Warum die Linke „ewig” ist

Vor­trag, gehal­ten am 6. Novem­ber 2019 im Ber­li­ner Abge­ord­ne­ten­haus zum 30. Jah­res­tag des Mau­er­falls, auf Ein­la­dung der AfD-Frak­ti­on, die mich bat, die Fra­ge zu trak­tie­ren, war­um das regel­mä­ßi­ge Schei­tern lin­ker Uto­pien nicht zu deren dau­er­haf­ter Dele­gi­ti­mie­rung führt

Mei­ne Damen und Her­ren, lie­be Genos­sin­nen und Genossen,

das The­ma mei­nes Vor­trags ist sehr ambi­tio­niert, wahr­schein­lich über­am­bi­tio­niert. Wüss­te ich tat­säch­lich die defi­ni­ti­ve Ant­wort auf die­se Fra­ge, dann stün­de ich ja nicht hier, son­dern ich säße in einem gol­de­nen Pavil­lon auf dem Peters­platz in Rom oder auf dem Roten Platz in Mos­kau, und die Men­schen wür­den Geld bezah­len, um einen Blick auf mich wer­fen zu dürfen.

And­rer­seits lie­ße sich die Fra­ge mit einem ein­zi­gen Halb­satz beant­wor­ten: weil die Welt not­wen­dig unvoll­kom­men, unge­recht und oft auch grau­sam ist, weil die Reich­tü­mer und Res­sour­cen der Erde höchst ungleich ver­teilt sind und sich das nie­mals ändern wird.

Aber für einen Halb­satz haben Sie mich nicht ein­ge­la­den. Ich muss die Drei­vier­tel­stun­de voll­ma­chen. Erwar­ten Sie eher einen erschöp­fen­den Vor­trag als eine erschöp­fen­de Behand­lung des Themas.

Das Pro­blem beginnt damit, dass die Lin­ke kein ein­heit­li­cher Block ist, wes­halb jeder pfif­fi­ge Pro­gres­sist die the­men­set­zen­de Fra­ge als viel zu pau­schal ableh­nen wür­de. Sie ken­nen das bei­spiels­wei­se auch vom Islam, den Islam gibt es nicht, son­dern nur ver­schie­de­ne Rich­tun­gen, Schu­len, Spiel­ar­ten, Aus­prä­gun­gen. Gleich­wohl sind aus der Per­spek­ti­ve des Nicht­mos­lems die Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den Isla­men weit­aus grö­ßer als die Unter­schie­de. Rot­chi­na und die Sowjet­uni­on waren sich so wenig grün wie Sun­ni­ten und Schii­ten, doch aus der Per­spek­ti­ve des Wes­tens gehör­ten sie zum sel­ben Machtblock.

Allen lin­ken Strö­mun­gen und Schu­len ist immer­hin gemein­sam, dass sie anti­ka­pi­ta­lis­tisch sind, dass sie staats­gläu­big sind, dass sie die Men­schen sozia­li­sie­ren bzw. kol­lek­ti­vie­ren wol­len, und dass sie die Gleich­heit aller Men­schen und Men­schen­grup­pen als Tat­sa­che dekre­tie­ren, obwohl sie nur das uto­pi­sche Ziel lin­ker Poli­tik ist.

Wür­de man es sich so ein­fach machen, wie es der Aller­welts-Lin­ke gemein­hin zu tun pflegt, indem er alle Kon­ser­va­ti­ven als Prä‑, Proto‑, Krypto‑, Neo- oder Qua­si-Nazis denun­ziert, dann könn­te man mit dem kana­di­schen Liber­tä­ren Ste­fan Moly­neux erklä­ren: „Pro-kom­mu­nis­tisch zu sein, ist ganz ein­fach ein Test auf Sozio­pa­thie. Wenn jemand hört, dass über 100 Mil­lio­nen abge­schlach­tet wur­den und erwi­dert: ‚Ja, aber…‘ – Bumm. Tota­ler Soziopath.“

Pro­kom­mu­nis­tisch zu sein, müss­te zumin­dest die Kon­se­quenz nach sich zie­hen, dass der- oder die­je­ni­ge nach Kuba über­sie­delt, nach Vene­zue­la oder Nord­ko­rea. Pas­siert aber prak­tisch nie. Als der Ost­block noch exis­tier­te, ist ja auch kaum ein West-Lin­ker in die DDR oder die UdSSR über­ge­sie­delt. Einer, der es tat, war der Herr Kas­ner, der Vater einer nicht unge­fähr­li­chen Poli­ti­ke­rin. Ein ande­rer war Peter Hacks, der begab­tes­te sta­li­nis­ti­sche Dich­ter deut­scher Zun­ge. Nach dem Zusam­men­bruch der DDR fass­te Hacks das Schick­sal der SED in die Verse:

„Von zwei Mil­lio­nen blie­ben
Kaum eine Hand­voll grad,
Es hat sie auf­ge­rie­ben
Gor­bat­schows Verrat.“

Bei der Resi­gna­ti­on ließ er es aber nicht bewen­den. Hacks woll­te nicht ohne Ver­hei­ßung schei­den und notier­te des­halb gera­de­zu das Mot­to für mei­nen Vortrag:

„Gut, das Jahr­tau­send war nichts, spre­chen wir
Von Num­mer drei, Genos­sen, oder vier.”

Anno 1987, kurz bevor die DDR mil­de ent­schlief, erklär­te der Ost­ber­li­ner Dra­ma­ti­ker Hei­ner Mül­ler in einem Interview:

„In den west­li­chen Indus­trie­na­tio­nen geht es jetzt nur noch dar­um, einen Zustand zu kon­ser­vie­ren, der auf Dau­er nicht halt­bar ist. Was hier pas­siert, ist die Eman­zi­pa­ti­on des Kapi­tals von der Arbei­ter­klas­se. Damit mei­ne ich die Arbei­ter aus den ärme­ren Län­dern. In der BRD sind es die Gast­ar­bei­ter, in den ehe­ma­li­gen Kolo­ni­al­mäch­ten die Emi­gran­ten aus den frü­he­ren Kolo­nien. Euro­pa kann nur noch auf die Fol­gen der eige­nen Poli­tik reagie­ren. Arbeits­lo­sig­keit, öko­no­mi­sche Schwie­rig­kei­ten, die Pro­ble­me mit der Com­pu­te­ri­sie­rung, das alles ist doch nicht lös­bar ohne eine glo­ba­le kom­mu­nis­ti­sche Perspektive.“

Der Inter­view­er fragt: „Gut, aber was geschieht, wenn ver­wirk­licht ist, wonach Sie stre­ben?“
Mül­lers Ant­wort: „Das wird man sehen.“

Hier haben wir im Grun­de alle Ingre­di­en­zi­en der lin­ken Welt­sicht bei­ein­an­der. Zunächst die rea­lis­ti­sche Dia­gno­se einer Mise­re, sofort ver­bun­den mit der Schuld­zu­schrei­bung, sodann die dar­aus ent­ste­hen­de Freund-Feind-Kon­stel­la­ti­on, das Zukunfts­ver­spre­chen, aber die Ver­wei­ge­rung einer kon­kre­ten Aus­kunft dar­über, wie die ver­hei­ße­ne neue Ord­nung funk­tio­nie­ren soll. Wie Peter Hacks war auch Hei­ner Mül­ler ein blitz­ge­schei­ter Mensch. Er hat mir ein­mal ver­si­chert, er sei kein Kom­mu­nist und sei auch nie einer gewe­sen. Und trotz­dem lässt er das Fall­beil der kom­mu­nis­ti­schen Per­spek­ti­ve auf den Hals des Kapi­ta­lis­mus sausen.

Der slo­we­ni­sche Phi­lo­soph Sla­voj Žižek ist auch kein Dumm­kopf. Žižek gilt als eine Art Pop­star lin­ker Gesell­schafts­kri­tik. Auf die Fra­ge, was nach dem Kapi­ta­lis­mus der Gegen­wart kom­men soll, erwi­der­te er: „Natür­lich der Kom­mu­nis­mus, wenn auch ein ande­rer als der des aus­ge­hen­den 20. Jahrhunderts.“ 

So steht es in der „Zeit“ vom 1. Dezem­ber 2011. Im dem Arti­kel – ein Repor­ter hat­te Žižek auf einer Vor­trags­rei­se beglei­tet – heißt es wei­ter: „Žižek spricht zu sei­nem gro­ßen The­ma: Ideo­lo­gie­kri­tik der Gegen­wart aus mar­xis­ti­scher Per­spek­ti­ve. Die Fra­ge lau­tet: Wie lässt sich das kom­mu­nis­ti­sche Pro­jekt nach den Kata­stro­phen im 20. Jahr­hun­dert weiterführen?“

Es geht also nur dar­um, wie. Am dass scheint kein Zwei­fel zu bestehen.

Nach der Dia­gno­se von Ste­fan Moly­neux hät­ten wir es hier mit drei Sozio­pa­then zu tun. Es gibt aller­dings noch weit Despek­tier­li­che­res für einen Intel­lek­tu­el­len, als Sozio­path genannt zu wer­den, näm­lich in einem Atem­zug mit Kevin Küh­nert genannt zu wer­den. „Ohne Kol­lek­ti­vie­rung wer­den wir den Kapi­ta­lis­mus nicht über­win­den“, hat der soge­nann­te SPD-Hoff­nungs­trä­ger vor Kur­zem gesagt. Des­we­gen sei er hier als vier­ter kom­mu­nis­ti­scher Mus­ke­tier zu Hacks, Mül­ler und Žižek gestellt.

Aber auch Kevin Küh­nert zieht es nicht dort­hin, wo der Kom­mu­nis­mus schon durch­ge­setzt ist. Nicht mal für ein Stu­di­en-Sab­ba­ti­cal mag er nach Vene­zue­la migrie­ren. Warum?

Mei­ne The­se lau­tet: Die Lin­ke hat aus dem Zusam­men­bruch der lin­ken Staa­ten, der real­so­zia­lis­ti­schen Staa­ten, eine Leh­re gezo­gen. Wenn jeder sozia­lis­ti­sche Staat der Erde aus wirt­schaft­li­chen Grün­den kol­la­biert, dann gibt es offen­bar kei­ne funk­tio­nie­ren­de lin­ke Wirt­schaft. Es gibt ja auch kei­nen lin­ken Wirt­schafts­teil in irgend­ei­ner Zei­tung, nicht mal der Wirt­schafts­teil des Süd­deut­schen Beob­ach­ters ist links. Links sind die Feuil­le­tons. Links sind die Poli­tik­re­dak­tio­nen. Die ins Staats­po­li­ti­sche über­tra­ge­ne Fol­ge­rung dar­aus lau­tet: Las­sen wir den Kapi­ta­lis­mus wei­ter­le­ben, aber sor­gen wir dafür, dass wir die kul­tu­rel­le Hege­mo­nie haben, dass wir die Öffent­lich­keit beherr­schen, dass wir den Sozi­al­staat kon­trol­lie­ren, dass die Steu­ern mög­lichst hoch sind, dass mög­lichst viel umver­teilt wird, wobei natür­lich wir die­se Geld­strö­me kon­trol­lie­ren müs­sen, damit auch mög­lichst viel in unse­re Taschen fließt.

Die Unter­neh­mer müs­sen gar nicht ent­eig­net wer­den – die­se Leu­te ver­ste­hen sich ja aufs Geschäft viel bes­ser als lin­ke Par­tei­funk­tio­nä­re und Feuil­le­to­nis­ten –, es genügt, am Ende der Wert­schöp­fungs­ket­te mit vor­ge­hal­te­ner Moral­pis­to­le zu ste­hen und jeden, der etwas erwirt­schaf­tet und damit Geld ver­dient hat, im Namen der Gerech­tig­keit abzu­mel­ken. Beim Mel­ken dür­fen die Lin­ken natür­lich ein Lied­chen träl­lern, und zwar, nach dem Text von Jür­gen Haber­mas, das Lied von der „radi­kal­re­for­mis­ti­schen Selbst­kri­tik einer kapi­ta­lis­ti­schen Gesell­schaft, die in den For­men einer rechts- und sozi­al­staat­li­chen Mas­sen­de­mo­kra­tie gleich­zei­tig mit ihren Schwä­chen auch ihre Stär­ken ent­fal­tet hat“. Nicht mehr Ent­eig­nung, son­dern radi­kal­re­for­mis­ti­sche Kri­tik. Und dabei immer schön wei­ter­mel­ken. Das tech­no­kra­ti­sche Rot­welsch von Haber­mas meint: Abschöp­fung durch Dis­kurs­he­ge­mo­nie und Men­ta­li­täts­herr­schaft. Ein Insti­tut am Starn­ber­ger See soll­te min­des­tens dabei herausspringen.

Die Lin­ke hat begrif­fen, dass sie den Kapi­ta­lis­mus nicht stür­zen muss, um zu herr­schen, was ja übri­gens schon ein gewis­ser Herr Hit­ler begrif­fen hat­te, in des­sen Welt- und vor allem Staats­bild hin­rei­chend vie­le sozia­lis­ti­sche Ele­men­te Ein­gang fan­den. Die heu­ti­ge Lin­ke will nicht mehr der Wider­part oder Über­win­der des Kapi­ta­lis­mus sein, son­dern sein Para­sit. Das ist das Ergeb­nis der real­so­zia­lis­ti­schen Lektion.

Hier ist ein Ein­schub fäl­lig. Jeder Lin­ke wür­de jetzt ein­wen­den, dass ja die weni­gen Super­rei­chen immer rei­cher wer­den und sich immer mehr von den nor­ma­len Men­schen abkop­peln, vor allem in den USA. Die Plu­to­kra­tie dort zer­stö­re die Demo­kra­tie. Mei­ne The­se kön­ne also nicht stimmen.

Mei­ne Damen und Her­ren, ein Vor­trag soll­te strin­gent sein, die Welt ist es nicht. Sie ist ver­wir­rend kom­plex. Es gibt heu­te eine bizar­re Alli­anz zwi­schen glo­ba­lem Kapi­tal und inter­na­tio­na­lis­ti­scher, mul­ti­kul­tu­ra­lis­ti­scher Lin­ker, weil sie einen gemein­sa­men Feind haben, die Völ­ker und Natio­nen, der­zeit ver­tre­ten von den Popu­lis­ten. Das wäre ein The­ma für einen geson­der­ten Vor­trag. Mei­ne The­se bleibt davon unbe­rührt. Sie lau­tet, dass die Lin­ke sich als Para­sit auf eine Gesell­schaft setzt, deren Wirt­schaft kapi­ta­lis­tisch orga­ni­siert ist. Ich behaup­te nicht, dass sämt­li­che Rei­chen davon betrof­fen sind. Gera­de die Super­rei­chen haben Anwäl­te, Steu­er­oa­sen, Finanz­dea­ler und ande­re Mög­lich­kei­ten, ihr Ver­mö­gen der Umver­tei­lung zu ent­zie­hen. Es sind im Gegen­teil die klei­nen, sta­tio­nä­ren Unter­neh­men, der Mit­tel­stand, die soge­nann­ten Bes­ser­ver­die­ner, die zur Kas­se gebe­ten werden.

Mei­ne Damen und Her­ren, wenn ich hier von Para­si­ten rede, steht auto­ma­tisch der Vor­wurf im Raum, ich sprä­che die Spra­che des Unmen­schen. Des­we­gen ein klei­ner Exkurs.

Der Begriff Para­sit stammt vom alt­grie­chi­schen Wort παράσιτος. Das Prä­fix παρά bedeu­tet „bei“, „neben“, auch „gegen“, σιτος wie­der­um stammt von σιτεῖσθαι, „essen“. Es ist also jemand oder etwas, der oder das bei jeman­den gegen des­sen Wil­len mitisst.

In der Bio­lo­gie bezeich­net Para­si­tis­mus den Res­sour­cen­er­werb eines Lebe­we­sens auf Kos­ten eines ande­ren, meist grö­ße­ren Orga­nis­mus, der als Wirt dient. – Man könn­te also sämt­li­che kapi­ta­lis­mus­kri­ti­schen Schrif­ten der post­kom­mu­nis­ti­schen Lin­ken als aus­ge­füll­te Bewir­tungs­fo­mu­la­re betrachten. 

Der Para­si­tis­mus dient der Stei­ge­rung der Fit­ness des Para­si­ten, was bis­wei­len mit einer Ver­min­de­rung der Fit­ness des Wir­tes ein­her­geht, jeden­falls dem Wirt eine For­cie­rung sei­ner Lebens­an­stren­gun­gen abver­langt. Das nennt sich in der Poli­tik Umver­tei­lung.

Wird dem Wirt kein nach­hal­ti­ger Scha­den zuge­fügt, spricht man in der Bio­lo­gie von Pro­bio­se, in der Poli­tik von sozia­ler Gerech­tig­keit.

Mit­un­ter führt der Para­si­ten­be­fall auch zum Tod des Wir­tes. In die­sem Fall muss der Traum von einem mensch­li­che­ren, gerech­te­ren Wirt erneu­ert werden. –

Para­si­tis­mus ist eine bio­lo­gi­sche Nor­ma­li­tät. Aber auf den Men­schen ange­wen­det bekommt der Begriff einen üblen Bei­klang, der mit des­sen sozi­al­dar­wi­nis­ti­scher und euge­ni­scher Ver­wen­dung zu tun hat – erin­nert sei an die „unnüt­zen Esser“ bei den Nazis. Ich wer­de des­halb spä­ter einen Ersatz­be­griff dafür vor­schla­gen. Ich gestat­te mir aber den Hin­weis, dass der Begriff „para­si­tär“ zum Stan­dard-Reper­toire der klas­si­schen Lin­ken gehörte.

Lenin sta­tu­ier­te 1916: „Der Impe­ria­lis­mus ist: 1. mono­po­lis­ti­scher Kapi­ta­lis­mus; 2. para­si­tä­rer oder fau­len­der Kapi­ta­lis­mus; 3. ster­ben­der Kapi­ta­lis­mus.“ Im DDR-Staats­bür­ger­kun­de­un­ter­richt bekam ich das ein­ge­bimst. Jen­seits der Mau­er faul­te und starb also der para­si­tä­re Kapi­ta­lis­mus, und unser­eins schau­te stau­nend im Fern­se­hen der West­wer­bung beim Ver­fau­len zu. Es berei­tet mir also ein gewis­ses Ver­gnü­gen, den Begriff „para­si­tär“ nun­mehr gegen die Lin­ke zu keh­ren, zumal der Kapi­ta­lis­mus der größ­te Wert­schöp­fer der gesam­ten Mensch­heits­ge­schich­te ist, wäh­rend sich die Lin­ke, sofern sie über­haupt etwas pro­du­ziert, vor­wie­gend mit der Pro­duk­ti­on von Theo­rie­müll­hal­den beschäftigt.

Sozia­lis­ti­sche Poli­tik ist der Weg, über die Bevor­mun­dung Ande­rer an das Geld der Ande­ren zu kom­men und es mit einem gewis­sen Mehr­wert für die eige­ne Tasche an sei­ne Kli­en­tel zu ver­tei­len. Die­se Kli­en­tel ist wan­del­bar, kon­stant bleibt ledig­lich, dass die Lin­ke in deren Namen For­de­run­gen stellt, denn die Kli­en­tel ist unmün­dig. Das heißt, die Lin­ke muss stän­dig neue Betreu­ungs­kol­lek­ti­ve auf­trei­ben. Es begann mit den Pro­le­ta­ri­ern, als deren Anwalt sich die Lin­ke auf­spiel­te, die aber mit dem Kapi­ta­lis­mus bes­ser fuh­ren, wes­halb sich die Lin­ke neue Mün­del suchen muss­te: die Frau­en, die Homo­se­xu­el­len, die Migran­ten, die Afri­ka­ner, die Flücht­lin­ge. Mit dem Welt­kli­ma hat die Lin­ke inzwi­schen den ulti­ma­ti­ven Man­dan­ten gefun­den, einen Man­dan­ten, der sich weder äußern noch davon­lau­fen kann.

Scha­de eigent­lich, dass man unse­ren lin­ken Kli­ma­ret­tungs-Sani­tä­tern die Atmo­sphä­re nicht anver­trau­en kann, auf dass sie zei­gen dür­fen, was sie drauf­ha­ben. Aber die real­so­zia­lis­ti­schen Staa­ten haben es ja schon demons­triert. Es gibt eine ein­drucks­vol­le Kar­te des Aus­sto­ßes von Schwe­fel­di­oxid – im Gegen­satz zum Koh­len­di­oxid ein defi­ni­tiv gif­ti­ges Gas – in Deutsch­land 1989. Die DDR, spe­zi­ell die Indus­trie­ge­bie­te in Sach­sen und Thü­rin­gen, liegt dort um ein Viel­fa­ches vor der BRD. Ohne den Kapi­ta­lis­mus als Wirts­tier bringt die Lin­ke nur Unheil zustan­de. Johan­nes Gross hat das in die rei­zen­de Sen­tenz gefasst: Hon­ecker muss­te 17 Mil­lio­nen Men­schen unter­drü­cken um den Lebens­stan­dard eines west­deut­schen Hand­werks­meis­ters zu errei­chen, der 17 Mit­ar­bei­ter beschäftigt.

Des­we­gen muss­te die DDR ster­ben. Aber sie starb nur, um im Wes­ten wie­der auf­er­ste­hen zu kön­nen. Ich mei­ne, die DDR hat über­lebt, gera­de weil sie als Staat ver­schwun­den ist. Was aus Län­dern wird, die sozia­lis­ti­sche Staa­ten geblie­ben sind, kön­nen Sie wie gesagt in Kuba, Vene­zue­la oder Nord­ko­rea stu­die­ren: Kol­laps der Wirt­schaft, Mas­sen­ar­mut, Mas­sen­flucht. Gera­de die markt­wirt­schaft­li­che Frisch­blut­zu­fuhr hat den Zom­bie DDR wie­der fit gemacht.

Und so konn­te es gesche­hen, dass FDJ-Sekre­tä­rin­nen in Füh­rungs­po­si­tio­nen, Polit­kom­mis­sa­re, pro­tes­tan­ti­sche Staats­kir­chen­pfaf­fen, Sta­si-Spit­zel, Kader für die Anti­fa-Aus­bil­dung, Fach­kräf­te für Zer­set­zung, West­lin­ken­fi­nan­zie­rer, TV-Mode­ra­to­rin­nen und eine gan­ze Staats­par­tei mit­samt ihres ver­scho­be­nen Ver­mö­gens im ver­ei­nig­ten Deutsch­land über­leb­ten. Die sozia­lis­ti­sche Men­ta­li­tät, die anti­bür­ger­li­che Men­ta­li­tät, die Kol­lek­tiv- oder Her­den-Men­ta­li­tät, die Mucker- und Maul­korb-Men­ta­li­tät, die Sozi­al­neid-Men­ta­li­tät, die Gleich­heit über Frei­heit stel­len­de Men­ta­li­tät, all das hat über­lebt – und zwar, weil die­ser Men­ta­li­tät im Wes­ten ein gro­ßes art­ver­wand­tes Sozio­top ent­ge­gen­seufz­te. Drei­ßig Jah­re nach dem Zusam­men­bruch der Ost­block-Staa­ten for­dern rote und grü­ne Poli­ti­ker ganz unge­rührt die Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus, Jour­na­lis­ten rufen nach Autofahr‑, Fleisch- und Flug­ver­bo­ten. Noch­mals: Der ent­schei­den­de Wesens­zug des Sozia­lis­mus besteht dar­in, dass er die Men­schen in sei­nem Herr­schafts­be­reich sozia­li­sie­ren, also ihrer Frei­heit und Indi­vi­dua­li­tät berau­ben will, alles ande­re ist dane­ben sekundär.

Ich bin Ihnen aber die Ant­wort schul­dig, war­um die Sache so läuft, obwohl gera­de das real­so­zia­lis­ti­sche Desas­ter so offen­kun­dig gewe­sen ist, dass auch nur die Andeu­tung eines Come­backs sämt­li­che Kapi­to­li­ni­schen Gän­se in ein auf­ge­reg­tes Schnat­tern ver­set­zen müsste.

Es gibt drei Impul­se, von denen die Lin­ke zehrt und wahr­schein­lich bis ans Ende aller Tage zeh­ren wird: Der ega­li­tä­re oder Gerech­tig­keits-Impuls, der anti-chao­ti­sche oder Kom­ple­xi­täts­re­du­zie­rungs-Impuls, der reli­gi­ös-uto­pi­sche Impuls.

Begin­nen wir mit dem ega­li­tä­ren Impuls. Er wuchs aus dem uralten Gerech­tig­keits-Ver­lan­gen, das wohl jede Kul­tur kennt, wie jede Kul­tur auch den Recht­spre­cher als Her­stel­ler des Rechts­frie­dens kennt. „Als Adam grub und Eva spann, wo war denn da der Edel­mann?“, lau­tet ein berühm­ter Aus­spruch des eng­li­schen Pries­ters John Ball aus dem 14. Jahr­hun­dert, der eine Wen­dung ins Sozia­le ankün­digt. Gerecht bedeu­tet aber nicht gleich, im Gegen­teil, die For­de­rung nach Gleich­heit ist eine Per­ver­tie­rung der Gerechtigkeit.

Der heu­ti­ge 08–15-Linke ist von einer tie­fen Sucht nach Gleich­heit erfüllt. Er möch­te, dass die Gesell­schaft ihm das zurück­er­stat­tet, was die Bio­lo­gie ihm ver­wei­gert hat. Das Pos­tu­lat der Gleich­heit gehört zu den Ideen von 1789, die sich in der gesam­ten west­li­chen Welt bis in die letz­te Pore der Gesell­schaft durch­ge­setzt haben. Napo­le­on, der Erbe der Revo­lu­ti­on, hat dazu die famo­se Bemer­kung gemacht: „Die Idee der Gleich­heit gefiel mir, weil ich mir davon Erhö­hung versprach.“

Es han­delt sich wohl­ge­merkt nicht um die Gleich­heit vor Gott, die das Chris­ten­tum in die Welt brach­te, oder um die Gleich­heit aller Men­schen vor dem Gesetz, wie sie Fried­rich der Gro­ße ein­führ­te – die ame­ri­ka­ni­schen Grün­der­vä­ter hiel­ten noch Skla­ven, als Fried­rich den Han­del mit Neger­skla­ven zu einer Schan­de des Men­schen­ge­schlechts erklär­te –, son­dern um sozia­le Gleich­heit. Die­se Gleich­heit nennt sich aktu­ell Chan­cen­gleich­heit oder posi­ti­ve Dis­kri­mi­nie­rung.

Die gesam­te Geschich­te vor 1789 ist vom exakt gegen­tei­li­gen Impuls geschrie­ben wor­den: dem Trieb, zu herr­schen, sich aus­zu­zeich­nen, sich her­vor­zu­tun, der Rei­che­re, Erfolg­rei­che­re, Stär­ke­re, Klü­ge­re, Bes­se­re, der Sie­ger zu sein. Die Idee der Gleich­heit wäre in tra­di­tio­nel­len Gesell­schaf­ten über­haupt nicht ver­stan­den wor­den; man hät­te ihre Ver­kün­der für Ver­rück­te gehal­ten. Weder Homer noch Goe­the hät­ten damit etwas anfan­gen kön­nen. Die­ser Para­dig­men­wech­sel ist eines der ver­blüf­fends­ten Ereig­nis­se der Menschheitsgeschichte.

Die Idee der Gleich­heit kam er in drei­er­lei Gestalt über die Welt: als Ver­hei­ßung, als Vor­wand, als Lüge.

Heu­te hält die Lüge – mil­der for­mu­liert: die erwünsch­te Illu­si­on – des Ega­li­ta­ris­mus die west­li­chen Gesell­schaf­ten so fest im Griff, dass sich sogar Mil­li­ar­dä­re, Nobel­preis­trä­ger und Olym­pia­sie­ger zu ihr beken­nen, also prak­tisch ihre wan­deln­den Demen­tis. Ich nen­ne Ihnen dazu vier Bei­spie­le von Tat­sa­chen, die so evi­dent sind, dass man sich jede Erklä­rung spa­ren kann.

Ers­tens: Jeder Mensch besitzt sei­nen indi­vi­du­el­len Rang. Der Rang bezeich­net die Per­sön­lich­keit eines Men­schen, die Sum­me sei­ner Eigen­schaf­ten, sei­nen Cha­rak­ter, sei­ne Fähig­kei­ten, sei­nen Geist, sei­nen Stolz, sei­ne Stand­haf­tig­keit. Die­ser Rang unter­schei­det Men­schen stär­ker von­ein­an­der, als es ein Dienst­rang je könnte.

Zwei­tens: Auch eth­ni­sche Kol­lek­ti­ve unter­schei­den sich in ihren Eigen­schaf­ten, Talen­ten und Men­ta­li­tä­ten signi­fi­kant voneinander.

Drit­tens: Zwi­schen den bei­den Geschlech­tern exis­tie­ren fun­da­men­ta­le Unterschiede.

Vier­tens: Es gibt eine Rang­ord­nung der Kulturen.

Jede die­ser Fest­stel­lun­gen ist eigent­lich eine Bin­se. Mit jeder bekom­men Sie in der Öffent­lich­keit Ärger. An einer west­li­chen Uni­ver­si­tät dür­fen Sie das nicht ein­mal den­ken. Und obwohl unter Hyp­no­se sich wohl kaum ein Mensch zur Gleich­heit beken­nen wür­de, ist offi­zi­ell alle Welt von ihr überzeugt.

Der his­to­ri­sche Sieg ega­li­tä­rer Wahr­hei­ten in der Moder­ne bedeu­tet die mas­sen­haf­te Ver­brei­tung einer Men­ta­li­tät, die mit der Mas­sen­de­mo­kra­tie ihren adäqua­ten Staat gefun­den hat, in dem sie unan­ge­foch­ten herrscht. Jeder im Wes­ten Leben­de – mit Aus­nah­me der gera­de neu Her­ein­ge­schnei­ten – ist in der eman­zi­pa­to­ri­schen Brü­he gegart wor­den, des­halb ist heu­te jeder in sei­nem Men­schen­bild „links“. Öffent­lich dem ega­li­tä­ren Men­schen­bild zu wider­spre­chen, führt zum sozia­len Tod.

Chan­cen­gleich­heit ist im Wesent­li­chen die Chan­ce auf einen unend­li­chen Erobe­rungs­feld­zug mit inte­grier­tem Rache­fak­tor. Es ste­hen immer neue Rekru­ten dafür zur Ver­fü­gung, allein die Bevöl­ke­rung Afri­kas wird bis zum Jahr­tau­sen­den­de auf etwa vier Mil­li­ar­den anwach­sen. Wer in wes­sen Namen Chan­cen­gleich­heit for­dern wird, dürf­te klar sein. Wer die Chan­cen bereit­zu­stel­len hat, eben­falls. Wer sich wei­gert, ist ein Unmensch. Mit sei­nem aktu­el­len Urteil hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein Grund­recht aufs Ver­sorgt­wer­den pos­tu­liert, ein Grund­ein­kom­men ist in Deutsch­land künf­tig garan­tiert, und zwar ten­den­zi­ell für die gesam­te zu Tisch gela­de­ne Welt. Die Ent­eig­nung ist auf Per­ma­nenz gestellt.

Zwei­tens: Der anti-chao­ti­sche oder Kom­ple­xi­täts­re­du­zie­rungs-Impuls. Men­schen sind staa­ten­bil­den­de Wesen. Sie brau­chen sozu­sa­gen Exo­ske­let­te in Gestalt von Struk­tu­ren, Orga­ni­sa­tio­nen, Insti­tu­tio­nen, aber auch von Wer­ten und Moral­vor­stel­lun­gen, um exis­tie­ren zu kön­nen. Der ein­zel­ne Mensch ist kaum weni­ger hilf­los und des­ori­en­tiert wie die ein­zel­ne Amei­se. Ein Min­dest­maß an Ord­nung und Sicher­heit sowie ein gewis­ser Zen­tra­lis­mus erschei­nen den meis­ten Men­schen natür­lich. Dage­gen fürch­ten sie das Cha­os und die Anar­chie. Genau die­sen Ein­druck – Unord­nung, Unsi­cher­heit, Cha­os, Anar­chie – erweckt aber die freie Markt­wirt­schaft. Es bedarf geis­ti­ger Anstren­gung, um ihre Funk­ti­ons­wei­se über­haupt zu verstehen.

Was ver­spricht der Sozia­lis­mus? Frie­den, Güte, Har­mo­nie, Tei­len, Abge­ben, Selbst­lo­sig­keit, Gemein­schaft, das soge­nann­te Sozia­le eben, das gro­ße Mit­ein­an­der. Die Gesell­schaft als vege­ta­ri­scher Öko-Bauernhof.

Der Kapi­ta­lis­mus dage­gen appel­liert an den Ego­is­mus, die Gier, die Pro­fit­ma­xi­mie­rung, den Kon­kur­renz­kampf, das gro­ße Gegen­ein­an­der. Die Gesell­schaft als Wild­nis. Des­halb sind vie­le Men­schen rein gefühls­mä­ßig der Ansicht, Sozia­lis­mus sei bes­ser als Kapitalismus.

Das Leben in der DDR, aus der ich stam­me, war unfrei, ärm­lich und pie­fig, aber geord­net, bere­chen­bar und über­schau­bar. Der Hof­hund muss zwar zeit­le­bens an der Ket­te lie­gen, aber er bemit­lei­det den Fuchs, weil der sich sein Fut­ter sel­ber suchen und even­tu­ell hun­gern muss. Es gehört zu den trau­ri­gen empi­ri­schen Gewiss­hei­ten unse­rer Gat­tung, dass die Hof­hun­de in der Mehr­zahl sind.

Drit­tens: Der reli­gi­ös-uto­pi­sche Impuls. Er äußert sich im Traum von einer soge­nann­ten mensch­li­chen und gerech­ten Gesell­schaft. Sein Wunsch­ziel besteht dar­in, mit der berühm­ten sug­ges­ti­ven For­mu­lie­rung von Marx, „alle Ver­hält­nis­se umzu­wer­fen, in denen der Mensch ein ernied­rig­tes, ein geknech­te­tes, ein ver­las­se­nes, ein ver­ächt­li­ches Wesen ist“. Wer wür­de da nicht unter­schrei­ben! Bezeich­nen­der­wei­se lässt Marx mit die­sen Wor­ten, die prak­tisch auf eine Säku­la­ri­sie­rung der Berg­pre­digt hin­aus­lau­fen, die Kri­tik der Reli­gi­on enden. Die Reli­gi­on war für Marx bekannt­lich „das Opi­um des Vol­kes“, dafür geschaf­fen, den Men­schen durch Jen­seits­hoff­nun­gen mit dem mise­ra­blen Dies­seits zu ver­söh­nen. Das von Marx statt­des­sen ange­bo­te­ne Hero­in soll­te dage­gen rein inner­welt­lich wir­ken. Der Gott des Men­schen ist seit­her der Mensch, zumin­dest in lin­ken Trak­ta­ten und Oba­ma-Reden. Tat­säch­lich ist der Mensch des Men­schen Wolf geblie­ben. Kein Grund, mit dem Träu­men aufzuhören.

Eric Voe­ge­lin hat für die Bewe­gun­gen des Kom­mu­nis­mus, Faschis­mus und Natio­nal­so­zia­lis­mus den Begriff der „poli­ti­sche Reli­gio­nen“ geprägt. Es gibt gute Grün­de dafür, den Kom­mu­nis­mus als christ­li­che Häre­sie und den Natio­nal­so­zia­lis­mus als kom­mu­nis­ti­sche Häre­sie zu betrach­ten, aber das führt hier zu weit. Die real­so­zia­lis­ti­schen Staa­ten waren jeden­falls die Got­tes­staa­ten der Athe­is­ten. Wenn reli­giö­se Bewe­gun­gen ihr Ziel ver­feh­len, ist das kein Grund, das Ziel auf­zu­ge­ben; der Hei­land hat ja vor­ge­führt, dass Schei­tern Sie­gen heißt, wenn man als Erlö­ser unter­wegs ist. Der zah­len­mä­ßig stärks­te Ver­bün­de­te der Lin­ken ist heu­te kei­nes­wegs zufäl­lig ein Pro­tes­tan­tis­mus, der nicht mehr an Gott glaubt und sei­nen Zer­knir­schungs­fu­ror inner­welt­lich aus­le­ben muss.

„Die Revo­lu­ti­on wird sich schon mor­gen ‚ras­selnd wie­der in die Höh’ rich­ten‘ und zu eurem Schre­cken mit Posau­nen­klang ver­kün­den: Ich war, ich bin, ich wer­de sein!“, lau­te­ten die letz­ten Wor­te, die Rosa Luxem­burg nie­der­schrieb, bevor sie ihren eige­nen Gol­ga­tha-Weg beschritt. Wäh­rend für die kom­mu­nis­ti­sche Pre­di­ge­rin noch das Prin­zip des skin in the game galt, ris­kie­ren heu­ti­ge west­li­che Intel­lek­tu­el­le nichts, wenn sie sozia­lis­ti­sche Idea­le ver­kün­den. Sie müs­sen nicht in den deso­la­ten Sys­te­men leben, die sie selbst pro­pa­gie­ren und aus denen vie­le Men­schen flüch­ten. Sie haben es sich in der frei­en kapi­ta­lis­ti­schen Welt bequem ein­ge­rich­tet. Aber da ist die­se ver­fluch­te Lücke, die Gott lässt, die Leer­stel­le des Sinns, die gefüllt wer­den muss.

Wie das Para­dies wur­de inzwi­schen auch die Höl­le säku­la­ri­siert, sie heißt jetzt Kli­ma­ka­ta­stro­phe. Die „Fri­days for Future“-Demos sind kei­ne poli­ti­schen Pro­tes­te, son­dern reli­giö­se Mas­sen­hys­te­rien. Es sind Erwe­ckungs­ver­an­stal­tun­gen einer neu­en chi­lias­ti­schen Welt­re­li­gi­on. Der Begriff „Kli­ma­l­eug­ner“ ver­rät im Grun­de alles. Nur die Öko-Dik­ta­tur führt ins Neue Jeru­sa­lem. Und der Links­spie­ßer kauft sich den Ablass­zet­tel für sei­ne Flü­ge und SUV-Fahr­ten, indem er sein Kreuz bei den Grü­nen setzt.

Mei­ne Damen und Her­ren, man fin­det in revo­lu­tio­nä­ren Bewe­gun­gen immer wie­der eine Ver­bin­dung von reli­giö­sen und sozia­len Moti­ven. Ich erin­ne­re an die Wie­der­täu­fer in Müns­ter oder die Hus­si­ten in Böh­men. Der deut­sche Bau­ern­krieg war für die mar­xis­ti­sche Geschichts­schrei­bung ein Mei­len­stein auf dem Wege zur Eman­zi­pa­ti­on der Mensch­heit. Eine geheim­nis­vol­le unter­ir­di­sche Was­ser­ader führt von Tho­mas Mün­zer zur süd­ame­ri­ka­ni­schen Befreiungstheologie.

Das führt uns wie­der­um zu der Fra­ge, wo eigent­lich einer der wich­tigs­ten Play­er der Zukunft, der Islam, poli­tisch steht.

Dani­el Cohn­Bendit hat die Atten­tä­ter, die 2015 in der Redak­ti­on des Sati­re­ma­ga­zins Char­lie Heb­do ein Blut­bad anrich­te­ten, aus einem offen­bar tief­ver­wur­zel­ten Reflex her­aus als „Faschis­ten“ bezeich­net. Auch der deutsch­ägypische Islam­kri­ti­ker Hamed Abdel­Samad spricht vom „isla­mi­schen Faschis­mus“. Geor­ge W. Bush brach­te nach dem 11. Sep­tem­ber 2001 einen „Islamo­Faschismus“ ins rhe­to­ri­sche Spiel.

Ich hal­te die­se Wort­wahl für ver­fehlt. Der radi­ka­le Islam ist eine Kriegs­er­klä­rung nicht nur an die west­li­che Welt, ihre Lebens­art und ihre Wert­vor­stel­lun­gen im All­ge­mei­nen, son­dern auch an die Res­te jener bür­ger­li­chen Gesell­schaft, die der his­to­ri­sche Faschis­mus gegen den Sturm­lauf der radi­ka­len Lin­ken zu ret­ten ver­such­te. Vor allem stimmt beim radi­ka­len Islam die Rich­tung der Aggres­si­on nicht mit der faschis­ti­schen über­ein. Zwar ist der Isla­mis­mus eben­so reak­tiv, wie der Faschis­mus es war (der Begriff des „Anti­fa­schis­mus“ hat das erfolg­reich ver­schlei­ert), aber der Isla­mis­mus kämpft gewis­ser­ma­ßen „von unten“, der Faschis­mus dage­gen „von oben“. Die Isla­mis­ten sind eigent­lich die Avant­gar­de eines poten­ti­el­len Eman­zi­pa­ti­ons­kol­lek­tivs, die sich zum Amok­lauf ent­schlos­sen haben, weil ihnen die Her­ren­welt mit allen ihren Regeln und Wert­vor­stel­lun­gen nicht passt oder nicht zugäng­lich ist. Die Faschis­ten gehör­ten dage­gen jener Her­ren­welt an, und sei es nur als Dienst­bo­ten, und woll­ten sie um jeden Preis verteidigen.

Der radi­ka­le Islam lie­ße sich wahr­schein­lich bes­ser als Isla­mo­bol­sche­wis­mus cha­rak­te­ri­sie­ren, denn er ist ein Auf­stand der his­to­risch Abge­häng­ten, Zukurz­ge­kom­me­nen und dabei zugleich von einer Heils­idee Durch­glüh­ten, eine von Kadern geführ­te Bewe­gung, die die Mas­sen erfas­sen und in eine phan­tas­ti­sche, vor­mo­der­ne Mär­chen­welt hin­ein eman­zi­pie­ren oder sogar erlö­sen will. Sie ver­heißt die Befrei­ung des revo­lu­tio­nä­ren, durch die Idee rein gewor­de­nen Kol­lek­tivs aus den Ban­den von Fremd­be­stim­mung und Deka­denz, und sie nimmt ten­den­zi­ell jeden auf, der bereit ist, ihr bei­zu­tre­ten und das Glau­bens­be­kennt­nis zu spre­chen. Ihre Ver­tre­ter träu­men von der Welt­re­vo­lu­ti­on, von der Errich­tung einer para­die­si­schen Glo­bal­kom­mu­ne der Glei­chen unterm grü­nen statt roten Ban­ner. Sie sind die aus­er­wähl­ten Rei­nen, die mit der bis­he­ri­gen, abge­leb­ten, durch und durch ver­dor­be­nen Welt Schluss machen wol­len. Ist der radi­ka­le Islam also links?

Hören Sie das fol­gen­de Zitat: Erst „die von der kapi­ta­lis­ti­schen Skla­ve­rei, von den unge­zähl­ten Greu­eln, Bru­ta­li­tä­ten, Wider­sin­nig­kei­ten und Gemein­hei­ten der kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tung befrei­ten Men­schen (wer­den) sich nach und nach gewöh­nen, die ele­men­ta­ren, von alters her bekann­ten und seit Jahr­tau­sen­den in allen Vor­schrif­ten gepre­dig­ten Regeln des gesell­schaft­li­chen Zusam­men­le­bens einzuhalten.“

Hat das Cho­mei­ni gesagt oder Bin Laden? Oder doch Lenin?

Der Pas­sus steht in „Staat und Revolution“.

Aber der Islam ist doch nicht links! Mit viel bes­se­ren Grün­den lie­ße sich argu­men­tie­ren, dass der Islam eine kon­ser­va­ti­ve Revo­lu­ti­on will.

Wenn wir auf die Geschich­te des Real­so­zia­lis­mus im 20. Jahr­hun­dert zurück­bli­cken, dann fällt auf, dass die kom­mu­nis­ti­sche Ideo­lo­gie zwar in den ent­wi­ckel­ten Län­dern for­mu­liert wor­den ist, aber wirk­lich an die Herr­schaft gelang­te sie nur in eher rück­stän­di­gen Welt­ge­gen­den. Die Kom­mu­nis­ten nah­men ledig­lich für sich in Anspruch, die Avant­gar­de des Pla­ne­ten zu sein, tat­säch­lich wohn­ten die­ser Leh­re sehr vie­le rück­schlä­gi­ge, kon­ser­va­ti­ve Ele­men­te inne. Ähn­li­ches gilt übri­gens auch für die Revo­lu­ti­on der Natio­nal­so­zia­lis­ten: moderns­te Mit­tel, anti­mo­der­ne Zie­le. Wal­ter Ben­ja­min hat den Gedan­ken in den Raum gestellt, dass Revo­lu­tio­nen nicht zwin­gend die Loko­mo­ti­ven der Geschich­te sind, wie Karl Marx for­mu­lier­te, son­dern womög­lich nur Notbremsungen.

Der poli­ti­sche Islam jeden­falls ist ein Brems­ver­such. Der Faschis­mus war ein Brems­ver­such. Wenn man die Rhe­to­rik weg­nimmt, stand im Real­so­zia­lis­mus die Zeit so still wie jahr­hun­dert­lang im Ori­ent. Aber auch die Grü­nen sind Brem­ser, die „Fri­days for Future“-Demonstration sind Feten des ersehn­ten Stillstands.

Die Loko­mo­ti­ven der Mensch­heit, das sind Tech­ni­ker, Erfin­der, Unter­neh­mer. Die Lin­ke will ent­we­der den Zug stop­pen oder sich chauf­fie­ren las­sen. Sie teilt sich heu­te in zwei Frak­tio­nen: Brem­ser und Schwarzfahrer.

Das war der freund­li­che Ersatz­be­griff für „Para­sit“, den ich vor­schla­gen woll­te: Schwarz­fah­rer. Poli­tisch kor­rekt muss es wohl Bun­ter Pas­sa­gier heißen.

1990 hat­te es den Anschein, als habe der Kol­laps des Real­so­zia­lis­mus das end­gül­ti­ge Schei­tern der Brem­ser mar­kiert. Aber mög­li­cher­wei­se beschert uns die Wirk­lich­keit eines Tages jenen homöo­sta­ti­schen „Kom­mu­nis­mus ohne Wachs­tum“, wie ihn der, sagen wir mal: Öko­s­ta­li­nist Wolf­gang Harich schon 1975 in Reak­ti­on auf den ers­ten Bericht des Club of Rome vor­schlug – ich ver­stand mich mit Harich übri­gens gut, er war amü­sant, und mir ist ein amü­san­ter Kom­mu­nist lie­ber als ein lang­wei­li­ger Grüner.

Der radi­ka­le Islam ist also ein nächs­ter gro­ßer Ver­such, uner­wünsch­te Ent­wick­lun­gen auf­zu­hal­ten. Längst haben sei­ne Akti­vis­ten das öko­lo­gi­sche Män­tel­chen ange­legt, das sie mit den west­li­chen Lin­ken bünd­nis­fä­hig macht. Es ist ja egal, ob man die Kli­ma­ret­tung oder die Bewah­rung der Schöp­fung im Mun­de führt. Eben­falls anschluss­fä­hig ist der Uni­ver­sa­lis­mus des Islam. Die­se Leh­re ist ja defi­ni­tiv nicht ras­sis­tisch. Jeder Mensch wird als Mos­lem gebo­ren, so hat es Allah in sei­ner Güte und All­barm­her­zig­keit beschie­den. Mit dem anti­ras­sis­ti­schen, anti­na­tio­na­len Furor der Lin­ken und der Glo­ba­lis­ten wäre der Islam also kom­pa­ti­bel. Wir wer­den da noch aben­teu­er­li­che Alli­an­zen erle­ben. Deren Vor­bo­ten sind auf ver­ein­zel­ten Demos bereits gesich­tet worden.

Die meis­ten Ingre­di­en­zi­en des Islam sind natür­lich nicht mit der Lin­ken ver­ein­bar. Der Islam ist nicht eman­zi­pa­to­risch, son­dern eine Befehls­aus­ga­be. Über die ent­schei­den­den Din­ge dul­det er kei­nen Dis­kurs. Der Islam will kei­ne Wei­ber­herr­schaft. Der Islam will kei­ne sexu­el­le Befrei­ung und kei­ne 77 Geschlech­ter. Er will die tra­di­tio­nel­le Fami­lie. Gen­der ist gegen Allah, und des­halb ist Allah gegen Gen­der. Allah ist Bio­lo­gist. Lin­ke und Isla­mis­ten wer­den wahr­schein­lich eine Wei­le zusam­men gegen den Staat und gegen „rechts“ agie­ren, der radi­ka­le Islam wird ein paar Facet­ten der lin­ken anti­west­li­chen und anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kri­tik inte­grie­ren, danach wird er die Lin­ke in sei­nem Herr­schafts­be­reich bekämp­fen. Aber vie­le Lin­ke wer­den sich der­mal­einst die Gele­gen­heit gere­gel­ter Poly­ga­mie im Krei­se von nun­mehr Glau­bens­brü­dern statt Genos­sen nicht ent­ge­hen lassen.

Mei­ne Damen und Her­ren, in sei­ner Welt­ge­schich­te „His­to­ri­sche Exis­tenz“ ver­sah Ernst Nol­te die Lin­ke mit dem Attri­but „ewig“. Wenn sie ewig ist, muss sich ihr Ursprung der in der Tie­fe der Zei­ten ver­lie­ren. Aber irgend­wo muss der Anfang sein. Irgend­ei­ne Früh­form der Unter­drü­ckung muss exis­tie­ren, gegen die die Lin­ke auf­be­geh­ren kann. Es mag bei den Nean­der­ta­lern Kon­ser­va­ti­ve gege­ben haben, Lin­ke gab es damals wahr­schein­lich noch nicht. Las­sen wir die Lin­ke ihren Anfang in den anti­ken Skla­ven­auf­stän­den nehmen.

Für die­se The­se gibt es pro­mi­nen­te Kron­zeu­gen. 1861 schrieb Karl Marx an Fried­rich Engels: „Spar­ta­cus erscheint als der famo­ses­te Kerl, den die gan­ze anti­ke Geschich­te auf­zu­wei­sen hat. Gro­ßer Gene­ral, nobler Cha­rak­ter, real re-pre­sen­ta­ti­ve des anti­ken Proletariats.“

Ein hal­bes Jahr­hun­dert nach die­sen Wor­ten sam­mel­ten sich die radi­ka­len Lin­ken inner­halb der SPD um Lieb­knecht und Luxem­burg unter dem Namen „Spar­ta­kus­grup­pe“, aus die­ser Grup­pe wur­de 1918 der „Spar­ta­kus­bund“, dar­aus wie­der­um die Kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Deutsch­lands. Man wähl­te den anti­ken Rebel­len als Sym­bol­fi­gur für den Kampf der soge­nann­ten Arbei­ter­klas­se gegen Impe­ria­lis­mus und Unter­drü­ckung. Sie nah­men ihn als einen der Ihren.

Im his­to­ri­schen Pro­zess hat die Lin­ke als Kata­ly­sa­tor des sozia­len Fort­schritts eine bedeu­ten­de Rol­le gespielt. In den Wor­ten Nol­tes: „Ohne die stän­di­gen Stö­ße der Lin­ken wür­den wir heu­te noch in Kas­ten­ge­sell­schaf­ten leben.“ Die Lin­ke ist nichts Schlech­tes. Die Lin­ke hat die herr­schen­den Schich­ten oder Stän­de oder Klas­sen gezwun­gen, gerech­ter, huma­ner, sozia­ler zu werden.

Natür­lich kann eine Lin­ke nur For­de­run­gen erhe­ben, die sich von der Gegen­sei­te zumin­dest theo­re­tisch erfül­len las­sen. Spar­ta­kus und sei­ne Mit­auf­stän­di­schen woll­ten von Rom nichts als die Frei­heit, die freie Heim­kehr in ihre Län­der. Sie woll­ten nicht Teil­ha­be, Hartz IV., Ehe für alle und freie Geschlechtswahl.

Der Lin­ke in der Revol­te gegen die Tyran­nei gehört zu den edels­ten Erschei­nun­gen der Geschich­te. Die Lin­ke hat einen hohen Blut­zoll gezahlt. Genau die­ser Ver­gleich frei­lich macht die gegen­wär­ti­ge Lin­ke so lächerlich.

Die heu­ti­ge Lin­ke, „die UNESCO-Lin­ke mit ihrem rüh­rend kind­li­chen Men­schen­bild“, wie Gün­ter Masch­ke sie nann­te, die Bunt­heits- und No-Bor­der-Lin­ke, die Gen­der-Diver­si­ty-Lin­ke, die Frau­en­quo­ten-Lin­ke, die Kli­ma­ka­ta­stro­phen­ver­hin­de­rungs-Lin­ke, die Afri­ka­ret­tungs-Lin­ke, die Kein-Bier-für-Nazis-Lin­ke, die­se Lin­ke ist stän­dig auf der Suche nach neu­en Miss­stän­den, die sie bewirt­schaf­ten kann. Inzwi­schen muss sie die Miss­stän­de impor­tie­ren. Die­se Lin­ke ist uner­sätt­lich, ihr Appe­tit erwacht nach jeder Stil­lung neu. Wie immer ruft sie nach Len­kung der Gesell­schaft in ihrem Sin­ne, aber die Macht­fra­ge stellt sie nicht mehr. Den Grund habe ich genannt. Statt­des­sen befrie­digt sie ihr anti-eli­tä­res Res­sen­ti­ment mit per­ma­nen­ter Nivel­lie­rung, von den Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten bis zu den Redak­tio­nen, Thea­tern und Muse­en. Den Respekt vor der bür­ger­li­chen Hoch­kul­tur, der einst zu den vor­nehms­ten Pflich­ten des Mar­xis­ten gehör­te, kennt sie nicht mehr. Ihr kul­tu­rel­les Zer­stö­rungs­werk ver­bin­det sie mit gesin­nungs­po­li­zei­li­cher Bespit­ze­lung. Der Ver­fall der rest­bür­ger­li­chen Gesell­schaft kann ihr gar nicht schnell genug gehen.

Wahr­schein­lich ist Para­sit doch die bes­se­re Beschrei­bung als Schwarzfahrer.

Am aktu­el­len Bei­spiel der Iden­ti­ty Poli­tics lässt sich die unstill­ba­re For­de­rungs­dy­na­mik die­ser aggres­si­ven Wohl­mei­nen­den gut stu­die­ren. Obwohl in den ver­gan­ge­nen 50 Jah­ren die Frau­en, die Schwar­zen und ande­ren nicht­wei­ßen Eth­ni­en, die Homo­se­xu­el­len und auch die sexu­ell nicht ganz ein­deu­tig Fest­ge­leg­ten in der west­li­chen Welt recht­lich in jeder Hin­sicht gleich­ge­stellt und gesell­schaft­lich akzep­tiert, ja hofiert wur­den, belehrt uns ein Blick eine belie­bi­ge ame­ri­ka­ni­sche Uni­ver­si­tät, dass Ras­sis­mus, Sexis­mus und Dis­kri­mi­nie­run­gen aller Art offen­bar noch nie so extrem waren wie heu­te. Es ist wie mit dem Fein­staub: Je nied­ri­ge­re Grenz­wer­te man fest­legt und je genau­er man misst, des­to schlim­mer wird es, auch wenn die gemes­se­nen Wer­te stän­dig sinken.

Ich muss hier abbre­chen. Es gibt zuletzt eine fro­he Bot­schaft. War die Exis­tenz lin­ker Bewe­gun­gen jahr­hun­der­te­lang ein Zei­chen dafür, dass es vie­len Men­schen zu schlecht ging, ist die Lin­ke heu­te das Indiz dafür, dass es vie­len Men­schen zu gut geht. Und da der vor­hin von mir herbei­me­ta­pher­te, von den drei Loko­mo­ti­ven Kapi­ta­lis­mus, Schöp­fer­geist und Tech­nik gezo­ge­ne Mensch­heits­zug trotz aller Brems­ver­su­che und mit allen Schwarz­fah­rern und Blin­den Pas­sa­gie­ren an Bord wei­ter rol­len wird, wird wohl auch die Lin­ke bei uns sein bis an das Ende der Welt.

Vorheriger Beitrag

Was geschah vor und beim deutschen Angriff auf Polen vor 80 Jahren?

Nächster Beitrag

Verzögerte neue Allianzen

Ebenfalls lesenswert

Herunter! Herunter!

Gehö­ren Sie auch zu den­je­ni­gen, die jedes­mal mit einem flau­en Gefühl in die nächs­te Thea­ter- oder Opern­auf­füh­rung gehen,…

Deutsche Erfindungen

Im Dezem­ber 2018 beschloss ich, einen Gesprächs­ro­man, an dem ich damals arbei­te­te – ein ger­ma­no­phi­ler Chi­ne­se, der wäh­rend…

Viva Benedetto!

Der Athe­is­mus wird immer geist­lo­ser, die Papst­kri­tik immer pein­li­cher. Ein Bekennt­nis zum Katho­li­zis­mus ist – sogar für einen…