21. Oktober 2022

Erst: Wir sind das Volk!
Dann: Wir sind ein Volk!
Danach: Wir sind ein gespal­te­nes Volk!
Als­dann: Es gibt kein Volk!
Schließ­lich: Wir suchen uns eine neue Bevölkerung!

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Jedes­mal, wenn mir jemand offen­bart, er sei eigent­lich ein ego­is­ti­scher, selbst­be­zo­ge­ner, vor allem an sei­nem Wohl­be­fin­den sowie an dem sei­ner Fami­lie und viel­leicht noch eini­ger Freun­de inter­es­sier­ter Mensch – was sel­ten genug vor­kommt –, atme ich auf im Gefühl, einen ehr­li­chen, umgäng­li­chen, bere­chen­ba­ren, unge­fähr­li­chen Zeit­ge­nos­sen getrof­fen zu haben. Wenn mir aber jemand eröff­net, er wol­le sich enga­gie­ren, die Gesell­schaft gerech­ter machen, für Viel­falt und Bunt­heit ein­tre­ten, Dis­kri­mi­nie­rung bekämp­fen, das Kli­ma ret­ten und die Geschlech­ter­ste­reo­ty­pe auf­lö­sen, dann ist mir, als rau­ne mir Satan per­sön­lich sei­ne neu­es­ten Obs­zö­ni­tä­ten ins Ohr.
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Es gibt einen Typus jun­ge Frau, der vor allem in Ber­lin rela­tiv häu­fig auf­tritt: in Räu­men immer, oft auch im Frei­en mit Mas­ke unter­wegs, den Cap­puc­ci­no mit Soja­milch trin­kend, sich vege­ta­risch oder vegan ernäh­rend, in irgend­ei­nem Büro einem fort­schritts­dien­li­chen Job nach­ge­hend, gesund und allein lebend; ein Typus Mensch, der nie­man­den hat, um den er sich küm­mern kann, und sich des­we­gen die gan­ze Zeit um sich selbst küm­mern muss, die­se tris­te Tat­sa­che aber vor sich selbst kaschiert mit der Vor­stel­lung, der Mensch­heit, der Gesell­schaft, der Zukunft zu dienen.
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Die Ber­li­ner Zei­tung erklärt ihren Lesern, war­um Chris­ti­an Thie­le­mann nicht der rich­ti­ge Kapell­meis­ter für die Lin­den­oper ist bzw. wäre.
Als Ber­lin noch offi­zi­ell „Haup­stadt der DDR” hieß – und die Ber­li­ner Zei­tung „Organ der Bezirks­lei­tung der SED” –, hät­ten sie es kür­zer for­mu­liert, unge­fähr so: „Er ist der bes­te leben­de deut­sche Diri­gent, aber er ist kein Genosse!”
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Und täg­lich grüßt ein Messertier.
Der Ver­däch­ti­ge ist außer Lebens­ge­fahr, das heißt, der kos­tet noch mal rich­tig Geld. Das war jetzt dop­pelt men­schen­ver­ach­tend, ich habe den Kil­ler ein Tier genannt (statt eine Bes­tie), und ich beken­ne, dass es mir ange­neh­mer wäre, wenn er nicht mehr leb­te. (Hal­den­wang?) Wobei es dies­mal ein Mache­ten­an­griff war, mit einem Mes­ser schafft man es schließ­lich nicht, einen Arm abzu­ha­cken. Oder bes­ser: abzu­tren­nen. Auch Wor­te sind Taten! Die Hin­ter­grün­de der Tat sei­en unklar, mel­de­te das gesam­te Wahr­heits­me­di­en­spek­trum in seli­gem Uni­so­no, mit ande­ren Wor­ten: Sie sind klar.
Der nächs­te Blut­schwall klebt an den Hän­den der Will­kom­mens­jun­ta. Die­se Poli­ti­ker haben einen Eid auf das Wohl des deut­schen Vol­kes geschwo­ren; kein Wun­der, dass sie es abschaf­fen wol­len. Kein Wun­der auch, dass ihre polit­me­dia­le Cote­rie beim Ver­schwei­gen, Ver­tu­schen, Ver­harm­lo­sen, Ver­ne­beln mun­ter mit­tut, denn auch das Kom­men­ta­ri­at und die öffent­lich-recht­li­chen Pro­pa­gan­da­schleu­dern tra­gen eine min­des­tens mora­li­sche Mit­schuld am Tod inzwi­schen hun­der­ter Lands­leu­te – von den Aber­tau­sen­den bloß Ver­letz­ten, Nie­der­ge­mes­ser­ten, ins Spi­tal Getre­te­nen und von all den ohne #metoo-Begleit­lärm ver­ge­wal­tig­ten und grup­pen­ver­ge­wal­tig­ten Mäd­chen und Frau­en zu schwei­gen –, wes­halb sie den mul­ti­me­dia­len Ihre-Hän­de-in-Unschuld-Wasch­gang auf Dau­er­be­trieb gestellt haben.
Schnitt.
Vor knapp zehn Jah­ren ver­öf­fent­lich­te Akif Pirin­çci sei­nen mit Recht legen­dä­ren Essay „Das Schlach­ten hat begon­nen”, der ein­mal in kei­ner Antho­lo­gie über die spä­te BRD feh­len wird. Er nahm eine der wei­land bereits ins Seri­el­le über­ge­hen­den Blut­ta­ten jun­ger, meist mus­li­mi­scher Migran­ten gegen indi­ge­ne deut­sche Alters­ge­nos­sen – im kon­kre­ten Fall einen Tot­schlag im nie­der­säch­si­schen Kirch­w­ey­he – zum Anlass, die Natur die­ses Phä­no­mens zu unter­su­chen sowie eine Zukunfts­pro­gno­se zu wagen.
Beim Namen Kirch­w­ey­he wird dem einen oder der ande­ren etwas däm­mern. Die Schrott­sam­mel­stel­le ist auch in die­ser Sache auf dem Qui­vi­ve: „Der Todes­fall Dani­el S. ist ein Tötungs­de­likt, das sich im März 2013 in der nie­der­säch­si­schen Gemein­de Wey­he ereig­ne­te. Dani­el S. wur­de in der Nacht zum 10. März 2013 vor dem Bahn­hof im Orts­teil Kirch­w­ey­he Opfer eines gewalt­tä­ti­gen Angriffs und starb vier Tage danach in einem Kran­ken­haus im benach­bar­ten Bre­men an den Folgen.
Der Vor­fall erreg­te über­re­gio­na­les Auf­se­hen, nach­dem die eth­ni­sche Her­kunft der Tat­ver­däch­ti­gen von der Bild-Zei­tung the­ma­ti­siert und von Rechts­ex­tre­mis­ten für aus­län­der­feind­li­che Pro­pa­gan­da genutzt wor­den war.”

Eher unbe­ab­sich­tigt plap­pert der Wiki­pe­dist hier zwei Wahr­hei­ten aus, zum einen, dass die­ser „Vor­fall” ohne die Que­ru­lan­ten der Bild-Zei­tung in den Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­en genau­so unter Fer­ner oder Ver­misch­tes bzw. über­haupt nicht gelau­fen wäre, wie die meis­ten die­ser Ver­bre­chen, zum ande­ren, dass nicht der tot­ge­prü­gel­te Deut­sche ein Pro­blem dar­stell­te, son­dern die The­ma­ti­sie­rung der Tot­schlä­ger­her­kunft durch „Rechts­ex­tre­mis­ten”. Ein Glei­ches wider­fuhr auch Pirin­çci nach der Ver­öf­fent­li­chung sei­nes Tex­tes: Nicht die Blut­spur, die von mus­li­mi­schen Migran­ten durch die­ses Land gezo­gen wur­de – und wird! Ad mul­tos annos! –, war das Pro­blem, son­dern dass einer so rück­sichts­los (und viel­leicht etwas über­trie­ben) dar­über schrieb. Zum Beispiel:

„Die Theo­rie von ein­fühl­sa­men (deut­schen) Sozio­lo­gen, wonach die­se bes­tia­li­schen Jugend­li­chen sich in Wahr­heit als Ver­sa­ger und Opfer der Gesell­schaft vor­kä­men und ihr Blut­rausch ein ver­zwei­fel­ter Auf­schrei sei, ist natür­lich eine von der Migran­ten­in­dus­trie, schwach­sin­ni­gen Poli­ti­kern und geis­tes­kran­ken lin­ken Medi­en­leu­ten bestell­te Lüge, die, obwohl nie­mand dar­an glaubt, nicht ein­mal sie selbst … Im Gegen­teil, nicht ein­mal ein Mil­li­ar­där mit dem Aus­se­hen eines Ryan Gos­ling hat so viel Selbst­be­wußt­sein wie ein Tür­ke oder Ara­ber, der einem Deut­schen am Bord­stein das Hirn aus dem Schä­del tritt.”

Der Tot­schlä­ger von Kirch­w­ey­he wur­de im Febru­ar 2014 zu fünf Jah­ren und neun Mona­ten Jugend­haft ver­ur­teilt, das heißt, er ist seit nun­mehr bereits zwei Jah­ren in den will­kom­mens­kul­tu­rel­len Nor­mal­zu­stand zurück­ver­setzt worden.

Bemer­kens­wert war damals schon Pirin­çcis erwähn­te Pro­gno­se, die da lau­te­te: „Die­se sich stei­gern­de Deut­sche-Tot­schlä­ge­rei wird medi­al suk­zes­si­ve an ihrer Bri­sanz ver­lie­ren, so sehr, daß nur noch die aller­schlimms­ten Fäl­le in der Gewich­tung von schwe­ren Auto­un­fäl­len Erwäh­nung fin­den wer­den. Es wird zum All­tag dazu gehö­ren, man wird sich dar­an gewöhnen.”

Genau so ist es gekom­men. Ein von Aus­län­dern, die mit dem Segen der Bun­des­re­gie­rung ins Land gelas­sen wur­den, ersto­che­ner Deut­scher ist kein Pro­blem, kaum der Erwäh­nung wert. Allein die The­ma­ti­sie­rung (außer­halb, sagen wir: des engs­ten Fami­li­en­krei­ses des Opfers) ver­weist auf die rech­te Gesin­nung des The­ma­ti­sie­rers. An die­sen Mecha­nis­mus hat man sich eben­falls gewöhnt. Es gab 2018 in Chem­nitz am Ran­de des Stadt­fes­tes einen Mord und zwei schwe­re Kör­per­ver­let­zun­gen durch Migran­ten, aber kein ein­zi­ges im Zuge von „Hetz­jag­den” gekrümm­tes Haar, nir­gends, doch offi­zi­ell ver­hielt es sich anders­her­um. Die Fra­ge, wer die Mör­der ins Haus ließ, ist schlim­mer als der Tod.

Als im Juni 2020 ein Mob die Par­ty- und Event­sze­ne durch die Stutt­gar­ter Innen­stadt maro­dier­te, Schau­fens­ter­schei­ben ein­schlug, Geschäf­te plün­der­te, Poli­zis­ten angriff und vie­le Beam­te ver­letz­te, bestand der eigent­li­che Skan­dal dar­in, dass einer der All Cops are Bas­tards im Poli­zei­funk aus­plau­der­te, es sei­en „alles Kana­ken” gewesen.

Auch dies­mal fand die Medi­en­meu­te, inzwi­schen viel­fach ver­stärkt durch den Twit­termob, einen Pirin­çci, den man zum eigent­li­chen Übel­tä­ter auf­bla­sen kann, wäh­rend die Lei­chen der bei­den Zer­schlitz­ten und Zer­hack­ten noch nicht ein­mal begra­ben sind. (Mit einem sozu­sa­gen Freud­schen Ver­spre­cher im letz­ten Satz des rbb-State­ments.)
Was für ekel­haf­te, was für gott­be­kot­zens­wür­di­ge Kreaturen.
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„Ich bin mir da nicht sicher, ob Sie nicht da einem Fake auf­ge­ses­sen sind”, schreibt Leser ***. „Denn so sieht das auf der Twit­ter Sei­te der rbb pres­se aus.”

Ist möglicherweise ein Bild von Text „PRESSE rbb Presse FD @presse_rbb Wir verstehen und teilen die Kritik an den Äußerungen und sind mit der Produktionsfirma im Gespräch über mögliche Konsequenzen. Wir als rbb verurteilen jegliche Form von Rassismus. twitter.com/ebonyplusirony...“

Kann sein. Wahr­schein­lich hat sich ein Scherz­bold einen Witz geleis­tet. Viel­leicht haben sie es aber auch korrigiert.

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PS: „Eine Gefahr für die Bevöl­ke­rung bestand laut Poli­zei nicht”, mel­det der SWR. Die drei Opfer gehör­ten wahr­schein­lich nicht dazu. (Oder bloß zum Volk?)
PPS: „Gegen den Repor­ter, der Soma­lia, das Her­kunfts­land des Mache­ten-Atten­tä­ters von Lud­wigs­ha­fen, als ‚Shi­t­ho­le-Coun­try mit Stein­zeit­kul­tur’ bezeich­net hat, kün­dig­te der RBB umge­hend Kon­se­quen­zen an. Rich­tig so! Soma­lia ist ein wun­der­ba­res Land mit einem Rechts­staat, tol­len Men­schen und einer Super-Kul­tur, mit ande­ren Wor­ten: ein siche­res Land.
Alle Asy­lan­ten aus Soma­lia kön­nen daher sofort abge­scho­ben werden!”
(Leser ***)
PPPS: Und der nächs­te Ein­zel­fall, dies­mal zu Speyer.
Sieht nach ver­such­ter „Schei­dung auf afgha­nisch” aus (die­ser fröh­li­che Brauch wird selbst­ver­ständ­lich nicht nur von Afgha­nen praktiziert).
Tau­send von ihnen pro Monat will die Ampel­ko­ali­ti­on nach ’schland holen, alles Orts­kräf­te (und deren Groß­fa­mi­li­en), männ­lich die meis­ten, aber nicht toxisch, nicht ein ein­zi­ger Gewalt­tä­ter, kein Ein­zel­fall­vir­tuo­se, nicht ein­mal einer in sta­tu nas­cen­di, wird sich unter sie mischen, so wie sich unter den „Flücht­lin­gen” im Jah­re der gro­ßen Flut des freund­li­chen Gesichts ja auch kaum ein ein­zi­ger Ter­ro­rist befand. Oder will jemand behaup­ten, Mer­kel, Maas und heu­te Baer­bock, Fae­ser e tut­ti quan­ti sei­en Lügner*:_Innen?
Gehen Sie wei­ter, hier gibt es nichts zu sehen!
***
Kom­men wir zu wirk­lich schlim­men Vor­fäl­len im trotz­dem aber gera­de noch bes­ten Deutsch­land, das es je gab.

Und zu den ech­ten Skandalen.

Die „Fach­schaft Wirt­schafts­wis­sen­schaf­ten” der Uni­ver­si­tät Bie­le­feld, erfährt der erschüt­ter­te Lesen­de, habe eine Knei­pen­tour ver­an­stal­tet. „Für Auf­se­hen sorg­te dabei ein Spiel, bei dem die Stu­die­ren­den gewis­se Auf­ga­ben erfül­len soll­ten. Unter den eher harm­lo­sen Auf­ga­ben wie ‚Füh­re eine Polo­nai­se an!’ fan­den sich auch sexis­ti­sche und über­grif­fi­ge Auf­for­de­run­gen wie ‚Gib fünf Frau­en einen Klaps auf den Hin­tern (Män­ner)’ ” – ein­deu­tig les­bo­phob! – , „ ‚Zieh Dei­ne Hose aus und tra­ge sie einen Sta­ti­ons­weg (auf dem Kopf gibt zwei Extra­punk­te)’ oder ‚Trinkt einen Bodyshot! (Video als Beweis)’.”
Die Cha­rak­ter­lo­sen kri­ti­sie­ren die Geschmack­lo­sen – die­se Kon­stel­la­ti­on wäre eine geson­der­te Betrach­tung wert. Hal­ten wir zunächst fest, dass mit Bodyshot die jugend­freie Ver­si­on gemeint ist: Man leckt das dem Tequi­la assis­tie­ren­de Salz von der Haut eines oder bes­ser einer ande­ren. Nach­dem der „Skan­dal” auf dem übli­chen Wege über die aso­zia­len Medi­en erst zu einem gemacht wur­de und dann an Wumms zuleg­te, tat die Fach­schaft, was bio­deut­sche Mol­lus­ken unter der vir­tu­el­len Moral­peit­sche reflex­haft tun: Sie ent­schul­dig­te sich. Die harm­los-fri­vo­len Auf­ga­ben wider­sprä­chen „den Wer­ten der Fach­schaft in jeder Form. Sexua­li­sier­te Gewalt gegen­über Per­so­nen jeg­li­chen Geschlechts ist auf das Schärfs­te zu ver­ur­tei­len und wird von der Fach­schaft in deut­lichs­ter Form abge­lehnt.” In jeder, vor allem aber in deut­lichs­ter Form – oder umge­kehrt. Allein die ritu­ell-tie­fen­ver­lo­ge­ne Spra­che ist absto­ßend, doch offen­sicht­lich mit den Wer­ten der Fach­schaft vereinbar.
Wäh­ren all das LGBTQ+-Volk bei­fall­s­um­rauscht zu Rudel­bums, Anal­fick und Vot­zen­ma­len lädt, halb­nackt durch Innen­städ­te schlappt, um sei­ne Unter­drü­ckung anzu­pran­gern, machen sie den Heten schon ein paar harm­lo­se Ken­nen­lern­spie­le kaputt. Und dar­um geht’s schließ­lich: Hete­ro­pho­bie.
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Ihre Steu­er­gel­der bei der Arbeit.
Das nur, falls jemand wis­sen will, war­um ein lite­ra­risch dilet­tie­ren­der, buch­preis­be­häng­ter, zum non­bi­nä­ren Super­quee­ren upge­gra­de­ter Schwu­ler Hass auf sich zieht und vor allem, wer die­sen Hass ansta­chelt, weil er/sie/es ihn will und braucht, zur Erzeu­gung von Feind­bil­dern wie zum Abgrei­fen staat­li­cher För­der­mit­tel, Sti­pen­di­en, Mut­prei­se usw.
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Hier spricht der Sponsor.

Zet­tel­ge­burt dank Flach­sicht­kar­tei: Zwei gro­ße Wer­ke des 20. Jahr­hun­derts – das eine lite­ra­risch, das ande­re wis­sen­schaft­lich und bei­de zeu­gend von der stu­pen­den Bele­sen­heit und dem guß­ei­ser­nen Gedächt­nis ihrer Schöp­fer Arno Schmidt bzw. Niklas Luh­mann – wur­den aus dem Zet­tel­kas­ten gebo­ren. Bei­de Autoren, begüns­tigt von ihrem jewei­li­gen Tem­pe­ra­ment und der Gna­de zu frü­her Geburt, lie­fen gar nicht erst Gefahr, vom Com­pu­ter ver­führt zu wer­den. So ent­gin­gen sie dem infor­ma­ti­ons­tech­no­lo­gi­schen Anschlag auf ihre Schaf­fens­kraft, der dar­in liegt, daß das Werk­zeug einen erheb­li­chen Teil jener Auf­merk­sam­keit ver­schluckt, die eigent­lich dem „Werk­stück“ zugu­te­kom­men soll­te. Zurück zur guten alten Kon­zen­tra­ti­on fin­den Sie hier.

Da Sie als Klo­n­ovs­ky-Leser dem Klo­n­ovs­ky-Ver­le­ger prin­zi­pi­ell sym­pa­thisch sind, gewäh­ren wir Ihnen einen Rabatt von fünf Pro­zent. Bit­te bei der Bestel­lung ein­fach den Code „Actadiurna5“ eingeben.

(Das war eine Anzeige.)

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„Lie­ber Herr Klo­n­ovs­ky, ver­ste­hen Sie, war­um sich die ‚Grü­nen’ geschmei­dig von allen eins­ti­gen Prin­zi­pi­en wie ‚Diä­ten­ab­ga­be’, ‚Rota­ti­ons­prin­zip’ (was wäre uns damit erspart geblie­ben) oder ‚Pazi­fis­mus’ ver­ab­schie­det haben, aber bocks­tur am ‚Atom­aus­stieg’ fest­hal­ten? Ist das nicht charakterlos?
Oder ver­ste­hen Sie, war­um anti Atom­kraft ange­führt wird, die Kern­ener­gie decke ’nur’ 4% des Strom­ver­brauchs, wäh­rend ein Land, das mit sin­ken­der Ten­denz < 1% der Welt­be­völ­ke­rung stellt und mit eben­so sin­ken­der Ten­denz für < 2% des Welt­ener­gie­ver­brauchs steht, wegen die­ser Antei­le rui­niert, deindus­tria­li­siert und in die Mas­sen­ar­mut geführt wird?
Mit nach­denk­li­chem Gruß aus dem links­grün­ver­si­ff­ten Baden-Würt­tem­berg (nur echt mit dem Wasch­lap­pen) ver­blei­be ich als Ihr ***”
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Leser *** „war vor­ges­tern in der Stadt (Frank­furt am Main – lebe außer­halb), Kino­be­such. Nahm auf dem Rück­weg so ein kos­ten­lo­ses Stadt­heft (Frizz) mit, also über Ver­an­stal­tun­gen in und um Frank­furt – Lesun­gen, Thea­ter, Musik­ver­an­stal­tun­gen etc. –, und was ich da drin sah, war erstaun­lich, es wim­mel­te näm­lich von The­men wie:
- Deutsch­land im Zei­chen des Hakenkreuzes
– Femi­nist Futures
– Fata­le Denk­mus­ter aus dem Patri­ar­chat und wie man sie überwindet
– Fight for Girls Rights
– Anti­se­mi­tis­mus, Ras­sis­mus und ihre Kritiker*Innen
– Stim­mungs­vol­le Geschich­ten aus einer syri­schen Groß­fa­mi­lie (das stand wirk­lich so da)
– Wie­viel Kraft und Dis­zi­plin man braucht, um den All­tag in einer wei­ßen Mehr­heits­ge­sell­schaft zu bewältigen
– Vom Glück einer Patchworkfamilie
– Das trans­ge­nera­tio­na­le Trau­ma des Holo­caust und vom Über­le­ben in einer Mörder:Innen-Gesellschaft
– Ein Sound für FLINTA (Frau­en, Les­ben, inter­ge­schlecht­li­che, nicht-binä­re, trans und agen­der Personen)
– Wer­wolf­kom­man­dos – die gesamt­ge­sell­schaft­li­che Ver­ant­wor­tung, Rechts­ex­tre­mis­mus zu begegnen
– Der Tod von Flücht­lin­gen im Mit­tel­meer – die vom Tod Bedroh­ten zu ret­ten, ist ein Gebot der Menschlichkeit
usw. usf.
Ein tref­fen­des Zeit­do­ku­ment. Nichts über den Wert von Fami­lie (es sei denn, bei der syri­schen), von Nati­on, von Patrio­tis­mus oder gar (Gott behü­te) Kri­tik an den gesag­ten Sachen.
Mir kommt es so vor, als hät­ten wir alle Irren auf Podes­te gestellt und gesagt: So, jetzt fei­ert die mal schön! DIE sagen Euch, was wahr ist!
Immer­hin, die Halb­wert­zeit von Lügen ist nicht all­zu lang. Den­ke, schon in 5 Jah­ren sind das Nicht-The­men. Bis dahin wer­den aber noch eini­ge Gemü­ter ver­dor­ben werden…
Naja – ex ori­en­te lux, mal wieder. ;-)”
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Das Lösungs­wort lau­tet: Cana­il­lok­ra­tie.
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„Erlau­ben Sie mir eini­ge Anmer­kun­gen zum 12. Okto­ber 2022 und Ihrer Erwäh­nung der Tita­nic”, schreibt Leser ***. „Mr. Mur­doch stand vor dem klas­si­schen Skyl­la-und-Cha­ryb­dis-Pro­blem: Ent­we­der mit Sicher­heit eini­ge in den Tod schi­cken und damit das Gesamt­pro­jekt mit gro­ßer Wahr­schein­lich­keit ret­ten oder mit gewis­ser Wahr­schein­lich­keit alles ver­lie­ren oder eben alle ret­ten. Im Bug der Tita­nic waren vor allem die Kabi­nen der ‚Black Gang’, der Hei­zer und Trim­mer, also sei­ner Mann­schafts­ka­me­ra­den, die Mur­doch dann hät­te über die Klin­ge sprin­gen las­sen. Und auch bei den Klas­sen­un­ter­schie­den im edwar­dia­ni­schen Eng­land hat­te ein Offi­zier von Ehre für sei­ne Unter­ge­be­nen zu sor­gen. Dass das Schiff nach einer Fron­tal­kol­li­si­on schwimm­fä­hig geblie­ben wäre, ist eine Mög­lich­keit, die man­che Modell­rech­nun­gen erge­ben haben, kei­nes­falls aber sicher. Wenn sich zum Bei­spiel durch den Auf­prall auch im mitt­le­ren Teil des Schif­fes die Niet­ver­bin­dun­gen gelöst hät­ten, wäre die Tita­nic auch gesun­ken. Mit dem ‚Porting-Around’-Manöver hat Mr. Mur­doch sich lehr­buch­mä­ßig ver­hal­ten. Und das schließ­lich fata­le Leck, wel­ches Kes­sel­raum 5 öff­ne­te, hat­te die Grö­ße einen auf­ge­klapp­ten Piz­za­kar­tons. Es war also wirk­lich um Haaresbreite.”

Mei­ne klei­ne his­to­ri­sche Phan­ta­sie (im Ein­trag vom 12. Okto­ber) ver­an­lass­te meh­re­re Leser, mir zu schrei­ben, und stets ging es um die Fra­ge, ob das Schiff geret­tet hät­te wer­den kön­nen und wel­che Optio­nen Mr. Mur­doch besaß. Sol­che Spe­ku­la­tio­nen sind inter­es­sant, sie mögen auf den ers­ten Blick zwar müßig sein, weil ja gesche­hen ist, was gesche­hen ist, doch sie erwei­tern das Instru­men­ta­ri­um der künf­ti­gen Murdochs.

Aller­dings war die Tech­nik nicht mein The­ma, son­dern aus­schließ­lich die fixe Idee der Unsinkbarkeit.

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Apro­pos inter­es­sant (ich weiß nicht, ob das stimmt):

Viel­leicht ein Putin-Troll? Nein, die wür­den ja genau das Gegen­teil streuen…

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Nico­laus Fest, Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ter der Schwe­fel­par­tei, war über das D’Hont-Ver­fah­ren, einer Zufalls­aus­wahl, als Bericht­erstat­ter für den Grund­rechts­re­port 2022 bestimmt wor­den. Vor dem Par­la­ment trug er dazu Fol­gen­des vor:

„Weil die Situa­ti­on der Grund­rech­te in Deutsch­land auf den Hund gekom­men ist, Deutsch­land aber als größ­ter Net­to­zah­ler der EU nicht kri­ti­siert wird, hat­te ich mei­nen Report auf die deut­schen Defi­zi­te der Rechts­staat­lich­keit konzentriert:

  • auf den skan­da­lö­sen Ein­fluss der Poli­tik auf die Ernen­nung von Richtern,
  • auf die poli­ti­schen Abhän­gig­kei­ten der Staatsanwälte,
  • auf die mas­si­ven Grund­rechts­ver­let­zun­gen im Zuge der Covid-Krise,
  • auf die Instru­men­ta­li­sie­rung des Geheim­diens­tes zur Bekämp­fung der poli­ti­schen Konkurrenz,
  • und auf die Pro­ble­me der staat­lich gesteu­er­ten Medien.

Vie­les davon sind Pro­ble­me, die die­ses Par­la­ment in Ungarn und Polen immer wie­der scharf kri­ti­siert. Die­se Pro­ble­me gibt es aber auch in Deutsch­land, und dass es sie gibt, hat­te ich aus­führ­lich mit zahl­rei­chen Bei­spie­len dokumentiert.

Mei­ne Kol­le­gen jedoch woll­ten von all dem nichts wis­sen. Sie woll­ten die­se Fra­gen noch nicht ein­mal erläu­tern! Statt in das übli­che Erör­te­rungs­ver­fah­ren ein­zu­tre­ten, ver­wei­ger­ten sie sich: Nicht ein ein­zi­ges Tref­fen fand statt. Statt­des­sen heck­ten mei­ne Kol­le­gen in Geheim­tref­fen rund 400 Ände­rungs­an­trä­ge aus. Von mei­nem Bericht blieb nicht ein ein­zi­ges Wort – noch ein­mal: nicht ein ein­zi­ges Wort – übrig. Ich habe daher mei­nen Namen zurück­ge­zo­gen, denn die­ser Bericht ist nicht mehr mein Bericht.

Das Ver­fah­ren sagt alles über den Zustand der Demo­kra­tie in die­sem Haus. Man will nicht dis­ku­tie­ren, man will dik­tie­ren. Man will nicht demo­kra­ti­sche Debat­te, man will chi­ne­si­sche Ver­hält­nis­se. Man will nicht die Wahr­heit suchen, man will nur sei­ne klei­ne, rachi­ti­sche Macht demons­trie­ren. Ver­ant­wort­lich für die­ses anti­de­mo­kra­ti­sche Clowns­thea­ter sind die Leu­te, die sonst bei jeder Gele­gen­heit von demo­kra­ti­schen Wer­ten reden, näm­lich: Sophie in´t Feld, Bir­git Sip­pel, Vla­di­mir Bilcik, Ser­gey Lagodin­sky, Tine­ke Strik und noch ein paar ande­re, die intel­lek­tu­ell und cha­rak­ter­lich so unbe­deu­tend sind, dass ich nicht mal ihre Namen weiß.

Lie­be Kol­le­gen, Sie sind alle erbärm­li­che Heuch­ler! Demo­kra­ti­sche Wer­te sind Ihnen völ­lig egal. Was Sie da gezeigt haben, waren Ver­fah­ren­stricks des kom­mu­nis­ti­schen Poli­ti­bü­ros. Ihr Ver­hal­ten war einer Demo­kra­tie unwür­dig. (…) Aber so ist es auch die­ses Par­la­ment: Eine Ansamm­lung von anti­de­mo­kra­ti­schen Heuch­lern soll über Rechts­staat­lich­keit entscheiden.

(Die Rede fin­den Sie hier.)

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(Netz­fund)

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Zur Ukrai­ne.

Seit dem Ers­ten Welt­krieg sei der Anteil der zivi­len Opfer in Krie­gen ste­tig gestie­gen, erst recht in den destruk­tu­rier­ten, ter­ro­ris­tisch gepräg­ten Kon­flik­ten der letz­ten Jah­re, bilan­ziert Mau­rer. Er habe ein­mal mit Blick auf Syri­en gesagt: „Wenn man in die­sem Krieg über­le­ben will, zieht man am bes­ten eine Uni­form an.” Die Opfer sei­en fast alles Zivi­lis­ten gewesen.

Der Ukrai­ne-Krieg mar­kie­re nun eine Trend­wen­de. Die meis­ten Kriegs­teil­neh­mer gehör­ten einer regu­lä­ren Armee an und akzep­tier­ten die inter­na­tio­nal aner­kann­ten Nor­men der Kriegs­füh­rung. „Wir stel­len fest, dass es auf bei­den Sei­ten ech­te Bemü­hun­gen gibt, die­sen Kon­flikt nicht völ­lig eska­lie­ren zu las­sen. Es gibt Vor­sichts­maß­nah­men gegen­über der Zivilbevölkerung.”

Man soll­te im Zusam­men­hang mit dem Ukrai­ne­krieg in Erin­ne­rung rufen, dass der von den USA ver­ur­sach­te Krieg im Irak, des­sen Begrün­dung eine Lüge war, einer Unter­su­chung der Medi­zin­fach­zeit­schrift The Lan­cet namens „Mor­ta­li­ty after the 2003 inva­si­on of Iraq: a cross-sec­tio­n­al clus­ter sam­ple sur­vey“ zufol­ge unge­fähr 655.000 Todes­op­fer pro­du­zier­te (inner­halb von drei Jah­ren Krieg und Besatzungszeit).

Das Bun­des­wehr-Jour­nal berich­te­te im März 2015: „Die Gesamt­zahl der Todes­op­fer der Krie­ge und Kriegs­hand­lun­gen im Irak, in Afgha­ni­stan und in Paki­stan wird von der Öffent­lich­keit erheb­lich unter­schätzt. Sie liegt bei weit über einer Mil­li­on Toten. Dies ist das Ergeb­nis einer Unter­su­chung, die am 19. März zeit­gleich in Ber­lin, Washing­ton und Otta­wa ver­öf­fent­licht wur­de. Die deut­sche, die ame­ri­ka­ni­sche und die kana­di­sche Sek­ti­on der Ver­ei­ni­gung ‚Inter­na­tio­na­le Ärz­te für die Ver­hü­tung des Atom­krie­ges’ (Inter­na­tio­nal Phy­si­ci­ans for the Pre­ven­ti­on of Nuclear War, IPPNW) prä­sen­tier­ten die erschre­cken­den Ergeb­nis­se an die­sem Don­ners­tag – zwölf Jah­re nach Beginn des Irakkrieges”.

Das lass’ ich mal so stehen.

Also offen­bar ist der Ukrai­ne­kon­flikt nicht so gefähr­lich für Zivi­lis­ten wie alle Vor­gän­ger­krie­ge der ver­gan­ge­nen hun­dert Jah­re. Das ist natür­lich erfreu­lich, denn was mich am meis­ten an die­sem Krieg stört, ist, dass dort zwei ursprüng­li­che Bru­der­völ­ker auf­ein­an­der schie­ßen, also Wei­ße Wei­ße töten. Das bedeu­tet natür­lich nicht, dass ich woll­te, Wei­ße mögen Schwar­ze oder Schwar­ze Asia­ten töten, es ist mir ledig­lich ein klei­nes biss­chen ega­ler, wenn ande­re, fer­ne­re Eth­ni­en auf­ein­an­der ein­schla­gen, gera­de mit Blick auf die demo­gra­phi­sche Ent­wick­lung des Pla­ne­ten. Wei­ße haben im 20. Jahr­hun­dert zur Genü­ge Wei­ße getö­tet, inzwi­schen sind die Wei­ßen eine allent­hal­ben schrump­fen­de, auf dem Rück­zug befind­li­che, ver­grei­sen­de, von ihren glo­ba­lis­ti­schen Eli­ten der Ver­drän­gung und Ver­mi­schung bzw. dem Repla­ce­ment anheim­ge­stell­te Ras­se – und oben­drein die offi­zi­ell ein­zi­ge, gegen die es kei­nen Ras­sis­mus geben kann, obwohl, wenn man mal auf 50 Jah­re extra­po­liert, der Ras­sis­mus gegen Wei­ße von allen Ras­sis­men der mit der größ­ten Zukunft sein dürf­te. Die Wei­ßen soll­ten zusam­men­hal­ten, wenn sie in einer zuneh­mend dun­kel­häu­ti­ge­ren Mensch­heits­mas­se über­le­ben wollen.

Falls übri­gens jemand Anstoß nimmt an mei­ner mora­lisch ein­wand­frei­en und von Jesus über Moham­med bis zum Dalai Lama gedeck­ten Aus­sa­ge, dass mich der Tod eth­nisch Ähn­li­cher ein klei­nes biss­chen mehr inkom­mo­die­re als jener von, sagen wir: Klin­go­nen oder Assas­si­nen, darf ich ver­si­chern, dass die Woken und noch die Wokes­ten in die­ser Fra­ge erheb­li­che Unter­schie­de machen, denn sie erhe­ben zwar ein groß’ Geschrei, wenn ein wei­ßer Poli­zist einen Schwar­zen tötet, aber man hört kei­nen Mucks von ihnen, wenn, was in den USA die Regel ist, Schwar­ze ande­re Schwar­ze töten, erst recht nicht, wenn sie Wei­ße töten, und wenn in Afri­ka gan­ze Schwar­zen-Dör­fer von schwar­zen Ban­den, meis­tens Mos­lems, aus­ge­mor­det wer­den, inter­es­siert das die woken Heuch­ler nicht die Boh­ne. Denn von denen ist ja nichts zu holen, weder mora­lisch noch finanziell.

 

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