6. Mai 2022

„Der Haß ist eine Arz­nei gegen die Lan­ge­wei­le. Daher erscheint in beweg­ten Zei­ten die Zeit nicht lang.”
Cioran

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Immer wenn man denkt, das Zeit­al­ter der Auf­klä­rung lie­ge irgend­wo zwi­schen Königs­berg und Nean­der­tal hin­ter uns, kommt von anders­wo ein Licht­lein (Enligh­ten­ment!) her. Die SPD-Pres­se­stel­le Redak­ti­ons­netz­werk Deutsch­land (RND) informiert:

Und unge­impf­te AfD-Wäh­ler erst! Ich hof­fe, dass uns Fol­ge­um­fra­gen auch über Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten, Urlaubs­zie­le, bevor­zug­te Sexu­al­prak­ti­ken, Ritu­al­mord- und Brun­nen­ver­gif­tungs­ge­neigt­heit der Unge­impf­ten aufklären.

Lei­der gehen die Rot­fun­ker bei der Aus­wer­tung der anspruchs­vol­len empi­ri­schen Stu­die selbst einer Ver­schwö­rungs­theo­rie auf den Leim.

Bis­lang haben sogar die Aluhu­trä­ger ledig­lich behaup­tet, dass eine Gehirn­wä­sche die Imp­fung bewir­ke und nicht umgekehrt!

(Der im Gegen­satz zu mir anschei­nend uner­müd­li­che Alex­an­der Wal­l­asch hat ein­mal nach­ge­schaut, wer hin­ter der Stu­die steckt.)

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Als ein zwar vom Coro­na­vi­rus, Hee­res­grup­pe Del­ta, für drei Tage bei­na­he ins Bett nie­der­ge­streck­ter, aber doch eben unge­impf­ter Soli­dar­pakt­ver­wei­ge­rer und damit nolens volens cov­idio­ti­scher Schwur­b­ler lese ich sol­che inzwi­schen sogar von den Wahr­heits- und Qua­li­täts­me­di­en ver­brei­te­ten Mel­dun­gen mit einem gewis­sen grim­mi­gen Beha­gen (aber ohne Häme!).

Der ver­link­te ARD-Bei­trag ist jener.

Zu Wort kom­men eine immer­hin eins­ti­ge Halb­ma­ra­thon­läu­fe­rin, die seit der Imp­fung im Roll­stuhl sitzt, eine bis heu­te berufs­un­fä­hi­ge Ärz­tin, die nur anonym über ihre Herz­beu­tel­ent­zün­dung nach dem Pieks spricht, weil sie Angst vor kol­le­gia­ler Äch­tung hat (ich schla­ge vor, die Kom­bi­na­ti­on kol­le­gia­le Äch­tung als herz­al­ler­liebst deutsch ins Grimm­sche Wör­ter­buch auf­zu­neh­men), sodann der Autor der zitier­ten Cha­ri­té-Stu­die, ein Anwalt, der 210 Man­dan­ten mit schwe­ren Impf­schä­den ver­tritt („täg­lich wer­den es mehr”), sowie ein Haus­arzt der „aktu­ell über 150 Pati­en­ten” betreut, die durch die Imp­fung erkrankt sind.

PS: Leser *** fürch­tet, „dass die ARD selbst jetzt noch nicht von ihrem ‚die Wirk­sam­keit ist unbe­strit­ten’ her­un­ter kommt. Viel­leicht soll­ten wir der ARD hel­fen, die nun höher geschätz­ten Schä­den bes­ser ins Bewusst­sein der Men­schen zu brin­gen. 0,8% klingt doch immer noch recht nied­lich. Misst man jedoch mit der­sel­ben Elle, die seit zwei Jah­ren für die Was­ser­stands­mel­dun­gen aus Panik­hau­sen ver­wen­det wer­den, müss­te man von einer Inzi­denz von 800 reden. Wenn das nicht reicht, um die Impf­zen­tren zu lee­ren und die Anwalts­kanz­lei­en zu fül­len, ist mei­nen Lands­leu­ten wohl nicht mehr zu helfen.”

PS: Leser *** moniert, die Cha­ri­té selbst distan­zie­re sich inzwi­schen von der Stu­die des Cha­ri­té-Pro­fes­sors, sie sei „wis­sen­schaft­lich nicht halt­bar” (sogar die impf­skep­ti­sche Zeit schrei­be das); „Mel­dun­gen, die einen mit (grim­mi­gem) Beha­gen erfül­len, soll­te man beson­ders genau über­prü­fen, sonst lei­det u.U. die eige­ne Glaubwürdigkeit.”

Par­don, aber um Stu­di­en zu über­prü­fen, habe ich nicht die nöti­ge Man­power; ich kom­men­tie­re, was vor­liegt bzw. bei mir ein­tru­delt. Wenn sich die Zah­len als über­trie­ben, nicht hin­rei­chend belegt, ja unse­ri­ös her­aus­stel­len, heißt das ja, dass sie sich bes­tens in den Gesamt­kon­text Coro­na ein­fü­gen, in dem prak­tisch jede Zah­len­an­ga­be über­trie­ben, nicht hin­rei­chend belegt, ja unse­ri­ös ist. Wir wis­sen nicht ein­mal, wie vie­le Men­schen in Deutsch­land tat­säch­lich an die­sem Virus gestor­ben sind. Bei den Impf­ne­ben- und ‑lang­zeit­nach­wir­kun­gen genügt mir die Ten­denz. Offi­zi­ell gibt es kei­ne. Es gibt Zig­tau­sen­de. Ende der Durchsage.

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Zur Erin­ne­rung.

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Nun hängt alles an Putin!

(Falls Knecht Ruprecht Polenz, dem die unei­gent­li­che – im Volks­mund: iro­ni­sche – Rede nicht geläu­fig ist, das liest: Das hat unse­re Reichs­not­si­re­ne natür­lich nicht wirk­lich ver­kün­det. Aber klar, ein mil­de­rer Ver­lauf bleibt auch im Welt­kriegs­fal­le ein mil­de­rer Verlauf.)

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Über­all fal­len Pro­pa­gan­da­kar­ten­häu­ser in sich zusammen.

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Ver­schwö­rungs­theo­rie hin, Ver­schwö­rungs­pra­xis her: Ich kann mir nicht vor­stel­len, dass die­se Leu­te nicht geschmiert sind; irgend­et­was müs­sen sie doch davon haben.

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Höhe­punk­te der Willkommenskultur.

Die letz­te Schie­ße­rei die­ser Grö­ßen- oder Rang­ord­nung liegt in der schnu­cke­li­gen Ruhr­pott­me­tro­po­le nun schon 77 Jah­re zurück, hing aber eben­falls mit sieg­rei­chen Aus­län­dern zusam­men (9. US-Armee). Der Sati­ri­ker Her­bert Reul, der in NRW als Innen­mi­nis­ter auf­tritt – das ist der Scherz­keks, der einst augen­zwin­kernd sag­te, sei­ne Poli­zei­be­am­ten schütz­ten sich vor Mes­ser­ste­chern (und Ste­che­rin­nen) mit Schutz­wes­ten, und der Nor­mal­bür­ger müs­se sol­che bun­ten Zeit­ge­nos­sen ja nicht so nah an sich her­an­las­sen –, beru­higt die Ein­woh­ner bzw. Insas­sen der Stadt nun mit der Aus­kunft, dass die Gesamt­la­ge Duis­burgs trotz der sel­te­nen Schüs­se zuletzt immer bes­ser gewor­den sei.

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Womög­lich noch zum Vorigen.

Ich wüss­te ja zu gern, was das für „Kin­der bzw. Jugend­li­che” sind. Wie auch in die­sem Fall Ende März:

Han­delt es sich bei der For­mu­lie­rung „mit Wohn­sitz in Mün­chen” um eine soge­nannt salomonische?

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