17. September 2022

Die Stich­hal­tig­keit einer The­se ver­blasst neben ihrem Amüsementwert.

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Der Dumm­kopf ver­fügt nur über einen über­schau­ba­ren Bestand von Vor­ur­tei­len; je intel­li­gen­ter ein Mensch ist, des­to umfang­rei­cher wird sein Reper­toire. Gott kennt wahr­schein­lich über­haupt nichts ande­res mehr als bestä­tig­te Vorurteile.

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Demo­kra­tie ist ein Modus der poli­ti­schen Mehr­heits­fin­dung und nichts außer­dem; es kann aus dem­sel­ben Grun­de kei­ne „demo­kra­ti­schen Wer­te” geben, aus dem es kei­ne pro­zent­rech­nungs­ba­sier­ten Wer­te gibt.

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Es ist rich­tig, dass die Ukrai­ner nicht für 33 ver­schie­de­ne Geschlech­ter kämp­fen. Aber sie wer­den sie bekommen.

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Jemand sag­te: „Der Unter­schied zwi­schen einer Auto­kra­tie und einer Demo­kra­tie besteht dar­in, dass in einer Auto­kra­tie mit hoher Wahr­schein­lich­keit kor­rup­te, inkom­pe­ten­te und dum­me Men­schen an die Regie­rung kom­men und in einer Demo­kra­tie mit Sicherheit.”

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Als ich heu­te bei Cior­an den Satz las: „Der Appe­tit auf die Pei­ni­gung ist für die einen, was das Gewinn­stre­ben für die ande­ren ist”, ein­ner­te mich das an die Bemer­kung von Freund ***, dass sich alle Paa­re nach dem Ham­mer-Amboss-Ver­hält­nis klas­si­fi­zie­ren lie­ßen; meis­tens spie­le einer von bei­den die Rol­le des Ham­mers, und der ande­re über­neh­me den Part des Ambos­ses, was nicht oder nicht vor­ran­gig sexu­ell gemeint sei, son­dern emo­tio­nal und macht­tek­to­nisch. Es gebe frei­lich nicht sel­ten auch die Kon­stel­la­ti­on, dass zwei Men­schen vom Typ Ham­mer oder zwei vom Typ Amboss zusam­men­leb­ten, wobei Ers­te­re unter Inkauf­nah­me einer gewis­sen Dau­erk­ab­be­lei durch­aus mit­ein­an­der klar­kom­men könn­ten, wäh­rend sich zwei Ambos­se das Leben gern wech­sel­sei­tig zum Pro­blem bezie­hungs­wei­se zur mehr oder weni­ger sub­ti­len Qual machten.

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Habeck, Habarth, Hal­den­wang, Haber­mas. Habe­mus satis.

Soweit kein Dis­sens. Es herrscht nur eine gro­ße Unei­nig­keit dar­über, wo die Fein­de des Rechts sich sammeln.

Zitat: „In sei­ner Rede erklär­te der Jurist, dass der Gebrauch der Frei­heits­rech­te dazu geeig­net sein kön­ne, die Ver­fas­sungs­ord­nung zu dele­gi­ti­mie­ren. Er beton­te: ‚Der wehr­haf­te Ver­fas­sungs­staat muss sich den Fein­den von Recht und Rechts­staat­lich­keit kon­se­quent entgegenstellen.’ ”

Der Gebrauch der Frei­heits­rech­te ist geeig­net, die Ver­fas­sungs­ord­nung zu dele­gi­ti­mie­ren. Heil Pen­theus! Wir hör­ten Ver­gleich­ba­res von Nan­ny Fae­ser und Tho­mas Hal­tungs­zwang, als sie einer respekt­voll erschüt­ter­ten Öffent­lich­keit den neu­en Delikt­be­reich „Ver­fas­sungs­schutz­re­le­van­te Dele­gi­ti­mie­rung des Staa­tes” präsentierten.

Weh dem, der Extre­mis­men birgt!

Nun stellt sich der Prä­si­dent des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nach all sei­nen bereits voll­zo­ge­nen regie­rungs­from­men Gefäl­lig­keits­ent­schei­dun­gen hin­ter die Auf­fas­sung der aktu­el­len Bun­des­re­gie­rung, dass Oppo­si­ti­on zu weit gehen kön­ne und die Regie­rung selbst defi­nie­re, wo die Frei­heits­rech­te enden. Pro­tes­te gegen die Aus­he­be­lung der Grund­rech­te, sei es wegen Coro­na oder der von füh­ren­den Scha­ma­nen gebo­te­nen Welt­kli­ma­ret­tung, kön­nen als Dele­gi­ti­mie­rung der Ver­fas­sungs­ord­nung bzw. der sie ver­kör­pern­den Bun­des­re­gie­rung gewer­tet wer­den, wie auch Demons­tra­tio­nen gegen die Fol­gen der Russ­land-Sank­tio­nen, ob nun län­ge­re Ener­gie­aus­fäl­le oder gra­vie­ren­de Versorgungslücken.

Har­b­arths Wor­te ergän­zen die Dro­hun­gen der Exe­ku­ti­ve um nun­mehr auch das höchst­rich­ter­li­che Pla­zet zur all­fäl­li­gen Nie­der­schla­gung von Herbstprotesten.

PS: Leser *** ist der Ansicht, was Habarth äuße­re, sei „doch nicht neu. Schon die ers­te Beset­zung des BVerfG, die zwei­fels­frei aus Nicht-Faschis­ten bestand, hat ent­spre­chend geur­teilt. Iuris­tisch liest sich das so:

(bverfge 2., 1953, S. 381)
Mir ist die Über­ein­stim­mung evident.”

Nun, ich schla­ge vor, die wei­te­ren Ent­wick­lun­gen und Urtei­le abzu­war­ten. Zum Bei­spiel solche:

Es han­delt sich um das Amts­ge­richt St. Ing­bert, das eine IT-Unter­neh­me­rin und ehe­ma­li­ge Bun­des­tags­kan­di­da­tin der „Basis” rechts­kräf­tig zu 50 Tages­sät­zen Geld­stra­fe verhängt.

„Es ist nicht das ers­te Mal, dass bei Coro­na-Pro­tes­ten geschmack­lo­se Ver­glei­che gezo­gen wer­den”, notiert der all­zeit geschmacks­si­che­re Süd­deut­sche Beob­ach­ter. „Es gab schon Juden­ster­ne mit der Auf­schrift ‚Unge­impft’, oder auch zynisch-sar­kas­ti­sche Paro­len wie ‚Imp­fen macht frei’ auf Demons­tra­tio­nen. Aber hier hat nun die Jus­tiz im Saar­land eine neue Gren­ze gezo­gen. Die Jus­tiz hat in einem Prä­ze­denz­ur­teil erst­mals klar­ge­stellt: Auch Stol­per­stei­ne sind straf­recht­lich vor sol­chem Miss­brauch geschützt. Wer die­se klei­nen Gedenk­or­te benut­ze, um ‚die Ein­schrän­kun­gen durch die Coro­na-Maß­nah­men mit dem durch die Natio­nal­so­zia­lis­ten began­ge­nen Holo­caust an Mil­lio­nen jüdi­schen Mit­bür­gern’ gleich­zu­stel­len, der bege­he eine Ver­harm­lo­sung des Holo­caust, straf­bar als Volks­ver­het­zung nach Para­graf 130 des Strafgesetzbuchs.”

Wie lan­ge wird man noch unge­straft volks­ver­het­zen­de Scher­ze machen dür­fen wie etwa: „Frü­her schütz­te der Füh­rer des Recht, heu­te schützt das Amts­ge­richt St. Ing­bert den Geschmack”?

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Noch zum Vori­gen. Ein Blick auf die Bodentruppen.

„Ich zweif­le eben­falls an der Poli­zei­füh­rung und an dem Poli­zei­sys­tem. Die Ver­hält­nis­mä­ßig­keit stimmt nicht mehr. Die Poli­zei­maß­nah­men sind total über­zo­gen und da kann nur eine Form von Angst dahin­ter­ste­cken: Jede Gegen­be­we­gung soll im Keim erstickt wer­den. Und betrof­fen sind all die­je­ni­gen, die nicht ins sel­be Horn bla­sen wie die Poli­tik und die öffent­lich-recht­li­chen Medien.”

(Wei­ter hier.)

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Fried­rich Sieburg, Tage­buch, Dezem­ber 1944

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Pathe­ma­ta mathemata.

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Vor ein paar Tagen ver­schlug es die­sen Her­ren mei­nes Dün­kens erst­mals in mein Dia­ri­um, und zwar weil er zu denen gehör­te, die dem Bun­des­ab­riss­mi­nis­ter R. Habeck nach des­sen „Dicht­ma­chen bedeu­tet ja nicht Insolvenz”-Lapsus zur, wie man sagt, Sei­te spran­gen. Deut­sches Insti­tut für Wirt­schafts­for­schung (DIW) klingt ja so, als habe der Mann mit der deut­schen Wirt­schaft zu tun, aber es han­delt sich wohl eher um ein Insti­tu­tu. Dies­mal unter­stützt der Wirt­schafts­ex­per­te ande­re grü­ne Wirtschaftsexpert:_*Innen.

Zu sei­ner eige­nen Exper­ti­se ein Rückblick.

Oder eben nicht.

Aber doch nicht der Haus­halt von Gevat­ter Fratz­scher! Und jetzt noch 100 Mil­li­ar­den für die Kli­ma­hüp­fer. (Auch für die Wei­ter­ver­brei­ter sol­cher For­de­run­gen fal­len immer ein paar Bro­sa­men ab.)

Ich hät­te mir den Bernd Zel­ler vom 15. – „Man steht nun mal vor der Fra­ge: Will ich in den Spie­gel schau­en kön­nen oder aufs Kon­to?” – für heu­te auf­spa­ren sollen.

PS und um nicht miss­ver­stan­den zu wer­den: Man könn­te „Fri­days for Future” das gesam­te Welt­ver­mö­gen anver­trau­en, ohne dass die­se Leu­te damit etwas ande­res als Scha­den anrich­ten würden.

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Die Welt mel­det: „Die Klä­ge­rin hat­te sich im Juni 2021 mit frei­em Ober­kör­per auf dem Was­ser­spiel­platz Plan­sche im Bezirk Trep­tow-Köpe­nick auf­ge­hal­ten. Dar­auf­hin war sie zunächst von Sicher­heits­kräf­ten, dann von der Poli­zei auf­ge­for­dert wor­den, ihre Brust zu bede­cken oder das Gelän­de zu ver­las­sen. Dies sei eine Ungleich­be­hand­lung gegen­über männ­li­chen Besu­chern mit nack­tem Ober­kör­per, argu­men­tier­te ihre Anwäl­tin Leo­nie Thum. ‚Die Sexua­li­sie­rung der weib­li­chen Brust ist eine Diskriminierung.’ ”

Das ist der Satz des Äons: Die Sexua­li­sie­rung der weib­li­chen Brust ist eine Dis­kri­mi­nie­rung. Nicht wegen der Unter­schei­dung (discri­men), son­dern wegen der Sexua­li­sie­rung. Wer hat die weib­li­che Brust – und wann zum ers­ten Male – sexua­li­siert? Wem muss man die­se skan­da­lö­se Miss­in­ter­pre­ta­ti­on aufs Schuld­kon­to schrei­ben? Bit­te fra­gen Sie Ihren Orts­geist­li­chen, die Pro­sti­tu­ier­te Ihrer Wahl oder einen Evolutionsbiologen.

 

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