7. Oktober 2023, Geburtstag der DDR

Momen­tan ster­ben israe­li­sche Zivi­lis­ten in, wie zu befürch­ten ist, gro­ßer Zahl und, wie den ers­ten Video­se­quen­zen zu ent­neh­men ist, auf bar­ba­ri­sche Wei­se. Die Ant­wort Isra­els wird schnell und hef­tig erfol­gen. Mei­ne Gebe­te wer­den sie begleiten.

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„Mor­gen fin­det in Hes­sen und Bay­ern ein gro­ßer öffent­li­cher Intel­li­genz­test statt.”
(Netz­fund)

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„Links zu sein, bedarf es wenig”, pfleg­te Johan­nes Gross zu sagen oder gar zu träl­lern. Das stimmt natür­lich, links und dumm, links und jung, links und illu­si­ons­be­dürf­tig, links und glau­bens­durch­glüht, das passt gut zusam­men. Die lin­ke Selbst­herr­lich­keit beruht auf der Anma­ßung, die Gesell­schaft aus dem kom­mo­den Wol­ken­ku­ckucks­heim lin­ker Zukunfts­ver­hei­ßun­gen zu kri­ti­sie­ren, die sich an kei­ner Rea­li­tät mes­sen las­sen müs­sen; Lin­ke sind Anklä­ger, Mise­ra­bi­lis­ten, „Not­süch­ti­ge” (Nietz­sche), die das Para­dies ver­spre­chen, aber nie auch nur das Ticket dort­hin ver­kau­fen. Ich bin nach mei­nen 61 Erden­jah­ren zu dem Schluss gelangt, dass dem Links­sein ein Cha­rak­ter­de­fekt inne­wohnt, der sich noch nicht zwin­gend zeigt, wenn Lin­ke gegen ein offen­kun­di­ges Unrecht rebel­lie­ren, aber sofort zuta­ge tritt, wenn sie irgend­wo herr­schen, sei es in einem Land oder nur in einer Redak­ti­on. Der Lin­ke ist gemein­hin über­zeugt davon, im Recht zu sein, er argu­men­tiert nicht ana­ly­tisch, son­dern mora­lisch, er lebt bevor­zugt im Opt­a­tiv und kri­mi­na­li­siert die­je­ni­gen, die ande­rer Mei­nung sind. In den sozia­lis­ti­schen Staa­ten hat man es stu­die­ren kön­nen (auch wenn Lin­ke stets behaup­ten, dort, wo Lin­ke geherrscht haben, sei der „wah­re” Sozia­lis­mus gar nicht errich­tet, son­dern ver­ra­ten worden).

Heu­te voll­zieht sich die­se Herr­schaft in der poli­ti­schen, kul­tu­rel­len, uni­ver­si­tä­ren, päd­ago­gi­schen und neu­er­dings auch kirch­lich-theo­lo­gi­schen Sphä­re, nicht in der öko­no­mi­schen, weil es kei­ne lin­ke Öko­no­mie gibt, wie man am ver­läss­li­chen Zusam­men­bruch der lin­ken Staa­ten gese­hen hat und immer sehen wird. Der lin­ke Impuls in den moder­nen west­li­chen Gesell­schaf­ten resul­tiert nicht aus der Tat­sa­che eines Unterdrückt‑, son­dern aus dem Gefühl des Zukurz­ge­kom­men­seins. Lin­ke kön­nen kein Geld erwirt­schaf­ten, wes­halb sie es ande­ren weg­neh­men müs­sen. Der Lin­ke fühlt sich immer unter­schätzt und unter­be­zahlt. In sei­ne Ankla­ge der Gesell­schaft mischt sich gewöhn­lich der Seuf­zer des Selbst­mit­lei­des. Zum Selbst­mord indes sind Lin­ke in der Regel nicht imstande.

Die schlimms­te Eigen­schaft des Lin­ken ist näm­lich sein gutes Gewissen.

PS: „Ihr kur­zes Psych­gramm der Lin­ken darf ich mir erlau­ben, um ein nicht unwe­sent­li­ches Merk­mal zu ergän­zen”, schreibt Leser ***. „Ein gewis­ser Asfa-Wos­sen Asse­r­a­te hat vor schät­zungs­wei­se 20 Jah­ren ein sehr lesens­wer­tes Buch über Manie­ren geschrie­ben. Ich wet­te, Sie ken­nen es. In Rubri­ken unter­teilt erwähnt er u.a. das Vul­gä­re und benennt als basa­len Pöbel­re­flex die Unfä­hig­keit zur Bewun­de­rung ver­bun­den mit der Unter­stel­lung, dass hin­ter allem Gro­ßen, Schö­nen und Gelun­ge­nen stets nichts wei­ter ste­cke als ein fau­ler Trick, das gan­ze in Ver­bin­dung mit einem ‚Sich-im-Recht-füh­len’ per se, was wie­der­um eine völ­lig ent­hemm­te Scham­lo­sig­keit zur Fol­ge hat. Das ist jetzt frei aus dem Kopf ‚zitiert’, aber ich den­ke im wesent­li­chen rich­tig. Fest steht, der Lin­ke kann nicht bewun­dern, son­dern nur beschmut­zen, er kann nichts errich­ten, son­dern nur zerstören.”

PPS: Auf das Nach­boh­ren eines ande­ren Lesers hin such­te und fand ich die Stel­le im Buch „Manie­ren”, das ich selbst­ver­ständ­lich gele­sen habe (S. 134):

Leser *** hat sich also rich­tig erin­nert, aller­dings schreibt Asse­r­a­te die­se Cha­rak­te­ris­ti­ka – er fügt noch die Unfä­hig­kei­ten hin­zu, sich schul­dig zu füh­len sowie den Rang eines ande­ren zu erken­nen – nicht den Lin­ken zu – eine so kon­kre­te wie pau­scha­le Zuord­nung hät­te er wohl für unma­nier­lich gehal­ten –, son­dern eben den vul­gä­ren Men­schen. Links und vul­gär haben natür­lich eine rie­si­ge Schnittmenge.

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Schau­en wir am DDR-Geburts­tag auf eini­ge Exem­pel lin­ken Trei­bens, Ankla­gens, Posie­rens und Sichtollfühlens.

Aus soge­nann­tem aktu­el­len Anlass möch­te ich zuerst die Bli­cke der geschätz­ten Eck­la­den­be­su­cher auf die Leser­schaft eines Ham­bur­ger Zen­tral­or­gans der täti­gen Nächs­ten­lie­be und Mit­mensch­lich­keit len­ken, die in ihren Kom­men­ta­ren zum mut­maß­li­chen Angriff auf den Chef der Schwe­fel­par­tei einen ergrei­fen­den Ein­blick in die lin­ke Gemüts­la­ge gewährt (ich habe mei­ner sen­si­blen Nüs­tern wegen nur die ers­ten bei­den Sei­ten angeklickt).

Man ahnt ent­zückt, dass in Tei­len die­ses Vol­kes, sogar dort, wo man sie am wenigs­ten ver­mu­tet hät­te, noch eine gewis­se – zumin­dest ver­ba­le – Pogrom­ge­neigt­heit lebt. Und in sei­nen jour­na­lis­ti­schen Beob­ach­tern die Bereit­schaft zur Problemtoleranz.

Wenn ein Björn Höcke im auf­ge­klär­tes­ten Deutsch­land aller Zei­ten ohne sei­ne zahl­rei­chen Per­so­nen­schüt­zer in der Öffent­lich­keit auf­tauch­te, deut­sche Gut- und Bes­ser­men­schen wür­den über ihn her­fal­len und ihn wie die Bak­chen den Pen­theus in Stü­cke rei­ßen. Guten Gewissens.

PS: Nur als Option.

(Quel­le: das Schwurb­ler­por­tal Deutsch­land­funk.)

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Wech­seln wir in die Sphä­re des öffent­lich-zuläs­si­gen Humors. Die Frank­fur­ter Rund­schau über­rascht mich gele­gent­lich mit der Tat­sa­che ihrer fort­dau­ern­den Existenz.

Der Name ist in der Über­schrift falsch geschrie­ben, aber wer kann sich heut­zu­ta­ge schon Kor­rek­to­ren leis­ten. Wel­ches Pro­blem hat nun Frau Echart?

„Bei ‚Nuhr im Ers­ten’ teilt sich die 30-jäh­ri­ge Poet­ry Slam­me­rin das Publi­kum sehr ger­ne mit ihrem TV-Zieh­va­ter Die­ter Nuhr. Und das passt gut zusam­men: Die Wit­ze bei­der zün­den – wenn über­haupt – vor allem bei einem kon­ser­va­ti­ven Publi­kum, das, den Fern­seh­bil­dern nach zu urtei­len, vor­nehm­lich bio-deutsch und über 50 Jah­re alt zu sein scheint.”

Das mag, ver­gli­chen mit dem Publi­kum der Rund­schau, zwar durch­aus juve­nil anmu­ten, doch der FR-Leser hat ja über­haupt nichts zu lachen. Wir regis­trie­ren: Wenn sich Bio­deut­sche jen­seits der 50 amü­sie­ren, besteht ein „erns­tes Pro­blem”. Denn die­se gene­tisch benach­tei­lig­ten, aber der Inklu­si­on unwür­di­gen Toren lachen über die „unori­gi­nells­ten der gän­gi­gen Kli­schees” – wor­aus Sie fol­gern dür­fen, dass es sowohl ori­gi­nel­le als auch nicht­gän­gi­ge Kli­schees gibt, wenn­gleich nicht ganz klar ist, wie sie es dann zum Kli­schee schaf­fen konn­ten (ich wäre nicht so pin­ge­lig, wenn nicht unter dem Arti­kel stün­de, dass des­sen Ver­zap­fer für die Tita­nic schreibt). Als Bei­spiel nennt der Autor „eine wirk­lich sehr fla­che Poin­te, die über den Wort­witz ‚Angriffs­mi­nis­ter statt Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter’ funk­tio­nie­ren soll”, der ja gut ist und den ich erst­mals von mei­nem Jüngs­ten, damals sie­ben oder acht, hör­te; er frag­te, als er in den TV-Nach­rich­ten vom deut­schen Ver­tei­di­gungs­mi­nis­ter hör­te, sehr gescheit: Und wer ist zustän­dig für Angriff?

„Die Beob­ach­tun­gen von Lisa Eck­hart sind tri­vi­al. Die Witz­kon­struk­tio­nen sind durch­schau­bar. Die Poin­ten der­art unori­gi­nell, dass sie sich nur noch für mit­tel­klas­si­ge Fast­nachts­sit­zun­gen in pro­vin­zi­el­len Bür­ger­häu­sern mit einem schon reich­lich vom Alko­hol ange­hei­ter­tem Publi­kum eignen.”

Also ich fin­de die Eck­hart höchst amü­sant (und darf mir auch ins Kerb­holz schnei­den, sie schon vor vie­len Jah­ren für die Acta „ent­deckt” zu haben), damit stün­de es schon 1:1. Wo sie auf­tritt, sind die Säle voll. Im Gegen­satz zu FR, Tita­nic und die­sem Namen­lo­sen hat sie ein Publikum.

„Wie­so die ARD die Öster­rei­che­rin aber immer wie­der als Höhe­punkt des wöchent­li­chen Kaba­rett-For­mats ‚Nuhr im Ers­ten’, das ohne­hin schon genug unter sei­nem Gast­ge­ber Die­ter Nuhr zu lei­den hat, prä­sen­tiert, fra­gen sich nicht weni­ge und auch nicht erst seit Kurzem.”

Fra­gen sich nicht weni­ge und auch nicht erst seit Kur­zem im Fal­le Wel­kes und Böh­mer­manns ebenfalls.

„Mit der Pro­vo­ka­ti­on als Stil­mit­tel sicher­te sich Eck­hart die Lacher des reak­tio­nä­ren Publi­kums, das der Mei­nung ist, dass man heu­te ja nicht mehr sagen dür­fe, und war sich somit des Applau­ses aus der rech­ten Ecke sicher.”

Die „Pro­vo­ka­ti­on als Stil­mit­tel” rügt aus­ge­rech­net ein Lin­ker. Die­ser nicht allein cha­rak­ter­lich defi­zi­tä­re Men­schen­schlag kann es nicht lei­den, wenn sich Nicht­lin­ke amü­sie­ren; tun die Tum­ben es doch, ist der lin­ke Rezen­sent halb belei­digt, halb indi­gniert; mehr steht nicht drin in dem Arti­kel. Der Bub ist sei­ner­seits tumb genug, sein Geschmacks­ur­teil als irgend­wie maß­geb­lich ver­kau­fen zu wol­len, ohne dem Leser auch nur irgend­ein Plä­sier zu berei­ten, das mit den Sot­ti­sen der Eck­hart kon­kur­rie­ren könn­te. Das ein­zig Wit­zi­ge an sei­nen Behaup­tun­gen ist, dass sie aus dem Glas­haus der Frank­fur­ter Rund­schau in die sich lich­ten­den Rei­hen des vor­nehm­lich bio­deut­schen Publi­kums gewor­fen wer­den und ein Tita­nic-Autor solch unin­spi­rier­tes Zeug schreibt; kein Wun­der, dass der Laden plei­te ist. Bezie­hungs­wei­se nicht plei­te, er muss nur bald mit dem Pro­du­zie­ren aufhören.

„Lisa Eck­hart beherrscht schlicht ihr Hand­werk nicht.”

Doch, das tut sie. Viel­leicht ver­sucht es unser Fatz­ke mal mit einem Kon­to­stands­ver­gleich – im Gegen­satz zu Wel­ke und Böh­mer­mann ist die Gute nicht auf Zwangs­bei­trä­ge ange­wie­sen. Wobei die­ser Ver­gleich ja in nahe­zu jeder lin­ken „Kri­tik” mit­schwingt, was die typi­sche Mischung aus Gehäs­sig­keit und Weh­lei­dig­keit erklärt.

PS: „Muss ich das ver­ste­hen, war­um sogar ein bele­se­ner Mann wie Sie, die Qua­li­tät eines Künst­lers dar­an bemisst, wie erfolg­reich er ist?”, rügt Leser *** mei­nen Hin­weis, dass bei Lisa Eck­hart die Säle voll sei­en. „Und das Niveau der FR run­ter­zieht, weil die Ver­kaufs­zah­len über­schau­bar sind? Die­se Argu­men­ta­ti­ons­ket­te ist kom­plett für die Ton­ne, es sei denn man woll­te jenen in die Kar­ten spie­len, die behaup­ten: Der Erfolg gibt einem Recht. Das tut er nicht, der Erfolg gibt einem nicht Recht und er sagt null Kom­ma nichts dar­über aus, ob jemand es ver­dient, gehört oder gele­sen zu werden.”

Zu 51 bis 75 Pro­zent hat Leser *** recht. Es gibt auch unglaub­li­che Schwach­köp­fe, die Erfolg haben, spe­zi­ell in der Zeit­ver­treibs­bran­che, auch in den Küns­ten, und gera­de der Durch­schnitts­ko­mö­di­ant füllt die Säle des Durch­schnitts­pu­bli­kums. (Johan­nes Gross hat vor unge­fähr 30 Jah­ren geschrie­ben, die Geschich­te der Fern­seh­un­ter­hal­tung voll­zie­he sich in drei Stu­fen: Klu­ge machen Fern­se­hen für Klu­ge, Klu­ge machen Fern­se­hen für Dum­me, Dum­me machen Fern­se­hen für Dum­me; und er wähn­te uns damals beim Über­gang von Stu­fe zwei zu Stu­fe drei.) Ich habe mich hin­rei­ßen las­sen, weil das Erfolgs­ar­gu­ment bei Lin­ken fast immer zwi­schen die Hör­ner trifft. Aber es ist ande­rer­seits nicht wahr, dass Erfolg nichts aus­sa­ge; im Gegen­teil, Erfolg und Talent kor­re­lie­ren, aber nur Gott weiß, wie.

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Kom­men wir zum lin­ken Ras­sis­mus, gemein­hin gela­belt als „Anti­ras­sis­mus.”

Da die Suche nach einem wei­ßen bil­dungs­bür­ger­li­chen Ver­lag wirk­lich arg lan­ge dau­ern kann, wür­de ich vor­schla­gen, es in einem schwar­zen, india­ni­schen, scha­ria­ti­schen oder ger­ia­tri­schen zu versuchen.

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An die­ser Stel­le ist ein Ein­schub fäl­lig. Frank Böckel­mann, ein ehe­ma­li­ger, in den Jah­ren der Rei­fe zur Ver­nunft gekom­me­ner Lin­ker und Her­aus­ge­ber der deut­schen Zeit­schrift mit dem ori­gi­nells­ten Unter­ti­tel, hat ein Inter­view mit der deutsch-afgha­ni­schen Schrift­stel­le­rin Mari­am Küh­sel-Huss­ai­ni geführt. Küh­sel-Huss­ai­ni nähe­re sich in ihren Roma­nen „Emil” und „57” – ich habe sie noch nicht gele­sen und kann­te die Dame bis­lang nicht – „dem Natio­nal­so­zia­lis­mus und dem Ver­sin­ken Deutsch­lands in einem Abgrund der Schul­dig­keit und Selbst­er­nied­ri­gung auf uner­hör­te Wei­se”. Haupt­fi­gur in bei­den Roma­nen ist Rudolf Diels, der ers­te Chef der Gesta­po, Geg­ner Himm­lers und Heyd­richs, Zeu­ge in den Nürn­ber­ger Pro­zes­sen, Autor und Freund des Spie­gel-Grün­ders Rudolf Aug­stein. „Mari­am Küh­sel-Huss­ai­ni kämpft mit einer Unbe­fan­gen­heit, zu der kein Autor deut­scher Abstam­mung fähig wäre, furi­os gegen das Abglei­ten der Deut­schen ‚in die tota­le Unmün­dig­keit’ ”, notiert Böckel­mann und beschei­nigt ihr, sie schrei­be „ent­fes­selt, gera­de­zu eksta­tisch”. Die Sät­ze „damp­fen, sind auf­ge­la­den mit ver­we­ge­nen Bil­dern, Ver­glei­chen und Asso­zia­tio­nen”. Ihre Pro­sa sei „kraft­strot­zend” und ereig­ne sich „in einer Sphä­re chro­ni­scher Hoch­ge­stimmt­heit”. Was ja schon mal inter­es­sant klingt. 

Auch im Inter­view – Sie fin­den es hier – schlägt die Maid einen außer­ge­wöhn­li­chen Ton an:

„Sehr will­kom­men sind mir Ihre Wor­te jen­seits von sich anma­ßend breit­ma­chen­dem Seicht­tum, jen­seits von Angst, jen­seits der ver­stö­ren­den Zurück­hal­tung tau­sen­der Stim­men da drau­ßen, die im Wort nicht die Auf­ga­be der Suche nach der zer­stör­ten Wahr­heit sehen, son­dern die bezahl­te Ein­la­dung zum schrift­stel­le­ri­schen Schwei­gen.”

Ich kann, wie gesagt, kein Urteil ablie­fern außer jenem, dass ich das Gespräch span­nend fin­de, wes­halb ich kom­men­tar­los ein paar Aus­zü­ge einrücke:

„Mei­ne ein­zi­ge Dro­ge fern mei­ner kör­per­ei­ge­nen, afgha­nisch auf­ge­la­de­nen, zen­tral­asia­tisch dio­ny­sisch-gött­li­chen Offen­ba­run­gen (ist) der Kampf gegen das Schau­keln in die tota­le Unmün­dig­keit, durch längst brä­sig ver­faul­te Nar­ra­ti­ve in der Deut­schen Geschich­te. Sie hat es ver­dient, ab 1945 in einem Licht der Besin­nung geheilt zu wer­den. Kampf gegen Nar­ra­ti­ve, das ist auch ein Kampf gegen die geziel­ten Begren­zun­gen unse­res Geis­tes, ein Kampf für die Wahr­heits­su­che der frei­en Men­schen die­ser Welt, ein Kampf gegen Wiki­pe­dia, ein Kampf gegen gekauf­te Poli­tik­wis­sen­schaft, ein Kampf gegen tote Spra­che, ein Kampf gegen Mora­lis­mus und Alar­mis­mus. Ich habe weder etwas übrig für Zer­stö­rer, die vor­ge­ben, Deutsch­land durch ein ana­chro­nis­tisch ver­ewig­tes Wirt­schafts­wun­der zu ret­ten, und doch nur kei­fen auf ihren Platt­for­men der Welt­ver­het­zung – noch für eine grü­ne Deutsch­land-Kas­trie­rung, die ernst­haft glaubt, der Schwach­sinn ihrer Selbst­zer­stö­rung wür­de nicht durch­schaut und ent­schlüs­selt. Nein, die­ses Land braucht Bal­sam, Trost und Hoff­nung und es muss wie­der ler­nen, Glück zu emp­fin­den, beim Gedan­ken an sich selbst.”

„In die­sem Land ist seit 1945 die See­le futsch. Gerech­tig­keit hat sich in Unter­stel­lung und Het­ze ver­wan­delt, Poe­sie und Geschichts­ho­heit hin­ge­gen gel­ten als das Böse schlecht­hin. War­um? Weil Quel­len­wis­sen uns aus his­to­ri­schen Zäsu­ren befreit. Weil Spra­che befreit. Weil bei­des Frei­heit ist. Die hie­si­gen Men­schen aber sol­len nicht frei, sie sol­len geis­tig unter­drückt, in auf­ge­klär­ter Atmo­sphä­re beschnit­ten werden.”

Das gehei­me Deutsch­land heu­te spie­gelt sich in der unge­bro­che­nen Sehn­sucht und dem geis­ti­gen Ein­satz für eine freie Men­schen­klas­se. Kol­lek­ti­vis­mus und Geschichts­ver­stüm­me­lung müs­sen end­lich auf­ge­ge­ben wer­den. Schuld an die Men­schen­wür­de des Schul­di­gen ange­passt sein. Der Über­staat wie­der zum Staat aus der Ord­nung sei­ner ein­zel­nen Per­sön­lich­kei­ten erblü­hen. Ein­sam­keit ist der Weg zum Ein­zel­nen, ist der Pfad zu einer gemein­sa­men Gesin­nung der Frei­heit. Deutsch­land hat genug gelit­ten, von den Affek­ten, die der gro­be Ver­sailler Ver­trag aus­lös­te, bis hin zu ihrem Mas­sen­selbst­mord, als sie sich für Hit­ler ent­schie­den, bis hin zur Stun­de null, die hin­ter den Trüm­mer­ku­lis­sen bereits auf Jahr­zehn­te ein­ge­spielt wur­de, bis hin zur heu­ti­gen poli­tisch-gesell­schaft­li­chen Ein­stel­lung durch ans Ruder gelang­te Bon­zin­nen. Deutsch­land ist nicht ver­flucht. Ich plä­die­re dafür, den aus­wen­dig gelern­ten Schuld­pe­gel her­un­ter­zu­dre­hen, damit ein neu­er Mor­gen am Hori­zont erwa­chen kann und das Erpres­sen ein Ende hat.”

„Herr­lich, wie der ‚Erz­ju­de’ Jacob Tau­bes hier die Bes­tie Ernst Nol­te als eine der wahr­haf­tigs­ten Aus­nah­men unter den His­to­ri­kern fei­ert! Wer weiß, wie lan­ge die Anti­s­til-Geis­tes­zwer­ge bei Mer­ve so hoch­ge­fähr­li­ches Zeug noch in den legen­dä­ren Rega­len belas­sen. Wenn ihnen die gigan­ti­sche deut­sche SCHULD genom­men wür­de – was blie­be ihnen dann noch als Eigenes?”

„Die deut­sche Schuld hat Deutsch­land klein gehal­ten, und noch klei­ner wird es wer­den, wenn es nicht die letz­te Kam­mer sei­ner Per­sön­lich­keit betritt: jene gol­de­ne Kam­mer, die kei­ne Angst mehr hat, die Welt jen­seits des trans­at­lan­ti­schen Tumors zu berühren.”

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Leser *** stößt sich an mei­ner Bemer­kung, dass bereits den 68ern der prä-woke Geist der „Can­cel Cul­tu­re” inne­wohn­te (Acta vom 5. Oktober):

„Man muss die 68er rück­bli­ckend nicht toll fin­den, aber ihnen zu unter­stel­len, dass sie was mit die­sen woken Dep­pen gemein­sam haben, das ist schon böse und weit dane­ben. Ist es nicht so, dass Sie damals noch gar nicht dabei sein konn­ten? Dass sie also alles ledig­lich vom Hören/Sagen ken­nen? Glau­ben Sie wirk­lich, dass nur wenig spä­ter einem Groß-Teil der 68er nicht bereits klar war, dass die Beför­de­rung eines pri­mi­ti­ven Gewalt-Freun­des zum Außen­mi­nis­ter nichts mehr mit der Wer­ten von 68 zu tun hat? Könn­te es nicht sein, dass auch die Zustän­de damals, ganz genau wie heu­te, in den Main­stream-Medi­en nur ein­sei­tig dar­ge­stellt wur­den, und dass dies Ihre Quel­len sind? Also Ihre Infor­ma­tio­nen zu den 68ern? Wenn also in 50 Jah­ren ein heu­te wie Sie damals 10jähriger die heu­ti­gen Zustän­de kom­men­tie­ren wird, müss­te der dann nicht zu Schlüs­sen der Art kom­men, wie Sie das jetzt zu 68 tun?
Ein ehe­ma­li­ger 68er ist heu­te mit einer deut­schen Poli­tik-Welt kon­fron­tiert, die nicht so sehr ver­schie­den von der dama­li­gen ist. Ein Kanz­ler, der für einen von ihm gedeck­ten Betrug am Steu­er­zah­ler, zu Guns­ten eines Cum Ex von der Staats­an­walt­schaft geschützt wird. Minis­ter in Gesundheits‑, Ver­tei­di­gungs- oder Ver­kehrs­mi­nis­te­ri­en und ande­ren, die ganz offen­sicht­lich kor­rupt sind und gegen die Inter­es­sen der Bür­ger arbei­ten… Wor­in unter­schei­det sich denn ein dama­li­ger Bun­des­prä­si­dent Lüb­ke mit sei­nem ‚Sehr geehr­te Damen, sehr geehr­te Her­ren, lie­be Neger…’ von einer Baer­bock oder einer Fae­ser? Und selbst­ver­ständ­lich wis­sen wir alle schon vor­her, dass in den Fäl­len von Wei­del & Co alle gemein­sam über Fal­se-Flag-Aktio­nen für den Wahl­kampf reden wer­den, aber soll­te so was einer Baer­bock pas­sie­ren, wür­den sie die Todes­tra­fe wie­der ein­füh­ren wollen…
Ein 68er von damals sieht an dem heu­ti­gen Saft­la­den, dass anschei­nend alle Mühe für Fort­schritt ver­ge­bens ist. Sein alter Phy­sik-Pro­fes­sor hat­te dem ech­ten 68er ja damals schon pro­phe­zeit, dass das 2. Gesetz der Ther­mo­dy­na­mik die Mög­lich­keit einer Bes­se­rung immer ver­hin­dern wird.”
Ich kann Ihnen ver­si­chern, geehr­ter Herr ***, dass Sie kei­nes­wegs der ein­zi­ge „Alt-68er” sind, der sich mir gegen­über in die­sem Sin­ne aus­spricht. Zunächst aber: Ihre Bemer­kung, ich kön­ne das Phä­no­men 68 nicht beur­tei­len, weil ich nicht dabei war, ist durch­aus komisch; dann will ich näm­lich hin­fort kein Wort mehr über das Drit­te Reich hören. Wie die Evan­ge­lis­ten waren auch die Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­ger nicht dabei. Dann wäre jede Art Geschichts­schrei­bung unmög­lich, und wir beweg­ten uns noch mehr, als ohne­hin üblich, im Reich der Sagen und Mythen.
Ich möch­te außer­dem Ihrer Aus­sa­ge teil­wei­se wider­spre­chen, die Zustän­de damals sei­en, „genau wie heu­te, in den Main­stream-Medi­en nur ein­sei­tig dar­ge­stellt” wor­den. Die lin­ken Medi­en, grob gesagt: alle außer Sprin­ger, haben schon damals eher hagio­gra­fisch berich­tet – inso­fern durch­aus ein­sei­tig –, das Bild könn­te also, wären dies mei­ne Quel­len, eher nur zu posi­tiv aus­fal­len. Frei­lich kann­te und ken­ne ich auch eini­ge 68er per­sön­lich, natur­ge­mäß „Rene­ga­ten” (Jörg Fried­rich, Klaus Rai­ner Röhl, Gün­ter Maschke, in Tei­len Peter Slo­ter­di­jk, wahr­schein­lich kann man auch, mit allen Ein­schrän­kun­gen, die ihm als lite­ra­ri­schem Soli­tär gebüh­ren, Eck­hard Hen­scheid dazu­zäh­len), ich habe auch hin­rei­chend vie­le Memoi­ren, lite­ra­ri­sche und his­to­ri­sche Dar­stel­lun­gen, Kon­kret- und Kurs­buch-Aus­ga­ben etc. pp. gele­sen, um mir halb­wegs ein Urteil bil­den zu kön­nen. Und das lau­tet, kurz gefasst:
Gewiss war das Phä­no­men 68 nicht so sim­pel homo­gen, wie es in der Rück­schau von jour­na­lis­ti­schen Sym­pa­thi­san­ten gern dar­ge­stellt wird, was sich allein dar­an zeigt, wel­che ver­schie­de­nen poli­ti­schen Wege dort ihren Anfang nahen; sie führ­ten bekannt­lich, um nur die Rän­der zu nen­nen, vom Links­ter­ro­ris­mus der RAF über Bernd Rabehls Bekennt­nis zur deut­schen Nati­on (und nach­träg­li­chen Rena­tio­na­li­sie­rung der hal­ben Bewe­gung) bis zum Natio­nal­so­zia­lis­mus Horst Mahlers, der inter­es­san­ter­wei­se von der RAF kam, und auch der anti­deut­sche Extre­mis­mus der Grü­nen hat­te sei­ne Wur­zeln in die­sem „geist­lo­sen Destruk­ti­ons­thea­ter” (Joa­chim Fest). Der 68er Main­stream fass­te jeden­falls Fuß in der deut­schen Poli­tik – Otto Schi­ly, Ter­ro­ris­ten­an­walt, Jür­gen Trit­tin, K‑Grup­pen-Mann, Josch­ka Fischer, Stra­ßen­kämp­fer, e tut­ti quan­ti –, im media­len und uni­ver­si­tä­ren Betrieb und erzeug­te einen Men­ta­li­täts­wan­del, der die­ses Land kom­plett ver­än­dert hin­ter­ließ. Wenn Sie jetzt sagen, dass Schi­ly, Fischer und Trit­tin gar kei­ne Kern‑, son­dern After-68er waren: Das mag sein. 68er sein bedeu­tet nicht, Ange­hö­ri­ger einer Gene­ra­ti­on, son­dern Trä­ger eines Zeit­geists zu sein, der sich kri­tisch-anti­au­to­ri­tär-eman­zi­pa­to­risch gibt und des­sen Ver­tre­ter sich bei aller kar­rie­re­be­ding­ten Anpas­sungs­be­reit­schaft nie ganz von der Idee ver­ab­schie­det haben, dass der Kapi­ta­lis­mus das fal­sche Wirt­schafts­sys­tem sei, die Bun­des­re­pu­blik der fal­sche Staat und die Deut­schen dar­in das fal­sche Volk.
Die 68er und ihre Adep­ten bzw. Adla­ten infil­trier­ten die Medi­en, den Uni­ver­si­täts- und Kul­tur­be­trieb, die SPD, die Gewerk­schaf­ten und schließ­lich die Grü­nen. Auch Ange­hö­ri­ge der Gene­ra­ti­on der gro­ßen Brü­der und spä­ter Gebo­re­ne spran­gen auf den gesin­nungs­kon­junk­tu­rell viel­ver­spre­chen­den Zeit­geist­zug. Eini­ge spran­gen wie­der ab, ein paar wur­den sogar Rene­ga­ten wie der erwähn­te Gevat­ter Maschke. Wäh­rend das Per­so­nal auf der Lok weit­ge­hend das­sel­be blieb, wech­sel­ten die The­men mun­ter. Grün waren die 68er ursprüng­lich über­haupt nicht, femi­nis­tisch noch weni­ger, und auch ihren rigi­de anti­pa­trio­ti­schen Zug beka­men sie erst, nach­dem sie die soge­nann­te Ver­gan­gen­heits­be­wäl­ti­gung als Kar­rie­re­ve­hi­kel ent­deckt hatten.

Als Kon­stan­te hat der Münch­ner Poli­to­lo­ge Franz Schnei­der eine „Reser­va­tio men­ta­lis“ aus­ge­macht, das heißt: „zwar gesell­schaft­li­che Akzep­tanz des Sys­tems als zur­zeit unum­stöß­lich, aber ver­in­ner­lich­te Ableh­nung des­sel­ben (ohne sinn­vol­les Ersatz­an­ge­bot) sowie abruf­ba­re Aggres­si­ons­be­reit­schaft bei punk­tu­el­len Anlässen“.

Die Fra­ge, was die 68er poli­tisch über­haupt woll­ten, ist bis heu­te unbe­ant­wor­tet. Was ihre Akti­vis­ten von sich gaben, war oft stau­nens­wer­ter Unsinn. Bei­spiel­haft sind die Vor­stel­lun­gen über die Zukunft West­ber­lins nach dem Sieg der Revo­lu­ti­on, vor­ge­tra­gen im Okto­ber 1967 von drei Vor­den­kern der Bewe­gung unter der Mode­ra­ti­on von Hans Magnus Enzens­ber­ger. „Ein Groß­teil der Büro­kra­ten“ wer­de „nach West­deutsch­land emi­grie­ren müs­sen“, hieß es da, es wer­de „einen obers­ten Städ­te­rat“ geben, des­sen ein­zel­ne Räte „jeder­zeit wähl­bar und abwähl­bar“ sei­en, fer­ner „Räte­schu­len“, deren Lehr­plä­ne von „Voll­ver­samm­lun­gen der Betrie­be“ bestimmt wür­den, „ganz Ber­lin wäre eine Uni­ver­si­tät“. Was sie abschaf­fen woll­ten, war ein­deu­ti­ger: die Fami­lie, den Par­la­men­ta­ris­mus, Eli­ten, die bür­ger­li­chen Kon­ven­tio­nen vom „Sie“ bis zum Talar, die Sekun­där­tu­gen­den und natür­lich das alte Bil­dungs- und Erzie­hungs­sys­tem. Und sie sind durch­aus weit gekommen.

Der Slo­gan „Mehr Bil­dung für alle“ etwa, Beton gewor­den in Form der Gesamt­schu­le, war ein Gene­ral­an­griff auf das Prin­zip Leis­tung. So unfair es wäre, den deut­schen Bil­dungs­nie­der­gang allein den 68ern zuzu­schrei­ben, so auf­fäl­lig ist es, dass Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern, wo der „lan­ge Marsch“ auf Wider­stand stieß – bis die Grü­nen an die Macht kamen (armes BaWü) oder bis heu­te (felix Bava­ria) –, mit den bes­ten Resul­ta­ten auf­war­te­ten bzw. auf­war­ten. Das Kurs­buch 17 ver­mit­telt einen Ein­druck von den päd­ago­gi­schen Vor­stel­lun­gen der 68er: Die Mit­glie­der der Kom­mu­ne 2, unter ihnen der spä­te­re Ter­ro­rist Jan-Carl Ras­pe, zeig­ten sich dar­in über­rascht über „die Zähig­keit, mit der die Fami­lie im Spät­ka­pi­ta­lis­mus sich erhält“. Die Zer­stö­rung der Klein­fa­mi­lie sei aber ein ent­schei­den­der Schritt auf dem Weg zum neu­en Men­schen. Das hat­ten schon Marx und Engels geschrie­ben, und ohne ein Zitat irgend­ei­nes lin­ken Klas­si­kers auf den Lip­pen galt man wei­land nicht als satisfaktionsfähig.

Das nann­te man dann spä­ter „Fun­da­men­tal­li­be­ra­li­sie­rung“ (St. Jür­gen Haber­mas) oder „Ver­tie­fung des demo­kra­ti­schen Enga­ge­ments“ (Richard von Weiz­sä­cker). Tat­säch­lich galt „libe­ral“ in Frank­fur­ter und Ber­li­ner Stu­den­ten­krei­sen als Schimpf­wort („libe­ra­ler Schei­ßer“), kon­ser­va­ti­ve Pro­fes­so­ren wur­den zusam­men­ge­brüllt und ter­ro­ri­siert (gecan­celt). Der spä­te­re baye­ri­sche Kul­tus­mi­nis­ter Hans Mai­er schrieb in einem Brief an Hein­rich Böll, spä­te­rer Trä­ger des No-Böll-Prei­ses, er kön­ne allein aus sei­ner unmit­tel­ba­ren Erfah­rung poli­ti­sche Mob­bing-Fäl­le anfüh­ren, „von denen drei mit Selbst­mord ende­ten“. (Da müs­sen sich die aktu­el­len Can­ce­ler noch mehr Mühe geben!)

Die 68er waren – im Durch­schnitt, es mag kon­kre­te Aus­nah­men gege­ben haben – auch nicht anti­au­to­ri­tär, kri­tisch, frei­geis­tig und auf­ge­klärt, wie gern behaup­tet wird. 68er sein, das hieß, hin­ter Pla­ka­ten von Polit-Ido­len her­zu­lau­fen und Tex­te von phi­lo­so­phi­schen Gurus wie Kate­chis­men zu zitie­ren. Typisch 68 war die Ver­harm­lo­sung lin­ker Dik­ta­to­ren. „Je mehr die Unver­zeih­lich­keit der Unta­ten von rechts expo­niert wur­de, des­to mehr ver­schwan­den die der Lin­ken aus der Sicht­li­nie“, notier­te Peter Slo­ter­di­jk. Allein der Kult um den Mas­sen­mör­der Mao Tse-tung – mit Mao-Bibeln, Mao-Pla­ket­ten, Mao-Pos­tern – ent­larvt das Auf­ge­klärt­heits­ge­re­de als Lüge. Im Kurs­buch 13 von 1968 beschrieb Hans Magnus Enzens­ber­ger die Zustän­de in der Bun­des­re­pu­blik mit den Wor­ten: „Der neue Faschis­mus ist längst Wirk­lich­keit.“ Sag­te er über das Bon­ner Auen­land. Wie dumm kann man sein? Und: Wer von 68 redet, soll­te vom Kon­for­mis­mus nicht schweigen.

Was die 68er und ihre Erben neben aller­lei Rüpe­lei­en und Kon­ven­ti­ons­brü­chen außer­dem in die deut­sche Poli­tik ein­führ­ten, war ein erpres­se­risch-mora­li­sie­ren­der Ton. Prag­ma­tis­mus gilt seit­her als amo­ra­lisch, Patrio­tis­mus steht unter Faschis­mus­ver­dacht. Sie haben den Weg berei­tet für jede Art von Poli­ti­cal Cor­rect­ness, für jene „Tabu­züch­tung im Diens­te der Auf­klä­rung“, wie es Mar­tin Wal­ser nann­te, die vie­le hie­si­ge Debat­ten in emo­tio­na­le Auf­wal­lungs­wett­be­wer­be ver­wan­delt. Und damit auch für die Woke­ness. An ihren Früch­ten sollt ihr sie erkennen.

Hugh, ich habe gesprochen.

***

Leser *** schreibt: „ ‚Stell dir vor, es ist Krieg, und kei­ner geht hin’ – das ist ein west­deut­scher Spon­ti-Spruch, des­we­gen auch das du. Ende der 80’er in der Grund­schu­le gab es regel­mä­ßig Luft­schutz­übun­gen. Sobald die Sire­ne heul­te, ging es unter die Schul­bank. In den 90’ern glaub­te man den Feind besiegt. Irrtum.

Der­zeit greift der Islam mit sei­nen Expan­si­ons­be­stre­bun­gen die christ­li­chen Kern­lan­de in Kara­bach an, die Arme­ni­er sind bereits ver­trie­ben. Die Hamas greift den israe­li­schen Staat an, und meh­re­re Mil­lio­nen wehr­fä­hi­ge, jun­ge mus­li­mi­sche Män­ner sind in Euro­pa ein­ge­trof­fen. Das ist nicht mehr jwd, das ist hier, bei uns. Was 1300 Jah­re brauch­te, erle­ben wir jetzt im Zeitraffer.
Haben Sie eine Erklä­rung für die­se Ignoranz?”

Ja. Es waren die Lin­ken, die dem Feind die deut­sche Ker­ka­por­ta geöff­net haben. Es sind Lin­ke, die kampf­fä­hi­ge jun­ge Män­ner zu Tau­sen­den ins Land las­sen, holen oder schlep­pen. Links­sein ist der Hass auf alles Schö­ne, Wohl­ge­ra­te­ne, Funk­tio­nie­ren­de, eine Form der unbe­wuss­ten Todes­sehn­sucht. Sie wird erfüllt werden.
Wobei der heu­ti­ge Durch­schnitts- und Trend-Lin­ke, die­se meu­ten­fei­ge Mol­lus­ke, natür­lich bereit ist zu jeder Art Konversion.
Noch dazu:
Glie­fert, wie bestellt, pflegt Danisch zu schreiben.
Hen­ryk M. Bro­der hat vor Jah­ren ein­mal vor­ge­schla­gen, die Israe­lis nach Deutsch­land umzu­sie­deln – ich glau­be, er emp­fahl die Lüne­bur­ger Hei­de als Sied­lungs­ge­biet; ich fän­de, man könn­te Masa­da auf dem Lili­en­st­ein unter­brin­gen, für die Kla­ge­mau­er (und die Gra­bes­kir­che) fän­de sich gewiss auch ein guter Platz. Im Gegen­zug könn­ten alle arbeits- und anpas­sungs­un­wil­li­gen Mos­lems nach Isra­el umzie­hen. Das wäre ein Bevöl­ke­rungs­aus­tausch nach mei­nem Geschmack.
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