23. November 2022

Gleich­stel­lung bedeu­tet: Entdifferenzierung.

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Wir ent­neh­men der aktu­el­len Bericht­erstat­tung im soge­nann­ten Umfeld der Fuß­ball­welt­meis­ter­schaf­ten, auf wel­chem offen­sicht­lich die eigent­li­che Kon­kur­renz aus­ge­tra­gen wird, dass der Islam in Katar schlecht oder zumin­dest kri­tik­wür­dig sei – mir fie­le stracks eine gewis­se Pho­bie ein –, doch wenn die­ser Islam nach Deutsch­land kommt, wird er auto­ma­tisch, durch das Über­schrei­ten der Gren­ze, also durch Magie, zu einer Berei­che­rung und einem Ich-freu’-mich-drauf („Unser Land wird reli­giö­ser werden”).

Zur Magie gesellt sich der Aber­glau­be. Der Aber­glau­be, Men­schen sei­en unbe­schrie­be­ne Blät­ter. Der Aber­glau­be, sitt­li­che und reli­giö­se Vor­stel­lun­gen sei­en nach Belie­ben sozi­al über­form­bar. Der Aber­glau­be, weil man sel­ber kei­ne Iden­ti­tät habe, besä­ßen ande­re auch kei­ne. Der Aber­glau­be, wenn man sel­ber fried­lich sei, wer­de man auch nicht behelligt.

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Wenn sich im EU-Par­la­ment her­um­spricht, wer sich heim­lich die Gast­ge­ber­schaft der WM erschli­chen hat.

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„Schaue gera­de Sene­gal – Nie­der­lan­de”, schreibt Leser ***. „Habe in der sene­ga­le­si­schen Mann­schaft noch kei­nen Wei­ßen spie­len sehen, geschwei­ge denn eine Kar­tof­fel. Die Sene­ga­le­sen sind doch nicht etwa Rassisten?”

Ein­zig und allein die Län­der der Wei­ßen sol­len bunt wer­den. War­um? Das kann nur ein Ras­sist fragen…

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Ein mut­maß­li­cher sol­cher, Freund ***, sen­det mir das fol­gen­de Foto und schreibt: „Ich habe die­ses Land so satt.”

Im Juli schick­te mir ein Leser Fotos aus einer Stra­ßen­bahn in Bran­den­burg an der Havel und schrieb: „Im Sti­le klas­si­scher Decken­fres­ken hal­ten die Bran­den­bur­ger Ver­kehrs­be­trie­be ihre Fahr­gäs­te zur Migran­ten­ver­eh­rung an. Kolos­sa­le Hei­li­gen­fi­gu­ren schau­en aus dem Him­mel der Migra­ti­on auf Dich nieder.”

Damit ver­gli­chen war die DDR-Pro­pa­gan­da gera­de­zu diskret.

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Wie das alles bezahlt wird? So zum Beispiel:

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Wer ent­schei­det? „Der Waf­fen­trä­ger”, sagt Gadamer.

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Für den Lin­ken gehört die Lite­ra­tur nicht zu den Küns­ten, son­dern zur Päd­ago­gik. Streng­ge­nom­men sind für den Lin­ken alle Küns­te nur ein Son­der­zweig der Pädagogik.

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Hier spricht der Faschismus.

„Emma­nu­el Macron nennt uns (Ita­lie­ner) absto­ßend, zynisch und unver­ant­wort­lich, und jetzt fragt die Pres­se: Haben Sie gehört, was Macron über uns sagt? Er sagt, wir sei­en unver­ant­wort­lich, was für eine Schan­de. – Unver­ant­wort­lich, Emma­nu­el Macron, waren die­je­ni­gen, die Liby­en bom­bar­diert haben, weil sie besorgt waren, Ita­li­en könn­te wich­ti­ge Ener­gie­ver­trä­ge mit Gad­da­fi abschlie­ßen, und die uns dem Cha­os der ille­ga­len Migra­ti­on aus­setz­ten, das wir jetzt erle­ben. Zynisch, Emma­nu­el Macron, sind die Fran­zo­sen, die ver­su­chen, uns jeden Ein­wan­de­rer zurück­zu­schi­cken, der in Ven­ti­miglia die Gren­ze über­quert. Aber am meis­ten und weil die Din­ge klar aus­ge­spro­chen wer­den sol­len, absto­ßend ist es, dass Frank­reich fort­ge­setzt Afri­ka aus­beu­tet, indem es Geld druckt für 14 afri­ka­ni­sche Län­der und ihnen Münz­ge­büh­ren abknöpft, indem es sel­te­ne Roh­stof­fe impor­tiert, die ver­mit­tels Kin­der­ar­beit geför­dert wer­den, wie im Niger, woher Frank­reich 30 Pro­zent des Urans bezieht, das es für sei­ne Atom­kraft­wer­ke braucht, wäh­rend 90 Pro­zent der Bevöl­ke­rung dort ohne Elek­tri­zi­tät leben. Ertei­len Sie uns kei­ne Beleh­run­gen, Herr Macron, die Afri­ka­ner ver­las­sen ihren Kon­ti­nent wegen Leu­ten wie Ihnen. Die Lösung besteht nicht dar­in, Afri­ka­ner nach Euro­pa zu holen, son­dern Afri­ka von gewis­sen Euro­pä­ern zu befreien.”

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Das wur­de ja auch Zeit!

Was sagt der Land­rat, Rudi Mühl­hans übri­gens mit Namen und Mit­glied der „Bür­ger­lis­te Miteinander”?

Er „wun­dert sich”, schreibt der Münch­ner Mer­kur, „dass kei­ner­lei kon­kre­te For­de­rung im Brief erhal­ten ist“ – offen­bar haben die unte­ren Char­gen im all­ge­mei­nen Cha­os ver­ges­sen, Grenz­kon­trol­len und die Abschie­bung Hun­dert­tau­sen­der Asyl­grund­vor­täu­scher zu for­dern –: „Wel­che Lösun­gen wären aus Ihrer Sicht hilf­reich? Was tun Sie kon­kret, um die Akzep­tanz für Geflüch­te­te in der Bevöl­ke­rung zu stär­ken? Machen Sie sich auch an ande­rer Stel­le Sor­gen um eine men­schen­wür­di­ge Unter­brin­gung von Geflüch­te­ten? Wie ste­hen Sie zur Unter­brin­gung in den Anker­zen­tren? Sehen Sie die­se als men­schen­wür­dig an?“

Das Durch­hal­te­pa­ro­len­schrei­ben schließt mit den Wor­ten: „Kein Mensch ver­lässt aus frei­en Stü­cken und ohne Not sei­ne Heimat.“

Wenn die Not aber groß genug ist, ver­lässt der bra­ve Deut­sche sei­ne Hei­mat doch. Nur: An wel­chem Fleck der Erde wird er Ruhe fin­den vor den Nach­stel­lun­gen derer, die auf sei­ne Kos­ten zu leben gedenken?

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Hier spricht der Sponsor.

Es gibt ein ech­tes Brot, das einen Namen wie im Mär­chen trägt.
Allen­falls dem wun­der­li­chen Namen nach bekannt und stets unter­schätzt ist der müns­ter- und ems­län­di­sche Pum­per­ni­ckel. Er ist, sagen wir mit eben­so­viel Lokal­pa­trio­tis­mus wie Über­zeu­gung, das bes­te Schwarz- und Voll­korn­brot welt­weit. Aus einem 24stündigen Back­pro­zeß wächst ihm (durch natür­li­che Kara­me­li­sie­rung) eine leich­te Süße zu, die zusam­men mit dem run­den Brot­ge­schmack eine unver­gleich­li­che Voll­mun­dig­keit ergibt. Bei uns ent­fal­tet sich der Pum­per­ni­ckel nach zwei Sei­ten: Ein gebo­re­ner Gesel­le ist der Schin­ken, der auf dick gebut­ter­tes Pum­per­ni­ckel kommt. Die­ses ersetzt aber auch den Kuchen, wenn es nach­mit­tags, wie­der­um dick gebut­tert, ent­we­der allein oder im Sand­wich mit einem guten Müns­ter­län­der Stu­ten einer fruch­ti­gen Mar­me­la­de als Unter­la­ge dient. Da man nicht weiß, wie lang wir ein­an­der noch elek­tro­nisch errei­chen, emp­feh­len wir das Vor­rats­pa­ket.

Foto: Hein­rich Genau (1883–1942), Bau­ern­mäd­chen mit zwei Pum­per­ni­ckel­bro­ten (1919).

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(Das war eine Anzeige.)

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Ein Ham­bur­ger Fun­da­men­tal­op­po­si­ti­ons­blatt drückt auf die Trig­ger­punk­te, dass es nur so quietscht.

Dem maxi­mal unan­ge­pass­ten Autor die­ses Arti­kels, müs­sen Sie wis­sen, wur­de schon das Auto ange­zün­det, die Haus­fas­sa­de mit Nazi­pa­ro­len beschmiert, sei­ne Kin­der wer­den in der Schu­le geschnit­ten, weil der Papa im Wider­stand arbei­tet, und er kann ohne Poli­zei­schutz nir­gend­wo auf­tre­ten. Aber er lässt sich nicht einschüchtern!

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So etwas nennt man, mei­ne ich, einen Kul­tur­bruch.

D‑Mark weg. Goe­the weg. Mer­ce­des weg. Geschlech­ter weg. Volk weg. Gren­zen weg. Hei­mat weg. Alles kann weg!

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Wenn Ver­schwö­rungs­theo­rien wahr werden.

Eben.

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Ja, sol­len sie etwa Käfer essen?

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Übri­gens:

Vor aller Augen.

Was Nan­ny Fae­ser kann, kön­nen die Amis schon lange.

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Ist es nicht beru­hi­gend, in einem Land mit frei­er Pres­se zu leben?

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Kein Tag ohne Corona!

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Der Glau­be ent­springt der Bedürf­tig­keit, der Unglau­be der Hybris. Das Ableh­nen der Eides­for­mel durch man­che (alle?) grü­ne Minis­ter war ein deut­li­ches Indiz des Über­ge­schnappt­seins; man spricht die­se For­mal ja nicht als per­sön­li­ches Glau­bens­be­kennt­nis, son­dern als Ein­ge­ständ­nis sei­ner Fehlbarkeit.

Aber die Hybris wird auch von Göt­tern gestraft, die es gar nicht gibt.

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Was gibt’s Posi­ti­ves, Genos­se? Ein israe­li­scher Freund brach­te mir die­se Kip­pa mit.

Ist sie nicht ent-zück-end?

 

 

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