16. Dezember 2023

„Wenn das deut­sche Volk den Koka­i­ne­krieg ver­liert, hat es sich als mei­ner nicht wür­dig erwiesen.”
(apo­kryph)

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Da wird er aber auf­hor­chen, der welt­wei­te Antisemitismus!

Auch der heu­ti­ge Ein­trag der Acta diur­na soll des­halb unter ande­rem eine Reak­ti­on auf den welt­wei­ten Anti­se­mi­tis­mus sein, vor allem aber die glo­ba­le Zwi­schen­mensch­lich­keit beför­dern und letzt­lich zur Trockung aller Trä­nen beitragen.

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Reli­giö­se Riten, über­haupt Ritua­le, sind über­aus sinn­vol­le Ein­rich­tun­gen, denn sie die­nen der ästhe­ti­schen For­mung des mensch­li­chen Teigs. Wenn Men­schen aus­schließ­lich tun, wonach ihnen gera­de der Sinn steht, kom­men meis­tens uner­freu­li­che oder unap­pe­tit­li­che Ergeb­nis­se zustan­de. Sol­che Ritua­le müs­sen natür­lich kei­nes­wegs reli­giö­ser Natur sein, auch Manie­ren, Vor­stel­lun­gen des Ange­mes­se­nen und Schö­nen, Umgangs­for­men, Ver­bind­lich­kei­ten, Tisch­sit­ten, Beklei­dungs­nor­men, Gewohn­hei­ten etc. gehö­ren dazu. Aber man wird fest­stel­len, dass es sich dabei, wo nicht um unmit­tel­ba­re, so doch meis­tens um abge­sun­ke­ne reli­giö­se Bräu­che han­delt. Der vul­gä­ren, infan­ti­len, zügel­lo­sen, bru­ta­len Mas­se Mensch haben vor allem reli­giö­se Riten und Gebo­te eine erträg­li­che­re, mit­un­ter sogar anspre­chen­de Form auf­ge­zwun­gen, bis hin zum schö­nen Jah­res­rhyth­mus der Feste.

Frei­lich kön­nen Ritua­le auch Exklu­si­vi­tät för­dern und Fremd­heit ver­stär­ken. Der Anblick öffent­lich beten­der Mus­li­me ist in vie­len Städ­ten West­eu­ro­pas ein all­täg­li­cher gewor­den, allent­hal­ben ruft inzwi­schen auch der Muez­zin zum Gebet. So natur­wüch­sig die­se Ver­rich­tun­gen in ori­en­ta­li­schen Län­dern wir­ken mögen, so fremd und deplat­ziert erschei­nen sie hier­zu­lan­de, zumal ihrer Zele­brie­rung vor aller Augen der Haut­gout einer Macht­de­mons­tra­ti­on inne­wohnt. Öffent­lich beten­de Mos­lems bezeu­gen eine Isla­mi­sie­rung des Wes­tens, die es offi­zi­ell so wenig zu geben hat wie einen soge­nann­ten Bevöl­ke­rungs­aus­tausch, wel­chen täg­lich zu beob­ach­ten jeder­mann gleich­wohl frei­steht und des­sen Erwünscht­heit, Rich­tig­keit und Welt­heils­plan­rund­heit ihm (m/w/d) aus allen Kanä­len und von sämt­li­chen Podi­en, Büh­nen und Kan­zeln per­ma­nent ent­ge­gen­ge­pre­digt wird.

In den Klau­su­ren ver­schie­de­ner Kol­lek­ti­ve gel­ten­de Regu­la­ri­en kön­nen schlech­ter­dings mit­ein­an­der unver­träg­lich sein. Zum Bei­spiel ver­hin­dert das kora­ni­sche Wein­ver­bot nahe­zu jeg­li­chen Kon­takt zwi­schen mir und einem from­men Mus­lim, denn frem­de Men­schen nüch­tern zu ertra­gen ist eine Gabe, die mir Allah nicht ver­lie­hen hat, wäh­rend ich, wenn ich schon allein trin­ken soll, es dann lie­ber wirk­lich allein tu’. Mir ist es auch zeit­le­bens schlei­er­haft gewe­sen, wes­halb sich ein Mann mit vier Frau­en begnü­gen soll (#war­um­nur­vier?). Ich fin­de, dass ein Kerl sich rasie­ren soll­te, beson­ders im Gesicht, und dass die bei­den Geschlech­ter unge­hemmt mit­ein­an­der flir­ten müs­sen, weil das Leben sonst uner­träg­lich öde ist. Eine auch nur in Maßen ver­schlei­er­te Frau ver­setzt mich in einen teils melan­cho­li­schen, teils aggres­si­ven Zustand. Eine Kul­tur, in der die Wie­ner Klas­sik vie­len als haram gilt und über der ein Bil­der­ver­bot schwebt, befrem­det mich zutiefst.

Sym­pa­thisch, fried­lich, attrak­tiv: Islam eben.

Nicht ganz unin­ter­es­sant dürf­te sein, was für Bil­der die­se „Schü­ler im Alter von 12 bis 13” laut Hän­di-Such­ver­lauf in den letz­ten 24 Stun­den gese­hen hat­ten, aber sei’s drum.

Man sieht: lau­ter Unver­ein­bar­kei­ten, und wir haben noch nicht ein­mal den Bezirk der wirk­lich reli­giö­sen Pra­xis betre­ten. Von jenem han­delt ein Buch, das ich die­ser Tage las: „Das isla­mi­sche Pflicht­ge­bet und der Gebets­ruf” von Til­man Nagel, Unter­ti­tel: „Eine ritu­al­recht­li­che Unter­su­chung nebst einem Exkurs über fal­sche Gleich­set­zun­gen”. Der bekann­te Ori­en­ta­list und Isla­mist, quatsch: Islam­wis­sen­schaft­ler – Isla­mist bedeu­tet ja angeb­lich etwas ande­res, ich kom­me noch dar­auf – erläu­tert in die­ser kur­zen Schrift, wie stark die Vor­schrif­ten des Ritu­al­rechts den All­tag vie­ler bzw. der meis­ten Mus­li­me bestim­men. Das heißt, der eme­ri­tier­te Pro­fes­sor der Uni­ver­si­tät Göt­tin­gen beschreibt ein Phä­no­men, das in den offi­zi­el­len Poli­ti­ker­re­den und Medi­en­dar­stel­lun­gen nicht vor­kommt und das sich bün­dig auf Begrif­fe wie exis­ten­ti­el­le Fremd­heit und lebens­welt­li­che Unver­ein­bar­keit brin­gen lie­ße. Man spricht gern von „Par­al­lel­ge­sell­schaf­ten”, aber es kön­nen auch ver­schie­de­ne Pla­ne­ten sein, die sich auf einem gefähr­li­chen Kol­li­si­on­kurs befinden.

Ich wer­de mir erlau­ben, Nagels Dar­stel­lung im Fol­gen­den zu referieren.

Das ritu­el­le Gebet ist im Islam eine „Säu­le der Daseins­ord­nung”. Moham­med spricht: „Der Pakt zwi­schen uns” – also Allah – „und den Men­schen ist das ritu­el­le Gebet. Wer es unter­lässt, ist ungläu­big gewor­den.“ Der Beten­de tritt in einen „Wei­he­zu­stand“ ein: „Der Beginn des ritu­el­len Gebets mar­kiert die Gren­ze, bei deren Über­que­rung man den Raum betritt, in dem ein­zig Allahs Gegen­wart zählt.“ Es ist ein Raum, zu dem Satan mit sei­nen Ver­füh­rungs­küns­ten kei­nen Zutritt hat. „Wenn zum ritu­el­len Gebet geru­fen wird, dann gibt der Satan Fer­sen­geld“, sagt der Pro­phet. „Das Gebet ist die bes­te Hand­lung des Men­schen“, sekun­diert ein Hadith. Nach all­ge­mein mus­li­mi­scher Über­zeu­gung ist das ritu­el­le Gebet die gute Hand­lung schlecht­hin. „Die Zeit­span­nen des Riten­voll­zugs”, so Nagel, sei­en „die Zeit­span­nen der wah­ren, rei­nen Existenz“.

Des­halb ist der bra­ve Mos­lem gehal­ten, fünf­mal am Tag zu fes­ten Zei­ten mit fest­ge­leg­ten Bewe­gungs­ab­läu­fen, bis zur Nie­der­wer­fung auf die Stirn, sein Gebet zu ver­rich­ten, dabei die fest­ge­leg­ten Wor­te zu spre­chen und sich zuvor von irdi­schem Schmutz zu rei­ni­gen. Der Daseins­zweck des Men­schen ist nach mus­li­mi­scher Ansicht die „durch Allah gesetz­te Seins­be­stim­mung”, näm­lich die „fort­wäh­ren­de Ver­eh­rung und Anbe­tung Allahs“ als „Gegen­leis­tung für Allahs unaus­ge­setz­tes für­sorg­li­ches schöp­fe­ri­sches Handeln“.

Die fünf täg­li­chen Gebe­te sind eine Pflicht, deren Erfül­lung als „Jen­seits­ver­dienst“ anre­chen­bar ist. Die scha­ria­ti­schen Nor­men glie­dern sich in zwei Grup­pen: die­je­ni­gen, die der Kadi­ge­richts­bar­keit unter­lie­gen, und die­je­ni­gen, für die der Mensch nur Allah gegen­über Rechen­schaft schul­dig ist. Letz­te­res sind die Nor­men der Anbe­tung und Ver­eh­rung. Ver­stö­ße gegen das Ritu­al­recht wer­den erst im Jen­seits geahndet.

Das Ritu­al­recht bil­de den­noch den größ­ten Teil des isla­mi­schen Rechts. „Wenn man sich durch die­se Lite­ra­tur hin­durch­ar­bei­tet”, schreibt Nagel, „gewinnt man einen leben­di­gen Ein­druck davon, mit welch einem dem Euro­pä­er unvor­stell­ba­ren Ernst selbst der scha­ria­recht­lich unge­bil­de­te Mus­lim das Ste­hen vor Allah und die Ein­zel­hei­ten, die auf des­sen aus­drück­li­chen Befehl zurück­ge­führt wer­den, mit Blick auf das Jen­seits­schick­sal beach­tet.“ In eine per­sön­li­che Zwie­spra­che mit Gott, wie sie dem Chris­ten­men­schen vor­schwe­ben mag, tritt ein sol­cher­art kon­di­tio­nier­ter Beter wohl eher nicht.

Das Gebet soll über­dies mög­lichst in der Grup­pe ver­rich­tet wer­den, denn der kol­lek­ti­ve Voll­zug bezeugt, fes­tigt und stärkt das Gemein­schafts­ge­fühl. Moham­med spricht: „Kein Schritt, den jemand tut, ist Allah lie­ber als ein Schritt, den jemand geht, um in eine Rei­he zu gelan­gen.“ Die Mus­li­me „bil­den wäh­rend des Voll­zugs des Gebets in unan­fecht­ba­rer Wei­se das nach isla­mi­scher Über­zeu­gung ein­zig wah­re Gemein­we­sen, das­je­ni­ge Allahs“, kom­men­tiert Nagel. Es sei die „bes­te Gemein­schaft, die je für den Men­schen her­vor­ge­bracht” wur­de (Sure 3, Vers 110), dafür geschaf­fen, „das Bil­li­gens­wer­te (zu) befeh­len und das Abscheu­li­che (zu) ver­bie­ten“ (Sure 7, 157). In den isla­mi­schen Men­schen­rechts­er­klä­run­gen hei­ße es aus­drück­lich, der Islam sei die „natür­li­che Reli­gi­on“ des Men­schen. Die Scha­ria­ge­lehr­sam­keit nimmt den Men­schen grund­sätz­lich von der Zuge­hö­rig­keit zur mus­li­mi­schen Gemein­schaft in den Blick, nicht als Indi­vi­du­um. Über­haupt gilt Indi­vi­dua­li­tät im Islam nicht viel, Unter­wer­fung ist alles, wes­halb es einem auch unge­heu­er leicht gemacht wird, Mos­lem zu wer­den – nach isla­mi­scher Ansicht ist jeder Mensch ja qua Geburt Mos­lem und bleibt es, sofern er kein ande­res Bekennt­nis annimmt; ich bin prak­tisch Mos­lem –, und dem­entspre­chend spielt auch der mensch­li­che Ver­stand bzw. die Ver­nunft nur eine sub­al­ter­ne Rol­le. Die Scha­ria etwa erkennt fünf grund­sätz­lich schüt­zens­wer­te Rechts­gü­ter des Mus­lims: sei­nen Islam, sei­ne kör­per­li­che Unver­sehrt­heit, sein Eigen­tum, sei­ne Man­nes­eh­re und sei­nen Ver­stand, der ihn befä­higt, den Ritu­al­pflich­ten bewusst nach­zu­kom­men. Das heißt, die Haupt­funk­ti­on des Ver­stan­des besteht im Befol­gen der Rituale.

Aus all dem ergibt sich, dass zwi­schen der christ­li­chen und der isla­mi­schen Art zu beten erheb­li­che Unter­schie­de bestehen. „Der Voll­zug des ritu­el­len Gebets, der wich­tigs­ten Ritu­al­pflicht des Mus­lims, bil­det einen unmit­tel­ba­ren und unauf­lös­ba­ren Zusam­men­hang mit der isla­mi­schen Macht­aus­übung”, hält Nagel fest. „Die­ser Sach­ver­halt wird von isla­mi­scher Sei­te ad nau­seam in der For­mel zum Aus­druck gebracht, der Islam sei Reli­gi­on bezie­hungs­wei­se gott­ge­ge­be­ne Daseins­ord­nung und Staat in einem.“ Die jenem Glau­ben ange­mes­se­ne Staats­form ist folg­lich die Theo­kra­tie. „Um die Brei­te des damit aus­ge­spro­che­nen Gel­tungs­an­spruch zu ver­ste­hen, muss man sich vor Augen füh­ren, dass die isla­mi­sche Auf­fas­sung von ‚Staat­lich­keit‘ das Prin­zip der Ter­ri­to­ri­a­li­tät nicht kennt”, fährt der Islam­ken­ner fort. „Die Welt als gan­ze wird fort­wäh­rend durch Allah geschaf­fen und ist des­halb fort­wäh­rend sei­ner Herr­schaft unter­wor­fen, die sich gemäß den auf sei­ne Offen­ba­rung zurück­ge­hen­den Rege­lun­gen der Scha­ria ver­wirk­licht. Es ist dem­nach kei­ne ande­re poli­tisch-reli­giö­se Ord­nung legi­tim außer der islamischen.”

Das nächs­te Cha­rak­te­ris­ti­kum des isla­mi­schen Ritus ist der Gebets­ruf. Ist er nicht im Grun­de das­sel­be wie das Glo­cken­ge­läut? Rufen nicht die Glo­cken eben­falls zum Gebet? Nagel: „Die Bezeu­gung der Eins­heit Allahs, näm­lich ‚dass es kei­nen Gott gibt außer Allah und dass Moham­med der Gesand­te Allahs ist‘, wird durch den Gebets­ruf fünf­mal am Tag im Ide­al­fall über den fort­wäh­rend durch Allah geschaf­fen wer­den­den Kos­mos aus­ge­brei­tet, um die Wahr­heit der ein­zig gül­ti­gen Daseins­ord­nung zu bekräf­ti­gen und um zu bekun­den, dass es die Mus­li­me gibt, die Men­schen, die sich bereits die­ser Wahr­heit ver­pflich­tet wis­sen, und dass die­se Mus­li­me mit der Bezeu­gung eben die­ses Wis­sens den von Allah gewoll­ten recht­ge­lei­te­ten Zustand des gan­zen Kos­mos vorwegnehmen.“

Ich habe vor Jah­ren ein­mal geschrie­ben, dass jeder Muez­zin­ruf eine Feind­er­klä­rung beinhal­te, was mir, natür­lich von lin­ken Deut­schen, als isla­mo­phob ange­krei­det wur­de – für vie­le Mus­li­me besteht dar­über eigent­lich kein Zwei­fel. Die etwas mode­ra­te­ren unter ihnen sagen, es sei doch der­sel­be Gott, der ange­ru­fen wer­de, Allah und Gott sei­en das­sel­be, aber mit der Bei­fü­gung „und Moham­med ist sein Pro­phet” dürf­te wohl klar sein, wel­cher Gott gemeint ist. Auch die ein­lei­ten­de, vier­mal geru­fe­ne For­mel „Alla­hu akbar!” – „Allah ist grö­ßer!” bzw. „Allah ist der Aller­größ­te!” – bezeugt das, wenn­gleich die kuf­fār sich selbst gern ein X für ein U vormachen.

„Der Gebets­ruf bedeu­tet, wie aus sei­nem Wort­laut her­vor­geht, stets auch eine Her­ab­wür­di­gung aller ande­ren Reli­gio­nen, Geset­ze und Daseins­ord­nun­gen und wird von den Scha­ria­ge­lehr­ten nicht zuletzt als ein wesent­li­ches Mit­tel zur unab­wend­bar all­mäh­li­chen Ablö­sung die­ser Reli­gio­nen, Geset­ze und Daseins­ord­nun­gen durch den Islam ver­stan­den”, sta­tu­iert Pro­fes­sor Nagel, Allah erfül­le sei­ne Wün­sche im Dies­seits wie im Jen­seits. Der Gebets­ruf sei eine per­ma­nen­te Auf­for­de­rung, den Islam anzu­neh­men. Die „prin­zi­pi­ell in Anspruch genom­me­ne Über­le­gen­heit des Islams über alle ande­ren For­men mensch­li­cher Gesel­lung“ wer­de durch ihn stän­dig aufs Neue bekräftigt.

Hier ist nun ein theo­lo­gi­scher Ein­schub fäl­lig. Er betrifft die Hand­lungs­ohn­macht der Geschöp­fe Allahs.

Nach isla­mi­scher Leh­re bestimmt Allah durch sein fort­ge­setz­tes Schöp­fungs­han­deln jede Tat eines jeden Men­schen, und Er ist auch imstan­de, wenn Er nur will, die Natur­ge­set­ze zu ändern. Folg­lich gibt es kei­nen frei­en Wil­len außer jenem Allahs. In die­sem Fal­le wäre aber nicht erklär­bar, war­um Ungläu­bi­gen oder Abtrün­nin­gen die Höl­le droht, denn sie fol­gen ja nur Sei­nem Wil­len. Oder aber, der Mensch kann sich frei zum Bösen ent­schei­den. Dann aber ist Gott nicht allmächtig.

Der theo­lo­gi­sche Trick besteht nun in der Behaup­tung, gera­de durch sei­nen frei­wil­li­gen Ver­zicht dar­auf, sämt­li­che Taten des Men­schen zu bestim­men und sei­nem Geschöpf statt­des­sen die Frei­heit der Ent­schei­dung zu las­sen, habe Gott sei­ne All­macht demons­triert. Der Koran sagt dazu (13:27): „Allah lässt in die Irre gehen, wen Er will, und lei­tet zu Sich, wer sich Ihm reu­ig zuwen­det.“ Oder (2:26): „Er lässt damit vie­le in die Irre gehen und lei­tet vie­le damit recht, doch lässt Er damit nur die Frev­ler in die Irre gehen.“ Erst der Fre­vel, dann die Irre – doch wer ent­schei­det, dass gefre­velt wird?

Dem Glau­ben dar­an zu wider­spre­chen, dass Allah alles, was im Kos­mos geschieht, lenkt und vor­her­be­stimmt hat, wäre „Bei­gesel­lung“, also wie­der­um Fre­vel. Wie löst der Islam die­ses Pro­blem? Durch Gläu­big­keit und Riten­treue, erklärt Nagel. Die Gläu­big­keit folgt in Ana­lo­gie der aus dem Chris­ten­tum bekann­ten Maxi­me Cre­do quia absur­dum. Die „bestür­zen­de Kon­se­quenz aus dem Prä­de­sti­na­ti­ons­glau­ben” sei von isla­mi­schen Gelehr­ten im 11. Jahr­hun­dert „nüch­tern auf den Begriff gebracht” wor­den, notiert der Gelehr­te. „Die Hand­lun­gen des Men­schen sei­en eben nichts ande­res als ‚Weg­ma­le und Zei­chen für die Urtei­le Allahs, und es ist kei­nes­wegs abwe­gig, ein Mal­zei­chen auf­zu­pflan­zen, das den gar nicht berührt, für den es errich­tet wur­de‘. Wie Allah das durch ihn an einem Men­schen geschaf­fe­ne Han­deln beur­teilt, hat mit dem betrof­fe­nen Men­schen nichts zu tun“ (Her­vor­he­bung von mir – M.K.). Erträg­lich wer­de die­ser Wider­spruch aus der Sicht des Gläu­bi­gen „durch eine für den heu­ti­gen Euro­pä­er nahe­zu unver­ständ­li­che Riten­fröm­mig­keit, aus der sich die Detail­be­ses­sen­heit in den Fra­gen des gül­ti­gen Voll­zugs erklärt”, schreibt der Eme­ri­tus. Die „Über­erfül­lung der durch Allah gefor­der­ten Anbe­tung” kor­re­spon­die­re im from­men Ide­al­fall mit der gleich­zei­ti­gen „Unter­drü­ckung aller Regun­gen des Ich”. Bei­des zusam­men füh­re dazu, „dass der Wider­spruch zwi­schen der völ­li­gen Fremd­be­stimmt­heit des Men­schen und den scha­ria­ti­schen Nor­men, denen der Mus­lim zu genü­gen hat, über­deckt bleibt”.

Die nahe­lie­gen­de Sor­ge, dass die­se Kon­stel­la­ti­on auf Auto­ag­gres­sio­nen hin­aus­lau­fe, lässt sich leicht beschwich­ti­gen – oder ver­stär­ken – durch den Hin­weis, dass sich der­glei­chen Aggres­sio­nen ja auch nach außen umlen­ken las­sen kön­nen. Da Allah fort­wäh­rend alles schaf­fe, führt Nagel aus, sei­en alle Geschöp­fe zu fort­wäh­ren­der Dank­ab­stat­tung ver­pflich­tet; die­se erfol­ge aus­schließ­lich im Islam und in der von Allah selbst ange­ord­ne­ten Form. Dar­aus fol­ge, dass alle ande­ren Reli­gio­nen und Daseins­ord­nun­gen Wider­setz­lich­kei­ten gegen Allah dar­stell­ten. „Sie zu bekämp­fen heißt des­we­gen, den Islam verteidigen.”

Zusam­men­ge­fasst: Die Beschrän­kung auf weni­ge durch Allah sel­ber ange­ord­ne­te For­meln und Ges­ten „als Aus­druck des Knechts­zu­stand des Geschöp­fes gegen­über dem nie­mals ruhen­den All­schöp­fer”, die Ein­bin­dung des Ein­zel­nen in das Gemein­we­sen, „ver­knüpft mit dem Anspruch, die­ses Gemein­we­sen über den gan­zen Erd­ball aus­zu­deh­nen, damit der gezie­men­de Dank für Allahs Schöp­fungs­han­deln durch die gesam­te Mensch­heit nach den gott­ge­ge­be­nen Vor­schrif­ten abge­stat­tet wer­de”, das und nichts ande­res bedeu­te Islam. Die in der west­li­chen Publi­zis­tik gebräuch­li­che Bezeich­nung „poli­ti­scher Islam“ – ana­log dazu als Stei­ge­rung: „Isla­mis­mus“ – sei dege­gen eine Auto­sug­ges­ti­on, eine „Fik­ti­on wohl­mei­nen­der zeit­ge­nös­si­scher West­ler“, die in der isla­mi­schen Welt nicht ver­stan­den oder mil­de belä­chelt wer­de, denn es las­se sich „schon bei ober­fläch­li­cher Kennt­nis­nah­me der isla­mi­schen Geschich­te ein unpo­li­ti­scher Islam nicht fin­den“. Selbst der all­täg­li­che Riten­voll­zug sei „eine höchst poli­ti­sche und die Gesell­schaft for­mie­ren­de Angelegenheit“.

Im Übri­gen sei es nach den Bestim­mun­gen der Scha­ria dem ein­zel­nen Mus­lim über­las­sen, zu ermit­teln, ob der Staat sei­ner Pflicht zur Aus­brei­tung des Islams bezie­hungs­wei­se zur „Ver­tei­di­gung des Islams” hin­rei­chend nach­kom­me. „Hat der Ein­zel­ne fest­ge­stellt, dass das nach sei­ner Ansicht nicht der Fall ist, darf er sich nicht nur berech­tigt, son­dern sogar ver­pflich­tet sehen, sich dem Dschi­had zu wid­men und die bestehen­de Regie­rung zu bekämpfen.“

Ein Schelm, wer glaubt, es han­de­le sich um ein Erobe­rungs­pro­gramm. Und ein Erz­schelm, wer über­dies meint, dass west­li­che Har­py­ien mit unver­fäng­li­chen, immer­hin aber das A des All­wis­sen­den, All­se­hen­den und Aller­bar­mers in sich tra­gen­den Namen wie Ange­la oder Anna­le­na mehr für die Aus­brei­tung die­ses Glau­bens in Deutsch­land getan haben bzw. tun als das Gros der Imame.

Letzt­lich müss­te man jeden Mos­lem in Euro­pa mit den fol­gen­den Fra­gen konfrontieren:

Ist der Koran ein Buch, an dem kein Zwei­fel ist und des­sen Vor­schrif­ten unein­ge­schränkt gelten?
Steht das scha­ria­ti­sche Recht über jenem des säku­la­ren Staates?
Ist der Abfall vom Islam ein todes­wür­di­ges Verbrechen?
Ist der Islam die alter­na­tiv­los bes­te aller Gemeinschaften?
Soll der Islam die Welt erobern?

Es ist bereits eine unan­ge­neh­me Vor­stel­lung, den Pla­ne­ten mit Men­schen tei­len zu müs­sen, die von der­glei­chen Glau­bens­ge­wiss­hei­ten durch­drun­gen sind – aber das eige­ne Land? Auf jenen Teil der Mus­li­me, der die­se Fra­gen bejaht, müss­te eine poli­ti­sche Ant­wort erfol­gen, was letzt­lich heißt, sol­chen Leu­ten, sofern man sie nicht direkt aus­wei­sen kann, das Leben im Wes­ten erheb­lich zu erschwe­ren. Dazu gehört unter ande­rem, wie Nagel schreibt, die bedin­gungs­los gewähr­te Reli­gi­ons­frei­heit zu über­den­ken, denn wenn die­se from­me Den­kungs­art Mehr­hei­ten her­vor­bringt, ist Schluss mit dem frei­en Leben der Anders­mei­nen­den; man hat es bei der Reis­la­mi­sie­rung der noch vor einem hal­ben Men­schen­al­ter äußer­lich völ­lig ver­west­lich­ten ara­bi­schen Gesell­schaf­ten gese­hen. Weder soll­te in Euro­pa der Muez­zin rufen, noch soll­ten Gebe­te im öffent­li­chen Raum statt­fin­den, noch soll­ten Ima­me anti­west­li­chen Agit­prop ver­brei­ten dür­fen. Für mei­ne Begrif­fe gehört der Muez­zin­ruf exakt so in den Ori­ent wie das Geläut der Kir­chen­glo­cken ins Abend­land, und dabei soll es in Got­tes Namen in alle Ewig­keit blei­ben. Ich bin für freund­schaft­li­che, gut­nach­bar­schaft­li­che Bezie­hun­gen zum Islam, aber getrennt durch gro­ße, siche­re und, wie Donald Trump sagen wür­de, schö­ne Grenzen.

(Til­man Nagel: „Das isla­mi­sche Pflicht­ge­bet und der Gebets­ruf”, Basi­lis­ken-Pres­se, Dres­den 2024, 125. S., 19,60 Euro; das Buch ist bestell­bar über: [email protected])

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Post scrip­tum zum Vori­gen: „Die isla­mi­sche Daseins­ord­nung wur­de offen­bart, um den Ver­stand des Men­schen auf den rech­ten Weg zu wei­sen, und zwar in allen Din­gen des dies­sei­ti­gen Daseins, abge­se­hen von der Phy­sik”, notiert Nagel, um als Fuß­no­te anzu­schlie­ßen: „Eine Kon­zes­si­on an die moder­nen Natur­wis­sen­schaf­ten, die aber von vie­len Scha­ria­ge­lehr­ten zurück­ge­nom­men wird; sie behaup­ten, natur­wis­sen­schaft­li­che Erkennt­nis­se müss­ten grund­sätz­lich durch Aus­sa­gen des Korans legi­ti­miert werden.“

Aus der Sicht eines From­men kann es kei­ne fixen Natur­ge­set­ze geben, denn wenn Allahs Schöp­fungs­han­deln auf Per­ma­nenz gestellt ist, kann Er in sei­ner Unbe­greif­lich­keit auch jeder­zeit die Licht­ge­schwin­dig­keit oder die Gra­vi­ta­ti­ons­kon­stan­te ändern. Die Angst vor dem Ein­spruch der Scha­ria­ge­lehr­ten ist auch der Grund, war­um die Natur­for­schung in isla­mi­schen Län­dern nicht beson­ders popu­lär ist, im Gegen­satz übri­gens zur tech­ni­schen Anwen­dung natur­wis­sen­schaft­li­cher Erkennt­nis­se. Letzt­lich hat ja Allah das Smart­phone geschaf­fen, mit Hil­fe sei­ner Knech­te wie Ste­ve Jobs.

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Noch zum Vorigen.

Die Kol­la­bo­ra­ti­ons- und Unter­wer­fungs­wis­sen­schaf­ten blü­hen (einst­wei­len noch). Auch wenn es bei dem ange­kün­dig­ten Vor­trag um etwas ande­res geht – die Exo­ti­sie­rung von Juden, die natür­lich hin­rei­chend oft tat­säch­lich Ori­en­ta­len waren (und sind) –, mar­kiert doch die blind­wü­tig ins Feld geführ­te anti­west­li­che, „post­ko­lo­nia­lis­ti­sche” Begriff­lich­keit die Ste­reo­ty­pie der Woken. Der „Begriff” Ori­ent mag wäh­rend eines welt­his­to­ri­sches Inter­mez­zos west­li­ches Macht­den­ken „zemen­tiert” haben, die Tat­sa­che Ori­ent indes exis­tier­te jahr­hun­dert­lang als eine Bedro­hung des Wes­tens durch isla­mi­sches Macht­den­ken. Es waren Mos­lems, die Euro­pä­er zu Hun­dert­tau­sen­den ver­sklav­ten, nicht umge­kehrt. Es waren Mos­lems, die Spa­ni­en erober­ten und Klein­asi­en bis Kon­stan­ti­no­pel über­rann­ten. Ori­en­ta­li­sches Macht­den­ken hat den Wes­ten weit län­ger bedroht als umgekehrt.

Der eine oder ande­re und nament­lich Schwar­ze denkt bei „Ori­ent” viel­leicht nicht an Lie­der oder an flie­gen­de Tep­pi­che, son­dern er asso­zi­iert Skla­ven­schif­fe; nicht „Träu­me” von „Mär­chen­wel­ten” kom­men ihm in den Sinn, son­dern der Alp­traum der Kas­tra­ti­on, den die Mos­lems an sei­nen Ras­sen­ge­nos­sen – Vor­fah­ren durf­ten sie ja nicht sein – ver­üb­ten, weil sie ihre schwar­zen Skla­ven – wegen des „ori­en­ta­li­schen” Frau­en­bil­des, Sie ver­ste­hen? – zu ent­man­nen pfleg­ten. (Ich habe hier dar­über geschrie­ben; bit­te scrol­len bis: „Ein jun­ger Mensch, sagen wir: ein Schü­ler oder Stu­dent (m/w/d), der erst­mals davon erfährt, dass der isla­mi­sche Skla­ven­han­del den ame­ri­ka­nisch-euro­päi­schen in sei­nem Umfang noch deut­lich über­traf…”). Last but not least war es die mus­li­mi­sche Ver­skla­vungs­pi­ra­te­rie, die den Kolo­nia­lis­mus aus­lös­te, wel­cher wie­der­um die Abschaf­fung der Skla­ve­rei in Afri­ka bewirk­te, egal wel­ches Begleit­ge­jau­le aus der Step­pe des Post­ko­lo­nia­lis­mus zu die­ser Tat­sa­chen­fest­stel­lung ertö­nen mag.

Der „Begriff” Ori­ent, erläu­tert der Deutsch­land­funk, fun­gie­re „als Bezeich­nung für bestimm­te Staa­ten und Län­der, deren Anders­sein im Ver­hält­nis zu euro­päi­schen Län­dern” durch ihn „betont wur­de”. Immer­hin betont, nicht zemen­tiert. Die­ses Anders­sein ist, wie jedes Anders­sein, den Agen­ten der „Diver­si­ty” bekannt­lich ein Dorn im Zeh oder Hüh­ner­au­ge. Das wirk­lich Absto­ßen­de an den „Post­ko­lo­nia­lis­ten” besteht dar­in, dass sie das auf­rich­ti­ge, gene­ra­tio­nen­über­grei­fen­de Inter­es­se west­li­cher Gelehr­ter bzw. For­scher an den Kul­tu­ren der nicht­west­li­chen, also im wei­tes­ten Sin­ne auch „ori­en­ta­li­schen” Völ­ker, dem die­se Völ­ker im kon­ser­va­to­ri­schen Sin­ne unend­lich viel zu ver­dan­ken haben, heu­te als Kolo­ni­al­her­ren­ar­ro­ganz und kul­tu­rel­le Aneig­nung schmä­hen. Der Wes­ten ist die ein­zi­ge Kul­tur, die eine Gelehr­sam­keit her­vor­ge­bracht hat, die sich für ande­re Kul­tu­ren im sel­ben Maße inter­es­sier­te wie für die eige­ne. Die ande­ren waren und sind sich – die Begeis­te­rung vie­ler Asia­ten für die deut­sche klas­si­sche Musik als Aus­nah­me in die Regel inbe­grif­fen – kul­tu­rell eher selbst genug.

Die west­li­che Kul­tur ist bekannt­lich über­dies die ein­zi­ge, die sich selbst kri­ti­siert und infra­ge stellt. Wes­halb sich ihre For­schen­den, jeden­falls sofern sie weiß sind, für ande­ren Kul­tu­ren nicht mehr inter­es­sie­ren dür­fen sollen.

***
Erst recht zum Vorigen.

Das sagt die­se Hyä­ne nach Zig­tau­sen­den nun­mehr zu Deutsch­land gehö­ren­den Mes­ser­at­ta­cken und Ver­ge­wal­ti­gun­gen. Machen sie doch (Und Wulff soll erst mal Sil­ves­ter abwarten!):

„In Kas­sel soll eine Grup­pe von Jugend­li­chen einen Mann im Niko­laus­kos­tüm ange­grif­fen haben. Wie die Poli­zei in der nord­hes­si­schen Stadt mit­teil­te, gehen die Beam­ten von einem poli­ti­schen Tat­mo­tiv aus. Der Staats­schutz über­nahm daher die wei­te­ren Ermitt­lun­gen wegen Kör­per­ver­let­zung, Belei­di­gung und Sach­be­schä­di­gung. Die Beam­ten such­ten nach mög­li­chen Zeu­gen. Dem­nach war der 54-Jäh­ri­ge am Mitt­woch ver­gan­ge­ner Woche, dem 6. Dezem­ber, am frü­hen Abend als Niko­laus ver­klei­det in der Stadt unter­wegs, als er nach eige­nen Anga­ben ange­grif­fen wur­de. Fünf bis sechs Jugend­li­che mit Migra­ti­ons­hin­ter­grund im Alter zwi­schen 14 und 16 Jah­ren sol­len laut sei­nen Aus­sa­gen auf ihn zuge­kom­men sein und ihn auf­ge­for­dert haben, das Kos­tüm aus­zu­zie­hen. Wie die ‚Bild’-Zeitung berich­te­te, sol­len die Jugend­li­chen den Mann als ‚Fett­sack’ und ‚Huren­sohn’ belei­digt und betont haben, dass sie Mus­li­me sei­en und das ‚ihr Land’ sei. Der Vor­fall soll sich am frü­hen Abend des Niko­laus­tags abge­spielt haben.”

Aber das hat doch nichts mit dem Islam zu tun …

Doch.

Auch wenn die­se neu­en Deutsch­land­be­sit­zer nicht wis­sen, dass Niko­laus von Myra einer der bekann­tes­ten christ­li­chen Hei­li­gen ist, wis­sen sie doch, dass die­se Figur irgend­et­was Christ­li­ches dar­stellt, und genau so haben sie reagiert.

Hät­ten die Buben das im wirk­lich bes­ten Deutsch­land aller Zei­ten, im Kai­ser­reich, ver­an­stal­tet, wür­den Sie zunächst ein­mal Kei­le von der gleich­alt­ri­gen deut­schen Jugend bezo­gen haben. Danach aber hät­te es oben­drein noch Dre­sche von der eige­nen Grup­pe gege­ben, denn im Kai­ser­reich hät­ten die Mos­lems sehr dar­auf geach­tet, sich nicht kol­lek­tiv unbe­liebt zu machen.

Ende der nost­al­gi­schen Abschweifung.

***

Immer noch zum Vorigen.

Dass die SPD (= Sie Plün­dern Deutsch­land) von Per­sön­lich­kei­ten aus bil­dungs­fern gele­se­nen Haus­hal­ten geführt wird, ist so bekannt wie letzt­lich auch irgend­wie konsequent.

Die weit inter­es­san­te­re und auch aktu­el­le­re Fra­ge wäre aller­dings, inwie­weit mus­li­misch gele­se­ne Men­schen am der­zei­ti­gen Wie­der­ab­riss Deutsch­lands betei­ligt sind, den die Sozis und die Grü­nen ja nicht ganz allei­ne bewerk­stel­li­gen kön­nen. Dar­über wird gewiss noch zu befin­den sein.

Was aber die his­to­ri­sche Behaup­tung von Genos­sin Esken betrifft, rücke ich fort­an nur noch den (hier schon mehr­fach prä­sen­tier­ten) Mini­mal­kom­men­tar ein, bis er bei wirk­lich jedem aus­we­nig „sitzt” – viel­leicht macht mal jemand eine „Kachel” oder eine Post­kar­te dar­aus –, und der lautet:

Im Jahr des Gast­ar­bei­ter­an­wer­be­ab­kom­mens, anno 1961, herrsch­te in (West-)Deutschland Voll­be­schäf­ti­gung. Vor­aus­ge­gan­gen war ein kon­ti­nu­ier­li­ches Wirt­schafts­wachs­tum, das anno 1955, im wachs­tums­stärks­ten Jahr der deut­schen Geschich­te, den Begriff „Wirt­schafts­wun­der” her­vor­brach­te. Sowohl die Wirt­schaft als auch die Real­löh­ne waren in die­sem Jahr um jeweils mehr als zehn Pro­zent gewach­sen. Die Inves­ti­tio­nen in der Bun­des­re­pu­blik stie­gen von 1952 bis 1960 um 120 Pro­zent, das Brut­to­so­zi­al­pro­dukt nahm um 80 Pro­zent zu. Die deut­sche Fahr­zeug­indus­trie hat ihre Pro­duk­ti­on zwi­schen 1950 und 1960 verfünffacht. Indus­trie und Dienst­leis­ter konn­ten inner­halb weni­ger Jah­re zwei Mil­lio­nen Arbeits­lo­se sowie die Arbeits­fä­hi­gen unter den acht Mil­lio­nen Ver­trie­be­nen und den 2,7 Mil­lio­nen Men­schen, die aus der DDR geflo­hen waren, in Lohn und Brot brin­gen. Die erwähn­te Voll­be­schäf­ti­gung trat in den spä­ten 1950er Jah­ren ein. 1961, im Jahr des Anwer­be­ab­kom­mens, lag die Arbeits­lo­sig­keit unter einem Pro­zent, eine absurd nied­ri­ge Quo­te, die tat­säch­lich einen aku­ten Arbeits­kräf­te­man­gel beschreibt. Nur weil das Land mit­samt sei­ner Indus­trie und Infra­struk­tur wie­der auf­ge­baut war, konn­te es überhaupt aus­län­di­sche Arbeit­neh­mer beschäftigen.

Dass Deutsch­land damals tür­ki­sche Gast­ar­bei­ter ein­wan­dern ließ, war kei­ne wirt­schaft­li­che Ent­schei­dung, son­dern geschah auf Druck der USA und folg­te geo­stra­te­gi­schen Erwä­gun­gen; die NATO brauch­te die Tür­kei als Vor­pos­ten gegen die UdSSR, Deutsch­land nahm einen Teil des damals tür­ki­schen Bevöl­ke­rungs­über­schus­ses auf, wie es sich in der Fol­ge­zeit als Über­lauf­be­cken für wei­te­re Bevöl­ke­rungs­über­schüs­se emp­fahl (und es soll­te so lan­ge nicht mehr damit auf­hö­ren, bis die Migran­ten selbst jede wei­te­re Migra­ti­on been­de­ten). Ab Anfang der 1960er Jah­re ging der Inves­ti­ti­ons­boom lang­sam zurück.

Dann kamen die Gast­ar­bei­ter und bau­ten Deutsch­land auf. 

Nichts zu danken.

***

Irgend­wie immer noch zum Vorigen.

„Auch vier Tage nach dem Auf­tritt der Metal-Band ‚Cra­ving’ im Jugend­zen­trum (Juz) in Bam­berg sorgt ein Zwi­schen­fall wei­ter für Gesprächs­stoff”, mel­det BR24. „Aus­lö­ser war, dass der Gitar­rist auf der Büh­ne sein T‑Shirt aus­ge­zo­gen hat­te.” Dar­auf­hin habe der Ver­an­stal­tungs­lei­ter ihm den Strom abge­klemmt und das Kon­zert vor­über­ge­hend unterbrochen.

In Rede steht ein Kon­zert als Teil eines „Work­shops” unter dem Titel „Musik für ech­te Män­ner?! Wie­so ist der Metal so män­ner­do­mi­niert und was muss pas­sie­ren, um die­sen Sta­tus Quo zu ver­än­dern?”, erklär­te eine Spre­che­rin des Ver­eins. „Die Haus­ord­nung für die­sen Abend habe vor­ge­se­hen, dass alle Men­schen vor Ort unter ande­rem ihre T‑Shirts anbe­hal­ten soll­ten. Kon­zert­be­su­che­rin­nen und Kon­zert­be­su­cher hät­ten sich sonst unwohl füh­len können.”

Wen wundert’s, wenn sie auf die Fres­se bekommen?

Das Wet­ter.

***

„Ein Kom­ma wür­de dem Satz jetzt guttun.”
(Heming­way im Gespräch mit Mar­cel Reif)

***

Meh­re­re Leser haben mei­ne Fra­ge vom 10. Dezem­ber, wes­sen Lebens­be­schrei­bung mit dem zitier­ten Pas­sus anhebt, rich­tig beant­wor­tet, einer sogar mit Quel­len­an­ga­be: Es han­delt sich um die ers­ten Sät­ze der Tal­ley­rand-Bio­gra­phie von Duff Coo­per, erschie­nen 1932.

Wider­spre­chen muss ich aller­dings Leser ***, der schrieb: „Da Sie zuvor die Oppor­tu­nis­ten unter die Lupe genom­men haben, tip­pe ich auf Tal­ley­rand.” Der Fürst von Benevent, Her­zog von Tal­ley­rand-Péri­g­ord und duc de Dino war kein Oppor­tu­nist. Ein Mann, der 1808 auf dem Erfur­ter Fürs­ten­kon­gress gegen Napo­le­on intri­giert, auf der Höhe von des­sen Macht, ist kein Oppor­tu­nist. Tal­ley­rand war ein Die­ner Frank­reichs, der sich dem auto­kra­ti­schen Amok­lauf des Kor­sen früh in den Weg stell­te und ihn kraft sei­ner diplo­ma­ti­schen Gaben 1815 ff. prak­tisch unge­sche­hen mach­te. In die­sem Urteil hät­te mir Duff Coo­per zugestimmt.

Coo­per stamm­te übri­gens aus einer eng­li­schen Aris­to­kra­ten­fa­mi­lie, besuch­te das Eton Col­lege, stu­dier­te in Oxford, war befreun­det mit dem Sohn des Pre­mier­mi­nis­ters Her­bert Hen­ry Asquith und gut bekannt mit Win­s­ton Chur­chill. Er trat in den Aus­wär­ti­gen Dienst ein, kämpf­te im Ers­ten Welt­krieg als Sol­dat an der West­front, war Unter­haus­ab­ge­ord­ne­ter, spä­ter Staats­se­kre­tär im Kriegs­mi­nis­te­ri­um, 1935 wur­de er Kriegs­mi­nis­ter, 1937 Mari­ne­mi­nis­ter, 1938 ver­ließ er aus Pro­test gegen das Münch­ner Abkom­men das Kabi­nett. Er trat als Infor­ma­ti­ons­mi­nis­ter ins Kriegs­ka­bi­nett Chur­chills ein und war bri­ti­scher Bot­schaf­ter in Paris. Er wur­de nach dem Krieg zum Rit­ter geschla­gen und für sei­ne lite­ra­ri­schen und poli­ti­schen Ver­diens­te zum Vis­count Nor­wich erhoben.

Im Übri­gen konn­te er schrei­ben; außer­dem trank er gern und galt als Don Juan. Mit ande­ren Wor­ten: Coo­per wuss­te, als er den Diplo­ma­ten und Lebe­mann Tal­ley­rand lite­ra­risch por­trä­tier­te, anders als ein Geschichts­pro­fes­sor oder Jour­na­list, wovon er schrieb.

 

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