9. September 2022

Immer wenn ich in deut­schen Städ­ten all die­se Jung­fern zart sehe, die ihre Mas­ken sogar im Frei­en tra­gen, obwohl ihr Risi­ko, ernst­haft an Covid-19 zu erkran­ken oder gar zu ster­ben, gegen Null geht und die Schutz­wir­kung der Mas­ken frag­wür­dig ist, den­ke ich mir, dass die­se Jung­fern auch inner­lich bereit wären für Hid­schab, Tscha­dor, Niqab und all die ande­ren Seg­nun­gen einer so ernst- wie dau­er­haf­ten Sou­mis­si­on.

***

Es folgt eine Col­la­ge von Netz­fun­den, die zuletzt bei mir eintrudelten.

Unter­neh­men, die auf­hö­ren zu pro­du­zie­ren und nichts mehr ver­kau­fen, sind ja nicht, wie unser Wirt­schafts­wei­ses­ter sprach, „auto­ma­tisch insol­vent”, son­dern nur fak­tisch. Der jah­re­lan­ge Infla­ti­ons­ge­fahr-Klein­red­ner und Rot­grün-Sym­pa­thi­sant Mar­cel Fratz­scher, Prä­si­dent des Deut­schen Insti­tuts für Wirt­schafts­for­schung – die­se deut­sche Wirt­schafts­for­schung ist kein Zweig der deut­schen Wirt­schaft, son­dern eine Art Gegen­ent­wurf –, nahm Habeck sogleich für sei­nen Insol­venz­scha­ma­nis­mus in Schutz, wobei er recht unver­hoh­len den Über­gang zu einer staat­lich gelenk­ten sozia­lis­ti­schen Wirt­schaft ankün­dig­te, indem er schrieb: „Wenn es zu einer Gas­knapp­heit kommt, dann wer­den eine Rei­he von ener­gie­in­ten­si­ven Unter­neh­men gezwun­gen wer­den, ihre Pro­duk­ti­on ein­zu­stel­len. Dies wird der Staat nur machen kön­nen, wenn er die Unter­neh­men aus­rei­chend kom­pen­siert, sodass die­se in Zukunft wie­der öff­nen können.”

Der Staat „kom­pen­siert” die durch sei­ne Poli­tik ent­stan­de­nen Ein­nah­me­aus­fäl­le von Unter­neh­men mit den Bür­gern abge­press­ten Steu­er­mit­teln bzw. frisch­ge­druck­tem Zen­tral­bank­geld. Den Rest wird staat­li­che Kon­trol­le erle­di­gen. Die sieht von oben so aus:

Von unten unge­fähr so:

Haupt­sa­che, die Sank­tio­nen dre­hen Putin eine lan­ge Nase!

Der fle­gel­haf­te Rus­se kann natür­lich nicht anders, als mit dem Stin­ke­fin­ger zu antworten.

Indes, in fer­nem Land, unnah­bar euren Bitten …

Man­che mei­nen aller­dings, dass es gar kei­ne Ener­gie­kri­se gebe, die eine Wirt­schafts­kri­se ver­ur­sacht haben könn­te, son­dern ledig­lich eine von der grü­nen Ener­gie­wen­de ver­ur­sach­te und durch die Russ­land-Sank­tio­nen ver­schärf­te, von Tei­len der Ampel­re­gie­rung gewoll­te Zer­stö­rung der deut­schen Täter­volks­wirt­schaft. Was man bei der von taz-Volon­tä­ren geka­per­ten „Zei­tung für Deutsch­land” womög­lich auch weiß, aber nicht schreibt.

„Mitt­ler­wei­le gibt es eine ziem­lich lan­ge Lis­te von Unter­neh­men, die ihre Pro­duk­ti­on ent­we­der dros­seln, um abzu­war­ten, oder die Tätig­keit ganz ein­stel­len”, notiert Alex­an­der Wendt auf publi­co. „Zu denen, die sie vor­erst auf Null sen­ken, gehö­ren die deut­schen Nie­der­las­sun­gen des indi­schen Stahl­her­stel­lers Arcelor Mit­tal in Ham­burg und Bre­men. Zu denen, die ihre Pro­duk­ti­on ganz been­den, zäh­len der Wind­tur­bi­nen­her­stel­ler Nordex mit sei­nem Werk in Ros­tock (Ver­la­ge­rung nach Indi­en), der fran­zö­si­sche Stahl­kon­zern Vall­ou­rec mit sei­nen Stand­or­ten Düs­sel­dorf und Mühl­heim, das Flie­sen­werk von Vil­leroy & Boch im saar­län­di­schen Mer­zig (Ver­la­ge­rung in die Tür­kei), Ford in Saar­lou­is (Fort­set­zung der Pro­duk­ti­on in Valen­cia) und der Auto­mo­bil­zu­lie­fe­rer Mah­le im baden-würt­tem­ber­gi­schen Gaildorf.”

Ist es, übri­gens, nicht bemer­kens­wert, dass Anna­le­na B., KGE, Clau­di Roth und Ricar­da Lang-wie-breit noch nie­mals mit irgend­ei­ner Äuße­rung „für Empö­rung gesorgt” haben?

Höchs­te Zeit, auf die wirk­li­chen Pro­ble­me auf­merk­sam zu machen.

Arten­ster­ben? Mei­nen sie das „Deut­schenster­ben von sei­ner schöns­ten Sei­te” (Deniz Yücel)? Ansons­ten liest unser­eins ja stän­dig von inva­si­ven Arten, die auch ohne Hartz IV-Anspruch und Will­kom­mens­klat­scher­spa­lier nach ’schland drän­gen. Allein über die „Nos­fe­ra­tu-Spin­ne” las ich in den ver­gan­ge­nen Wochen min­des­tens zwei Dut­zend Arti­kel (die­se Jour­na­lis­ten kön­nen ja nicht anders, als das noch ein­mal zu schrei­ben, wor­über die ande­ren geschrie­ben haben). Warm­zei­ten sind natür­lich der Arten­viel­falt förderlich.

„Angst und Ohn­macht” ver­mei­det man übri­gens am ein­fachs­ten, indem man sol­che Arti­kel mei­det und sich statt­des­sen über die neu­es­te Genera­ti­on von Atom­re­ak­to­ren informiert.

Neben­bei: Als Unsinns­for­scher ver­mu­te ich, dass unse­re „Sinn­for­sche­rin” kin­der­los ist.

PS: Ob ich denn mei­ne, „dass Kin­der der Sinn des Lebens sei­en?”, fragt Leserin ***.

Das nicht, geehr­te Frau ***, doch ange­sichts der gran­dio­sen Unbe­ant­wort­bar­keit sämt­li­cher Sinn­fra­gen bin ich der Ansicht, dass der ein­zi­ge Sinn für ein Indi­vi­du­um wie für eine Spe­zi­es dar­in besteht, sich bzw. sei­ne Gene im Sein bzw. im Welt­spiel zu hal­ten. Damit ist die Sinn­fra­ge natür­lich auch nicht beant­wor­tet, son­dern nur immer wie­der auf­ge­scho­ben; der Mensch hat selbst­ver­ständ­lich die Opti­on, aus dem ewi­gen Kreis­lauf aus­zu­stei­gen, und er muss dies nicht schwei­gend tun, er kann sich sin­gend, kla­gend, prei­send, seuf­zend, beschwingt, sogar grö­lend in sein Aus­ster­ben schi­cken, aber nicht mit Sinn­stif­tungs­il­lu­sio­nen auf den Lippen.

PPS: Unse­re Sinn­fra­gen­be­ant­wor­te­rin hat sich die­ses The­mas, wie Leser *** mir mit­teilt, bereits ange­nom­men, hin­ter der Bezahl­schran­ke auch hier.

Wenn glück­lich syn­onym mit sinn­voll ver­wen­det wird, zitie­re ich gern Tschin­gis Khans geflü­gel­tes Wort, das Glück des Man­nes bestün­de dar­in, die Pfer­de und die Frau­en des besieg­ten Fein­des zu rei­ten. Seri­en­mör­der sind wäh­rend ihrer Taten wahr­schein­lich auch glück­lich. Ansons­ten blei­be ich bei mei­ner Vermutung.

***

Als ich ein DDR-Kind war, wur­de mir mit Nach­druck ver­si­chert, dass ich gewis­se Män­gel an Frei­heit, Mobi­li­tät, schö­nen Din­gen und Genuss­mit­teln in den Kauf zu neh­men hät­te, weil die Siche­rung des Welt­frie­dens und die Errich­tung des Welt­kom­mu­nis­mus wich­ti­ger sei­en; heu­te ist es eben das Welt­kli­ma, in des­sen Namen die Lin­ken über die Gesell­schaft herr­schen wol­len. Ich fin­de es eine wirk­lich lus­ti­ge, aber zugleich etwas heik­le Idee, Leu­ten die Welt­kli­ma­ret­tung anzu­ver­trau­en, die nicht ein­mal ihren Lebens­lauf kor­rekt auf­schrei­ben können.

Apro­pos. Wie Richard Wag­ner sei­ne links­ra­di­ka­le Welt­an­schau­ung in Musik setz­te, so Robert Habeck die sei­ne in gro­ße Aben­teu­er­li­te­ra­tur für klei­ne Helden.

Habecks Poli­tik ist ja die Fort­set­zung der Kin­der­li­te­ra­tur mit ande­ren Mit­tels. Allein, was hilft’s, wenn die Faki­re und Bar­fü­ßer beim Aben­teu­er­spiel nicht mit­zie­hen wollen?

Übri­gens:

Ich zitie­re mit einst­wei­li­ger Geneh­mi­gung des Bundespräsidenten:

„In kaum einem Land war der frü­he­re US-Prä­si­dent Donald Trump so popu­lär wie in Indi­en. Trump erreich­te dort Zustim­mungs­wer­te von 56 Pro­zent. Indi­sche Trump-Anhän­ger fei­er­ten sei­nen Geburts­tag, und als der US-Prä­si­dent im Febru­ar 2020 den Sub­kon­ti­nent besuch­te, wur­de er wie ein Pop­star gefei­ert und von Pre­mier­mi­nis­ter Naren­dra Modi wie ein Freund emp­fan­gen. Bei­de Staats­män­ner hat­ten das Ziel, ein Bünd­nis zu schmie­den, um die Macht Chi­nas in Asi­en und der Welt ein­zu­däm­men. Neben der pazi­fi­schen Per­len­ket­te aus Japan, Süd­ko­rea, Tai­wan und den Phil­ip­pi­nen soll­te nach Wil­len der Trump-Admi­nis­tra­ti­on Indi­en das gro­ße Gegen­ge­wicht zum chi­ne­si­schen Dra­chen wer­den. Die Indi­en­po­li­tik Trumps gehört neben sei­ner Nah­ost­po­li­tik zu den Erfolgs­ge­schich­ten sei­ner Prä­si­dent­schaft. Der Biden-Admi­nis­tra­ti­on gelang es in kür­zes­ter Zeit, die­ses fes­te Band zu zerschneiden.”
(Wei­ter hier.)

Auch in Eng­land wir­ken die Sanktionen.

Apro­pos Eng­land. Die­je­ni­gen, die pro­gnos­ti­ziert haben, dass die Bri­ten kei­nen Regie­rungs­chef wäh­len wer­den, der Hin­du ist und des­sen Fami­lie aus der eins­ti­gen Groß­ko­lo­nie stammt, lagen wohl richtig.

In einem Punkt unter­schie­den sich die bei­den Kan­di­da­ten nicht.

Wha­te­ver that means.

Ob es damit zu tun hat?

War­um, frug mich mein Jüngs­ter ange­sichts eines his­to­ri­schen Fotos der Ber­li­ner Mau­er, habe auch Donald Trump so eine böse Mau­er zwi­schen den USA und Mexi­ko bau­en las­sen? Weil über Mexi­ko mehr Men­schen aus Latein­ame­ri­ka in die USA ein­wan­dern woll­ten, als das Land ver­kraf­ten kön­ne, und außer­dem sehr vie­le Dro­gen über die­se Gren­ze geschmug­gelt wer­den, erwi­der­te ich. Die USA ver­zeich­ne­ten all­jähr­lich mehr Dro­gen­to­te als gefal­le­ne Sol­da­ten im Viet­nam­krieg. Im Übri­gen habe jeder US-Prä­si­dent seit Bill Clin­ton an der Befes­ti­gung die­ser Gren­ze arbei­ten las­sen, auch der Hl. Barack Oba­ma, und heu­te set­ze Joe Biden die­se Abschot­tungs­po­li­tik eben fort.

Aber war­um wer­de sie dann Trump vor­ge­wor­fen und den ande­ren nicht?, frug mein Sohn weiter.

Tja.

Wir saßen übri­gens im ICE von Ber­lin nach Mün­chen, wäh­rend die­ses Gespräch statt­fand, und über Bord­funk dräu­te der Ober­schaff­ner, dass sein Per­so­nal jeden, den es ohne Mas­ke antref­fe, von der Fahrt aus­schlie­ßen, also beim nächs­ten Halt aus dem Zug wer­fen wer­de, denn „nach zwei Jah­ren soll­te all­mäh­lich jeder ver­stan­den haben, dass es eine Mas­ken­pflicht gibt”. In gewis­sen Fäl­len schützt die Mas­ke durchaus.

Was uns zur Coro­na-Pan­de­mie führt, der klei­nen Schwes­ter der Energiekrise.

Wor­an soll’s schon liegen?

Ich bin gespannt auf die Besu­cher­zah­len des Okto­ber­fes­tes, also dar­auf, ob sich spür­bar vie­le Leu­te haben Angst machen las­sen. Und wie vie­le von ihnen in den über­füll­ten U‑Bahnen Mas­ken tra­gen, bevor sie die Din­ger im Bier­zelt wie­der abnehmen.

Nach der Wiesn wer­den die Inzi­denz­zah­len explo­die­ren. Ein Pro­sit der Herdenimmunität!

***

Die Schluss­wor­te spre­chen heu­te, erstens:

Zwei­tens Alex­an­der Wendt:

„Prak­tisch nie fin­det sich irgend­wo ein west­deut­scher Ver­zichts- und Karg­heits­pre­di­ger mit einem Monats­ein­kom­men unter­halb von 10.000 Euro.”

Ende der Durchsage.

 

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