri­tät fügt, wenn sie nur sei­ne Trig­ger­punk­te trak­tiert, ist nicht über­ra­schend. Umge­kehrt wirk­te die plum­pe und in ihren Kor­rup­ti­ons­of­fer­ten über­aus beschränk­te Zonen­dres­sur bei vie­len „Ossis” wie eine Immunisierung.

Nicht zuletzt greift die soge­nann­te Zivil­ge­sell­schaft mit ihrem schwarm­haf­ten Gesin­nungs­druck viel unduld­sa­me­rer und tie­fer in die pri­va­ten Bezie­hun­gen ein als ein auto­ri­tä­rer Staat (auto­ri­tär, nicht tota­li­tär); des­halb benut­zen die schlau­en Auto­kra­ten der Gegen­wart ja die­sen Homun­cu­lus als Macht­in­stru­ment und steu­ern ihn, indem sie ihn finan­zie­ren. Wo das Team herrscht, ist es mit der Frei­heit des Ein­zel­nen vor­bei. In der Grup­pe wird die anpas­sungs­dien­li­che Lüge habituell.
Ich muss am Ende mei­nes Ser­mons unbe­dingt noch ein­räu­men, dass die Oppo­si­ti­ons­geis­ter im Wes­ten, gera­de im Umfeld der Schwe­fel­par­tei, oft mehr Cou­ra­ge und Anpas­sungs­un­wil­lig­keit zei­gen (müs­sen) als ihre Pen­dants im Osten, wo die AfD vie­ler­orts Volks­par­tei ist, also mei­ne The­se nicht stützen.
Hugh, ich habe gesprochen.
***
Zum Vori­gen.
(Netz­fund)
Ein bes­se­res Exem­pel für den Typus des win­del­wei­chen West­deut­schen als die­sen Gevat­ter könn­te es kaum geben.
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Noch zum Vorigen.
„Als ich 1969 die DDR ver­ließ”, schreibt Leser ***, „habe ich nicht gleich Milch und Honig genos­sen, son­dern mich ziel­stre­big nach oben gear­bei­tet. Wie die gesam­te Gesell­schaft. Nach 20 Jah­ren war die mir ver­hass­te DDR ver­schwun­den, und es schien wei­ter auf­wärts zu gehen. Nach wei­te­ren 20 Jah­ren wähl­te ich nicht mehr die CDU, also Mer­kel nur zum ers­ten Mal, dann nicht mehr.
Boris Pal­mer schreibt über die Angst der Men­schen vor dem wirt­schaft­li­chen Abstieg. Ich bin als Pen­sio­när gesi­chert. Aber den Ver­lust der Lebens­qua­li­tät bekom­me ich seit wie­der 20 Jah­ren Stück für Stück zu spü­ren. Dass man unter Freun­den nicht frei reden kann,  gehört dazu. Das war so nicht in der DDR. Man hat­te zwei Mei­nun­gen, die der Zei­tung und die per­sön­li­che, und bei der Mehr­heit war es das­sel­be (den Ein­druck hat­te ich nie – M. K.).
Im Tele­fon äußer­te eine Freun­din, die AfD in Sach­sen mache ihr Angst. Obwohl sie nie dort war. Den Pal­mer-Arti­kel liest sie nicht, sie abon­niert die Zeit. Wie die Wes­si­mehr­heit zeigt sie Hal­tung. Angst vor Coro­na, vor dem Wet­ter, vor Russ­land, vor Hoch­was­ser, Wald­brand, der Löwin usw. wer­den regel­mä­ßig gelie­fert und ver­in­ner­licht. Mei­ne Freun­de sehen fern und akzep­tie­ren den Mund­schaum, wenn die AfD erwähnt wird, wenn sie es über­haupt wird. Aber haupt­säch­lich gucken sie Fuß­ball. Jetzt ist Frau­en­fuß­ball dran. Mein Ten­nis­spar­ten­lei­ter schick­te mir eine Ein­la­dung, in der er die Ange­spro­che­nen gen­dert. War­um schreibt er so, obwohl ihn kei­ner zwingt? Müs­sen die Dres­sier­ten über jedes Stöck­chen springen?
Pal­mer sagt etwas und ist raus, Uwe Steim­le sagt etwas und ist raus. Clau­dia Pech­stein ist raus, Maa­ßen, Hoh­mann … Sie ken­nen die vie­len Namen. Danisch wird das Kon­to gesperrt, Bro­der die Annon­cen. Reit­schus­ter wird aus­ge­sperrt. Elsäs­ser wird beob­ach­tet. Höcke wird zu Hau­se ange­grif­fen. Wer macht da mit? Die Pres­se steht stramm, das Staats­fern­se­hen sowie­so. Wer zieht die Fäden? War­um fing alles 1990 an? Angst vor Deutsch­land? Ganz West­eu­ro­pa mar­schiert berg­ab. Wo ist die unheim­li­che steu­ern­de Macht? War­um machen auch die mit, hin­ter denen kein IM steht? Höchs­tens die Hälf­te kann bei der Sta­si sein, oder sie müs­sen sich gegen­sei­tig beschnüffeln.
Lie­ber Herr Klo­novs­ky, ich schlie­ße lieber.”
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Füh­len Sie sich auch objek­tiv informiert?
Sie kom­men gar nicht mehr auf den Gedan­ken, ihren Job zu machen und dem Publi­kum zu ver­mel­den, was irgend­wo gesche­hen ist. Der Gesin­nungs­jour­na­lis­mus ist ihnen zur zwei­ten Natur geworden.
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Ein Freund mit einer gewis­sen Affi­ni­tät zum Bal­kan hat­te die glo­rio­se Idee, der welt­kun­di­gen ChatGBT fol­gen­den Auf­trag zu ertei­len: „Schreib mir eine kur­ze Rede für einen poli­ti­schen Stamm­tisch der AfD in Bay­ern zum The­ma: ‚Hüt­chen­spiel legalisieren’.”
Die KI ließ sich nicht lum­pen und fabri­zier­te fol­gen­des Extempore:
„Sehr geehr­te Damen und Her­ren, ich begrü­ße Sie herz­lich zu unse­rem poli­ti­schen Stamm­tisch der Alter­na­ti­ve für Deutsch­land hier in Bay­ern. Heu­te möch­ten wir über ein The­ma dis­ku­tie­ren, das in den letz­ten Jah­ren kon­tro­vers debat­tiert wur­de: die Lega­li­sie­rung des Hütchenspiels.
Als poli­ti­sche Par­tei, die für Frei­heit und Eigen­ver­ant­wor­tung ein­tritt, ist es unse­re Pflicht, uns mit kon­tro­ver­sen The­men aus­ein­an­der­zu­set­zen und eine offe­ne Dis­kus­si­on zu för­dern. Das Hüt­chen­spiel ist zwei­fel­los ein sol­ches The­ma. Wir sind der Mei­nung, dass das Hüt­chen­spiel nicht grund­sätz­lich ver­bo­ten sein soll­te, son­dern statt­des­sen regu­liert und lega­li­siert wer­den könn­te. Dies wür­de zu einer bes­se­ren Kon­trol­le und Trans­pa­renz füh­ren und könn­te poten­zi­el­le Pro­ble­me im Zusam­men­hang mit Betrug und Kri­mi­na­li­tät minimieren.
Wir möch­ten beto­nen, dass eine Lega­li­sie­rung des Hüt­chen­spiels nicht bedeu­tet, dass wir die­se Art von Glücks­spiel aktiv för­dern oder als unbe­denk­lich betrach­ten. Viel­mehr geht es dar­um, eine ver­nünf­ti­ge und aus­ge­wo­ge­ne Lösung zu fin­den, die den Schutz der Ver­brau­cher gewähr­leis­tet und gleich­zei­tig die indi­vi­du­el­le Frei­heit respektiert.
Eine regu­lier­te Lega­li­sie­rung könn­te bei­spiels­wei­se die Ein­füh­rung von stren­gen Auf­la­gen umfas­sen, um sicher­zu­stel­len, dass die Spie­le fair und trans­pa­rent ablau­fen. Zudem könn­ten Lizenz­ge­büh­ren ein­ge­führt wer­den, um Ein­nah­men für den Staat zu gene­rie­ren und die­se Mit­tel in sozia­le Pro­jek­te und Sucht­prä­ven­ti­on zu inves­tie­ren. Dar­über hin­aus könn­te eine Lega­li­sie­rung dazu bei­tra­gen, den Schwarz­markt ein­zu­däm­men und die Akti­vi­tä­ten der orga­ni­sier­ten Kri­mi­na­li­tät zu bekämp­fen. Durch eine staat­li­che Regu­lie­rung könn­ten wir die Kon­trol­le über die­se Spie­le über­neh­men und sicher­stel­len, dass sie in einer siche­ren und geschütz­ten Umge­bung stattfinden.
Natür­lich gibt es auch berech­tig­te Beden­ken im Zusam­men­hang mit dem Hüt­chen­spiel, wie die Gefahr der Spiel­sucht und finan­zi­el­le Ver­lus­te für die­je­ni­gen, die anfäl­lig sind. Des­halb ist es wich­tig, dass neben der Lega­li­sie­rung auch umfas­sen­de Sucht­prä­ven­ti­ons­maß­nah­men und Auf­klä­rungs­kam­pa­gnen umge­setzt werden.

Abschlie­ßend möch­te ich beto­nen, dass unse­re Dis­kus­si­on heu­te kei­ne end­gül­ti­ge Ent­schei­dung dar­stellt, son­dern viel­mehr den Auf­takt für einen offe­nen Dia­log über das The­ma ‚Hüt­chen­spiel’ bil­det. Wir möch­ten ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven ein­be­zie­hen und eine brei­te gesell­schaft­li­che Debat­te anre­gen, um schließ­lich zu einer aus­ge­wo­ge­nen und ver­ant­wor­tungs­vol­len Lösung zu kommen.”

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Blei­ben wir bei den Hütchenspielern.
Figu­ren wie jene las­sen übli­cher­wei­se kei­ne Gele­gen­heit aus, um irgend­wem die „Ver­harm­lo­sung” des Natio­nal­so­zia­lis­mus vor­zu­wer­fen. Ich schla­ge als Titel eines schnell noch von der KI zu schrei­ben­den Buches vor: Ralf Ste­g­ner, „Von Hit­ler zu Ses­sel­mann. Sind die Gas­kam­mern schon ver­ges­sen?” Oder, per­sön­li­cher: „Twit­tern statt weg­du­cken. Mein Kampf (gegen rechts).”
Die Rezen­si­on könn­te im NDR – dort hat er mal, im wei­tes­ten Sin­ne, gear­bei­tet – die­ser Bub tanzen.
Er hat nicht nur bun­te Fin­ger­nä­gel und einen Ring in der Nase, son­dern auch den berühm­ten exis­tenz­ver­edeln­den Hin­ter­grund, ist also in ’schland wirk­lich angekommen.
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Wo bleibt das Posi­ti­ve, Genosse?
Zum Bei­spiel ent­deck­te ich es in die­sem Kompositum.
Sodann hat mir ein freund­li­cher Win­zer aus Sach­sen, näher­hin aus der Mei­ße­ner Gegend, einen Wein zugeeignet.
Die süf­fi­ge Assem­bla­ge (fein­herb, 11 %) ent­stand, als am 7. Sep­tem­ber 2022 ein Hagel­schlag die Regi­on zur Not­le­se zwang; so wur­den in einem Wein Weiß- und Spät­bur­gun­der, Rulän­der, Gut­edel und Ries­ling vereint.
Von recht ande­rer Artung, aber bestimmt genie­ßens­wert wird die­ser Reben­saft sein.
Ich weiß aber noch nicht, wann er erhält­lich ist.
Einst­wei­len also, womit auch immer: Ein Pro­sit auf das Ende des Grü­nen Reichs!
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