21. Februar 2024

Es gibt zwei bemer­kens­wer­te Wort­mel­dun­gen. Die ers­te stammt von Mathi­as Brod­korb, einem dis­si­den­ten Sozi, der sich nicht als Dis­si­dent betrachtet.

Es ist ein J’ac­cu­se! 2024 – der Arti­kel steht hin­ter der Bezahl­schran­ke –, doch bei Lich­te bese­hen, müss­te eigent­lich jeder sich libe­ral und grund­ge­setz­treu dün­ken­de deut­sche Leit­ar­tik­ler heu­te einen sol­chen Ankla­ge­text schreiben.

„Was macht man eigent­lich, wenn die Regie­rung Pro­gram­me zur Ret­tung der Demo­kra­tie verkündet, dabei aber selbst die Axt an deren Fun­da­ment legt? Man steckt dann in einer Zwickmühle: Begehrt man dage­gen nicht auf, ver­rät man die Idee des demo­kra­ti­schen Rechts­staa­tes. Tut man es doch, muss man damit rech­nen, künftig selbst als Ver­fas­sungs­feind zu gel­ten, weil man die Regie­rung kri­ti­siert”, schreibt der stu­dier­te Phi­lo­soph (und Grä­zist). „Wie häu­fig sich die deut­sche Regie­rung dabei inzwi­schen auf Kriegs­fuß mit der Rechts­ord­nung befin­det, soll­te beunruhigen.”

Er ver­weist zum Bei­spiel auf ein Gerichts­ver­fah­ren von Cice­ro gegen das von Robert Habeck geführte Bun­des­wirt­schafts­mi­nis­te­ri­um, das kei­ne Lust hat­te, sei­ne Entscheidungsgründe für die Abschal­tung der drei ver­blie­be­nen AKWs öffent­lich überprüfen zu las­sen. Das war rechts­wid­rig, ent­schied das Gericht, die Öffent­lich­keit hat ein Recht auf Infor­ma­ti­on. Die von der grü­nen Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Lisa Paus instal­lier­ten Pro­jek­te „gegen Des­in­for­ma­ti­on und für Demo­kra­tie“, zu denen auch soge­nann­te „Mel­de­sys­te­me“ gehö­ren, bezeich­net er als „staat­lich finan­zier­te Denun­zia­ti­ons­in­fra­struk­tu­ren zur Anhei­zung des geis­ti­gen Bürgerkrieges”. Mit ihrer in der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz vor­ge­tra­ge­nen Ankün­di­gung: „Wir wol­len (…) dem Umstand Rech­nung tra­gen, dass Hass im Netz auch unter­halb der Straf­bar­keits­gren­ze vor­kommt“, näh­re Paus „die Ver­mu­tung, der Staat könn­te sei­ner mora­li­schen Selbst­auf­lö­sung ent­ge­gen­steu­ern”. Die Minis­te­rin habe „den Geist des Grund­ge­set­zes nicht nur mit Füßen getre­ten, son­dern auch noch öffent­lich angekündigt, ihm gezielt ent­ge­gen­ar­bei­ten zu wol­len. Denn was sie gesagt hat­te, war ja letzt­lich dies: Man müsse etwas gegen jene Men­schen tun, die Unlieb­sa­mes sagen, damit die Gren­zen der Mei­nungs­frei­heit aber gera­de nicht überschreiten.”

In einer Gesell­schaft mit einer funk­tio­nie­ren­den Vier­ten Gewalt „wäre Paus bin­nen Stun­den min­des­tens zu einer Ent­schul­di­gung gegenüber dem Sou­ve­rän, wenn nicht zum Rücktritt gezwun­gen wor­den. Was sie mit beängs­ti­gen­der Unbe­darft­heit in einer Pres­se­kon­fe­renz vor­trug, war ja die Ankündigung, gegen den obers­ten Ver­fas­sungs­wert – die Menschenwürde – ver­sto­ßen zu wol­len.” Das Recht auf „freie Ent­fal­tung“ der Per­sön­lich­keit – „unmit­tel­ba­rer Aus­fluss der Menschenwürde in Arti­kel 1” – sei näm­lich ohne Mei­nungs­frei­heit nicht denk­bar. Wer das Grund­recht auf Mei­nungs­frei­heit atta­ckie­re, atta­ckie­re zwangs­läu­fig auch die Menschenwürde.

„Mit einem Fun­ken his­to­ri­schen Bewusst­seins würde man, was Paus sag­te, dabei gar nicht über die Lip­pen brin­gen kön­nen. Die Kri­mi­na­li­sie­rung von Men­schen wegen ihrer per­sön­li­chen Mei­nung, die Zen­sur der Pres­se: Das waren einst die Herr­schafts­me­cha­nis­men der Inqui­si­ti­on sowie feu­da­ler Obrig­keits­staa­ten. Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit hin­ge­gen gal­ten zumin­dest noch im 19. Jahr­hun­dert als das eigent­li­che Fun­da­ment der Demo­kra­tie. Es ist daher auch kein Zufall, dass mit dem Kampf um die Errich­tung einer demo­kra­ti­schen Repu­blik in § 143 der Pauls­kir­chen­ver­fas­sung aus dem Jah­re 1849 erst­mals die Mei­nungs- und Pres­se­frei­heit als  Grund­rech­te aller Vollbürger gegen den Staat ver­an­kert wur­den. Aller­dings soll­te es noch eini­ge Jahr­zehn­te dau­ern, bis die­se For­de­run­gen auch Ein­gang in gültige Rechts­tex­te fan­den. Wer­te und Ver­fas­sungs­prin­zi­pi­en, für deren Erkämp­fung bürgerliche Frei­heits­kämp­fer und Sozi­al­de­mo­kra­ten einst ihr Leben aufs Spiel setz­ten und es mit­un­ter auch ver­lo­ren, sol­len nun unter der Führung eines sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Kanz­lers wie­der geschleift wer­den. Was für eine his­to­ri­sche Schande!”

Was wie­der­um Innen­mi­nis­te­rin Nan­cy Fae­ser und der Prä­si­dent des Ver­fas­sungs­schut­zes Tho­mas Hal­den­wang an Maß­nah­men zur angeb­li­chen Bekämp­fung des Rechts­extre­mis­mus vor­stell­ten, „mach­te kon­kret, wovon ihre Kol­le­gin Paus zugleich bloß träum­te: die mit hoher Wahr­schein­lich­keit selbst ver­fas­sungs­wid­ri­ge Ein­schrän­kung der Mei­nungs­frei­heit und die stär­ke­re Ver­fol­gung von Staatsbürgern unter­halb der Straf­bar­keits­schwel­le”. Hal­den­wang und Fae­ser sei­en über­dies dabei, die Kol­lek­tiv­schuld wie­der einzuführen.

„Fae­ser kündigt ausdrücklich an, wie es lau­fen soll: Rich­tet jemand eine Ver­an­stal­tung aus, die dem Ver­fas­sungs­schutz nicht passt, soll die­ser sich als Denun­zia­ti­ons­be­hör­de in Bewe­gung set­zen, die Gast­stät­ten­auf­sicht infor­mie­ren und die­se die unlieb­sa­me Ver­an­stal­tung unter­sa­gen. Auch bei Finanz­ermitt­lun­gen wol­le sich Fae­ser künftig nicht mehr auf erwie­se­ne Fäl­le von Volks­ver­het­zung und Gewalt­hand­lun­gen beschrän­ken. Man müsse statt­des­sen auf das ‚Gefähr­dungs­po­ten­zi­al’ abstel­len, auf die gelin­gen­de ‚gesell­schaft­li­che Ein­fluss­nah­me’. Als Ent­schei­dungs­kri­te­ri­um ist das unschlag­bar: Je schlech­ter die eige­ne Poli­tik, des­to grö­ßer ent­spre­chend die ‚gesell­schaft­li­che Ein­fluss­nah­me’ oppo­si­tio­nel­ler Kräf­te. Fae­ser möch­te einen vor­sorg­li­chen Eska­la­ti­ons­me­cha­nis­mus gegen die eige­ne Regie­rungs­in­kom­pe­tenz in die Rechts­ord­nung einbauen.”

Wer die wah­re Absicht hin­ter die­sem Maßnahmenbündel gegen „rechts” ver­ste­hen wol­le, möge beson­ders auf Hal­den­wangs „ver­rä­te­ri­sche” Spra­che ach­ten. Der demo­kra­ti­sche Ver­fas­sungs­staat, erklär­te des­sen vor­geb­li­cher Hüter, müsse sich nicht nur gegen Gewalt­hand­lun­gen, son­dern auch gegen „ver­ba­le und men­ta­le Grenz­ver­schie­bun­gen“ ver­tei­di­gen. Und wei­ter: „Wir müssen auf­pas­sen, dass sich ent­spre­chen­de Denk- und Sprach­mus­ter nicht in unse­re Spra­che ein­nis­ten.“ Hal­den­wang wol­le, schreibt Brod­korb, „dass der Staat auf das Den­ken sei­ner Bürger zugreift, indem er unlieb­sa­me ‚Denk- und Sprach­mus­ter’ sank­tio­niert. Es ist ganz so, als wäre Tho­mas Hal­den­wang ein ent­fern­ter Nach­kom­me von O‘Brien aus dem Roman ‚1984’ ”.

Man soll wenigs­tens sagen: Diede­rich Haldenwang.

Und wozu der gan­ze Lärm? Wozu der Popanz, an des­sen Gefähr­lich­keit selbst in der Hal­den­wang-Trup­pe kaum jemand glau­ben dürf­te? Die Ant­wort ist, nicht nur aus der War­te Schmit­tia­ni­scher Bet­schwes­tern betrach­tet, recht tri­vi­al. Sie lau­tet: Gebt uns ein Feind­bild! Brod­korb: „Wenn man selbst kei­nen ech­ten Plan für das Land und kei­ne vernünftigen Ant­wor­ten auf die Her­aus­for­de­run­gen des 21. Jahr­hun­derts hat, braucht man zumin­dest einen Feind. So kann man die eige­ne Anhän­ger­schaft trotz­dem bei Lau­ne hal­ten. Sinn stif­tet dann nicht mehr das eige­ne Pro­gramm, nicht mehr eine Visi­on von der Zukunft, son­dern die Angst vor dem gefähr­li­chen Feind. Die­ses Ablen­kungs­ma­nö­ver erzeugt aller­dings eine dia­lek­ti­sche Dyna­mik: Um ihre Funk­ti­on erfüllen zu kön­nen, muss die Dia­bo­li­sie­rung des poli­ti­schen Fein­des stets mit dem Aus­maß des eige­nen Ver­sa­gens Schritt hal­ten.” Für Fae­ser und ihren igel­köp­fi­gen Stich­wort­lie­fe­ran­ten sei die omi­nö­se „Wann­see­kon­fe­renz 2.0“ daher wie geru­fen gekom­men (ich gestat­te mir hin­zu­zu­fü­gen: geru­fen wor­den). „Immer­hin droht den Sozi­al­de­mo­kra­ten im Wahl­jahr 2024 die poli­ti­sche Kern­schmel­ze. Und genau an die­ser Stel­le überschneiden sich auch die poli­ti­schen Inter­es­sen Fae­sers mit denen ihres Geheim­dienst­chefs Haldenwang.”

Brod­korb schließt: „Vor die­ser demo­kra­tie­ge­fähr­den­den Schan­de kann Deutsch­land nach Lage der Din­ge nur noch die FDP retten.”

Nun, dann ist die Frei­heit wohl verloren.

Freund *** bemerk­te dazu, die FDP-Wider­bors­te hät­ten schließ­lich nur gesagt, das soge­nann­te „Demo­kra­tie­för­der­ge­setz” – Krieg ist Frie­den! Frei­heit ist Skla­ve­rei! – wer­de „in die­ser Form” nicht durch­kom­men; die rot­grü­nen Frei­heits­ab­wick­ler müss­ten wohl nur ein paar beson­ders dras­ti­sche For­mu­lie­run­gen zurück­neh­men, die sie ver­mut­lich extra dafür von vorn­her­ein ein­ge­baut hätten.

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(Netz­fund)

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Es gibt eine ein­fa­che Regel: Die dir sym­pa­thischs­te und in ihrem Zie­len ange­nehms­te Regie­rung soll­te nie­mals Mit­tel in die Hän­de bekom­men, mit denen eine dir unsym­pa­thi­sche und in ihren Zie­len wesens­frem­de Regie­rung dich in Angst ver­set­zen könnte.

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Hal­ten wir, nach­dem Cor­rec­tiv jetzt prak­tisch den Offen­ba­rungs­eid geleis­tet hat und das gesam­te Lehnitz­see­kon­fe­renz-Lügen­ge­bäu­de in sich zusam­men­ge­fal­len ist, für die zivi­li­sier­te Nach­welt fest: Hun­dert­tau­sen­de Men­schen haben in ’schland aus einem erfun­de­nen oder bes­ser: her­bei­ge­lo­ge­nen Anlass für die Regie­rung demons­triert. „So etwas gibt es nur in Deutsch­land”, ver­si­cher­te mir soeben ein Staats­be­am­ter bei Tische. Und das regel­mä­ßig. Erin­nern wir uns an die über das Land schwap­pen­de Hys­te­rie, als Ger­hard Schrö­der nach einem Brand­an­schlag auf die Düs­sel­dor­fer Syn­ago­ge anno 2000 den „Auf­stand der Anstän­di­gen” gegen „rechts” aus­rief,  bis die Poli­zei zwei Mona­te spä­ter einen aus Marok­ko stam­men­den deut­schen Staats­bür­ger und einen aus Jor­da­ni­en stam­men­den Paläs­ti­nen­ser als Täter prä­sen­tier­te – eine Ent­schul­di­gung blieb aus. Oder an Seb­nitz, als ca. 600 Neo­na­zis vor den Augen säch­si­scher Fami­li­en im Schwimm­bad ein Kind ertränk­ten. Oder an die „Hetz­jag­den” von Chem­nitz, die ein­zi­gen Men­schen­jag­den der Geschich­te ohne ein ein­zi­ges Opfer. Stets blieb das „Nar­ra­tiv” post fes­tum bol­zen­ge­ra­de ste­hen, nie folg­te eine Ent­schul­di­gung der ja immer­hin recht­ge­lei­te­ten Hetzer.

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Das zwei­te erwäh­nens­wer­te State­ment stammt von Mar­kus Krall, der auf Twit­ter die Grün­de für sei­nen Aus­tritt aus der Wer­te­uni­on dar­legt.

Sein Haupt­ein­wand lau­tet, dass die Wer­te­uni­on eine Par­tei alten Typs sei, die sich aus CDU- und FDP-Kadern zusam­men­set­ze, wirt­schafts­po­li­tisch im Kern sozi­al­de­mo­kra­tisch sei und kei­ne Poli­tik­wen­de her­bei­füh­ren wer­de. Krall ver­tritt durch­aus extrem liber­tä­re Posi­tio­nen, er ist der Ansicht, die Minis­te­ri­en für Gesund­heit, Bil­dung, Ent­wick­lungs­hil­fe, Wirt­schaft, Bau­en, Inne­res, Land­wirt­schaft und Umwelt und nicht zuletzt das „Fami­li­en­ein­mi­schungs­mi­nis­te­ri­um“ und das „Arbeits­ver­hin­de­rungs­mi­nis­te­ri­um“ soll­ten abge­schafft wer­den, und zwar sowohl auf Bun­des- als auch auf Landesebene.

Bil­de sich jeder sei­ne eige­nen Ansicht dazu.

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Für die Anna­len (und für Anna­le­na): Frau Strack-Zim­mer­mann hat erklärt: „Der Angriff der Hamas auf Isra­el am 7. Okto­ber war an Putins Geburts­tag – das sind alles kei­ne Zufälle.”

Wenn ich das jetzt kom­men­tier­te, lie­fe es wahr­schein­lich auf „Ver­höh­nung” von Ver­tre­tern des Staa­tes sowie Denk- und Sprach­mus­ter hin­aus, die sich nicht in unse­re Spra­che ein­nis­ten dür­fen, und es hol­te mich sogleich der Haldenwang.

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Die Ohn­macht, die ich bei sol­chen Mel­dun­gen emp­fin­de, ähnelt durch­aus jener, die ich aus den Tagen der DDR-Polit­bü­ro­be­schlüs­se kenne.

Die rot­grü­nen Deutsch­land-Abwick­ler set­zen den migra­ti­ons­po­li­ti­schen Schie­nen­wolf ein, um die deut­sche Sache ihrem mäh­li­chen Ende zuzu­füh­ren. Eine Ener­gie­wen­de kann man rück­gän­gig machen wie thü­rin­gi­sche Minis­ter­prä­si­den­ten­wah­len, Wind­rä­der abrei­ßen, Wäl­der auf­fors­ten, Atom­mei­ler neu bau­en; einen wirt­schaft­li­chen Nie­der­gang kann man umkeh­ren, sofern das Per­so­nal dafür vor­han­den ist, aber eine Ver­än­de­rung der Bevöl­ke­rungs­struk­tur in die­sem Aus­ma­ße und mit die­ser nega­ti­ven Ten­denz in punc­to Bil­dung, Intel­li­genz und sozio­kul­tu­rel­ler Prä­gung ist irreversibel.

Sie tun gut dar­an, Kri­tik an die­ser Ent­wick­lung unter Äch­tungs­druck und Straf­an­dro­hung zu stel­len. Und, mal im Lich­te der Wahl­er­geb­nis­se und aktu­el­len Gegen-„rechts”-Tumultanten bese­hen: Hat die­ses Volk, haben die­se ewi­gen Mit­läu­fer, die den Brau­nen, Roten und Grü­nen so stur­heil ins Ver­der­ben fol­gen, dass es einen Lem­ming graust, etwas ande­res ver­dient, als Jahr für Jahr ein biss­chen mehr aus­ge­tauscht zu werden?

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„Mas­sen­mi­gra­ti­on ist eine ras­sis­ti­sche Ver­an­stal­tung”, schreibt Lese­rin ***. „Wer eine sich rezes­siv ver­er­ben­de Eth­nie erpres­se­risch dazu zwingt, eine gro­ße Zahl von Mit­glie­dern einer sich domi­nant ver­er­ben­den Eth­nie bei sich auf­zu­neh­men, der will und bewirkt letzt­lich die Ver­nich­tung der rezes­si­ven Eth­nie (und bei Men­schen, deren Tra­di­tio­nen und Kul­tur). Im Ver­lauf der so genann­ten Kri­se wur­den alle Kon­zep­te von Mensch­lich­keit und Hilfs­be­reit­schaft völ­lig per­ver­tiert. Um den Namen zu ver­die­nen, muss näm­lich bei­des aus frei­en Stü­cken erfol­gen. Wer ande­re mit pau­sen­lo­sem und per­fi­dem Erin­ne­rungs­kult zum Zwe­cke der Schuld­ge­fühl­er­zeu­gung (bei Wider­spruch auch mit hand­fes­ten Dro­hun­gen) zu Steu­er­zah­lun­gen erpresst, um sie dann in Mil­lio­nen­hö­he geset­zes­wid­rig für Unbe­rech­tig­te aus­zu­ge­ben, ist nicht hilfs­be­reit, son­dern nie­der­träch­tig und will scha­den. Sonst wäre der größt­mög­li­che Nut­zen bei geringst­mög­li­chem Scha­den das Ziel.

Und letzt­lich wird durch die Zwangs­ein­quar­tie­rung von Mil­lio­nen Ein­wan­de­rern, zu einem erheb­li­chen Teil ali­men­tiert von den Erpress­ten selbst, die Frei­heit des Zusam­men­schlus­ses mit Füßen getre­ten (free­dom of asso­cia­ti­on), ein mensch­li­ches Grund­recht. Was anfangs einem guten und edlen mensch­li­chen Impuls ent­sprang – Hilfs­be­reit­schaft, Güte, Zuge­wandt­heit –, wird aus­ge­nutzt und damit ent­wer­tet und per­ver­tiert. Die Deut­schen sind ein gut­gläu­bi­ges Volk. Und dann schnappt die Fal­le zu. Die Deut­schen gehen an ihrer eige­nen Mild­tä­tig­keit und Gut­gläu­big­keit zuschanden.”

Und er wer­de ihnen kei­ne Trä­ne nach­wei­nen, erklär­te ein Hun­de­lieb­ha­ber aus Brau­nau am Inn, dem vie­le Almans damals zuju­bel­ten und noch heu­te sei­nen letz­ten Wunsch erfül­len wollen.

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Womög­lich ist aber die Zeit der Völ­ker, Natio­nen, Eth­ni­en, Kul­tu­ren und Reli­gio­nen sowie­so abge­lau­fen. Mögen sie auch im Ana­lo­gen noch wei­ter fort­wu­seln – die KI könn­te sie immer mehr in die Bedeu­tungs­lo­sig­keit zwin­gen und letzt­lich aus­lö­schen. Der Ein­zel­ne stün­de dann nicht mehr pri­mär im Ver­hält­nis zu irgend­ei­nem mensch­li­chen Kol­lek­tiv, son­dern fun­gier­te als eine Art Bio­chip im KI-gesteu­er­ten Rie­sen­or­ga­nis­mus Menschheit.

Der Fort­schritt sieht viel grö­ßer aus, als er ist, froz­zel­te Nes­troy. Es kann aller­dings auch sein, dass der Fort­schritt noch viel grö­ßer ist, als er aus­sieht. Das Tem­po der tech­ni­schen Ent­wick­lung ist jeden­falls so atem­be­rau­bend gewor­den, dass von der Welt, die ein heu­te gebo­re­nes Kind erblickt, nichts mehr übrig­ge­blie­ben sein wird, wenn es in mei­nem Alter ange­langt ist. Und so alt bin ich noch gar nicht.

Als ich gebo­ren wur­de, war gera­de der ers­te Mensch ins Welt­all geflo­gen. Ein Jahr vor mei­ner Geburt, also theo­re­tisch noch recht­zei­tig, kam in Deutsch­land die Anti­ba­by­pil­le auf den Markt. Im sel­ben Jahr ent­zif­fer­ten Niren­berg und Mat­thaei den ers­ten Buch­sta­ben des gene­ti­schen Codes. Die Mond­lan­dung habe ich als Kind im TV ver­folgt. Fern­se­hen war damals noch schwarz-weiß, die Gerä­te wogen so viel, dass nur kräf­ti­ge Män­ner sie tra­gen konn­ten, und der Bild­schirm war eine Art über­di­men­sio­nier­te Lupe, auf der die Fuß­ball­spie­ler in Nah­auf­nah­me die Grö­ße eines Salz­streu­ers erreich­ten. Als ich ein Teen­ager war, gab es zwar schon Farb­fern­se­hen, aber kein Inter­net, kei­ne sozia­len bzw. aso­zia­len Medi­en, kei­nen Lap­top, kei­nen Mobil­funk, kein Smart­phone. Wer wie ich kei­nen eige­nen Anschluss besaß, muss­te zum Tele­fo­nie­ren in die Tele­fon­zel­le gehen. Dort stand an der Wand die wun­der­ba­re Zei­le: Fas­se Dich kurz!

Was in mei­ner bis­he­ri­gen Lebens­span­ne an tech­ni­schen Neue­run­gen über die Welt kam, war eine Revo­lu­ti­on, die his­to­risch bei­spiel­los ist, zumal sie an Tem­po täg­lich noch zulegt. Es heißt, dass der Com­pu­ter, der Apol­lo 11 beim ers­ten Flug zum Mond steu­er­te, eine gerin­ge­re Spei­cher­ka­pa­zi­tät besaß als ein i‑Phone. 1996 kam das Klon­schaf „Dol­ly“ zur Welt, das ers­te geklon­te Säu­ge­tier. 1997 besieg­te der Com­pu­ter Deep Blue den Schach­welt­meis­ter Gar­ri Kas­pa­row. Das war eine koper­ni­ka­ni­sche Wen­de und eine ähn­li­che nar­ziss­ti­sche Krän­kung für die Men­schen­gat­tung wie die Ent­de­ckung des helio­zen­tri­schen Welt­bil­des. Das Geschöpf demü­tig­te den Schöpfer.

Im Jahr 2025 sol­len welt­weit ca. 150 Mil­li­ar­den mit­ein­an­der ver­netz­te Mess­sen­so­ren im Ein­satz sein. Die glo­bal erfass­te Daten­men­ge wird sich dann alle 24 Stun­den ver­vier­fa­chen. Allein im Jahr 2015, war auf Spectrum.de zu lesen, sei­en mehr Daten pro­du­ziert wor­den als in der gesam­ten Mensch­heits­ge­schich­te zuvor. Ich habe kei­ne Ahnung, wie man das misst – wie vie­le Daten pro­du­zie­ren Abori­gi­nes? –, aber es wird schon stim­men. Der vir­tu­el­le Raum wächst, der ana­lo­ge ver­liert an Bedeu­tung. Heu­te schaut jeder ins Hän­di, mor­gen wer­den die Leu­te Daten­bril­len tra­gen, über­mor­gen sub­ku­ta­ne Chips, über­über­mor­gen wird sich die Schnitt­stel­le zwi­schen Mensch und Netz im Gehirn befin­den. Die Ten­denz jeden­falls ist klar: Vom indi­schen Gott Shi­va berich­tet der Mythos, dass er tanzt und tanzt und sich dabei immer schnel­ler und schnel­ler dreht, bis schließ­lich die Erde zerfällt …

Mit der täg­lich stei­gen­den Infor­ma­ti­ons­flut kann die Ein­zel­see­le genau­so wenig anfan­gen wie mit den astro­no­mi­schen Ent­fer­nun­gen oder den Mil­li­ar­den Son­nen­mas­sen eines schwar­zen Lochs. Die ein­zi­ge Bot­schaft, die die­se mons­trö­sen Zah­len ver­mit­teln, lau­tet: Du bist klein, unwich­tig, unvoll­kom­men, ein sterb­li­ches Par­ti­kel­chen in rie­si­gen, unbe­greif­li­chen Struk­tu­ren, und dein Ein­fluss aufs Gesche­hen ten­diert gegen Null. Glau­be an Gott, wenn es dir hilft. Bis­lang konn­te sich der Mensch damit trös­ten, die kom­ple­xes­te Struk­tur des Uni­ver­sum unter sei­ner Schä­del­de­cke zu tra­gen – sogar das Gehirn von Kat­rin Göring-Eckardt ist kom­ple­xer als bei­spiels­wei­se der Jupi­ter, ist das nicht irre? –, allein der Mensch ist imstan­de, das Uni­ver­sum in der drit­ten Per­son zu den­ken (Gil­bert Ches­ter­ton hat es sogar geduzt), und nun führt ihm sein eige­nes Geschöpf, der Rech­ner, sei­ne Beschränkt­heit vor Augen, weil er spie­lend gewal­ti­ge Daten­men­gen ver­ar­bei­ten kann. Im vir­tu­el­len Raum ist der Mensch ein ähn­li­ches Staub­korn wie im Kos­mos. Die Mensch­heit starrt auf die Künst­li­che Intel­li­genz wie das Kanin­chen auf die Schlan­ge. Die über­wie­gen­de Mehr­heit wird bald kaum mehr als Daten­ma­te­ri­al sein, das mit Hil­fe von Algo­rith­men gesteu­ert wird. Die­se Ent­wick­lung läuft jedem Be-Den­ken so weit vor­aus, dass sie das Den­ken eines Tages buch­stäb­lich abge­hängt, ja been­det haben könn­te. „Jede neue Tech­nik befreit zuerst, dann ver­sklavt sie”, notier­te wei­se Nicolás Gómez Dávila, aber der alte Grant­ler aus Bogo­tá konn­te sich noch nicht aus­ma­len, wel­ches Aus­maß die tech­no­lo­gi­sche Skla­ve­rei anneh­men würde.

Ich habe hier schon mehr­fach auf die soge­nann­te „Smart City Char­ta” des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Umwelt, Natur­schutz, Bau und Reak­tor­si­cher­heit hin­ge­wie­sen, in wel­cher smar­te Visio­nä­re beschrei­ben, wie sie sich den „hyper­ver­netz­ten Pla­ne­ten” der Zukunft vor­stel­len, näm­lich eigen­tums­los, pri­vat­sphä­ren­frei und total­über­wacht, also prak­tisch Urkom­mu­nis­mus auf KI-Basis (Ver­gleich­ba­res las man vom „Welt­wirt­schafts­fo­rum”). Etwa: „Eine Gesell­schaft, in der kein Gebäu­de leer steht, son­dern die gan­ze Zeit opti­mal genutzt wird. Auch fah­ren kei­ne Autos mehr leer.” – „Künst­li­che Intel­li­genz ersetzt Wahl: Wir müs­sen uns nie ent­schei­den, einen bestimm­ten Bus oder Zug zu neh­men, son­dern bekom­men den schnells­ten Weg von A nach B.” – Dank der Infor­ma­ti­on über ver­füg­ba­re geteil­te Waren und Res­sour­cen macht es weni­ger Sinn, etwas zu besit­zen: Viel­leicht wird Pri­vat­ei­gen­tum in der Tat ein Luxus.

Es macht wenig Sinn, etwas zu besit­zen, vor allem erzeugt es sinn­lo­se Unter­schie­de. Pri­vat­ei­gen­tum wird ein Luxus für die Mit­glie­der der Inne­ren Par­tei, wie das immer war, wenn Ega­li­ta­ris­ten geherscht haben, und das Mil­lio­nen­heer der fröh­li­chen Robo­ter teilt sich alles brav, vom Auto über die Wasch­ma­schi­ne bis zum Bett. Zur Total­über­wa­chung gehört die Abschaf­fung des frei­en Zah­lungs­ver­kehrs: „Daten könn­ten Geld als Wäh­rung ergän­zen oder erset­zen.” Das hängt natür­lich unmit­tel­bar mit dem Wunsch nach Abschaf­fung des Pri­vat­ei­gen­tums zusam­men. Wer näm­lich dage­gen rebel­liert, kann leicht dis­zi­pli­niert wer­den, nach­dem erst ein­mal das neu­tra­le Bar­geld durch jeder­zeit nach­voll­zieh­ba­re Daten ersetzt wor­den ist; nicht ein­mal ein beleg­tes Bröt­chen an der Elek­tro­tan­ke bekommt der Gesell­schafts­feind dann mehr, bevor er nicht reu­ig ins Kol­lek­tiv zurück­ge­kehrt ist. Und dann der ent­schei­den­de Punkt:

Da wir genau wis­sen, was Leu­te tun und möchten, gibt es weni­ger Bedarf an Wah­len, Mehrheits­fin­dun­gen oder Abstim­mun­gen. Ver­hal­tensbezo­ge­ne Daten kön­nen Demo­kra­tie als das gesell­schaft­li­che Feed­back­sys­tem ersetzen.”

„Wir” wis­sen, was Leu­te tun und möch­ten, sogar schon, bevor sie es sel­ber wis­sen. Wah­len und Mehr­heits­fin­dun­gen wer­den über­flüs­sig. Die Mit­be­stim­mung wird end­lich abge­schafft; der Amei­sen­staat ist viel per­fek­ter als der soge­nann­te demo­kra­ti­sche Staat, er pro­du­ziert deut­lich weni­ger Rei­bungs­ver­lus­te und prak­tisch null Fehl­ver­hal­ten. Die KI pul­ve­ri­siert das Pri­vat­ei­gen­tum, die Pri­vat­sphä­re, die Pri­vat­au­to­no­mie und den Par­la­men­ta­ris­mus. Vor allem ist die­se her­bei­phan­ta­sier­te Zukunfts­welt kul­tur­los, geist­los, häss­lich, uni­form, lebens­un­wert, nie­der­bren­nens­wür­dig. Wenn ich mir aber die nach­wach­sen­den Klon­ar­meen in den Medi­en, NGOs, Stif­tun­gen und Polit­bü­ros anschaue, sehe ich schon ihr Per­so­nal vor mir.

Wir sind Zeu­gen des Auf­kom­mens eines in rasan­tem Tem­po mit der Maschi­ne ver­schmel­zen­den neu­en Men­schen­schlags – wobei ich mit der For­mu­lie­rung „Men­schen­schlag“ zurück­hal­tend wäre, viel­leicht han­delt es sich ja um einen Arten­sprung. Und auch an die­ser Stel­le wird die Ent­wick­lung nicht enden. Es sieht eher so aus, als ob die Evo­lu­ti­on gera­de den Über­gang von der Bio- in die Tech­no­sphä­re voll­zieht. Was das im spi­ri­tu­el­len und mora­li­schen Sin­ne bedeu­tet, ist gar nicht aus­zu­den­ken. Die Bio­sphä­re wird sich irgend­wann zur Wehr set­zen, wahr­schein­lich im Namen der Reli­gio­nen. Das tech­ni­sche Impe­ri­um wie­der­um wird zurück­schla­gen. Die ein­zi­ge schwa­che Hoff­nung besteht dar­in, dass es nie einer ein­zi­gen Zen­tral­macht gelingt, die KI zu kon­trol­lie­ren, son­dern dass sich kon­kur­rie­ren­de Sys­te­me ihrer bedie­nen und wenigs­tens der Wett­be­werb überlebt.

„Wer beim Begriff ‚Künst­li­che Intel­li­genz’ ledig­lich an heu­ti­ge Anwen­dun­gen wie z.B. digi­ta­le Assis­ten­ten (Siri, Ale­xa), digi­ta­le Ava­tare, Chat-Bots, Ana­ly­se-Tools, Über­set­zungs­pro­gram­me, ChatGPT, Deepf­ake, auto­no­me Fahr­zeu­ge, oder an huma­no­ide Robo­ter denkt, ohne zu erken­nen, dass die glo­ba­le Ver­net­zung von Men­schen und Com­pu­tern mit­tels Inter­net bereits selbst einen kom­ple­xen hybri­den Super­or­ga­nis­mus dar­stellt, der hat das Prin­zip der Evo­lu­ti­on nicht ver­stan­den”, schrieb mir ein Leser. „Die evol­vie­ren­den Sys­te­me wer­den immer umfas­sen­der, grö­ßer und kom­ple­xer. Die ein­zel­nen Men­schen und Com­pu­ter sind sozu­sa­gen die ‚Zel­len’ aus denen der hybri­de Super­or­ga­nis­mus auf­ge­baut ist. Nach dem Urknall bil­de­ten sich aus Ele­men­tar­teil­chen (Quarks) zuerst Kern­bau­stei­ne (Pro­to­nen und Neu­tro­nen) und anschlie­ßend Ato­me. Aus Ato­men bil­de­ten sich dann Mole­kü­le (zuerst anor­ga­ni­sche, danach orga­ni­sche). Aus orga­ni­schen Mole­kü­len bil­de­ten sich in meh­re­ren Schrit­ten über Ami­no­säu­ren und Pro­te­ine schluss­end­lich leben­de Zel­len (zuerst Pro­ka­ryo­ten, spä­ter Euka­ryo­ten). Aus Ein­zellern ent­stan­den dann viel­zel­li­ge Orga­nis­men wie Pflan­zen, Tie­re und Men­schen. Nun erfolgt gera­de der Schritt zum nächst grö­ße­ren kom­ple­xen dyna­mi­schen Sys­tem, näm­lich zu einem hybri­den Super­or­ga­nis­mus, bestehend aus Mil­li­ar­den von ver­netz­ten Men­schen und Maschi­nen. Danach wer­den die wei­te­ren Evo­lu­ti­ons­schrit­te wahr­schein­lich auf rein tech­no­lo­gi­scher Ebe­ne ablau­fen, weil die bio­lo­gi­sche Evo­lu­ti­on zu lang­sam ist, weil bio­lo­gi­sche Struk­tu­ren in ihrer Grö­ße beschränkt, nicht beson­ders kli­ma­re­sis­tent, vor allem nicht welt­raum­taug­lich und daher zur extra­ter­res­tri­schen Ver­brei­tung ein­fach nicht geeig­net sind.”

Natür­lich wird es Aus­stei­ger geben, die im Ana­lo­gen ver­har­ren. Natür­lich wer­den sie kei­ne Rol­le spie­len. Irgend­ei­ner von ihnen wird ein­mal im Krei­se der ver­netzt Vir­tu­el­len sagen: Wer nicht vor der KI-Macht­über­nah­me gelebt hat, kennt die Süße des Lebens nicht.

***

Der Unter­aus­schuss des Bun­des­ta­ges für aus­wär­ti­ge Kul­tur und Bil­dungs­po­li­tik (UAKBP) begibt sich Ende die­ser Woche auf eine Dele­ga­ti­ons­rei­se nach Mexi­ko und an die US-West­küs­te. In Los Ange­les steht ein Besuch des Tho­mas-Mann-Hau­ses und der Vil­la Auro­ra, dem ehe­ma­li­gen Wohn­haus von Lion Feucht­wan­ger, an. Vor­ges­tern infor­mier­te die Vor­sit­zen­de, Michel­le Mün­te­fe­ring, die Aus­schuss­mit­glie­der, dass der Besuch bei­der Häu­ser nicht mög­lich sei, weil sie sich wei­gern, ein AfD-Dele­ga­ti­ons­mit­glied – es geht um den Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Mat­thi­as Moos­dorf, ordent­li­ches Mit­glied im UAKBP – in ihren Räu­men zu empfangen. 

Moos­dorf hat als Cel­list in über sech­zig Län­dern gas­tiert, er war also recht eigent­lich ein Bot­schaf­ter der deut­schen Kul­tur im Aus­land. Auch im Tho­mas-Mann-Haus in Paci­fic Pali­sa­des hat er kon­zer­tiert. „Damals”, schreibt er in einer Erklä­rung, „wur­den wir von den Nach­fah­ren vie­ler Emi­gran­ten mit viel Auf­merk­sam­keit bedacht, zum Bei­spiel von Ronald Schön­berg, dem Enkel des Kom­po­nis­ten Arnold Schönberg.”

Trä­ger der bei­den Dich­ter­häu­ser sind der „Vil­la Auro­ra & Tho­mas Mann House e.V.“ mit Sitz in Ber­lin und die „Fri­ends of Vil­la Auro­ra Inc“ mit Sitz in Los Ange­les. Der e.V. wird durch Mit­tel des Aus­wär­ti­gen Amtes, von der Beauf­trag­ten der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur und Medi­en sowie durch Stif­tungs­gel­der finan­ziert. Im Novem­ber 2016 kauf­te die deut­sche Bun­des­re­gie­rung das Tho­mas-Mann-Haus für rund 13 Mil­lio­nen Dol­lar. Mit ande­ren Wor­ten: Zwei Kul­tur­stät­ten, die vom deut­schen Steu­er­zah­ler finan­ziert wer­den, besit­zen die Imper­ti­nenz, Abge­ord­ne­ten des deut­schen Par­la­ments aus Grün­den eines außer Rand und Band gera­te­nen Oppor­tu­nis­mus den Zutritt zu ver­wei­gern. Das ist, kali­for­ni­sches Haus­recht hin oder her, nicht nur eine Miss­ach­tung von Sou­ve­rän und Par­la­ment, son­dern auch ein Bruch von Arti­kel 3, Absatz 3 Grund­ge­setz: „Nie­mand darf wegen (…) sei­ner reli­giö­sen oder poli­ti­schen Anschau­un­gen benach­tei­ligt oder bevor­zugt wer­den”– und wird nicht ohne Nach­spiel bleiben.

Das­sel­be geschah bekannt­lich auf der Ber­li­na­le. Nicht nur, dass den Abge­ord­ne­ten der Schwe­fel­par­tei die Teil­nah­me ver­wei­gert wur­de – kein ein­zi­ger der dort aufre­ten­den Staats­mi­men ver­gaß, sich coram publi­co in devo­ter Beflis­sen­heit von der AfD zu distanzieren.

Freund *** erhielt fol­gen­de Aus­la­dung: „Guten Tag Herr ***, wir hat­ten Sie zum dies­jäh­ri­gen Ber­li­na­le-Emp­fang der nord­me­dia ein­ge­la­den. Vor dem Hin­ter­grund der bekannt­ge­wor­de­nen Gescheh­nis­se und dem aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Dis­kurs (sic!) haben wir die­se Ent­schei­dung inten­siv dis­ku­tiert und sind zu dem Schluss gekom­men, dass wir die Ein­la­dung nicht auf­recht­erhal­ten kön­nen. In der Prä­am­bel unse­rer Richt­li­nie spre­chen wir uns für die För­de­rung von Pro­jek­ten aus, ‚die das Bild einer frei­en, demo­kra­ti­schen, plu­ra­lis­ti­schen, diver­sen und welt­of­fe­nen Gesell­schaft zeich­nen’. Die­se Prä­mis­se prägt unse­re Arbeit und die För­der­ent­schei­dun­gen, die von unse­ren Gre­mi­en und Jurys getrof­fen wer­den. Wie sehen die Hal­tung Ihrer Par­tei mit die­sen unse­ren Wer­ten nicht vereinbar.

Der Ber­li­na­le-Emp­fang der nord­me­dia steht im Zei­chen eben jener geför­der­ten Pro­jek­te, die wir fei­ern und ange­mes­sen wür­di­gen wol­len. Wir bezwei­feln, dass Ihre Anwe­sen­heit die­sem Zweck zuträg­lich ist. Aus die­sem Grund tei­len wir Ihnen mit, dass die Ihnen bereits zuge­gan­ge­nen Ein­lass­ti­ckets ihre Gül­tig­keit ver­lie­ren. Bit­te sehen Sie von einer Teil­nah­me der Ver­an­stal­tung ab.
Ihr nordmedia-Team”

Wir bezwei­feln, dass Ihre Anwe­sen­heit die­sem Zweck zuträg­lich ist. Freund *** hat einen soge­nann­ten Migra­ti­ons­hin­ter­grund und spricht acht Spra­chen. Sooft ich in Ber­lin mit ihm Taxi fah­re, habe ich noch nie einen Chauf­feur erlebt, mit dem er sich nicht in sei­ner Her­kunfts­spra­che unter­hal­ten konnte.

Die Nazi­men­ta­li­tät auf Nazi­suche. Es ist zum Speien.

***

Wenn man eine Lüge nur oft genug und auf sämt­li­chen Kanä­len wie­der­holt, wird sie schließ­lich für wahr gehal­ten, lau­tet eine Grund­re­gel der Pro­pa­gan­da. Das öster­rei­chi­sche Maga­zin Pro­fil teilt mit:

Ich zitie­re: „Tat­säch­lich gibt es haupt­säch­lich zwei Geschlech­ter. Frau­en besit­zen in der Regel zwei X‑Chromosomen, Män­ner ein X und ein Y‑Chromosom. Doch es gibt vie­le Aus­nah­men: Inter­se­xu­el­le Men­schen tra­gen meist die Merk­ma­le bei­der Geschlech­ter in sich. Das soge­nann­te Kline­fel­ter-Syn­drom zum Bei­spiel ist eine der häu­figs­ten For­men von Inter­se­xua­li­tät – jedes fünf­hun­derts­te bis tau­sends­te männ­li­che Baby ist davon betrof­fen. Die­se besit­zen einen XXY-Chro­mo­so­men­satz, haben also ein X‑Chromosom zu viel. ‚Die meis­ten zei­gen nur gerin­ge oder kei­ne Sym­pto­me’, sagt der Human­ge­ne­ti­ker Hel­mut Schaschl von der Uni­ver­si­tät Wien. Man­che kön­nen aller­dings von ver­klei­ner­ten Hoden und Unfrucht­bar­keit betrof­fen sein. ”

Kein drit­tes Geschlecht, nirgends.

„Inter­se­xua­li­tät ist übri­gens nicht mit Trans­se­xua­li­tät zu ver­wech­seln. Trans­se­xu­el­le Men­schen sind ein­deu­tig in einem männ­li­chen oder weib­li­chen Kör­per gebo­ren, füh­len sich jedoch dem ande­ren Geschlecht zugehörig.”

Kein drit­tes Geschlecht, nir­gends. Viel­mehr ein Wech­sel von einem zum anderen.

„Ein Bei­spiel: Nor­ma­ler­wei­se beginnt die männ­li­che Ent­wick­lung damit, dass sich durch das Gen SRY aus den Geschlechts­an­la­gen die Hoden ent­wi­ckeln. Die­se schüt­ten Tes­to­ste­ron aus, das bewirkt, dass sich Samen­lei­ter, Pro­sta­ta und Penis for­men, wäh­rend sich die weib­li­chen Anla­gen zurück­bil­den. Bei der Andro­gen-Resis­tenz, einer wei­te­ren häu­fi­gen Form der Inter­se­xua­li­tät, feh­len dem Embryo die Andock­stel­len für Tes­to­ste­ron. Das Hor­mon bleibt also wir­kungs­los, wäh­rend nun das weib­li­che Hor­mon Öst­ra­di­ol, das auch männ­li­che Embry­os pro­du­zie­ren, über­wiegt. Die Fol­ge: Trotz des männ­li­chen XY-Chro­mo­so­men­sat­zes ent­wi­ckelt der Fötus Schei­de und Kli­to­ris. Doch auch das ist nicht sicher: Je nach­dem, ob die Andock­stel­len für Tes­to­ste­ron völ­lig oder nur teil­wei­se feh­len, kön­nen die Geschlechts­merk­ma­le sehr unter­schied­lich ausfallen.”

Auch die­se Per­so­nen ver­kör­pern kein drit­tes Geschlecht, son­dern Anoma­lien. Ein Zwit­ter, von denen das Tier­reich eini­ge kennt, besitzt männ­li­che und weib­li­che Sexu­al­merk­ma­le, aber nichts dar­über hin­aus. Ent­we­der Samen­zel­le oder Eizel­le; bei Zwit­tern bei­des in einem Orga­nis­mus, aber es gibt kein Drit­tes, allen­falls das Feh­len von Fort­pflan­zungs­zel­len, also eine Dys­funk­ti­on. Nie­mals ist eine drit­te Game­ten­form ent­deckt wor­den, bei­spiels­wei­se eine Kom­bi­na­ti­on aus Sper­mi­en und Eizellen.

Pri­mä­re Geschlechts­or­ga­ne sind dadurch defi­niert, dass sie unmit­tel­bar der Fort­pflan­zung die­nen: Vul­va, Vagi­na, Ute­rus, Ova­ri­en auf der einen, Penis, Samen­we­ge, Hoden auf der ande­ren Sei­te. Wenn man es ganz eng fasst, blei­ben als pri­mä­re Geschlechts­or­ga­ne nur Ova­ri­en und Hoden übrig.

„Wenn es mehr als zwei Geschlech­ter gibt, wie vie­le sind es dann? Dar­auf hat die Bio­lo­gie kei­ne exak­te Ant­wort. ‚Es gibt in der Tat eini­ge – wenn auch sehr sel­te­ne und meis­tens nicht ver­erb­ba­re – Chro­mo­so­men­an­oma­lien bei den Geschlechts­chro­mo­so­men’, sagt Human­ge­ne­ti­ker Schaschl. Neben den vie­len bekann­ten Syn­dro­men exis­tie­ren noch wei­te­re, sel­te­ne Vari­an­ten, etwa XYY, XXYY oder XXXY. Zudem gibt es Men­schen, deren Chro­mo­so­men­satz zwar männ­lich ist, die aber kaum Tes­to­ste­ron pro­du­zie­ren – und umge­kehrt Frau­en mit sehr hohen Testosteronwerten.”

Die gleich­wohl Frau­en blei­ben. Was ist eine Frau? Eine Frau ist eine Per­son, die Kin­der gebä­ren kann. Was ist ein Mann? Eine Per­son, die Kin­der zeu­gen kann. Eine Frau ist ein Wesen, das Eizel­len pro­du­ziert, ein Mann dage­gen pro­du­ziert Samen­zel­len. Umge­kehrt for­mu­liert: Ein Wesen, das Eizel­len pro­du­ziert, ist weib­lich, ein Wesen, das Samen­zel­len pro­du­ziert, männ­lich. Das ist alles. Um es noch etwas genau­er zu for­mu­lie­ren und blö­den Ein­wän­den zu ent­ge­hen: Eine Frau ist ein mensch­li­ches Wesen, das wäh­rend einer bestimm­ten Zeit sei­nes Lebens befrucht­ba­re Eizel­len bereit­stellt, ein Mann ist ein Wesen, das wäh­rend einer bestimm­ten Zeit sei­nes Lebens Samen­zel­len pro­du­ziert. Ein Mäd­chen ist eine Frau in sta­tu nas­cen­di, eine Grei­sin bleibt eben­so eine Frau wie eine weib­li­che Per­son, der die Gebär­mut­ter ent­fernt wur­de, weil sie Krebs hat­te. Auch ein kas­trier­ter Mann bleibt als ein männ­li­ches Wesen übrig.

Jemand, der sich für eine Frau hält, Perü­cke und Frau­en­klei­der trägt, sich Brüs­te bau­en, viel­leicht sogar den Penis ent­fer­nen lässt, wird damit nicht in die Lage ver­setzt, Eizel­len zu pro­du­zie­ren und Kin­der zu gebä­ren. Kein Mensch kann Hoden in Eier­stö­cke ver­wan­deln oder umge­kehrt. Es hat noch nie ein Mann ein Kind bekom­men und noch nie eine Frau ein Kind gezeugt. Es hat noch nie ein Mensch sein bio­lo­gi­sches Geschlecht gewech­selt. Es mag allen­falls geschlechts­lo­se Men­schen geben, die ohne pri­mä­re Geschlechts­or­ga­ne gebo­ren wur­den, aber die­ses Feh­len wäre das Feh­len von zwei optio­na­len Geschlechtern.

Fazit der Pro­fil-Redak­teu­rin: „Es gibt bio­lo­gisch gese­hen mehr als zwei Geschlech­ter. Inter­se­xua­li­tät ist eine Tat­sa­che, die sich medi­zi­nisch ein­wand­frei nach­wei­sen lässt. Die Aus­sa­ge von Neham­mer ist daher falsch.”

Ihr Bei­trag beweist genau das Gegenteil.

 

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