22. Januar 2023

Ich hal­te Men­schen, die an Gott glau­ben, für beschränkt, und Men­schen, die nicht an Gott glau­ben, für über­ge­schnappt, und ich weiß nicht, wie ich aus die­sem Zwist jemals her­aus­fin­den soll.
PS: „Wer sich nicht als beschränkt erkennt, ist es in beson­de­rer Weise.”
(Leser ***)
Das gilt aber auch für die Über­ge­schnapp­ten, die sich mit der Selbst­er­kennt­nis wahr­schein­lich noch schwe­rer tun.
***
Der Aber­glau­be, wenn man selbst fried­lich ist, wer­de man nicht angegriffen.
Der Aber­glau­be, wenn man selbst kei­ne Iden­ti­tät besitzt, besä­ßen ande­re auch keine.
***
Der jun­ge Mensch hat noch kein Gefühl dafür, wie lächer­lich eine Radi­ka­li­tät ist, die bloß eine Ver­stär­kung jenes Trends for­dert, der ohne­hin herrscht.
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„Wir woll­ten alles bes­ser machen, und dann kam es wie immer”, lau­tet der Stoß­seuf­zer des erfolg­rei­chen Umstürzlers.
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Vor­ur­tei­le sind, wie Gren­zen, not­wen­di­ge Schutz­me­cha­nis­men. Wer behaup­tet, er wol­le „Vor­ur­tei­le abbau­en”, ver­folgt Inter­es­sen und erhöht die Risi­ken der ande­ren. Das Vor­ur­teil kann nie so falsch sein wie das „abge­bau­te Vorurteil”.
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Wen eine Sache wirk­lich inter­es­siert, den inter­es­siert auch die Kri­tik an ihr.
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Die Mit­tel sind immer knapp genug, dass eine Lin­ke Knapp­heit bekla­gen und Umver­tei­lung for­dern kann.
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Es gibt kei­nen Ter­ror, der nicht aus der Tugend und der Zukunft argumentiert.
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„Wo Unter­schie­de feh­len, droht Gewalt.”
(René Girard)
***
Ver­läss­lich unbe­merkt, unkom­men­tiert und unbe­plärrt von den Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­en blieb ein Zwi­schen­fall im Bun­des­tag am ver­gan­ge­nen Don­ners­tag. Des­sen The­ma war die Aner­ken­nung des Völ­ker­mords an den Jesi­den, der ent­spre­chen­de Antrag kam von Regie­rungs­par­tei­en und Uni­on, die Bun­des­tags­vi­ze­prä­si­den­tin Kat­rin „Ich-freu-mich-drauf” Göring-Eckardt eröff­ne­te die Sit­zung und begrüß­te die auf der Tri­bü­ne sit­zen­den Ver­tre­ter der Jesi­den sowie jesi­di­schen Zuschau­er, wor­auf die­se sich erho­ben und applau­dier­ten, wie auch vie­le Abge­ord­ne­te unten im Saal (hier, ab Minu­te 1.50).
Nach­dem der Abge­ord­ne­te Mar­tin Sichert, Schwe­fel­par­tei, gespro­chen hat, wie­der­holt sich exakt das­sel­be auf der Tri­bü­ne: Vie­le Jesi­den klat­schen, man­che erhe­ben sich zu stan­ding ova­tions. Es han­delt sich zwar nicht um Bei­fall von der fal­schen Sei­te, aber um Bei­fall für die Fal­schen – die Soli­da­ri­tät mit Ver­tre­tern von Mord­op­fern endet, wenn die den Fal­schen applau­die­ren –, wes­halb die Vize­prä­si­den­tin nun ein­schrei­tet (ab 31,45, aber die gesam­te Rede ist sehr hörens­wert, der Bra­ve nennt die Din­ge getreu­lich beim Namen).

Aus­zug aus dem Protokoll:

(Bei­fall bei der AfD – Bei­fall von der Tri­bü­ne – Jan Kor­te [DIE LINKE]: Scheiß Nazis!*)
(Bea­trix von Storch [AfD], an die SPD und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN gewandt: Schau­en Sie mal hin! Die da oben klatschen!)
Vize­prä­si­den­tin Kat­rin Göring-Eckardt: Ich wei­se Sie dar­auf hin, dass auf der Tri­bü­ne Bei­fallskund­ge­bun­gen nicht gestat­tet sind. Ich bit­te Sie, davon abzu­se­hen; sonst wird die Tri­bü­ne geräumt wer­den müssen.
(Ulrich Lech­te [FDP]: Raus! Alle raus! Sofort ver­las­sen! – Dr. Nils Schmid [SPD]: Raus! – Anke Hen­nig [SPD]: Die haben gefilmt und foto­gra­fiert!)
Ja. Wir wer­den das klä­ren.
Wir haben gese­hen, dass auf die­ser Sei­te der Tri­bü­ne geklatscht wor­den ist.
(Zuruf von der SPD: Das geht gar nicht!)

Ich weiß, dass das nicht geht. Des­we­gen habe ich gesagt, dass das unter­bun­den wer­den muss.
Wenn ich noch ein­mal sehe, dass auf der Tri­bü­ne weiter­hin von irgend­wel­chen Bei­falls­be­kun­dun­gen Gebrauch gemacht wird, dann wird die­se Tri­bü­ne auch geräumt.

Zwi­schen der Begrü­ßung der dar­auf­hin applau­die­ren­den Gäs­te und der Dro­hung, sie bei wie­der­hol­tem Bei­falls­miss­brauch aus dem Saal zu wer­fen, war eine hal­be Stun­de vergangen.
Was für eine gemüts­ver­gam­mel­te, was für eine ver­lo­ge­ne Gestalt die­se Göring-Eckardt doch ist – von den Kra­kee­lern im Par­kett zu schwei­gen. Viel­leicht bringt die Bun­des­tags­ver­wal­tung an den Rücken­leh­nen der Besu­cher­bän­ke künf­tig jene von innen imprä­gnier­ten Tüten an, die man gemein­hin aus der Pas­sa­gier­luft­fahrt kennt?
Die acht­ba­ren Jesi­den wer­den sich ihren Teil gedacht haben.
Der Abge­ord­ne­te Sichert ist übri­gens mit einer jesi­di­schen Kur­din verheiratet.
* Der MdB Jan Kor­te, SED, lei­det schwer an Fascho­lalie, fin­det aber kei­nen The­ra­peu­ten, der ihn behan­deln will. Die Theo­rie, dass Karl Marx vor­aus­ah­nend an die­sen Typus gedacht haben könn­te, als er den Begriff „Men­schen­keh­richt” erfand, ist nicht zu verifizieren.

PS: „Grund­sätz­lich ist an Frau Göring-Eck­hardts Ermah­nung an die applau­die­ren­den Jesi­den nichts aus­zu­set­zen”, notiert Leser ***. „In der Geschäfts­ord­nung des Bun­des­tags ist mei­nes Wis­sens fest­ge­schrie­ben, dass von Bei­falls­be­kun­dun­gen oder Unmuts­äu­ße­run­gen von den Besu­cher­tri­bü­nen wäh­rend der Debat­te abzu­se­hen ist. Das wird den Besu­chern auch gesagt, bevor sie zu ihren Plät­zen geführt wer­den. Ich sel­ber habe schon mehr­mals als Gast Aus­schuss­sit­zun­gen im Baye­ri­schen Land­tag ver­folgt, wo es genau­so gehand­habt wird. Dass die Jesi­den bei ihrer Begrü­ßung durch KGE geklatscht haben, ist kein Pro­blem, weil es eben nicht wäh­rend der Debat­te als Reak­ti­on auf eine Abge­ord­ne­ten­re­de erfolgte.

Ob KGE auch so reagiert hät­te, wenn ein Red­ner der Grü­nen so beklatscht wor­den wäre wie Herr Sichert, kann ich natür­lich nicht mit Gewiss­heit sagen, ich ver­mu­te aber schon. Der Ton­fall wäre wahr­schein­lich ein ande­rer gewesen.”
***
Fort­ge­setz­te Höhe­punk­te der Willkommenskultur.
„Der Mann wur­de als 25 bis 40 Jah­re alt, etwa 1,70 Meter bis 1,80 Meter groß mit afri­ka­ni­schem Äuße­ren beschrie­ben.” (Es soll Zeit­ge­nos­sen geben, die sol­cher Hin­wei­se noch bedürf­tig sind.)
Sie haben sich wahr­schein­lich verflogen.
„Die Frau ist so schwer im Gesicht ver­letzt wor­den, dass ihre Seh­kraft wahr­schein­lich auf Dau­er erheb­lich ein­ge­schränkt ist.”
Malen Sie sich aus, was geschä­he, wenn Sie als soge­nann­ter Flücht­ling nach Syri­en kämen, dort von den Steu­er­gel­dern der Ein­hei­mi­schen zu leben begehr­ten, einer 74jährigen in deren Woh­nung mit Faust­schlä­gen meh­re­re Gesichts­kno­chen brä­chen und sie dann zu ver­ge­wal­ti­gen such­ten. Man wür­de Sie umge­hend lyn­chen. Und ich wüss­te, außer eini­gen recht­li­chen For­ma­li­en und zivi­li­sa­to­ri­schen Flos­keln, kein ech­tes Argu­ment dagegen.
Regier­te dort­zu­lan­de indes eine grü­ne Par­tei, gäl­ten bereits die­je­ni­gen Ein­ge­bo­re­nen als Ras­sis­ten, die die Her­kunft des rau­bei­ni­gen Gas­tes the­ma­ti­sier­ten und des­sen Abschie­bung nach Deutsch­land forderten.
Der grü­ne Para­sit wächst aber nicht auf Böden, die vor kur­zem mit Bür­ger­kriegs­blut getränkt wur­den, son­dern nur in nahr­haf­ten, fried­li­chen, wohl­ha­ben­den Gefil­den, wo er unge­stört schma­rot­zen kann.
***
Hier spricht der Sponsor.

Wenn der Grimm die Feder führt … Die ein­zi­ge wirk­lich zorn­fes­te Computertastatur.
Eine wah­re Legen­de unter Viel­schrei­bern (und eigent­lich die ein­zi­ge unter den ding­li­chen Her­vor­brin­gun­gen des PC-Zeit­al­ters) ist die Tas­ta­tur IBM Modell M, gebaut von 1984 bis 1999. Sie ver­dankt ihren nie ver­blaß­ten Ruf einer völ­lig über­le­ge­nen Mecha­nik: Ihre Tas­ten lösen mit­tels einer veri­ta­blen Schrau­ben­fe­der aus („buck­ling spring“ oder Knick­fe­der). Der Gegen­druck der Feder und ihr Rück­stell­ver­hal­ten geben eine uner­reicht kla­re tak­ti­le und akus­ti­sche Rück­mel­dung an den Schrei­ber, was die Ein­ga­ben deut­lich beschleu­nigt und die Anzahl der Tipp­feh­ler dras­tisch min­dert. Die deut­sche IT-Sei­te golem.de stellt fest: „Der Buck­ling-Spring-Mecha­nis­mus der Tas­ten ist beson­ders für Viel­schrei­ber ein Traum.” – Zur Buck­ling-Spring geht’s hier.

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(Das war eine Anzeige.)

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Ich hat­te neu­lich die­se Mel­dung im Sor­ti­ment, die von meh­re­ren Gazet­ten ven­ti­liert wurde.
Dazu fand ich den fol­gen­den rela­ti­vie­ren­den, auf­rech­nen­den und bei Son­nen­lich­te bese­hen auch ver­harm­lo­sen­den Tweet.
Wahr­schein­lich haben die sich ein­fach über Genera­tio­nen an die Hit­ze gewöhnt. Die meis­ten Ara­ber und Schwar­zen sind bei sich daheim ja auch ganz fried­lich, aber wenn sie zu uns in die unge­wöhn­li­che Hit­ze kom­men, dre­hen die natür­lich immer wie­der mal durch.
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Merk­wür­dig indes, dass die Senio­ren plötz­lich scha­ren­wei­se einer Erwär­mung zum Opfer fal­len, die es 2020 noch nicht gab, obwohl die durch­schnitt­li­chen Tem­pe­ra­tu­ren sich seit­her nicht erhöht haben.
***
Es sei unzu­tref­fend, meint Leser ***, „zu unter­stel­len, bei der soge­nann­ten Kli­ma­po­li­tik gin­ge es ums Kli­ma oder ums CO2. Das ist mit­nich­ten der Fall. Jeder Gym­na­si­ast kann aus­rech­nen, dass die pro­kla­mier­ten Zie­le die­ser Poli­tik für das Kli­ma völ­lig wir­kungs­los sind. Hat jemand ver­sucht, die Viel­zahl glim­men­der Koh­le­flö­ze in aller Welt zu löschen? Nein, dar­um geht es nicht. Es geht ums Geld, wie so oft im Leben. Auch wenn der unter­stell­te Sach­ver­halt, das CO2 wür­de dem Kli­ma scha­den, auf Modell­rech­nun­gen beruht und letzt­lich unbe­wie­sen ist, so zeigt sich doch jeden Tag, dass gera­de CO2 sich zur Besteue­rung und zur Bemes­sung von aller­lei Umla­gen und Trans­fers bes­ser eig­net als Was­ser­dampf, Methan oder was die Natur sonst noch im Ange­bot hat.
Eine gro­ße Mehr­heit zivi­li­sier­ter Men­schen lässt sich von die­sem Eti­ket­ten­schwin­del hin­ter die Fich­te führen.”
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„Was ist der Unter­schied zwi­schen Wes­sis und Russen?
Die Rus­sen sind wir losgeworden.”
(Säch­si­scher Witz)
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